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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Frau Imeyne war am anderen Ende der Diele und sprach mit der stämmigen Frau und einem bleich aussehenden Mann im Gewand eines Klerikers. Ihr Gesichtsausdruck ließ erkennen, daß sie sich über Pater Roche beklagte.

Kivrin nutzte das geräuschvolle Durcheinander, um Rosemund beiseitezunehmen und zu fragen, wer die Besucher waren. Der bleiche Geistliche war Sir Bloetes Kaplan, was sie schon vermutet hatte. Die Dame in dem leuchtendblauen Umhang war seine Stieftochter. Die dicke, stämmige Matrone mit der gestärkten Haube war Sir Bloets Schwägerin aus Dorset, die sich zu Besuch bei ihm aufgehalten hatte. Die beiden rothaarigen jungen Männer und die kichernden Mädchen waren allesamt ihre Kinder. Sir Bloet hatte keine Kinder.

Was natürlich der Grund dafür war, daß er eins heiratete, offenbar mit allgemeiner Billigung. Dem Fortbestand des Adelsgeschlechtes und seiner genealogischen Linie kam absolut vorrangige Bedeutung zu. Je jünger die Frau, desto günstiger die Aussicht, genug Nachkommen in die Welt zu setzen, daß wenigstens ein männlicher Erbe das Erwachsenenalter erreichte.

Die ältere Frau mit dem verkniffenen Mund und dem verblichenen roten Haar war, Schrecken aller Schrecken, Frau Yvolde, seine unverheiratete Schwester. Sie wohnte mit ihm in Courcy, und als Kivrin beobachtete, wie sie die arme Maisry anschrie, wie sie einen Korb hatte fallen lassen, sah sie einen Schlüsselbund an ihrem Gürtel. Das bedeutete, daß sie den Haushalt führte, oder es bis Ostern tun würde. Die arme Rosemund würde keine Chance haben.

»Wer sind all die anderen?« fragte Kivrin. Sie hoffte, daß sich unter ihnen wenigstens eine Verbündete für Rosemund finden würde.

»Bedienstete«, sagte Rosemund, als ob es offensichtlich wäre, und lief zurück zu den Mädchen.

Es gab mindestens zwanzig Bedienstete, die Pferdeknechte nicht mitgezählt, die im Stall mit der Unterbringung und Fütterung der Pferde beschäftigt waren, und niemand, nicht einmal die nervöse Eliwys, schien von ihrer Zahl überrascht. Kivrin hatte gelesen, daß die Haushalte von Landedelleuten über Dutzende von Bediensteten verfügten, diese Zahlen aber für übertrieben gehalten. Eliwys und Imeyne hatten kaum Dienstpersonal mitgebracht und die Leibeigenen des ganzen Dorfes zur Arbeit heranziehen müssen, um das Julfest vorzubereiten, und obwohl sie diesen minimalen Aufwand zum Teil dem Umstand zugeschrieben hatte, daß die Familie in Schwierigkeiten war und sich vielleicht hier verbergen mußte, hatte der Mangel an Dienstpersonal sie in ihrer Auffassung bestärkt, daß die in verschiedenen Quellen genannten Zahlen der Bediensteten ländlicher Herrensitze übertrieben gewesen sein mußten. Aber sie waren es offensichtlich nicht.

Bald durchschwärmten die Bediensteten Diele und Herdraum, um das Abendessen zu servieren. Kivrin hatte nicht gewußt, ob sie überhaupt zu Abend essen würden, weil Heiligabend ein Fasttag war, doch sobald der bleiche Kaplan das Vespergebet gelesen hatte, kam die Herde der Bediensteten herein, offenbar auf Frau Imeynes Befehl, und brachte Brot, gewässerten Wein und Stockfisch, der in Laugenwasser eingeweicht und dann gebraten worden war.

Agnes war so aufgeregt, daß sie keinen Bissen hinunterbrachte, und als die Mahlzeit beendet war, wollte sie nicht kommen und still am Feuer sitzen, sondern rannte in der Diele herum, läutete ihre Glocke und drangsalierte die Hunde.

Sir Bloets Diener und der Verwalter schleppten den Julblock herein und warfen ihn auf das Herdfeuer, daß die Funken in alle Richtungen flogen. Die Frauen wichen lachend zurück, und die Kinder kreischten vor Vergnügen. Als ältestes Kind des Hauses zündete Rosemund den Block mit einem Scheit an, der vom Julblock des vergangenen Jahres aufbewahrt worden war. Sie berührte mit dem flammenden Ende des Scheites die Spitze einer der gekrümmten Wurzeln. Es gab Gelächter und Applaus, als sie Feuer fing, und Agnes schwenkte wild ihren Arm, um die Glocke erklingen zu lassen.

Rosemund hatte zuvor gesagt, daß die Kinder zur Mitternachtsmette aufbleiben dürften, aber Kivrin hatte gehofft, sie würde wenigstens Agnes dazu bewegen können, sich auf die Bank neben sie zu legen und ein wenig zu schlafen. Statt dessen wurde Agnes im Laufe des Abends wilder und wilder, kreischte und läutete ihre Glocke, bis Kivrin sie ihr wegnehmen mußte.

Die Frauen saßen beim Herdfeuer und sprachen ruhig miteinander. Die Männer standen in kleinen Gruppen beisammen, die Arme vor der Brust verschränkt, und mehrere Male gingen sie mit Ausnahme des Kaplans alle hinaus und kamen lachend und den Schnee von den Füßen stampfend wieder herein. Ihre geröteten Gesichter und Imeynes mißbilligende Blicke machten deutlich, daß sie draußen im Brauhaus bei einem Faß Bier gewesen waren und ihr Fasten gebrochen hatten.

Als sie das dritte Mal hereinkamen, setzte sich Bloet ans Herdfeuer, streckte die Beine von sich und beobachtete die Mädchen. Die drei kichernden Besucherinnen und Rosemund spielten Blindekuh. Als Rosemund mit verbundenen Augen den Bänken nahe kam, streckte Bloet den Arm aus und zog sie auf seinen Schoß. Alle lachten.

Imeyne verbrachte den langen Abend im Gespräch mit dem Kaplan und zählte ihm ihre Beschwerden über Pater Roche auf. Er sei unwissend, er sei unbeholfen, er habe letzten Sonntag bei der Messe das Confiteor vor dem Adjutorum gesprochen. Und er kniete dort draußen in der eiskalten Kirche, dachte Kivrin, während der Kaplan sich die Hände am Feuer wärmte und mißbilligend den Kopf schüttelte.

Das hochlodernde Feuer des brennenden Julblocks sank in sich zusammen. Rosemund glitt von Bloets Schoß und lief zurück zum Spiel. Gawyn erzählte die Geschichte, wie er sechs Wölfe getötet habe, und beobachtete dabei Eliwys. Der Kaplan erzählte eine Geschichte von einer Sterbenden, die unwahr gebeichtet hatte. Als der Kaplan ihre Stirn mit dem geweihten Öl berührt habe, sei ihre Haut vor seinen Augen schwarz geworden und habe geraucht.

Während der Kaplan seine Geschichte erzählte, stand Gawyn auf, rieb sich die Hände über dem Feuer und ging hinüber zur Bettlerbank. Dort setzte er sich und zog seine Stiefel aus.

Nach einer kleinen Weile erhob sich Eliwys und ging hinüber zu ihm. Kivrin konnte nicht hören, was sie zu ihm sagte, aber Gawyn sprach lauter und deutlicher als sie.

»Das Gerichtsverfahren ist wieder verschoben worden«, hörte Kivrin ihn sagen. »Der Richter, der die Parteien anhören sollte, ist krank geworden.«

Sie hörte nicht, was Eliwys erwiderte, aber Gawyn nickte und sagte: »Es ist gute Nachricht. Der neue Richter ist aus Swindon und König Eduard weniger freundlich gesinnt«, aber sie machten beide keine Mienen, als ob es gute Nachricht wäre. Eliwys war beinahe so bleich wie bei Imeynes Eröffnung, sie habe Gawyn nach Courcy geschickt.

Eliwys drehte nervös an ihrem schweren Ehering. Gawyn setzte sich wieder, streifte die Binsen von seinen Füßen und zog den eben ausgezogenen Stiefel wieder an. Dann blickte er zu ihr auf und sagte etwas. Eliwys wandte den Kopf zur Seite, daß Kivrin ihren Gesichtsausdruck nicht sehen konnte, aber sie sah Gawyns.

Und alle anderen im Raum konnten ihn sehen, dachte Kivrin und ließ ihren Blick rasch in die Runde gehen, um zu sehen, ob das Paar beobachtet worden war. Imeyne war in ihr Gespräch mit dem Kaplan vertieft, aber Sir Bloets Schwester beobachtete die beiden mit zusammengepreßten Lippen, und von der anderen Seite des Feuers blickten auch Bloet und die anderen Männer herüber.

Kivrin hatte auf die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Gawyn gehofft, aber das ließ sich unter all diesen wachsamen Leuten offensichtlich nicht bewerkstelligen. Eine Glocke läutete, und Eliwys schrak zusammen und blickte zur Tür.

»Es ist des Teufels Grabgeläute«, sagte der Kaplan ruhig, und selbst die Kinder hielten in ihrem Spielen inne, um zu lauschen.

In manchen Dörfern hatten die Bewohner die Gewohnheit angenommen, ihre Kirchenglocke für jedes seit der Geburt Christi vergangene Jahr einmal zu läuten. In den meisten Dörfern wurde nur während der Stunde vor Mitternacht geläutet, und Kivrin bezweifelte, ob Roche oder der Kaplan weit genug zählen konnte, um die Jahre zu läuten, aber wie unter einem inneren Zwang zählte sie mit.

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