Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Du läutest deine Glocke, Agnes«, sagte Rosemund.
»Tue ich nicht«, widersprach Agnes. »Ich gehe nur.«
»Seht euch die Kirche an«, sagte Kivrin. »Ist sie nicht schön?«
Sie erstrahlte wie ein Leuchtfeuer am anderen Ende des Dorfangers, beleuchtet von innen und außen. Die farbigen Glasfenster warfen rubinrote und saphirblaue Lichter auf den Schnee, und auch um die Kirche brannten Lichter und erhellten den Friedhof bis zum Glockenturm. Pechfackeln. Sie nahm ihren teerigen Rauch wahr. Weitere Fackeln, schwankend bewegt, kamen über die stillen weißen Felder jenseits des Dorfes und vom Hügel hinter der Kirche. Wieder mußte Kivrin an Oxford am Heiligabend denken, an die für späte Käufer geöffneten Geschäfte und das gelbe Licht in den Fenstern des Brasenose College, wenn man über den Hof ging. Und an den Weihnachtsbaum im Balliol College mit seinen vielfarbigen Laserlichtern.
»Ich wollte, daß wir zum Julfest zu euch gekommen wären«, sagte Frau Imeyne zu Yvolde. »Dann hätten wir einen ordentlichen Priester für den Gottesdienst. Der Pfarrer, den wir hier haben, kann kaum das Paternoster aufsagen.«
Der Pfarrer, den sie hier hatten, hatte gerade stundenlang in einer eiskalten Kirche gekniet und gebetet, in Beinkleidern, deren Knie durchgewetzt waren, und nun läutete er seit einer Stunde eine schwere Glocke und mußte bald eine komplizierte Zeremonie vollziehen, die er auswendig lernen mußte, weil er nicht lesen konnte.
»Ich fürchte, es wird eine armselige Messe und eine armselige Predigt sein«, maulte Imeyne.
»Leider gibt es heutzutage viele, die Gott nicht lieben«, erwiderte Yvolde, »aber wir müssen zu Gott beten, daß Er die Welt in Ordnung bringen und die Menschen zur Tugend zurückführen möge.«
Kivrin bezweifelte, daß es die Antwort war, die Frau Imeyne hören wollte.
»Ich habe zum Bischof von Bath geschickt, daß er uns einen Kaplan sende«, sagte Imeyne, »aber er ist noch nicht gekommen.«
»Mein Bruder sagt, daß es in Bath viel Verdruß und Unannehmlichkeit gibt«, sagte Yvolde.
Sie kamen zum Friedhof, und Kivrin konnte die Gesichter der Gemeinde ausmachen, erhellt von den rauchigen Pechfackeln und den kleinen Öllampen, die einige der Frauen trugen. Die Gesichter, gerötet und von unten beleuchtet, sahen irgendwie finster und unheilvoll aus. Mr. Dunworthy würde denken, es sei ein zorniger Mob, dachte Kivrin, zusammengeströmt, um einen armen Märtyrer auf dem Schafott zu verbrennen. Aber es war die Beleuchtung. Im Fackelschein sah jeder wie ein Halsabschneider aus. Kein Wunder, daß die Elektrizität erfunden werden mußte.
Als sie durch den Friedhof gingen, erkannte Kivrin einige der Leute bei der Kirchentür: den Jungen mit der Skorbut, der vor ihr davongelaufen war, zwei von den jungen Mädchen, die beim Backen geholfen hatten, den Stallknecht Cob. Die Frau des Verwalters trug einen Umhang mit einem weißen Pelzkragen und trug eine eiserne Laterne mit vier winzigen Scheiben von echtem Glas. Sie redete lebhaft auf die Frau mit den Skrofulosenarben ein, die bei der Ausschmückung der Diele mit den Stechpalmenzweigen geholfen hatte. Alle redeten und stampften mit den Füßen und gingen umher, um sich warm zu halten, und ein schwarzbärtiger Mann krümmte sich so sehr vor Lachen, daß seine Fackel dem Kopftuch der Verwaltersfrau gefährlich nahe kam.
Die Kirchenbehörden hatten die Mitternachtsmetten wegen der vorausgehenden Trinkgelage und Ausschweifungen nach und nach abschaffen müssen, erinnerte sich Kivrin, und einige von diesen Gemeindemitgliedern machten den Eindruck, daß sie den Abend damit verbracht hatten, das Fastengebot weidlich zu übertreten. Der Verwalter sprach leibhaft mit einem rauhbeinig aussehenden Mann, den Rosemund als Maisrys Vater bezeichnete. Beide hatten Gesichter, die von der Kälte oder dem Fackelschein oder dem Alkohol oder allen dreien stark gerötet waren, aber sie schienen eher fröhlich als gefährlich. Der Verwalter unterstrich seine Rede in kurzen Abständen mit einem energischen Schulterklopfen, das Maisrys Vater jedesmal mit fröhlichem, unbändigem Lachen quittierte. Es vermittelte Kivrin den Eindruck, daß er viel klüger war, als sie angenommen hatte.
Die Frau des Verwalters zog ihren Mann am Ärmel, und er schüttelte sie ab, doch sobald Eliwys und Sir Bloet zur Friedhofspforte hereinkamen, traten er und Maisrys Vater prompt zurück, um den Weg zur Kirchentür freizugeben. Alle anderen taten es ihnen nach und verstummten, als das Gefolge durch den Friedhof und in die Kirche zog. Dann begannen sie wieder zu reden, aber ruhiger und weniger unbekümmert, als sie den Herrschaften in die Kirche folgten.
Sir Bloet schnallte sein Schwert ab und gab es einem Diener, und er und Eliwys knieten nieder, als sie das Kirchenschiff betraten. Kivrin und die Mädchen folgten. Als Agnes sich bekreuzigte, bimmelte ihre Glocke hell in die Stille. Kivrin überlegte, ob sie am Sarkophag von Imeynes Ehemann aus der Prozession treten und Agnes die Glocke abnehmen sollte, getraute sich aber nicht, Unordnung in den feierlichen Ablauf zu bringen. Zumal Imeyne mit Sir Bloets Schwester hinter ihnen waren.
Sie führte die Mädchen bis vor den Lettner. Sir Bloet war schwerfällig wieder aufgestanden. Eliwys blieb ein wenig länger auf den Knien, erhob sich dann und wurde von Sir Bloet zur Nordseite der Kirche geleitet, wo er sich leicht verbeugte und zurückging, um seinen Platz auf der Männerseite einzunehmen.
Kivrin kniete mit den Mädchen nieder. Diesmal bekreuzigte sich Agnes ohne allzuviel Lärm, doch als sie aufstand, trat sie auf ihren Rocksaum und fing sich mit einem Geklirr, das beinahe so laut war wie die Glocke, die draußen noch immer läutete. Kivrin empfing einen unmutsvollen Blick von Frau Imeyne.
Nun ging Kivrin mit den Mädchen auf die Frauenseite und nahm neben Eliwys Aufstellung. Imeyne kniete nieder, aber Frau Yvolde begnügte sich mit einer Verbeugung, bis ein Diener herbeieilte und ihr ein mit dunklem Samt bezogenes Kissen zum Niederknien vor die Füße legte. Ein zweiter Diener hatte Sir Bloet auf der Männerseite mit einem Polster versehen und half ihm, darauf niederzuknien. Sir Bloet schnaufte und klammerte sich an den Arm des Dieners, als er seine Leibesfülle darauf niederließ, und sein Gesicht lief rot an.
Nicht ohne Neid betrachtete Kivrin Frau Yvoldes Kniepolster. Erst jetzt verstand sie, welch ein Segen die harten hölzernen Gebetsstühle in St. Marys mit ihren kunststoffbezogenen Kniebänken waren. Die Steinplatten am Boden waren kalt wie Eisschollen. Kalt war es auch in der Kirche, trotz der zahlreichen Lichter; so kalt, daß ihnen der Atem in dichten Wolken vor den Gesichtern hing. Pater Roche hatte an den Wänden und vor der mit Stechpalmenzweigen geschmückten Statue der heiligen Katharina Öllampen aufgestellt, und in jedem der Fenster stand eine dünne, gelbliche Talgkerze, doch war die Wirkung wahrscheinlich nicht so, wie Pater Roche sie beabsichtigt hatte. Die Kerzenflammen ließen die farbigen Glasscheiben nur dunkler erscheinen, beinahe schwarz.
Weitere Talgkerzen standen in den silbernen Leuchtern auf dem mit Efeu und Stechpalmenzweigen bekränzten Altar. Der obere Abschluß des Lettners war in gleicher Weise geschmückt, und dort hatte Pater Roche Frau Imeynes Bienenwachskerzen zwischen die scharfen, glänzenden Stechpalmenblätter gesetzt. Die Art, wie er die Kirche ausgeschmückt hatte, sollte sogar Frau Imeyne erfreuen, dachte Kivrin. Sie warf ihr einen Seitenblick zu.
Imeyne hielt ihr Reliquiar zwischen den gefalteten Händen, aber statt in Andacht versunken zu sein, starrte sie mit mißbilligend zusammengepreßten Lippen zum oberen Abschluß des Lettners hinauf. Vermutlich hatte sie die Kerzen dort nicht haben wollen, aber es war der ideale Platz für sie. Sie erhellten das Kruzifix und die Darstellung des Jüngsten Gerichts und spendeten sowohl dem Chor als auch dem Kirchenschiff zusätzlich Licht. Sie ließen die ganze Kirche anheimelnder, vertrauter erscheinen, wie St. Mary am Heiligabend. Im vergangenen Jahr war sie mit Dunworthy zum ökumenischen Gottesdienst gegangen, nachdem sie eigentlich beabsichtigt hatte, die Christmette der Traditionalisten zu besuchen, um die Messe in lateinischer Sprache zu hören, aber der Priester war gebeten, im ökumenischen Gottesdienst die Predigt zu halten und hatte die Christmette auf vier Uhr nachmittags vorverlegt.