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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Drei Diener kamen mit Brennholz herein und legten nach. Nicht lange, und das Feuer loderte prasselnd auf und warf riesige, verzerrte Schatten auf die Wände. Agnes sprang auf und zeigte hin, und einer von Sir Bloetes Neffen machte mit seinen Händen ein Kaninchen.

Mr. Latimer hatte ihr erklärt, daß die mittelalterlichen Menschen in den Schatten, die der brennende Julblock warf, die Zukunft gelesen hatten. Was mochte die Zukunft für diese Menschen bereithalten? Der Hausherr vor einem Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang, und sie alle in Gefahr, ihrer Besitzungen verlustig zu gehen, wenn sie im Falle einer Verurteilung vom König eingezogen wurden. Vielleicht würden sie gezwungen sein, in Frankreich zu leben, oder von Sir Bloets Barmherzigkeit, und Zurücksetzungen und Demütigungen aller Art zu ertragen.

Oder der Hausherr würde noch heute nacht mit guten Nachrichten und einem Falken für Agnes zurückkehren, und sie alle würden glücklich leben bis ans Ende ihrer Tage. Bis auf Eliwys. Und Rosemund. Was sollte aus ihr werden?

Es ist bereits geschehen, dachte Kivrin. Das Urteil ist bereits gesprochen, und der Hausherr ist heimgekommen und hat das Verhältnis seiner Frau mit Gawyn aufgedeckt. Rosemund ist bereits Sir Bloet angetraut worden, und Agnes ist herangewachsen, hat geheiratet und ist im Kindbett gestorben, oder an Blutvergiftung, oder Cholera, oder Lungenentzündung.

Sie sind alle gestorben, dachte sie und brachte es nicht über sich, daran zu glauben. Sie sind alle seit mehr als siebenhundert Jahren tot.

»Schaut hin!« schrie Agnes. »Rosemund hat keinen Kopf!« Sie zeigte zu den verzerrten Schattenspielen, die das Feuer auf die Wände malte. Rosemunds Schatten, grotesk verlängert, endete bei den Schultern.

Einer der rothaarigen Jungen rannte hinüber zu Agnes. »Ich habe auch keinen Kopf!« sagte er und stellte sich auf die Zehenspitzen, um die Form des Schattens zu verändern.

»Du hast keinen Kopf, Rosemund«, rief Agnes fröhlich. »Du wirst sterben, bevor das Jahr um ist.«

»Sag nicht solche Dinge«, wies Eliwys sie zurecht. Alle merkten auf.

»Kivrin hat einen Kopf«, sagte Agnes. »Ich habe einen Kopf, aber die arme Rosemund hat keinen.«

Eliwys nahm Agnes bei beiden Armen. »Das sind nichts als törichte Spiele«, sagte sie. »Sag nicht solche Dinge.«

»Der Schatten…«,sagte Agnes, und es sah aus, als würde sie jeden Augenblick in Tränen ausbrechen.

»Setz dich zu Lady Katherine und sei still!« sagte Eliwys. Sie führte ihre Tochter zu Kivrin und stieß sie auf die Bank. »Du bist zu wild heute abend.«

Agnes hockte neben Kivrin auf der Bank und versuchte sich klar zu werden, ob sie weinen sollte oder nicht. Kivrin war mit ihrer Zählung der Glockenschläge durcheinander gekommen, und so zählte sie weiter, wo sie aufgehört hatte. Sechsundvierzig, siebenundvierzig…

»Ich will meine Glocke«, sagte Agnes und kletterte von der Bank.

»Nein, wir müssen still sitzen«, sagte Kivrin. Sie nahm Agnes auf den Schoß.

»Erzähl mir von Weihnachten.«

»Ich kann nicht, Agnes. Ich kann mich nicht erinnern.«

»Erinnerst du dich an nichts, was du mir erzählen kannst?«

Ich erinnere mich an alles, dachte Kivrin. Die Läden sind voll von Bändern aus Seide und Samt und Kunstfaser, rot und gold und blau, noch leuchtender als mein natürlich gefärbter Umhang, und überall ist Licht, hört man Musik. Die Glocken der Stadt, und Weihnachtslieder.

Sie dachte an das Glockenspiel im Carfax-Turm und die müden alten Tonbandaufnahmen der Weihnachtslieder in den Läden entlang der High Street. Diese Weihnachtslieder sind noch nicht einmal geschrieben, dachte Kivrin, und sie spürte eine plötzliche Aufwallung von Heimweh.

»Ich möchte meine Glocke läuten«, sagte Agnes und zappelte, um von Kivrins Schoß zu kommen. »Gib sie mir.« Sie streckte ihr das Handgelenk hin.

»Ich werde sie dir anbinden, wenn du dich ein wenig neben mir auf die Bank legst.«

Agnes machte wieder einen Schmollmund. »Muß ich schlafen?«

»Nein. Ich werde dir eine Geschichte erzählen«, sagte Kivrin. Sie band die Glocke von ihrem Handgelenk, wo sie sie verwahrt hatte. »Es war einmal…«, sagte sie und überlegte hastig, was für Geschichten die Zeitgenossen ihren Kindern erzählten. Geschichten von Wölfen und von Hexen, deren Haut schwarz wurde, wenn sie die letzte Ölung bekamen?

»Es war einmal ein Mädchen«, sagte sie und knüpfte das Band der Glocke um Agnes’ dickes kleines Handgelenk. Das Band franste bereits an den Rändern aus. Viele weitere Knoten und Schleifen würde es nicht vertragen. Sie beugte sich darüber. »Ein Mädchen, das lebte…«

»Ist dies das Mädchen?« fragte eine Frauenstimme.

Kivrin blickte auf. Es war Bloets Schwester Yvolde, begleitet von Imeyne. Sie musterte Kivrin mit mißbilligend verzogenem Mund, dann schüttelte sie den Kopf. »Nein, das ist nicht Ulurics Tochter«, sagte sie. »Das Mädchen war klein und dunkelhaarig.«

»Auch nicht de Ferrers Mündel?« fragte Imeyne.

»Das ist tot«, antwortete Yvolde. »Erinnert Ihr Euch nicht, wer Ihr seid?« fragte sie Kivrin.

»Nein, gnädige Frau«, sagte Kivrin. Zu spät fiel ihr ein, daß sie den Blick bescheiden niederzuschlagen hatte.

»Sie wurde auf den Kopf geschlagen«, erläuterte Agnes.

»Doch Ihr erinnert Euren Namen und könnt sprechen. Seid Ihr von guter Familie?«

»Ich erinnere mich meiner Familie nicht, gnädige Frau«, sagte sie bescheiden.

Die Frau rümpfte die Nase. »Nach ihrer Sprache kommt sie aus dem Westen. Hast du um Neuigkeiten nach Bath geschickt?«

Imeyne verneinte. »Meine Schwiegertochter möchte auf Guillaumes Ankunft warten. Du hast nichts aus Oxenford gehört?«

»Nein, aber es gibt dort viel Krankheit«, sagte Yvolde.

Rosemund kam zu ihnen. »Kennt Ihr Fräulein Katherines Familie, Frau Yvolde?« fragte sie.

Yvolde richtete ihren scharfen Blick auf sie. »Nein. Wo ist die Brosche, die mein Bruder dir gab?«

»Ich… sie ist an meinem Umhang«, stammelte Rosemund.

»Ehrst du seine Geschenke nicht genug, um sie zu tragen?«

»Geh und hol sie«, sagte Frau Imeyne. »Ich möchte diese Brosche betrachten.«

Rosemund reckte trotzig das Kinn, aber sie ging hinüber zum Durchgang, wo die Umhänge aufbewahrt wurden.

»Sie zeigt nach den Geschenken meines Bruders so wenig Verlangen wie nach seiner Gegenwart«, sagte Yvolde.

»Beim Abendessen hat sie kein einziges Mal zu ihm gesprochen.«

Rosemund kam mit ihrem grünen Umhang zurück. Die Brosche funkelte rot und golden im Feuerschein. Rosemund hielt sie Imeyne wortlos zur Inspektion hin. »Ich möchte sie auch sehen«, sagte Agnes, und Rosemund beugte sich, sie ihr zu zeigen.

Die Brosche bestand aus einem goldenen, mit Rubinen besetzten Ring und der Nadel in der Mitte. Sie hatte keinen Hacken; die Nadel mußte von oben durch den Stoff gesteckt werden. Die Außenseite des Rings trug eine Inschrift: Io suiicien lui dami amo.

»Was heißt das?« fragte Agnes und zeigte auf die eingegrabenen Buchstaben.

»Ich weiß es nicht«, sagte Rosemund in einem Ton, der klar zu verstehen gab, daß es ihr auch gleichgültig sei.

Yvolde biß die Kiefer zusammen, und Kivrin sagte hastig: »Es heißt ›Du bist hier anstelle des Freundes, den ich liebe‹, Agnes«, und dann erkannte sie mit einem flauen Gefühl im Magen, was sie getan hatte. Sie blickte zu Imeyne auf, doch schien diese nichts bemerkt zu haben.

»Solche Worte sollten auf deiner Brust sein, statt an einem Haken zu hängen«, sagte Imeyne. Sie zog die Brosche vom Umhang und steckte sie Rosemund ans Kleid.

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