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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Roche befühlte die Umgebung der Wunde, drückte vorsichtig auf die geschwollenen Stellen und erzählte dabei. »Und die Hirten fürchteten sich, denn sie wußten nicht, was dieses Licht war. Und Geräusche hörten sie, wie von Glocken, die im Himmel geläutet wurden. Aber sie sahen, daß es Gottes Engel war, der zu ihnen herabkam.«

Agnes hatte geschrien und meine Hände fortgestoßen, wenn ich versuchte, ihr Knie zu berühren, aber von Pater Roches großen Fingern ließ sie das rotgeschwollene Knie abtasten und drücken. Der Anfang eines roten Streifens war deutlich erkennbar. Roche befühlte ihn vorsichtig und hielt das Binsenlicht näher.

»Und es kamen aus einem fernen Land«, sagte er, ins Licht blinzelnd, »drei Könige, die Geschenke brachten.« Wieder berührte er den roten Streifen, dann faltete er die Hände, als wolle er beten, und ich dachte: Bete nicht, tu etwas.

Er ließ die Hände sinken und blickte zu mir her. »Ich fürchte, die Wunde ist vergiftet«, sagte er. »Ich werde einen Aufguß von Ysop machen, um das Gift herauszuziehen.« Er ging hinüber zur Herstelle, stocherte ein paar lauwarm aussehende Holzkohlen auf und schüttete Wasser aus einem hölzernen Eimer in einen eisernen Topf.

Der Eimer war schmutzig, der Topf war schmutzig, die Hände, mit denen er Agnes’ Wunde befühlt hatte, waren schmutzig, und als ich ihn den Topf auf das frisch entfachte Feuer stellen und ihn in einem schmierigen Beutel graben sah, bedauerte ich, daß ich gekommen war. Er war nicht besser als Imeyne. Ein Aufguß von Blättern und Samen würde eine Blutvergiftung so wenig heilen wie einer von Imeynes Umschlägen, und seine Gebete würden auch nicht helfen, selbst wenn er zu Gott sprach, als ob er wirklich da wäre.

Beinahe hätte ich ihn gefragt, ob das alles sei, was er tun könne, aber dann begriff ich noch rechtzeitig, daß ich Unmögliches erwartete. Wundinfektionen behandelte man mit Penicillin, T-Zellen-Verstärkung und antiseptischen Mitteln, aber von alledem hatte er nichts in seinem alten Leinwandbeutel.

Ich erinnere mich, wie Mr. Gilchrist in einer seiner Vorlesungen über mittelalterliche Medizin sprach. Danach gab es eine hochentwickelte Kräuterheilkunde, die sich jedoch in den Händen der Ärzte mit allerlei unsinnigen, abergläubischen und oftmals schädlichen Praktiken verband.

So wurden Kranke bei den verschiedensten Leiden zur Ader gelassen, mit Arsen und Quecksilber behandelt und bekamen unter anderem pulverisierte Kröten und Ziegenurin als Arznei. Aber was konnte man erwarten? Niemand wußte, was Krankheiten verursachte. Wie Pater Roche jetzt dastand und getrocknete Blüten und Blätter zwischen seinen schmutzigen Fingern zerkrümelte, tat er sein Bestes.

»Habt Ihr Wein?« fragte ich ihn. »Alten Wein?«

Das in der Gegend gebraute Dünnbier enthält kaum Alkohol, und der Wein ist sauer, aber er ist durchgegoren, und je länger er lagert, desto höher der Alkoholgehalt, und Alkohol wirkt antiseptisch.

»Ich erinnere mich, daß alter Wein, in eine Wunde gegossen, manchmal Infektionen hemmen kann«, sagte ich.

Er fragte mich nicht, was »Infektion« sei, oder wie ich mich daran erinnern konnte, wenn ich andererseits behauptete, das Gedächtnis verloren zu haben und mich an nichts anderes zu erinnern. Er ging sofort hinüber in die Sakristei und brachte einen kleinen irdenen Krug mit stark riechendem Wein, mit dem ich die Wunde auswusch und den Verbandstoff durchtränkte.

Ich verschloß den Krug mit einem Leinwandstopfen und nahm ihn mit nach Hause. Hier habe ich ihn unter dem Bett versteckt — sollte es sich nämlich um Meßwein handeln, würde Imeyne den Vorfall benutzen, um Pater Roche als Häretiker anzuklagen -, damit ich die Wunde weiter mit dem Wein behandeln kann. Bevor Agnes zu Bett ging, goß ich noch etwas vom Wein in die Wunde.

19

Es regnete bis zum Weihnachtsabend, ein harter, winterlich kalter Regen, der durch den Rauchabzug im Dach kam und im Feuer zischte.

Kivrin behandelte Agnes’ Knie bei jeder Gelegenheit mit Wein, und am Nachmittag des 23. Dezember sah es ein wenig besser aus. Es war noch geschwollen, aber der rote Streifen war verschwunden. Kivrin lief hinaus und über die Gemeindewiese zur Kirche, den Umhang über den Kopf, um es Pater Roche zu berichten, aber er war nicht da.

Weder Imeyne noch Eliwys hatten von Agnes’ Knieverletzung mehr als flüchtig Notiz genommen. Sie waren mit hektischen Vorbereitungen zum Empfang Sir Bloets und seiner Familie beschäftigt, säuberten den Dachboden, der als Schlafraum für die Frauen hergerichtet wurde, bestreuten die Binsen in der Diele mit den Blütenblättern von Rosen, buken eine erstaunliche Vielfalt von Gebäck, Pasteten und Kuchen, darunter eine groteske Schöpfung in der Form des Christuskindes in der Krippe mit geflochtenen Teigstreifen als Windeln.

Am Nachmittag kam Pater Roche zum Herrenhaus, durchnäßt und zitternd vor Kälte. Er war im kalten Regen hinausgegangen, um Efeu für die Dielenausschmückung zu holen. Imeyne war nicht da — sie war in der Küche, wo das Christkind gebacken wurde -, und Kivrin bat Pater Roche herein und ließ ihn seine Kleider am Feuer trocknen.

Sie rief Maisry, und als sie nicht kam, ging sie über den Hof hinaus zur Küche und holte ihm einen Krug mit warmem Bier. Als sie damit zurückkam, saß Maisry neben Pater Roche auf der Bank, hielt mit einer Hand ihr wirres, schmutziges Haar zurück, während Pater Roche ihr Ohr mit Gänsefett behandelte. Als sie Kivrin sah, schlug sie vor Schreck die Hand aufs Ohr und machte wahrscheinlich zunichte, was Pater Roches Behandlung an Gutem bewirkt hatte, und rannte hinaus.

»Agnes’ Knie ist besser«, sagte Kivrin zu ihm. »Die Anschwellung ist zurückgegangen, und es bildet sich eine neue Kruste.«

Er schien nicht überrascht, und Kivrin fragte sich, ob sie sich geirrt habe und es gar keine Blutvergiftung gewesen sei.

Im Laufe der Nacht ging der Regen in Schnee über. »Sie werden nicht kommen«, sagte Eliwys am nächsten Morgen. Sie schien erleichtert.

Kivrin mußte ihr zustimmen. Es hatte während der Nacht annähernd dreißig Zentimeter Neuschnee gegeben, und noch immer schneite es ununterbrochen. Selbst Imeyne schien sich damit abzufinden, daß der Besuch ausbleiben würde, obwohl sie mit den Vorbereitungen fortfuhr, Zinngeschirr vom Dachboden holte und von Maisry putzen ließ.

Um die Mittagszeit hörte der Schneefall plötzlich auf, und um zwei klarte der Himmel auf und Eliwys befahl allen, ihre guten Kleider anzulegen. Kivrin zog die Mädchen an, erstaunt über die feinen seidenen Hemden, die sie hatten. Agnes hatte einen dunkelroten Samtrock und ihre silberne Gürtelschnalle, und Rosemunds blattgrünes Kleid hatte lange Schlitzärmel und einen Ausschnitt, der die Stickerei auf ihrem gelben Hemd zeigte. Zu Kivrin hatte niemand gesagt, was sie tragen solle, aber nachdem sie den Mädchen die Zöpfe geöffnet und das Haar über die Schultern ausgekämmt hatte, sagte Agnes: »Du mußt deinen blauen Rock anziehen«, und holte ihre Sachen aus der Truhe am Fuß des Bettes. Neben den Festtagskleidern der Mädchen nahmen ihre Sachen sich weniger fehl am Platz aus, doch war das Gewebe ihres Rockes noch immer zu fein, die Farbe zu blau.

Sie wußte nicht, was sie mit ihrem Haar anfangen sollte. Unverheiratete Mädchen trugen das Haar bei festlichen Anlässen offen, nur durch ein Band oder eine Schmuckspange im Nacken zusammengehalten, aber ihr Haar war dafür zu kurz, und nur verheiratete Frauen bedeckten ihr Haar. Sie konnte es nicht einfach unbedeckt lassen; es sah zu schrecklich aus.

Anscheinend war Eliwys der gleichen Meinung. Als sie sah, wie Kivrin mit den Mädchen die Treppe herunterkam, biß sie sich auf die Unterlippe und schickte Maisry auf den Dachboden, um einen dünnen, beinahe durchsichtigen Schleier zu holen, den sie mit Kivrins Haarband so am Hinterkopf befestigte, daß das Haar vorn zu sehen blieb, die unregelmäßig abgeschnittenen Enden hinten aber verborgen waren.

Mit der Wetterbesserung nahm die allgemeine Nervosität wieder zu. Eliwys schrak zusammen, als Maisry von draußen hereinkam, dann ohrfeigte sie sie, weil Maisry Schmutz vom Hof hereingetragen hatte. Plötzlich fiel ihr ein Dutzend Dinge ein, die nicht vorbereitet waren, und hatte an allen etwas auszusetzen. Als Frau Imeyne zum zehnten Mal anfing: »Wenn wir nach Courcy gegangen wären…«, fuhr Eliwys sie mit ungewohnter Heftigkeit an.

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