Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
Der Morgen graute. Aufs neue ging am Horizont die unsichtbare Sonne auf. Das Ende der Nacht wurde durch ein fürchterliches Gewitter angezeigt, das zwölf Stunden ununterbrochen tobte. Die Natur der Venus feierte gleichsam ihr Erwachen aus einem zweihundertsiebzigstündigen Winterschlaf.
Die Sternfahrer bereiteten alles zum Start vor. Die für die erste Nacht vorgesehenen Arbeiten waren erledigt; sie hatten sogar noch mehr geschafft. Belopolski wollte nun zu den Bergen fliegen, den Bergsee suchen, auf den ihn die Venusianer aufmerksam gemacht hatten, und die restliche Zeit dort verbringen.
Am 4. August startete das Raumschiff von seinem alten Liegeplatz und hinterließ den Seebewohnern zur Erinnerung an den Besuch einen verbrannten Uferstreifen. Melnikow, der am Steuerpult saß, flog zum Abschied noch einmal über den See.
Tief bewegt spähten die Sternfahrer auf die spiegelglatte Wasserfläche hinab. Dort unten lag die seltsame, vom rosigen Licht rätselhafter „Bäume“ erhellte Welt, dort unten krochen „Schildkröten“ umher, die lebendig gewordenen Lauben glichen und die „Arbeitskräfte“ der Venus stellten.
Dort unten, im Innern des Steilufers, verbarg sich die riesige Höhle mit der unterirdischen Stadt aus Häusern ohne Dächer und mit leuchtenden Wänden. Drei von ihnen waren in dieser Stadt der Venusianer gewesen, ohne viel von ihr gesehen zu haben. Sinowi Serapionowitsch hatte dort den Tod gefunden.
Die mit Baumstämmen verschalten Wände des rosigen Tunnels waren das Letzte gewesen, was er sah, denn hier verlor er für immer das Bewußtsein.
Was mochten die Bewohner der Stadt im Augenblick tun?
Korzewski versicherte, sie schliefen. Für die Venusbewohner bedeute der Tag dasselbe wie für die Menschen die Nacht.
Drei irdische Wochen seien für die Venusianer ein Tag und eine Nacht. Ob sie wirklich schliefen?
Vielleicht könnte man sich gerade jetzt am leichtesten heimlich in ihre Stadt schleichen und darin umsehen?
Der See blieb zurück. Unter den Tragflächen des Raumschiffes strömte in der Tiefe der breite Fluß.
Nirgends waren Spuren von Leben zu entdecken. Man sah nichts als Pflanzen. Kein Wunder, daß die Menschen, die als erste die Venus besucht hatten, zu falschen Vermutungen gelangten. Auch die Besatzung der „SSSR-KS 3“ hätte dieser Täuschung erliegen können. Nichts wies darauf hin, daß der Planet bewohnt war.
Die Venus war ein Rätsel! Ein verschlossenes Buch, das erst die nachfolgenden Expeditionen würden lesen lernen.
Wissenschaftler sind zähe. Die Arbeit von Belopolskis Expedition ging dem Ende zu. Ihr Raumschiff würde bald zur Erde zurückkehren. Aber an seiner Statt werden andere zur Venus fliegen. Zwei-, drei-, viermal. Sooft wie nötig.
Der Mensch muß alles wissen!
Schnell fliegt das Schiff. Deutlich spiegelt sich in den Wassern des Flusses die geflügelte Zigarre mit dem langen, feurigen Schweif. Kilometer um Kilometer rast sie dahin. Vorwärts, immer vorwärts! Zu neuen Entdeckungen, zu neuen Gipfeln des Wissens!
Ohne Ende und schwer, aber herrlich ist der steile Aufstieg menschlichen Wissens!
1957
DAS ERBE DER PHAETONEN
Die metallene Röhre
Das Raumschiff flog den Bergen entgegen. Dort mußte sich, wenn Konstantin Jewgenjewitsch Belopolski die „Zeichnungen“ der Venusbewohner richtig gedeutet hatte, der See befinden, für den sich die Expedition interessieren sollte. Die Venusianer anders zu verstehen war unmöglich. Sie hatten wiederholt eindeutig auf diesen See hingewiesen und ihre Gäste nachdrücklich „eingeladen“, ihn aufzusuchen. Was mochte es dort geben? In wenigen Stunden würde es sich herausstellen.
Endlich tauchte die Gebirgskette auf. Ihre Gipfel waren von einer dichten Wolkendecke verhüllt.
Das Raumschiff stieg bis zur unteren Grenze der Wolken empor. Von hier, aus einer Hohe von anderthalb Kilometern, war der See leichter zu entdecken, wenn er wirklich existierte.
„Da ist er!“ sagte Belopolski.
Hoch in den Bergen dehnte sich ein riesiger See, ähnlich dem Goktscha[7]. Er war fast kreisrund und hatte einen Durchmesser von etwa acht Kilometern. Und ebenso wie dem Goktscha die Sanga entströmte auch diesem See ein Fluß.
Beim Näherkommen stellten die Astronauten fest, daß die Ufer günstige Landeplätze besaßen. Im Osten und Süden war der See von Wald umgeben, davor aber lagen große Lichtungen, die, so weit man von oben sehen konnte, mit genau solchem gelbbraunen Gras bewachsen waren, wie sie es am Wehr vorgefunden hatten.
„Das ist prächtig“, sagte Belopolski. „Auf dem Wasser möchte ich nämlich nicht gern niedergehen.“ Melnikow nickte. Zum zweitenmal mußte er das schwierige und gefährliche Manöver vollführen, das riesige Raumschiff auf festem Boden zu landen. Angespannt starrte er auf den Bildschirm, ohne dabei die zahlreichen Instrumente auf dem Steuerpult außer acht zu lassen.
„Dort drüben!“ Belopolski bezeichnete die Richtung. „Da, wo der See eine kleine Bucht bildet, siehst du? Meiner Meinung nach ist das ein günstiger Landeplatz.“ Die Geschwindigkeit verringerte sich, das Raumschiff näherte sich immer mehr dem Boden.
„Eins!“ sagte Belopolski.
„Die ›Pfoten‹!“ Eine Sekunde, noch eine, und sie waren gelandet.
Wie schon beim erstenmal lief alles mit automatischer Präzision ab.
„Was mag uns hier erwarten!“ sagte Melnikow nachdenklich.
In der Bucht war es ruhig, aber draußen auf dem See riß der Wind an den Wellenkämmen und zerfetzte sie zu weißem Gischt, der im Feldstecher deutlich zu erkennen war. Etwa dreihundert Meter von ihnen entfernt begann der Wald, der aus Bäumen bestand, wie sie sie noch nicht gesehen hatten; sie waren kleiner als die an den Stromschnellen. Ungefähr einen Kilometer hinter ihnen ragten die Berge steil auf. Das Gras am Ufer war dicht und halbmannshoch.
Der sturmgepeitschte See, über dem niedrig die Wolken hingen, machte einen wilden und unfreundlichen Eindruck.
„Da unten war es irgendwie gemütlicher“, bemerkte Knjasew.
Eine von Melnikow und Korzewski durchgeführte Erkundung ergab, daß der Boden unter dem dichten Gras trocken und fest war.
„Konstantin Wassiljewitsch“, sagte Belopolski, „setzen Sie das Flugzeug zusammen. Wir müssen die Gegend von oben näher untersuchen.“
„Auch einen Hangar sollten wir wieder bauen“, antwortete Saizew. „Es ist Tag, da wird es tüchtig gewittern.“ Und wie zur Bestätigung seiner Worte zog eine mächtige Gewitterwolke über dem See herauf. Dieser Landeplatz lag höher, näher den Wolken als der erste, und infolgedessen war auch das Gewitter hier heftiger als in der Ebene.
Auf das erste Gewitter folgte ein zweites, dann ein drittes und ein viertes.
Zwei Tage lang konnten die Astronauten das Raumschiff nicht verlassen. Es war, als gäben sich sämtliche Gewitterfronten der Venus ein Stelldichein.
Endlich, am 6. August, klarte der Himmel etwas auf.
Belopolski entschloß sich, den Wald in Augenschein zu nehmen. An der Exkursion nahmen Korzewski und Wtorow teil.
Die Vermutung des Biologen, daß die Venusianer am Tage schliefen, war zwar offenbar richtig; dennoch wurde beschlossen, den größten Geländewagen zu benutzen. Nur der anscheinend dichte Wald stimmte die Männer bedenklich, da sie nicht wußten, ob es dort Schneisen gab und ob das große Fahrzeug überhaupt würde eindringen können.
Das Raupenfahrzeug wurde auf das Ufer hinabgelassen, und die drei Astronauten nahmen, gut ausgerüstet, darin Platz. Die sieben im Schiff Zurückbleibenden versammelten sich im Funkraum vor dem Bildschirm.
7
Goktscha oder Sewan-See, in der Armenischen SSR, etwa 2000 m über dem Meeresspiegel