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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Lebendig und, wie es schien, unversehrt stand vor ihnen ihr Kamerad Romanow. Er trug auf den Armen einen regungslosen menschlichen Körper, dessen Kopf herabhing. Entsetzt erkannten die Männer in ihm Professor Balandin.

Der Geologe warf einen Blick auf die Geräte. Auf den Schrei seiner Freunde, den er in der Schleuse hätte hören müssen, reagierte er nicht.

Toporkow sah ihn genau an. „Er hat gar keinen Sprechfunk mehr bei sich“, sagte er. „Und durch den Helm hindurch hört er uns nicht.“ Alle drei kehrten also zurück — es war nicht zu fassen!

Wie hatten sie das geschafft? In einer Viertelstunde würde man alles wissen.

Sie sahen, wie der Geologe Balandin behutsam auf den Fußboden legte, wie er den Gasschutzanzug auszog und dann auch den Professor von diesem Kleidungsstück befreite.

Also lebte der Professor! Einem Toten würde keiner den Anzug ausziehen.

„Wassili Wassiljewitsch“, rief Melnikow leise.

Der Geologe zuckte zusammen und wandte sich der Stimme zu. In der Schleuse befand sich kein Bildschirm, so daß er nicht sehen konnte, wer mit ihm sprach.

„Ich höre“, sagte er.

„Wassili, mein Lieber! Wir sind ja so froh! Was ist mit Sinowi Serapionowitsch? Warum ist Konstantin Jewgenjewitsch nicht in die Luftschleuse gestiegen?“

„Er wartet bei den Venusianern. Sie kommen uns besuchen.

Um Sinowi Serapionowitsch steht es sehr schlecht. Stepan Arkadjewitsch soll sich bereithalten, er muß ihn behandeln.“ Romanow sprach empörend ruhig, als ob sie von einem kurzen Ausflug zurückkämen und nichts Besonderes erlebt hätten.

„Geduldet euch noch ein bißchen“, setzte er hinzu, „wir werden euch alles erzählen. Konstantin Jewgenjewitsch hat angeordnet, daß Sie auf keinen Fall Scheinwerfer einschalten.“

„Die haben wir bis jetzt einfach vergessen“, antwortete nikow.

„Sehr gut. Die Augen der Venusianer vertragen das Licht nicht. Bringt eine Trage zur Schleuse. In zehn Minuten kommen wir heraus. Ach ja, noch etwas — schließt hermetisch alle Türen, im Korridor, der von der Schleuse zur Steuerzentrale führt, sowie in der Zentrale selbst und im Observatorium! Aber vorher muß Sinowi Serapionowitsch in die Ambulanz. Und überall das Licht dämpfen!“

„Wozu das?“

„Ich habe doch gesagt, daß uns Venusianer besuchen. Wir müssen die Venusluft ins Schiff hereinlassen. Sonst können unsere Gäste nicht atmen.“

„Wie seid ihr denn bloß am Leben geblieben?“

„Davon später.“ Die Besatzung mußte ihre Ungeduld zügeln. Der Geologe war Belopolskis würdig. Er dachte nicht daran, ihre Neugier zu befriedigen.

Sieben Mann gingen zur Luftschleuse. Melnikow blieb am Steuerpult, um den Befehl des Expeditionsleiters auszuführen.

In einen Teil der Schiffsräume die Venusluft einströmen zu lassen, war ungefährlich. Vorher mußten bloß alle die Gasschutzanzüge anziehen. Sobald die Venusianer das Schiff wieder verlassen haben würden, konnte die Luft schnell von Formaldehyd und Kohlensäuregas gereinigt werden. Die Filtrierapparaturen waren stark genug.

Während Melnikow prüfend beobachtete, was an Bord und vor der Luftschleuse geschah, verweilte sein Blick immer wieder auf der breitschultrigen Gestalt Konstantin Jewgenjewitschs, der gelassen und scheinbar ganz ruhig neben dem Geländewagen auf und ab ging. In seiner Nähe befanden sich, im Dunkel kaum zu erkennen, zwei kleine Venusianer.

Wer hätte noch vor kurzem gedacht, daß Menschen und Venusbewohner so schnell freundschaftlich miteinander verkehren würden? Noch vor wenigen Stunden hätte jeder das für unmöglich gehalten.

Melnikow sah auf dem Bildschirm, wie sich die Tür der Luftschleuse öffnete und Wtorow und Knjasew den scheinbar leblosen Balandin behutsam auf die Trage legten. Von Andrejew und Korzewski begleitet, trugen sie den Professor in den Sanitatsraum. Paitschadse, Toporkow und Saizew umarmten stürmisch den jungen Geologen.

Bald darauf schloß auch Melnikow den wie durch ein Wunder Geretteten in die Arme.

„Wir müssen uns beeilen!“ sagte Romanow. „Konstantin jewgenjewitsch hat fast gar keinen Sauerstoff mehr bei sich.“ Unwillkürlich warf Melnikow einen Blick auf den Bildschirm.

Belopolski lustwandelte nach wie vor gemächlich um den Gelandewagen herum und verriet durch nichts, daß sein Leben am seidenen Faden hing. Aber natürlich wußte er es.

„Was soll ich tun? Schnell, sagen Sie es!“

„Die beiden Türen der Luftschleuse öffnen.“ Warum kam Belopolski nicht ins Schiff? Konnte er die Gäste nicht einen Augenblick allein lassen? Die Energie dieses Mannes kannte keine Grenzen!

Melnikow handelte schnell. Binnen einer Minute waren alle Luken und Türen geschlossen. Balandin lag bereits im Operationssaal. Melnikow machte Andrejew darauf aufmerksam, daß er und Korzewski mit dem Verunglückten während des Venusianerbesuchs von den übrigen Räumen abgeschnitten sein würden. Die Angst um den Kommandanten, der sich in Lebensgefahr befand, ließ Melnikow alles andere vergessen; er erkundigte sich bei dem Arzt nicht einmal nach Balandins Zustand. Übrigens konnte Andrejew ohnehin noch nichts sagen.

„Die Gasschutzanzüge anziehen!“ befahl Melnikow den übrigen Besatzungsmitgliedern.

Keine fünf Minuten vergingen, und schon standen alle bereit.

Melnikow tippte auf die entsprechenden Knöpfe.

Die Konstrukteure von „SSSR-KS j“ hatten alles getan, um das Schiff vor dem Eindringen der Luft eines anderen Planeten zu schützen. Sie hatten das als eine ihrer wichtigsten Aufgaben betrachtet.

Eine vollkommene Automatik, eingebaute Filter, eine wechselseitige Blockierung der Türen und Fenster des Observatoriums sowie thermische Schalter an den Türknöpfen — all das diente dem einen Zweck. Aus Versehen die beiden Türen der Luftschleuse zu öffnen war völlig unmöglich. Damit es dazu kam, mußte man nacheinander sechzehn Knöpfe betätigen.

Melnikow zwang sich, den unwillkürlich aufflammenden Widerstand gegen das sonst Verbotene zu überwinden. Der Befehl des Kommandanten mußte ausgeführt werden.

Das kleine Lämpchen, das an der sichtbarsten Stelle des Steuerpultes angebracht war und seit dem Start auf der Erde ununterbrochen geleuchtet hatte, erlosch. Sein grünes Licht wurde durch das unheilvolle Rot des Katastrophensignals gelöst. Die Zeiger auf den automatischen Geräten sanken auf Null. Das Schiff hatte seinen Schutz verloren.

Melnikow drückte auf die letzten Knöpfe. Auf vier Raumfahrten war es ihm in Fleisch und Blut übergegangen, daß man dies nie tun dürfe. Unwillkürlich zuckte seine Hand zurück.

Es kostete ihn Anstrengung, die leicht federnden Knöpfe niederzudrücken.

Belopolski wartete geduldig. Er wußte, daß Melnikow ohne Verzug handeln würde. Doch das Atmen fiel ihm immer schwerer. Der Sauerstoff in seinem Tragebehälter ging zur Neige Die Ballons im Geländewagen waren bereits leer. Buchstäblich im letzten Augenblick hatten die Männer das Schiff wieder erreicht.

Vielleicht hätte er sogleich mit Romanow zusammen die Luftschleuse betreten sollen? Aber wie hätten die Venusianer das aufgefaßt? Belopolski maß ihrem bevorstehenden Besuch ungeheure Bedeutung bei. Daher hatte er auch, ohne zu zögern, angeordnet, die Venusluft in die Schiffsräume einzulassen.

Die beiden Venusianer standen neben dem Geländewagen.

Die Reptile, die ihn getragen hatten, waren verschwunden. Die sichtige Dunkelheit und die nun fast schwarzen Umrisse des nahen Waldes sah Belopolski zum erstenmal. Daß die Dämmerung schon vorüber und inzwischen die Nacht angebrochen war, wußte er als Astronom. Er wunderte sich auch nicht über die eigentümliche Helligkeit — genauso hatte er sich die Venusnacht vorgestellt.

Da öffneten sich mit vertrautem Geräusch die Türen der Luftschleuse. Drei Mann sprangen heraus und liefen auf ihn zu.

Erleichtert erblickte Belopolski in ihren Händen eine Sauerstoffflasche.

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