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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Die Gegend schien völlig unbewohnt zu sein, doch die Erfahrung lehrte, dem ersten Eindruck nicht zu trauen.

Das hohe gelbbraune Gras neigte sich unter dem Druck der Raupenketten. Hinter dem Fahrzeug richtete es sich jedoch gleich wieder auf, und nichts verriet, daß gerade ein Geländewagen von zweiunddreißig Tonnen darübergefahren war.

„Wieder ein Rätsel, wieder eine unbekannte Eigenschaft!“ sagte Korzewski. „Wie reich an Überraschungen doch die Natur der Venus ist.“ Die Bäume des Waldes waren bedeutend kleiner als diejenigen in der Ebene, und ihre Rinde war rauher. Aber die Stämme verwuchsen auch hier miteinander, bildeten regelrechte Bogengänge. Doch während im Tiefland kein Geländewagen in das Dickicht einzudringen vermochte, war das hier oben ziemlich leicht. Die Bäume standen nicht sehr dicht. Zwischen ihnen lagen überall Haufen gestürzter Stämme, wuchsen junge Schößlinge. Alles war von üppigem Gras überwuchert, genau solchem wie am Seeufer.

Langsam und vorsichtig drang der Geländewagen in den Wald ein; was ihm in den Weg kam, walzte er nieder, preßte es an den Boden und zerbrach es. Belopolski war bemüht, einen geraden Kurs zu halten. Das fiel nicht schwer, da die Zwischenräume zwischen den Baumstammen etwa fünfmal die Länge des Wagens betrugen.

Sie waren schon zweihundert Meter vom Ufer entfernt. Plötzlich blitzte vor ihnen etwas auf. Noch einmal! Ein Irrtum war ausgeschlossen — dieser charakteristische Glanz war ihnen zu gut bekannt.

Der Strahl des Scheinwerfers glitt über eine glatte, metallene Oberfläche.

Noch ein paar Meter, und eine halbrunde Wand versperrte ihnen den Weg. Eine riesige Röhre erstreckte sich nach beiden Seiten tief in den Wald.

Belopolski bremste.

Die drei im Geländewagen und die sieben vor dem Bildschirm im Funkraum trauten ihren Augen nicht. Die Venusianer konnten über keine metallurgische Industrie verfügen. Alles, was man von ihnen wußte, sprach dagegen. War dieses unwahrscheinliche Bild etwa nur ein Traum?

Die Röhre, deren Durchmesser annähernd vier Meter betrug, bestand aus einem unbekannten gelbgrauen Metall von mattem Glanz. Es schien noch ganz neu zu sein, denn es wies keinerlei Rostspuren auf.

Hatten sich die Zeichnungen der Venusianer auf dieses Gebilde bezogen? Hatten sie die Menschen hierher, zu dieser merkwürdigen Röhre eingeladen?

Was mochte sie darstellen?

Als die Astronauten das hölzerne Lineal in der Bucht der Koralleninsel gefunden hatten, war ihr erster Gedanke gewesen, ein Raumschiff habe der Venus einen Besuch abgestattet. Doch das Rätsel des Lineals hatte eine andere, einfachere und natürlichere Erklärung gefunden, und die erste Version war wieder fallengelassen worden.

Dann hatte Belopolski an der steinernen Schale der Venusianer Verzierungen entdeckt, die aus Körpern eines einfachen kubischen Systems bestanden und jenen im Talkessel der Arsena glichen. Und wieder tauchte der Gedanke an ein Raumschiff auf.

Und nun lag hier im Wald am Bergsee …

„Wir sind ganz an der Röhre entlanggefahren“, faßte Konstantin Jewgenjewitsch die Ergebnisse der Exkursion zusammen, „und haben uns davon überzeugt, daß sie die Form eines geschlossenen Ringes hat. Obgleich das Metall auf den ersten Blick ganz neu scheint, liegt die Ringröhre schon sehr lange hier.

Das beweisen mit aller Deutlichkeit die darüber zusammengewachsenen Bäume. Viele sind auch unter der Röhre hervorund dann um ihre Oberfläche herumgewachsen. Es läßt sich mit Sicherheit sagen, daß der ganze Wald erst nach dem Erscheinen dieser Röhre gewachsen ist. Stanislaw Kasimirowitsch meint, der Wald existiere schon tausend Jahre. Angenommen, die Venusianer hätten die Ringröhre gebaut, so würde das bedeuten, daß sie bereits vor tausend Jahren eine hochentwickelte Technik besaßen. Wäre dem wirklich so, müßte sich die Technik aber weiterentwickelt und heute einen ungeahnten Stand erreicht haben. Das ist nicht der Fall. Ergo ist die Röhre nicht von Venusianern gebaut worden. Von wem dann? Erinnern wir uns an die Steinschalen und an die Figuren auf der Arsena, die in irgendeinem Zusammenhang mit ihnen stehen. Es kann keinen Zweifel geben. Wir haben die Überreste eines Raumschiffes entdeckt, das vor undenklichen Zeiten auf der Venus gelandet ist.“

„Aber warum …?“ begann Toporkow.

„Sie haben recht, Igor Dmitrijewitsch! Es tauchen eine Reihe von Fragen auf. Warum ist das Raumschiff auf der Venus geblieben? Was ist aus seiner Besatzung geworden? Und vor allem: Woher kam es und wann?“

„Wenn aber die Röhre oder, wenn Sie wollen, das Raumschiff hier schon so lange liegt, warum sind dann keine Altersspuren daran zu sehen?’’ fragte Wtorow.

„Auch das ist noch ein Rätsel. Wahrscheinlich, weil das Raum-, schiff aus einem auf der Erde unbekannten, besonderen Metall besteht.“

„Wir müssen ins Innere eindringen“, sagte Melnikow.

„Wir haben nichts gefunden, was wie eine Tür aussah. Die Oberfläche der Röhre war überall glatt. Wir müßten allerdings noch die Innenseite des Ringes untersuchen. Damit möchte ich dich beauftragen“, fügte Belopolski hinzu.

„Wird gemacht“, antwortete Melnikow erfreut. „Wtorow und Knjasew werden mit mir fahren.“

„Sehr gut. Ich wollte sie gerade selbst vorschlagen.“

„Wann soll es losgehen?“

„Je eher, desto besser.“ Wie schon so oft wurde der Aufbruch durch ein Gewitter verzögert.

Doch die Astronauten waren schon so daran gewöhnt, daß sie sich nicht aus der Ruhe bringen ließen.

„Los geht’s!“ sagte Melnikow, sobald Toporkows Barometer wieder günstigeres Wetter anzeigte.

Knjasew steuerte, und Wtorow wies ihm die Richtung; bald hatte der Geländewagen die rätselhafte Röhre oder vielmehr das von einem unbekannten Planeten gekommene Raumschiff erreicht. Alle waren bereits überzeugt, daß es sich um ein solches handelte.

Mit einer Ausziehleiter versehen, verließen Melnikow und Wtorow den Wagen durch die Luftschleuse. Knjasew sollte im Fahrzeug auf sie warten. Sobald sich eine Gewitterfront näherte, sollte er ein Signal geben, so daß die beiden Kundschafter rechtzeitig zurückkehren konnten, bevor der Regen einsetzte.

Sich mit den Beinen im hohen Gras verheddernd, stellte Wtorow die Leiter an, und beide erklommen die Röhre.

Das Licht der aufwärts gerichteten Scheinwerfer spendete, vom Laub reflektiert, genügend Helligkeit. Auf der anderen Seite setzte sich der Wald fort. Von oben war deutlich zu sehen, daß sich die Röhre nach beiden Richtungen allmählich krümmte.

Der Durchmesser des Ringes betrug mindestens zweihundert Meter.

Wtorow entdeckte als erster einen zweiten Ring. Er lag fünf bis sechs Meter vom ersten entfernt und war genauso dick. Vielleicht gab es tiefer im Wald noch weitere Ringe. Das Raumschiff hatte offensichtlich eine ganz ungewöhnliche Form.

„Die Ringe müssen miteinander verbunden sein“, sagte Melnikow.

Vorsichtig gingen sie auf der glatten, schlüpfrigen Röhre vorwärts. Zwischen den Bäumen lavierend, folgte ihnen Knjasew mit dem Geländewagen, bemüht, sich nicht zu weit zu entfernen.

Die gesuchte Verbindung war bald entdeckt. Dem Aussehen nach schlanke Röhren aus demselben Metall, in Form eines Rhombus angeordnet, verbanden die beiden Ringe. Durch den Rhombus hindurch war ein riesiger Baum mit einem Stammumfang von drei Metern gewachsen. Das bewies aufs neue, wie lange die ungewöhnliche Konstruktion hier schon lag.

Etwa dreißig Schritt entfernt erblickten sie einen zweiten Rhombus. Und auch durch ihn ragte ein Baum auf. Im Laufe seines Wachstums hatte er das Metall beiseite gedrückt und den Rhombus verbogen.

„Solche Baumriesen sind Hunderte von Jahren alt“, sagte Melnikow nachdenklich.

„Ich bin furchtbar aufgeregt“, gestand Wtorow. „Diese Röhren … Wir marschieren so einfach auf ihnen hin und her. Wer hat diese Ringe gebaut? Wer ist damit zur Venus geflogen?

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