Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
Er wurde fest umarmt. Belopolski sah, daß es Paitschadse war. Zwei andere zurrten etwas an seinem Rücken fest.
„Luft anhalten!“ wurde gerufen.
Belopolski zuckte zusammen — das war doch Melnikow? Was sollte das heißen?
Er merkte, wie der Hahn am Sauerstoffschlauch geschlossen wurde. Sekunden später atmete er tief, ganz tief ein: frische Luft! Der leere Behälter war durch einen neuen ersetzt worden.
Belopolski drehte sich mit einem Ruck um.
„Boris? Was soll das heißen?“ fragte er eisig. „Wie kannst du dich unterstehen, in meiner Abwesenheit das Schiff zu verhissen?“ Melnikow huschte wie ein Gespenst davon. Neben dem Kommandanten stand nur noch Romanow.
Belopolski wandte sich Paitschadse zu.
„Das geht auch dich an, Arsen“, sagte er.
Nicht ganz so eilig, doch ebenfalls ohne Zögern, kehrte Paitschadse an Bord zurück. Er und Melnikow hätten vor Scham im Erdboden versinken mögen. Hatten sie doch, was immer geschehen mochte, nicht das Recht, gegen das oberste Gebot aller Raumfahrten zu verstoßen. Sie wußten, daß Belopolski ihnen das lange nicht vergessen würde.
Die Menschen konnten in der nächtlichen Finsternis schlecht sehen, aber die Venusianer sahen ausgezeichnet. Belopolski lud die beiden Wissenschaftler des fremden Planeten mit einer Handbewegung ein, an Bord zu gehen. Er zweifelte nicht daran, daß sie der Einladung folgen würden; hatten sie doch selbst darum gebeten. Aber die beiden sonderbaren Geschöpfe traten einen Schritt zurück. Das ließ sich als Ablehnung deuten.
Belopolski und nach ihm Romanow wiederholten die Geste, die den Venusianern verständlich sein mußte.
Die gleiche Antwort.
„Was ist denn los?“ fragte Belopolski verständnislos.
„Vielleicht irritiert sie die Treppe?“
„Nein, das glaube ich nicht.“ Der eine Venusianer trat einen Schritt vor. Er wies mit der einen Hand auf Belopolski und mit der anderen hinter sich auf den Wald.
„Ich verstehe nichts!“ sagte Konstantin Jewgenjewitsch.
Aus der Luftschleuse ihnen zu Häupten fiel das matte Licht einer abgeblendeten Lampe. Um besser zu sehen, ging Belopolski zu der von ihr beleuchteten Stelle. Die beiden Venusianer folgten ihm. Er forderte sie abermals auf, hinaufzusteigen.
Aber wieder wichen die Herren des Planeten zurück. Sie zeigten auf die Menschen und dann auf den Wald.
„Vielleicht verlangen sie, wir sollen zum See zurückkehren?“ äußerte Romanow fragend.
Belopolski schwieg. Es war offensichtlich, sie verstanden nicht, was die Venusianer wollten. Demzufolge hatte es in der Höhle wieder ein Mißverständnis gegeben. Er hatte dort unten angenommen, die Venusianer wollten das Schiff besichtigen. Nun stellte sich heraus, daß sie nicht daran dachten. Sie verfolgten ein anderes Ziel. Aber wie sollten die Menschen erraten, worin es bestand?
Knjasew stieg aus dem Schiff.
„Boris Nikolajewitsch fragt, warum die Venusianer nicht kommen“, sagte er.
„Das weiß ich genausowenig wie er“, stieß Belopolski zwischen den Zahnen hervor.
„Stepan Arkardjewitsch bittet Sie, so schnell wie möglich hereinzukommen. Es steht sehr schlecht um Sinowi Serapionowitsch.“ Belopolski sah, daß eine Entscheidung getroffen werden mußte. Er unternahm einen letzten Versuch. Aber die Venusianer antworteten ablehnend wie zuvor.
Alle Pläne Belopolskis waren damit zusammengebrochen. Wie würden die Venusianer es auffassen, wenn die Menschen sie einfach stehenließen und an Bord gingen? Würde das nicht zum Abbruch der mit soviel Mühe aufgebauten Beziehungen führen?
Was war zu tun?
„Wir werden versuchen, sie die Treppe hinaufzutragen“, schlug Romanow vor.
Vielleicht hatte der Geologe wirklich recht, und die Venusianer fürchteten sich, die Treppe hinaufzugehen? Oder vielleicht konnten sie es auch gar nicht?
„Versuchen Sie es!“ Belopolski nickte. „Aber vorsichtig!“ Romanow ging auf den einen Venusianer zu, wies die Treppe hinauf und streckte die Arme aus, um ihn hochzuheben.
Hatte der Venusianer begriffen?
Anscheinend — ja. Aber man sah ihm an, daß er nicht einverstanden war. Er trat zurück und wies mit erhobener Hand auf die Tür der Luftschleuse. Mit der anderen Hand machte er die bekannte abwehrende Geste.
Die Antwort war völlig klar.
Aber warum waren sie zum Schiff gekommen? Was wollten sie von den Menschen, denen sie die Freiheit geschenkt hatten?
Die Pflicht der Dankbarkeit gebot, ihre Wünsche zu erfüllen.
Aber wie sollte das geschehen, wenn ihre Wünsche nicht verständlich wurden?
Belopolski tat das einzige, was man in einer so komplizierten Lage tun konnte. Er bemühte sich, den Herren des Planeten zu zeigen, daß ihrem Wunsch nichts entgegenstünde. Er wußte zwar nicht, worin der Wunsch bestand, aber er zeigte ebenso wie die Venusianer auf den Wald und dann auf sich. Danach setzte er den Fuß auf die unterste Treppenstufe und beobachtete prüfend die Venusianer.
Sie neigten langsam den Kopf, als verabschiedeten sie sich. Es konnte aber auch ihr Einverständnis bedeuten… Indem sie noch einmal einen Schritt zurücktraten, gaben sie wiederum zu verstehen, daß sie den Menschen nicht folgen würden.
Länger durfte jedoch nicht gezögert werden. Verärgert, verständnislos und enttäuscht zugleich, ging Belopolski an Bord.
Romanow und Knjasew folgten ihm. Die Tür schloß sich.
Die Venusianer blieben draußen stehen. Was mochten sie in diesem Augenblick von den Menschen denken? Welche Folgen würde es haben, daß die Menschen sie nicht verstanden hatten?
Belopolski begab sich unverzüglich in die Steuerzentrale.
Melnikow empfing ihn zurückhaltend. Er hätte Belopolski umarmen und ihm seine ganze Freude zeigen mögen, aber er wußte, daß der Kommandant entrüstet war, weil er vorhin seinen Posten verlassen hatte. In den Augen eines Menschen wie Belopolski war Melnikows Vergehen durch nichts zu rechtfertigen.
Konstantin Jewgenjewitsch nickte kurz mit dem Kopf und trat an den Bildschirm. Aber die Venusianer waren schon gegangen.
„Stellen Sie die Filtriergeräte in der Luftschleuse und im Observatorium an“, befahl er. „Die Luft muß so schnell wie möglich gereinigt werden.“ Wortlos gehorchte Melnikow. Die kühle Begrüßung bedrückte ihn. Belopolski hatte ihn mit „Sie“ angeredet. Verstand er ihn etwa nicht? Nein, er verstand ihn wohl nicht… Er selbst hätte dergleichen nie getan.
Belopolski stellte die Verbindung mit der Ambulanz her.
„Es steht schlecht“, berichtete ihm Andrejew. „Wahrscheinlich müssen wir das linke Bein amputieren.“
„Tun Sie, was in Ihren Kräften steht, um das zu vermeiden.“
„Selbstverständlich, Konstantin Jewgenjewitsch!“ Paitschadse und Toporkow, die in der Zentrale gewesen waren, gingen hinaus. Da wandte sich Belopolski Melnikow zu und musterte ihn schweigend.
„Es war das erste und letzte Mal“, sagte Melnikow.
„Welche Pläne hattest du?“
„Ich wollte diejenigen Arbeiten zu Ende fuhren, für die genug Leute da waren, und dann termingemäß zur Erde zurückfliegen.“
„Wie soll ich das verstehen? Haben die Venusianer euch nicht meine Uhr gebracht?“
„Doch.“ Da wurde Melnikow plötzlich klar, daß ihm ein zweiter Fehler unterlaufen war: Die Uhr hatte zweifellos eine Mitteilung enthalten! Und keiner war auf den Gedanken gekommen, sie zu öffnen! Wieder stieg ihm die Schamröte ins Gesicht.
„Ich dachte, ihr würdet das verstehen“, sagte Belopolski.
„Wir haben euch alle für tot gehalten und gedacht, die Venusianer hatten Ihnen aus irgendeinem Grunde den Chronometer abgenommen. Wir haben es als eine Art Aufforderung, die Toten vom See abzuholen, aufgefaßt.“
„Und ihr seid zum See gefahren, seid Venusianern begegnet und habt eine steinerne Schale, die sie euch gaben, in Scherben geworfen?“ Melnikow sah den Kommandanten verdutzt an. Woher kannte er diese Einzelheiten?