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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Von Zeit zu Zeit ließ Lan sie alle auf der Spitze eines Hügels absteigen, von wo aus er die Straße voraus und hinter ihnen und natürlich auch das Land um sie herum gut überblicken konnte. Der Behüter sah sich dann alles sehr genau an, während die anderen sich die Beine vertraten oder sich unter einen Baum setzten und etwas aßen.

»Ich mochte Käse früher einmal«, sagte Egwene am dritten Tag, nachdem sie Baerlon verlassen hatten: Sie hatte sich mit dem Rücken an einen Baumstamm gelehnt und verzog das Gesicht bei diesem Mittagessen. Es war das gleiche wie beim Frühstück, und das Abendessen würde auch nicht anders aussehen. »Keine Gelegenheit, wenigstens Tee zu trinken. Schönen heißen Tee.« Sie zog den Umhang enger zusammen und veränderte ihre Stellung hinter dem Baum in einem vergeblichen Versuch, dem fauchenden Wind zu entgehen.

»Flachwurz-Tee und Andilei Wurzeln sind die besten Mittel gegen Erschöpfung«, sagte Nynaeve zu Moiraine. »Sie machen den Kopf wieder frei und dämpfen das Brennen der erschöpften Muskeln.«

»Da bin ich ganz Eurer Meinung«, murmelte die Aes Sedai und sah Nynaeve von der Seite her an.

Nynaeves Unterkiefer verkrampfte sich, doch sie fuhr im gleichen Tonfall fort. »Wenn man längere Zeit ohne Schlaf auskommen muß... «

»Kein Tee!« sagte Lan in scharfem Ton zu Egwene. »Kein Feuer! Wir können sie noch nicht sehen, aber sie sind irgendwo dort hinten, ein oder zwei Blasse und ihre Trollocs, und sie wissen, daß wir uns auf dieser Straße befinden. Wir müssen ihnen nicht auch noch genau zeigen, wo wir sind.«

»Ich habe keinen Tee verlangt«, murmelte Egwene in ihren Umhang hinein. »Ich habe es nur bedauert.«

»Wenn sie wissen, daß wir auf der Straße sind«, fragte Perrin, »warum kürzen wir dann nicht ab und reiten über Land nach Weißbrücke?«

»Selbst Lan kann querfeldein nicht so schnell vorwärtskommen wie über die Straße«, sagte Moiraine und unterbrach damit Nynaeve, »und vor allem nicht durch die Hügel von Abscher.« Die Seherin seufzte ergeben. Rand fragte sich, was sie wohl plante. Nachdem sie am ersten Tag die Aes Sedai vollständig ignoriert hatte, hatte sie anschließend versucht, ständig mit ihr über Kräuter zu sprechen. Moiraine entfernte sich von der Seherin, als sie fortfuhr: »Warum glaubt Ihr, daß die Straße einen Bogen um sie macht? Und wir müßten schließlich doch wieder auf diese Straße zurückkommen. Es könnte sein, daß sie sich dann vor uns befänden und nicht hinter uns.«

Rand sah zweifelnd drein, und Mat äußerte etwas von einem »langen Umweg«.

»Habt Ihr heute morgen einen Bauernhof gesehen?« fragte Lan. »Oder wenigstens Rauch aus einem Schornstein? Nein, denn zwischen Baerlon und Weißbrücke liegt nur Wildnis, und in Weißbrücke müssen wir den Arinelle überqueren. Dort ist die einzige Brücke über den Arinelle südlich von Maradon in Saldaea.«

Thom schnaubte und pustete die Enden seines Schnurrbarts hoch. »Was kann sie daran hindern, jemanden oder etwas bereits jetzt nach Weißbrücke zu schicken?«

Aus westlicher Richtung kam das durchdringende Wehklagen eines Horns. Lans Kopf fuhr herum, und er musterte die Straße hinter ihnen. Rand lief es kalt den Rücken herunter. Ein Teil seines Verstands jedoch blieb ganz ruhig und schätzte die Entfernung auf höchstens zehn Meilen ein.

»Nichts kann sie daran hindern, Gaukler«, sagte der Behüter. »Wir vertrauen dem Licht und unserem Glück.

Aber nun wissen wir sicher, daß Trollocs hinter uns her sind.«

Moiraine wischte sich die Hände ab. »Es wird Zeit für uns, weiterzureiten.« Die Aes Sedai bestieg ihre weiße Stute.

Das löste einen Ansturm auf die Pferde aus, der noch beschleunigt wurde, als das Horn ein zweites Mal erklang. Diesmal antworteten andere. Die dünnen Töne trieben vom Westen her wie ein Trauerlied durch die Lüfte. Rand bereitete sich darauf vor, Wolke gleich in vollem Galopp laufen zu lassen, und die anderen rissen mit der gleichen verzweifelten Mühe an ihren Zügeln. Alle außer Lan und Moiraine. Der Behüter und die Aes Sedai sahen sich lange an.

»Laßt sie weiterreiten, Moiraine Sedai«, sagte Lan schließlich. »Ich werde zurückkehren, sobald ich nur kann. Falls ich versage, werdet Ihr es wissen.« Er legte eine Hand auf den Sattel Mandarbs, sprang mit einem Satz auf den Rücken des schwarzen Hengstes und galoppierte den Hügel hinunter. Er ritt gen Westen. Die Hörner erklangen wieder.

»Das Licht sei mit Euch, letzter Lord der Sieben Türme«, sagte Moiraine so leise, daß Rand es kaum hören konnte. Sie holte tief Luft und wandte Aldieb in Richtung Osten. »Wir müssen weiter«, sagte sie und ritt in langsamem, gleichmäßigem Tempo los. Die anderen folgten ihr in einer Linie.

Rand drehte sich einmal im Sattel um und wollte nach Lan sehen, aber der Behüter war bereits zwischen den niedrigen Hügeln und kahlen Bäumen außer Sicht geraten. Letzter Lord der Sieben Türme hatte sie ihn genannt. Er fragte sich, was das heißen mochte. Er hatte nicht geglaubt, daß noch jemand außer ihm die Worte verstanden haben konnte, doch Thom kaute an den Enden seines Schnurrbarts, und sein Gesicht zeigte einen Ausdruck, als spekuliere er... Der Gaukler schien eine Menge zu wissen.

Die Hörner riefen und antworteten noch einmal hinter ihnen. Rand rutschte im Sattel hin und her. Diesmal waren sie näher, da war er sich ganz sicher. Acht Meilen. Vielleicht sieben. Mat und Egwene blickten sich um, und Perrin duckte sich, als erwarte er, daß ihn etwas im Rücken treffen werde. Nynaeve ritt schneller, um mit Moiraine sprechen zu können.

»Können wir nicht schneller reiten?« fragte sie. »Diese Hörner kommen näher.«

Die Aes Sedai schüttelte den Kopf. »Und warum lassen sie uns wissen, daß sie da sind? Vielleicht gerade, damit wir uns beeilen und nicht darüber nachdenken, was uns da vorn erwarten mag.«

Sie behielten ihr Tempo gleichmäßig bei. Von Zeit zu Zeit schrien die Hörner hinter ihnen auf, und jedesmal klangen sie näher. Rand bemühte sich, nicht nachzurechnen, wie nahe sie sein könnten, aber jedesmal, wenn das blecherne Wehklagen erklang, rechnete sein Verstand ungebeten mit. Fünf Meilen, dachte er gerade voller Grauen, da kam Lan in vollem Galopp hinter ihnen den Hügel hoch.

Auf Moiraines Höhe hielt er den Hengst an. »Mindestens drei Fäuste Trollocs, und jede von einem Halbmenschen angeführt. Vielleicht sind es auch fünf.«

»Wenn Ihr ihnen nahe genug wart, um sie sehen zu können«, sagte Egwene besorgt, »dann könnten sie Euch auch gesehen haben. Sie sind Euch vielleicht auf den Fersen.«

»Sie sahen ihn nicht.« Nynaeve richtete sich im Sattel auf, als alle sie anblickten. »Erinnert Ihr euch? Ich bin seiner Spur gefolgt.«

»Ruhe!« befahl Moiraine. »Lan will uns sagen, daß uns vielleicht an die fünfhundert Trollocs folgen.« Erschüttertes Schweigen, und dann sagte Lan: »Und sie holen auf. In einer Stunde oder noch weniger haben sie uns erreicht.«

Die Aes Sedai meinte, mehr zu sich selbst als zu den anderen gewandt: »Wenn sie so viele zur Verfügung hatten, warum wurden sie nicht schon in Emondsfeld eingesetzt? Und wenn nicht, wie haben sie die alle so schnell hierherbekommen?«

»Sie rücken auf breiter Front an, um uns vor sich herzutreiben«, sagte Lan. »Dazu haben sie auch noch Kundschafter vorgeschickt.«

»Wohin wollen sie uns treiben?« überlegte Moiraine. Wie zur Antwort erklang im Westen in einiger Entfernung ein Horn wie ein langgezogener Klagelaut, der diesmal von anderen vor ihnen beantwortet wurde. Moiraine hielt Aldieb an. Die anderen folgten ihrem Beispiel. Thom und die Emondsfelder blickten sich angsterfüllt um. Hörnerklang vor ihnen und hinter ihnen. Rand glaubte, aus den Tönen einen gewissen Triumph herauszuhören.

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