Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Ein Trolloc stürmte auf ihn zu und packte sein Bein. Er zerrte Rands Fuß aus dem Steigbügel. Schwer atmend ließ er den Sattel fahren, um den Trolloc zu erstechen. Sofort zog ihn der Haken aus dem Sattel auf Wolkes Hinterhand.
Nur sein verkrampfter Haltegriff am Zügel hielt ihn noch oben. Wolke bäumte sich auf und wieherte. Und im gleichen Moment hörte das Zerren auf.
Der Trolloc an seinem Bein riß die Hände hoch und schrie. Alle Trollocs schrien — ein Heulen, als seien alle Hunde der Welt auf einmal verrückt geworden.
Um die Menschen herum fielen die Trollocs sich windend zu Boden, rissen an ihrem Haar und zerkratzten sich die Gesichter. Alle Trollocs. Sie bissen in den Boden, schnappten nach der leeren Luft und heulten, heulten, heulten.
Dann sah Rand den Myrddraal. Er saß noch aufrecht im Sattel seines wie wahnsinnig tänzelnden Pferdes, das schwarze Schwert schwang noch herum, doch er hatte keinen Kopf mehr.
»Er wird noch bis zum Anbruch der Nacht leben!« Der schwer atmende Thom mußte laut rufen, um über die nicht nachlassenden Schreie hinweg hörbar zu sein. »Er wird noch nicht vollständig sterben. Das habe ich jedenfalls gehört.«
»Reitet!« rief Lan ärgerlich. Der Behüter hatte bereits Moiraine und die anderen beiden Frauen bei sich, und sie befanden sich schon halb auf dem nächsten Hügel. »Das hier sind nicht alle!« Tatsächlich erklangen nun auch die Hörner wieder, trotz der Schreie der sich am Boden windenden Trollocs, und zwar aus Osten und Westen und Süden.
Erstaunlicherweise war Mat der einzige, der nicht mehr auf seinem Pferd saß. Rand trabte zu ihm hinüber, doch Mat warf schaudernd eine Schlinge weg, hob seinen Bogen auf und kletterte ohne Hilfe in seinen Sattel, wobei er sich allerdings noch die Kehle rieb.
Die Hörner jaulten wie Hunde auf der Spur eines Hirsches. Jagdhunde, die sich ihrem Opfer näherten. Wenn Lan schon vorher ein hohes Tempo gehalten hatte, dann verdoppelte er es jetzt, bis die Pferde schneller die Hügel hinaufgaloppierten, als sie es zuvor bergab geschafft hatten. Dann warfen sie sich schon fast auf die andere Seite. Und doch näherten sich die Hörner weiterhin, bis sie die rauhen Schreie der Verfolger hören konnten, wenn die Hörner eine Pause einlegten. Schließlich erreichten die Menschen die Spitze eines Hügels in dem Moment, in dem auf dem nächsten Hügel hinter ihnen Trollocs erschienen. Die Hügelspitze war im Nu schwarz von Trollocs mit ihren Tierschnauzen, die mit verzerrten Fratzen heulten, und über allen thronten drei Myrddraal. Nur hundert Spannen trennten die beiden Gruppen.
Rands Herz verschrumpelte wie eine alte Traube. Drei!
Die schwarzen Schwerter der Myrddraal hoben sich gleichzeitig. Eine Woge von Trollocs schäumte den Hang hinunter. Heftige, triumphierende Schreie erklangen, und schlingenbewehrte Stangen hüpften über ihren Köpfen beim Rennen auf und ab.
Moiraine kletterte von Aldiebs Rücken. Ruhig zog sie etwas aus ihrem Brustbeutel und packte es aus. Rand sah dunkles Elfenbein schimmern. Das Angreal. Mit dem Angreal in der einen Hand und dem Stab in der anderen stellte sich die Aes Sedai entschlossen hin, sah den heranrennenden Trollocs und den schwertschwingenden Blassen kühl entgegen, hob ihren Stab in die Luft und rammte ihn in die Erde.
Der Boden erzitterte und klang wie ein Eisenkessel, der von einem Holzhammer getroffen wird. Das hohle Klingen wurde schwächer und verschwand. Einen Augenblick lang war alles still. Alles schwieg, Der Wind erstarb. Die Schreie der Trollocs verstummten; sogar ihre Attacke verlangsamte sich und kam zum Stehen. Einen Herzschlag lang wartete alles. Langsam kehrte das stumpfe Klingen wieder, änderte sich zu einem leisen Rumpeln und wuchs an, bis die Erde aufstöhnte.
Der Boden erzitterte unter Wolkes Hufen. Das war das Werk einer Aes Sedai, wie es im Buch stand. Rand wünschte sich hundert Meilen weit fort. Das Zittern wurde zu einem Beben, das die Bäume um sie herum wanken ließ. Der Graue stolperte und stürzte beinahe. Sogar Mandarb und die reiterlose Aldieb torkelten wie betrunken, und diejenigen, die auf ihren Pferden saßen, mußten sich an Zügeln und Mähnen festklammern, an alles, was sie ergreifen konnten, um nicht aus dem Sattel zu fallen.
Die Aes Sedai stand immer noch wie zu Anfang, hielt das Angreal und den aufrecht in der Hügelspitze steckenden Stab, und weder sie noch der Stab bewegten sich auch nur eine Handbreit von ihrem Platz, obwohl der Boden wankte und um sie herum erzitterte. Nun wölbte sich der Boden von ihrem Stab weg; wie auf einem Teich rollten Wellen auf die Trollocs zu, Wellen, die schnell wuchsen, alte Büsche wegschwemmten, abgestorbene Blätter hochwirbelten, weiterwuchsen und als Erdwogen auf die Trollocs zuschwemmten. Die Bäume im Talkessel knickten wie Streichhölzer. Auf dem Abhang stürzten ganze Scharen von Trollocs zu Boden und überschlugen sich im Wüten der Erde.
Doch als erhöbe sich der Boden überhaupt nicht, so bewegten sich die Myrddraal nebeneinander vorwärts. Ihre nachtschwarzen Pferde verloren ihren Rhythmus nicht; sie hoben jeden Huf im Gleichschritt. Trollocs rollten um die schwarzen Reittiere auf dem Boden herum, heulten und griffen nach der kahlen Erde, die sich unter ihnen aufbäumte, doch die Myrddraal ritten langsam weiter.
Moiraine hob ihren Stab, und die Erde beruhigte sich, doch sie war nicht fertig. Sie zeigte auf den Einschnitt zwischen den Hügeln, und Flammen schossen aus dem Boden — eine zwanzig Fuß hohe Flammenfontäne. Sie breitete die Arme aus, und das Feuer breitete sich ebenfalls nach rechts und links aus, so weit das Auge blicken konnte. Es wurde zu einer Wand, die Menschen und Trollocs voneinander trennte. Die Hitze war so stark, daß Rand selbst oben auf dem Hügelkamm die Hände vors Gesicht schlug. Die schwarzen Reittiere der Myrddraal, welche seltsamen Kräfte sie auch immer besitzen mochten, wieherten wild, bäumten sich auf und kämpften gegen ihre Reiter an, obwohl die Myrddraal auf sie einschlugen und versuchten, sie durch die Flammenwand hindurchzuzwingen. »Blut und Asche«, sagte Mat mit ersterbender Stimme. Rand nickte betäubt.
Plötzlich wankte Moiraine und wäre gefallen, wäre nicht Lan von seinem Pferd gesprungen und hätte sie aufgefangen. »Reitet weiter«, sagte er zu den anderen. Die Härte seiner Stimme stand in einem merkwürdigen Gegensatz zu der Sanftheit, mit der er die Aes Sedai in ihren Sattel hob. »Das Feuer wird nicht ewig brennen! Beeilt euch! Jede Minute zählt!«
Die Flammenwand tobte, als wolle sie tatsächlich die Ewigkeit überdauern, aber Rand widersprach nicht. Sie galoppierten nach Norden, so schnell ihre Pferde nur konnten. Die Hörner schrillten in einiger Entfernung ihre Enttäuschung in den Himmel, als wüßten sie bereits, was geschehen war, und dann schwiegen sie.
Lan und Moiraine holten die anderen schnell ein, auch wenn Lan Aldieb am Zügel führte, während die Aes Sedai schwankte und sich mit beiden Händen an das Sattelhorn klammerte. »Ich bin bald wieder in Ordnung«, sagte sie auf ihre besorgten Blicke hin. Sie klang müde, aber selbstbewußt, und ihr Blick war so unwiderstehlich wie immer. »Ich bin nicht so stark, wenn ich mit Erde und Feuer arbeiten muß. Eine Kleinigkeit.«
Die beiden begaben sich in schnellem Schritt wieder an die Spitze. Rand glaubte nicht, daß Moiraine bei noch höherem Tempo im Sattel hätte bleiben können. Nynaeve ritt nach vorn neben die Aes Sedai und hielt sie mit einer Hand aufrecht. Eine Weile lang, während sie über weitere Hügel ritten, flüsterten die beiden Frauen miteinander, dann suchte die Seherin in den Taschen ihres Umhangs und gab Moiraine ein kleines Päckchen. Moiraine entfaltete es und schluckte den Inhalt. Nynaeve sagte noch etwas zu ihr und ließ sich dann zu den anderen zurückfallen, ohne auf ihre neugierigen Blicke zu achten. Trotz der äußeren Umstände glaubte Rand, bei ihr einen leichten Ausdruck von Befriedigung zu entdecken.