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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Sie falteten die Blätter exakt gleich und warfen sie in einen Ledersack, den ihnen der Berater des Großkönigs offen hinhielt. Dann schnürte Balendilín den Sack locker zu, schüttelte ihn, damit sich die Zettel vermischten, und schritt die Reihen der Abgesandten entlang. Vor Bislipur blieb er stehen.

»Damit es nicht heißt, ich hätte Schuld, wenn eine Aufgabe gezogen wird, die deinen Schützling benachteiligt, möchte ich, dass du es tust, Freund Bislipur.« Balendilín hielt ihm den Beutel hin.

Der grobschlächtige Zwerg riss ihm den Sack mehr aus der Hand, als dass er ihn ergriff, und löste den Riemen. Seine gnadenlosen Augen hielt er fest auf die seines Gegenübers gerichtet.

Ohne hinzuschauen, langte er hinein, rührte einmal dahin herum und zog die Hand wieder heraus. Während er den Arm hob, rutschte ihm der Zettel aus der Hand, und er musste ein zweites Mal zugreifen. Wortlos hielt er Balendilín das Stück Papier hin. Tungdil konnte nicht erkennen, ob es sich dabei um einen seiner Vorschläge handelte oder nicht.

»Nein. Du hast gezogen, du liest vor«, lehnte der Unparteiische ab.

Erst jetzt senkte Bislipur den Blick; er faltete das Papier auseinander, die Augen huschten über die Zeilen. »Nein, das war nicht der Zettel, den ich als Erstes zog«, meinte er dann leichthin und wollte ein weiteres Mal in den Beutel langen.

»Halte dich an die Regeln.« Balendilín nahm ihm den Ledersack weg. »Du hast gewählt, also verkünde die fünfte Aufgabe.«

Bislipur presste die Lippen aufeinander, als könnte er damit verhindern, dass die Worte an die Ohren der Clans drangen. Er holte Luft; es kostete ihn Überwindung, die Tungdil hoffen ließ.

»Eine Expedition. Die nächste Prüfung besteht darin, eine Expedition zu führen, die mit der Feuerklinge aus dem Grauen Gebirge zurückkehrt«, gab er wütend kund, »und mit der Waffe den Kampf gegen Nôd’onn aufzunehmen.«

Gundrabur entfuhr ein erleichtertes Stöhnen. Balendilín senkte die Lider und erlaubte sich ein schwaches Lächeln.

Ausgerechnet Bislipur wollte die Machtbestrebungen seines Schützlings bremsen. In diesem Augenblick wurde deutlich, dass die meisten die Schläue des zweiten Thronanwärters unterschätzt hatten. Die Versammlung schwieg, die Überraschung lähmte die Zungen der Clans.

Bevor jemand das Wort ergriff oder Protest laut wurde, trat Tungdil nach vorn. »Ich nehme die Prüfung an, da sie von mir niedergeschrieben wurde«, rief er und blickte abwartend zu Gandogar.

Der König bebte. »Ich nehme die Aufgabe ebenfalls an«, knurrte er.

»Halt! Das Los ist ungültig«, versuchte Bislipur die langwierige Prüfung abzubiegen, die den Krieg gegen die Elben zunichte machen würde. »Dies war nicht der erste Zettel, den ich gezogen habe, ihr habt es gesehen!«

Balendilín blieb unerbittlich. »Da weder du noch ich wissen, welches das erste Papier war, das in den Sack zurückfiel, wird an der Entscheidung nichts mehr geändert. Die beiden Bewerber haben die Aufgabe angenommen, und somit wird der Ausgang der Prüfung entscheiden, wer Gundrabur nachfolgt.«

»Es wird viele Umläufe benötigen, bis wir Gewissheit erlangen«, begehrte Bislipur weiterhin gegen die Entscheidung auf.

»Nicht mit den Tunneln. Ich beeile mich«, versprach Tungdil höflich und erntete wieder Lacher. »Und nun entschuldigt mich, ich muss mir Gedanken über meine Reisegefährten machen, um so bald wie möglich aufzubrechen«, verabschiedete er sich. Der Zwerg winkte Boїndil und Boëndal zu, damit sie ihn begleiteten. »Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auf euer Können vertrauen dürfte«, warb er sie an. »Ihr habt mich in einem Stück in die Festung gebracht. Nun geleitet mich heil in das Graue Gebirge und wieder zurück.«

»Ho, hörst du, Bruder? Der Gelehrte hat wieder gesprochen.« Ingrimmsch lachte polternd. »Es wird uns eine Ehre sein«, stimmte er dann zu. »Aber nur, wenn du unterwegs nicht so geschwollen daherredest. Ich muss noch einen Makel ausmerzen, der meiner Ehre seit der Oase anhaftet«, fügte er leise und weniger ausgelassen hinzu.

Tungdil legte ihm und seinem Bruder die Hände auf die Schultern. »Keine Sorge, Boїndil. Ich bin mir sicher, dass du mich unterwegs mehr als einmal retten musst.«

Der Zwerg grinste, doch sein Bruder nickte nur. »Übrigens, du hast dir heute einen Namen gegeben.« Boëndal deutete auf die schimmernde Schicht, die sich mit der Haut verbunden hatte. »Tungdil Goldhand. Was hältst du davon?«

»Goldhand«, wiederholte Tungdil und betrachtete seine Rechte. »Ja, ich denke, das gefällt mir.« Tungdil bemühte sich, trotz der Schmerzen zu lächeln. Goldhand. Ein echter Zwergenname.

*

Der Rat hatte sich aufgelöst, und auch Bislipur und Gandogar waren hinausgestürmt, um eilig Vorbereitungen zu treffen. Letztlich blieben Balendilín und der Großkönig allein in der weitläufigen Halle zurück.

»Hast du ihm das geraten?«, fragte Gundrabur und griff nach der Tabakspfeife.

Sein Berater lachte leise. »Nein, gewiss nicht. So ein wahnwitziger Einfall wäre mir nicht einmal im schlimmsten Albtraum eingefallen. Dieser Zwerg muss uns von Vraccas selbst geschickt worden sein.« Er stieg die Stufen zum Thron hinauf und trat an die Seite des obersten Herrschers. »Tungdil hat wirklich das Zeug zu einem Großkönig. Sein Einfallsreichtum ist pures Gold wert.«

»Seine Entscheidung war weise«, stimmte ihm der betagte Zwerg zu. »Egal, wer von beiden zurückkehrt, unser Volk und das Geborgene Land werden die Gewinner sein. Und wir beide sorgen dafür, dass sich in der Zwischenzeit nichts Unerfreuliches in unserem Reich ereignet, alter Freund.«

»Du weißt, dass du deine Lebensesse noch länger am Lodern halten musst«, meinte Balendilín besogt.

Ächzend stemmte sich Gundrabur aus dem Thron hoch und klemmte sich die Pfeife zwischen die Zähne. »Vraccas wird ein Einsehen haben und seinen Hammer etwas später gegen mich schwingen«, gab er sich zuversichtlich und zog sich zurück.

Der Berater schaute dem Großkönig hinterher. Dann nahm er zu Füßen des Herrschersessels Platz, um den Inhalt des Lederbeutels durchzusehen und den Zettel zu suchen, den Bislipur zuerst herausgezogen hatte. Balendilín wusste ganz genau, welches Papier es gewesen war, weil es an der oberen Seite einen kleinen Knick aufwies. Doch als er das Verhalten Bislipurs beim Anblick des zweiten Zettels bemerkt hatte, hatte er lieber geschwiegen.

Zu Recht, wie er beim Lesen der eigentlichen Aufgabe feststellte. Hätten sich dessen Finger nicht aus Versehen geöffnet, müsste Tungdil im Edelsteinschleifen gegen Gandogar antreten, anstatt auf Reisen zu gehen. Darin wäre er sicherlich gescheitert, und der Thron des Großkönigs wäre an Gandogar gegangen.

Als er die anderen Papiere auseinander faltete, musste er laut lachen. Gandogar hatte das Diamantschleifen viermal als Prüfung notiert, und genauso oft hatte Tungdil die Expedition ins Graue Gebirge aufgeschrieben.

Ein Hoch auf Bislipurs zitternde Hände!, lächelte er erleichtert.

XI

Das Geborgene Land, das Zwergenreich des Zweiten,

Beroїn, im Herbst des 6234sten Sonnenzyklus

Im Zuge seiner Reisevorbereitungen bat Tungdil den Berater des Großkönigs, ihm den besten Steinmetz aus den Clans der Zweiten auszusuchen. Balendilín versprach, eine Vorauswahl zu treffen und ihm die Favoriten vorbeizuschicken, aber die letztendliche Entscheidung wollte er ihm überlassen. Nicht lange darauf trat ein einäugiger Zwerg in seine Kammer.

Erstaunt hob Tungdil den Kopf. »Balendilín hat streng ausgewählt, wie ich sehe«, begrüßte er den Steinmetz. »So streng, dass etwa nur einer übrig blieb?«

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