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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Es gibt Schriftrollen, in denen von Verwandten unseres Volkes auf der anderen Seite der Gebirge die Rede ist«, murmelte der Berater nachdenklich, als er über die Bezeichnung »Untergründige« stolperte. »Dort scheint man mehr Erfahrung mit dem Toten Land zu haben.«

Tungdil hob das Blatt. »Nun wundert mich nicht mehr, dass Nôd’onn Jagd auf die Bücher und den Sack gemacht hat, aber es ist zu spät. Balendilín, wir kennen jetzt seine verwundbare Stelle! Wir müssen den Königreichen der Menschen davon berichten, damit sie Hoffnung schöpfen und ausharren, während wir die Klinge schmieden«, sagte er begeistert. »Das Menschenheer muss ihn so lange aufhalten.«

Nachdenklich las Balendilín den Abschnitt über die Zusammensetzung der Feuerklinge. »Wir brauchen die Vierten, welche die besten Diamantschleifer in ihren Clans haben. Unser Volk kann die Steinmetzen stellen, doch die besten Schmiede fehlen uns.«

»Borengar?«

»Richtig. Auch die Fünften waren einst Meister darin, aber sie existieren nicht mehr. Die neun Clans vom Stamm der Ersten sind nicht zu unserer Versammlung erschienen.« Balendilíns Miene verfinsterte sich. »Das ist nicht die einzige Hürde. Die heißeste Esse, die jemals im Geborgenen Land glomm, stand im Königreich der Fünften. Sie hieß Drachenbrodem und brachte das härteste Metall zum Schmelzen. Doch seit mehr als eintausend Zyklen herrscht dort nun das Tote Land.« Er bedeckte das Gesicht mit seinen breiten Händen. »Die Zauberin hatte Recht. Es ist unmöglich.«

»Nein, ich gebe nicht auf. Rufen wir die Versammlung ein und lassen sie entscheiden«, verlangte Tungdil. »Wir sollten wenigstens zu den Ersten reisen und sie um Hilfe bitten. Danach...« Er verstummte. »Ich werde die alten Schriftrollen durchsehen, vielleicht entdecke ich noch etwas, das uns helfen könnte.«

»Ich wünsche dir dabei viel Glück.«

Der Zwerg verließ die Unterkunft, um sich in die Gewölbe mit dem gesammelten Wissen der Zweiten zu begeben. Nach dem Freudentaumel folgte die schmerzhafte Ernüchterung, trotz der neuen Erkenntnisse kaum gegen den Untergang aufbegehren zu können.

Nein. Ich gebe nicht auf. Gerade die Aussichtslosigkeit ihrer Lage rief Tungdils Trotz hervor.

Mit der Eigensinnigkeit und Hartnäckigkeit, die seinem Volk zu Eigen war, machte er sich daran, die Schriften des Stammes zu lesen. Tungdil schwor, nicht eher in seinen Bemühungen nachzulassen, bis er einen Ausweg fand.

*

Emsig schleppte Tungdil die alten Bücher, Pergamentrollen und Steintafeln durch die herausgemeißelten Gewölbe, um sie auf einem Tisch zu stapeln, wo er sie in Ruhe studieren konnte.

Lot-Ionan muss geahnt haben, dass ich eines Tages all das Wissen benötigen würde. Manche der Schriftstücke hielten der Berührung des Zwerges nicht mehr Stand, sie rissen ein, brachen oder zerfielen gar. Da lobte er sich die Marmorplatten, die Ewigkeiten überdauerten, wenn man sie nicht fallen ließ.

Nachdem er etliches gelesen hatte, fand er die vagen Aussagen Balendilíns bestätigt. Es gab wohl auch auf der anderen Seite des Gebirges Zwerge, die »Untergründige« genannt wurden. Ob Vraccas sie einst geschaffen hatte, wusste er nicht zu sagen, aber sie schienen seinem Volk sehr ähnlich zu sein, verstanden sich aufs meisterliche Schmieden und teilten die Liebe zur Esse und zur Glut.

Am vierten Umlauf erkundete er das Geheimnis der Feuerung von Drachenbrodem, und seine Zuversicht, die er sich bis dahin tapfer bewahrt hatte, sank.

Die Fünften hatten dem Großen Drachen Branbausíl, der einst im Grauen Gebirge gelebt hatte, seine weiße Flamme abgerungen und damit ihre Esse entzündet, ehe sie ihn getötet und seinen Hort erobert hatten. Sein Weibchen, Argamas, war vor den Zwergen in den Feuersee geflüchtet, ein kleines Meer aus flüssigem, brodelndem Stein tief im Inneren des Reiches, und seither nie wieder zum Vorschein gekommen.

Mit Drachenbrodem war es den Schmieden gelungen, Hitze von nie gekannter Intensität zu erzeugen und Metalle miteinander zu verbinden, die als nicht schmelzbar galten. Selbst das schwarze Tionium, das von Gott Tion erschaffen worden war, hatte sich dem Drachenbrodem ergeben und sich mit dem reinen, weißen Palandium der Göttin Palandiell vereinen müssen.

Spätere Aufzeichnungen berichteten davon, dass die Glut mit dem Untergang des Reichs der Fünften geschwunden war; die Albae und anderen Geschöpfe Tions hatten mit dem seltsamen weißen Feuer nichts anzufangen gewusst und es gelöscht.

Tungdils einzige Hoffnung stützte sich auf das Weibchen des Drachen, die den Äxten der Fünften entkommen war. Von ihr benötigten sie das Feuer und von den Ersten den Schmied, um die Feuerklinge gegen Nôd’onn herzustellen.

»Das wird eine neuerliche Reise«, seufzte er. Zu den Ersten und von dort geradewegs ins verlorene Reich der Fünften, mitten ins Herz des Toten Landes. Aber wie soll ich dorthin gelangen?

Diese Frage stellte er auch Gundrabur und Balendilín, mit denen er sich in der Halle bei einem Humpen Bier traf, um von seinen Entdeckungen zu berichten; die Zwerge wechselten schnelle Blicke.

»Es gibt einen Weg«, eröffnete ihm der Großkönig. »Es ist ein Geheimnis, das in all den Zyklen in Vergessenheit geriet und das mir mein Vorgänger anvertraute.« Er entzündete eine Pfeife und paffte schmatzend. »Es stammt aus der glorreichen Vergangenheit unseres Volkes. In jenen glücklichen Tagen bedeutete das Reisen keine besondere Anstrengung. Die Zwerge nutzten unterirdische Tunnel, die kreuz und quer unter dem Geborgenen Land verliefen und die Reiche miteinander verbanden.«

»Tunnel... Dann könnten wir ungesehen bleiben. Wenn wir Ponys nehmen...«

»Du brauchst keine Ponys. Du kannst sie befahren.« Er ordnete sein Gewand und erbat sich eine weitere Decke, um sich zu wärmen. Sein Lebensfeuer kühlte weiter ab.

Tungdil runzelte die Stirn. »Ich verstehe nicht...«

»Kennst du die Loren, mit deren Hilfe das Erz aus den Stollen und Gruben gekarrt wird?«

»Sicher«, nickte er und verstand, was der Großkönig ihm sagen wollte. »Sie sind damit gefahren?«

Gundrabur lächelte. »Genau das. Sie reisten in geraden Linien von Goїmdil zu Borengar und wohin auch immer sie wollten. Es gab keine Sümpfe, keine Wildnis, keinen Regen und keinen Schnee, die ihnen die Fahrten erschwert hätten. So war es ihnen möglich, die wichtigen Hohlwege und bedeutsamen Passagen des Geborgenen Landes stets mit genügend Truppen zu sichern. Innerhalb weniger Umläufe bewegten sich ganze Heere tief unter der Erde von Norden nach Süden, während die Menschen, Elben und Zauberer von alldem nichts erfuhren.«

»Die Tunnel sind die Rettung«, rief Tungdil aufgeregt. »Wenn sie einigermaßen intakt sind, kann es uns gelingen, die Axt gegen den Verräter zu schmieden, ehe er die gesamten Königeiche und die Heere der Menschen niederwirft.«

»Ich weiß nicht, ob sie noch befahrbar sind«, gestand Gundrabur. »Die alten Aufzeichnungen, in denen die Rede von den Röhren ist, berichten, dass weite Strecken eingestürzt, unbenutzbar seien. Balendilín, hole sie uns bitte.«

»Und warum hat man die Tunnel nicht wiederentdeckt?«

»Der Bereich, in dem der Eingang liegt, war eines Tages mit Schwefeldämpfen verseucht, und die Zwerge zogen sich von dort zurück. Sie mieden das Gebiet, bis man die Tunnel vergaß«, antwortete Gundrabur.

Kurz darauf brachte Balendilín zwei alte Karten von den Eingängen zu den Röhren der Zweiten und von deren Verlauf tief im Innern des Blauen Gebirges. Sie waren gut verborgen, mehrfach gesichert, und zahreiche mechanische Vorrichtungen und Fallen bewahrten sie davor, von Eindringlingen benutzt zu werden. Das erklärte, weshalb sich das Böse nicht heimlich unter dem Geborgenen Land ausbreitete, sondern es auf dem Landweg erobern musste.

»Auf diese Weise können wir es schaffen«, sagte Tungdil zu den beiden Zwergen. »Ich bin bereit.«

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