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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Sehr schön«, freute sich Balendilín und goss von dem Bier nach.

»Dafür lassen wir dir die Ehre, das verschollene Wissen entdeckt zu haben. Es wird bei den Clans Eindruck machen.« Sie prosteten einander zu und leerten ihre Humpen.

*

»Vraccas ließ mich das verlorene Wissen finden, damit uns die Aufgabe zukommt, das Geborgene Land vom Bösen zu befreien«, beendete Tungdil seine flammende Rede. »Warum sonst sollte er mich die Dinge finden lassen?«

»Es sind die Hinterlassenschaften aus einer großen Zeit«, sagte Gandogar, »auf die du gestoßen bist. Doch ich sehe nicht, dass sich darin eine brauchbare Wahrheit findet. Eine solche Klinge unbemerkt zu schmieden - mitten im Toten Land, in einer Esse, die von Drachenflammen entfacht werden muss -, das ist nicht möglich! Es ist ein Märchen, eine Legende, die aus Versehen zwischen die historischen Aufzeichnungen rutschte.«

»Für dieses Wissen starben unzählige Menschen«, fiel ihm Tungdil ins Wort. »Mich wollte man deswegen töten. Nôd’onn fürchtet sich davor, also muss es wahr sein! Schickt eine Expedition aus, die es wenigstens versucht! Vraccas ist auf unserer Seite«, bat er die Versammlung inständig.

»Und vergesst nicht, sie gut auszurüsten. Einen Drachen zu besiegen ist kein leichtes Unterfangen. Oder du erzählst ihm deine Geschichte, und er lacht sich zu Tode«, warf Bislipur voller Spott ein.

Tungdil verzichtete auf eine Abstimmung; das Gelächter des Rates verdeutlichte ihm, dass er keine Mehrheit dafür fände. Nach wie vor weigerte sich die Vernunft beharrlich, in die Dickschädel der Gesandten einzuziehen.

»Wir sind hier, um den Erben des Großkönigs zu bestimmen«, erinnerte Gandogar die Abgesandten ungeduldig. Er warf seinen Mantel ab, die aufwendig gearbeitete Rüstung blinkte auf. Sein Berater reichte ihm Schild und Beil, ein weiterer Helfer zurrte den schimmernden Helm auf seinem Kopf fest. »Ich mache den Anfang und stelle die erste Aufgabe. Hiermit fordere ich den Mitbewerber zu einem Zweikampf heraus. Das erste Blut oder ein Niederschlag sollen entscheiden, wer sich die ersten Zähler verdient.«

Boїndil und Boëndal erschienen sogleich an Tungdils Seite und rüsteten ihn; sein Kettenhemd wirkte im Vergleich zu Gandogars strahlendem Harnisch farblos und billig. »Pass auf seinen Schild auf«, raunte ihm Ingrimmsch zu. »Gewiss nutzt er ihn als Ramme.« Er ballte die Fäuste. »Oh, könnte ich nur an deiner Stelle stehen. Ich würde den Vierten in den Marmor schlagen«, grollte er.

»Ihr wart gute Lehrer, sowohl auf unserer Wanderung als auch in den letzten Tagen«, dankte Tungdil den Zwillingen, während er den Kinnriemen zurechtrückte. »Wenn ich verliere, wird es nicht an euch liegen.«

Die beiden Kontrahenten traten in den Halbkreis zwischen Thron und Tribünen. Balendilín fungierte als Unparteiischer; er warf Tungdil einen freundlichen Blick zu, um ihn zu beruhigen. »Kämpft hart und ehrenhaft«, forderte er schließlich und trat zurück. Die Arena war freigegeben.

Gandogar begann sofort mit einer Angriffsserie und führte einen Hieb nach dem anderen gegen den Schild Tungdils; dabei wirkten die flirrenden Diamanten an seiner Klinge zusätzlich irritierend. Tungdil spähte über den Metallrand und schaute, wohin die abgestumpfte Schneide als Nächstes niederzuckte; dabei ließ er sich immer weiter zurückfallen, bis er eine Säule im Rücken spürte.

Beim nächsten Schlag des Königs tauchte er weg und drosch seinerseits überraschend zu. Sein Beil rutschte mit einem hässlichen Geräusch über den hastig nach oben gerissenen Schild und prallte gegen die untere Helmumrandung. Benommen taumelte Gandogar zwei Schritte zurück.

»Setz nach!«, brüllte Boїndil mitfiebernd, und Tungdil sprang, erfreut von seinem Erfolg und angetrieben von seinem Lehrer, ungestüm nach vorn.

Niemals. Bislipur erkannte, dass sich eine unangenehme Wendung für seinen Schützling anbahnte, und handelte. Er rempelte Swerd an, der neben ihm stand, und der Kopf des Gnoms kollidierte mit dem Humpen eines Zwergs. Bier schwappte aus dem Gefäß und klatschte zu Boden.

Tungdil wurde die Pfütze zum Verhängnis. In seiner Hast übersah er die Flüssigkeit auf den Marmorplatten, doch der Untergrund wandelte sich zu einer schlüpfrigen Rutschbahn. Sein rechter Fuß glitt zur Seite, er geriet ins Straucheln und verfehlte Gandogar.

»Törichter Gnom!« Bislipur schalt Swerd sogleich laut und deutlich wegen seiner Tölpelhaftigkeit und drohte ihm Schläge und eine anhaltende Bestrafung mit dem Halsband an.

»Das war Absicht!«, brauste Boëndal auf.

»Nein, war es nicht. Aber sei beruhigt, ich schlage ihn windelweich.« Bislipur täuschte Bedauern über das Missgeschick vor.

Das brachte Tungdil freilich nichts. Gandogar erholte sich rasch und schlug in dem Augenblick zu, als sein Widersacher an ihm vorbeischlidderte. Das schwere Beil traf Tungdil hart in den Rücken; die Wucht ließ ihn vollends die Kontrolle verlieren. Fluchend stürzte er und verlor damit den ersten Wettstreit.

Einige Clans aus dem Stamm der Vierten und andere Anhänger Gandogars jubelten und lachten Tungdil aus, der sich mühsam auf die Beine stemmte. So hatte er sich den Kampf nicht vorgestellt.

»Ich bin an der Reihe«, rief er laut, um sich gegen das Toben durchzusetzen. Sogleich erstarb das Geschrei.

»Worin messen wir uns nun?«

»Wir werden einen Text abschreiben. Der Schnellere gewinnt.«

»Was?«, machte sein Gegenspieler erstaunt. »Ich soll um meinen Thron dichten?«

»Nein, nicht dichten. Nur schreiben. Ein guter König muss Wissen und eine sichere Hand haben. Wie sonst willst du Gesetze erlassen?«, erwiderte Tungdil leichthin. »Du kannst beweisen, dass du es hast - oder dass du lediglich ein gutes Beil führst.« Ohne ein weiteres Wort setzte er sich an ein Pult und wartete, dass Gandogar seinem Beispiel folgte.

»Wenn ich mich weigere?«

»Hast du diesen Wettkampf verloren, und es steht unentschieden«, ergriff Balendilín das Wort. »Dann entscheiden die nächsten Disziplinen darüber, wer von euch beiden Gundrabur nachfolgen wird.«

»Und es wäre kein Zeichen besonderen Mutes«, hakte Boëndal gehässig ein. »Der Gelehrte hat sich deiner Waffenkunst gestellt. Jetzt zeige uns, dass du dich nicht vor etwas so Zerbrechlichem und Leichtem wie einer Feder fürchtest, König der Vierten.«

Die bissige Bemerkung und die darauf folgenden Lacher brachten Gandogar dazu, Helm und Schild abzulegen, sich an den Tisch neben seinen Widersacher zu setzen und es gegen Tungdil aufzunehmen.

Der Unparteiische ließ Schriftrollen bringen und wählte eine davon willkürlich aus dem Stapel. »Beginnt.«

Der Gelehrte, wie ihn Boëndal neckend nannte, fing beinahe augenblicklich an zu schreiben, während Gandogar wütend auf die Runen starrte und dann etwas auf sein Blatt schmierte. Die Zeit verrann, während die Zwerge eifrig schrieben.

»Fertig«, verkündete Tungdil als Erster. Der Text wurde durchgesehen und für fehlerfrei befunden. Gandogar benötigte länger und arbeitete längst nicht so akkurat wie sein Herausforderer. Balendilín erklärte Tungdil zum Sieger.

Die Zwillinge jubelten laut und freuten sich, dass ihr Schützling mit einer erlaubten List einen Gleichstand herausgeschlagen hatte. »Ha, Bislipur, der ging daneben, was?!«, rief Boїndil gut gelaunt.

Balendilín befahl den Clanabgesandten, nun ihre Vorschläge niederzuschreiben; dann ließ er die Zettel einsammeln. Zuerst sollte Gandogar ihre nächste Aufgabe ziehen, dann war Tungdil an der Reihe.

»Die nächste Aufgabe«, verkündete ihr Schiedsmann, »wird sein, eine Axt aus dem schlechtesten Eisen zu schmieden, das es gibt, und dann damit zehn Hiebe gegen einen Schild zu führen, ohne dass die Axt zerbricht.«

Tungdils Zuversicht wuchs, weil er nicht glaubte, dass ihm Gandogar an der Esse überlegen sein könnte; dafür hatte er zu lange in Lot-Ionans Schmiede am Amboss gestanden. Balendilín beraumte eine Unterbrechung an, in der Feuerstellen und Werkzeuge in die Halle des Rates geschafft wurden, und bald ertönte in dem weitläufigen Raum das klingende Lied von Hammer und Schmiedeblock.

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