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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Bavragor rieb sich den Bart. »An mir soll es nicht liegen. Aber ich sage dir, wir brauchen mehr als den Segen von Vraccas, um mit der Axt in die Festung zurückzukehren.«

»Dann geh davon aus, dass wir mehr als das bekommen«, erwiderte Tungdil. »Ich habe auf dem Weg zur Versammlung so viele Abenteuer erlebt und überlebt, dass ich nicht einen Augenblick an unserer Sache zweifle. Für unser Volk und das Geborgene Land, Bavragor, nicht für mich.« Aber für Lot-Ionan, Frala, Sunja und Ikana, fügte er in Gedanken hinzu. »Und Gold finden wir sicherlich auch noch.«

»Darauf würde ich gern anstoßen.« Bavragor erhob sich. »Aber zuerst muss ich Bier holen.«

Tungdil wandte sich Schimmerbart zu. »Glaubst du mir, was ich sage, Goїmgar?«

»Ja. Für das Land«, erhielt er lahm zur Antwort, was ihn keinesfalls überzeugte. Goїmgar wich seinen Blicken aus und schaute stattdessen auf die Regale, die bis an die Zimmerdecke reichten.

Bavragor kehrte bald darauf mit einem gewaltigen Humpen zurück, den er unterwegs schon wieder zur Hälfte geleert hatte. »Ich trinke auf die Hoffnungen unseres neuen Königs«, sprach er laut und ließ offen, ob er nun Tungdil oder Gandogar meinte. »Mögen sie in Erfüllung gehen!« Das Bier rann seine Kehle hinab.

»Er lässt es einfach laufen«, staunte Ingrimmsch. »Er muss einen See in sich haben, in den das Zeug hineinläuft.«

Hammerfaust wischte den Schaum aus seinem schwarzen Bart. »Der Becher ist schon wieder leer«, wollte er sich entschuldigen.

»Bleib«, befahl ihm Tungdil freundlich, aber bestimmt. »Du kannst trinken, wenn wir unser Vorhaben besprochen haben.« Missmutig hockte Bavragor sich nieder; der leere Humpen landete achtlos auf dem Boden des Bücherhorts. »Wir gehen zuerst nach Süden, ins Rote Gebirge, um die Ersten von der drohenden Gefahr zu unterrichten, falls sie noch nicht davon gehört haben. Wir überzeugen sie, ihren besten Schmied mit uns zu schicken, und reisen durch die Tunnel ins Graue Gebirge.« Er nahm eine zweite Karte und breitete sie vor den vier Zwergen aus. »Das ist eine alte Karte aus dem 5329sten Sonnenzyklus des Fünften Reichs, die uns die Hauptwege aufzeigt.«

»Da ist ja der Flammensee«, meinte Boëndal, der sich intensiv mit den vergilbten Skizzen beschäftigte. »Darin finden wir sicherlich den Drachen, von dem die alten Schriften sprachen.«

»Und dann?«, kam es verzagt aus dem Mund Goїmgars.

Tungdil lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. »Ich habe nicht vor, gegen den Drachen anzutreten. Es reicht, wenn wir an sein Feuer gelangen. Boїndil wird ihn so lange ärgern und auf seinem Schwanz herumtanzen, bis er nach uns speit. Dann sind wir zur Stelle und fangen die Flammen mithilfe von Fackeln ein, um die Esse zu entzünden.«

»Muss ich ihn nur ärgern, oder darf ich ihn auch erledigen?«, erkundigte sich Ingrimmsch voller Vorfreude, was ihm einen schrägen Blick Goїmgars einbrachte.

»Wenn du ihn wirklich umbringen willst, lass ihn aber zuerst Feuer spucken«, gab ihm sein Bruder die Anweisung. »Er nützt uns nichts mehr, wenn er alle viere von sich streckt und nicht einmal mehr Rauch aus seinen Nüstern steigt.«

»Die Esse befindet sich in der Nähe des Eingangs ihrer Festung.« Tungdil bedachte Boїndil mit einem besonders eindringlichen Blick. »Ich weiß, du willst Orks töten, aber dort sind sie so zahlreich, dass du und damit wir alle nicht als Sieger aus dem Gefecht hervorgehen können. Sei vernünftig.«

»Von mir aus«, grummelte er, verschränkte die Arme vor der Brust und gab sich ein wenig bockig. »Lassen wir den Schweineschnauzen eben ihr stinkendes Leben, bis wir ihnen wieder auf dem Schlachtfeld begegnen.« Er schaute in die Runde. »Damit eines klar ist: Wenn wir unterwegs auf eine Rotte von Orks oder anderen Bestien stoßen, gehören die ersten zehn mir. Um den Rest dürft ihr euch prügeln.«

»Mit Sicherheit nicht«, entfuhr es Goїmgar so leise, dass nur Tungdil es hören konnte.

»Nur für den Fall, dass wir die Tunnel verlassen müssen: War einer von euch beiden schon für eine längere Zeit an der Oberfläche und unter Menschen?«, wollte Tungdil von seinen Mitstreitern wissen, die sogleich verneinten. »Gut. Ich werde euch unterwegs noch ein paar Hinweise geben, auf was man im Gespräch und bei der Begegnung mit den Langen achten muss. Und nun ruht euch aus, morgen geht es los.«

Bavragor und Goїmgar erhoben sich, um sich in ihre Unterkünfte zu begeben.

»Und was machen wir?«, fragte Boëndal.

»Wir gehen auf Erkundigung.« Tungdil und die Zwillinge nahmen die Stufen, die sie tiefer in das Gebirge hinabführten. Sie begaben sich auf die Suche nach dem Eingang zu den alten Röhren, mit deren Hilfe die Kinder des Schmieds immense Strecken in wenigen Tagen zurücklegen konnten.

Boїndil und Boëndal staunten nicht schlecht, als sie unter der Führung Tungdils, der eine Abschrift der Karte mit sich trug, in Gebiete ihrer Heimat vorstießen, von denen sie bislang nichts gewusst hatten. Der Bereich des Blauen Gebirges war wegen der Schwefelgase seit hunderten von Zyklen nicht mehr betreten worden.

Die Luft roch modrig, abgestandener als in den Bereichen, in denen die Zwerge lebten, aber nicht nach Schwefel. Gelegentlich stießen sie auf Skelette von Schafen und Ziegen, die sich bei der Rückkehr in den Stall verlaufen hatten und qualvoll verdurstet waren.

Stunde um Stunde erklommen sie die Stufen. Auf breiten Steinbrücken ging es über tiefe Schluchten hinweg, auf deren Grund es geheimnisvoll dunkelgelb leuchtete; sie durchquerten pfeilergestützte Säle, die in ihren Ausdehnungen der Versammlungshalle in nichts nachstanden, und kamen an gewaltigen Wasserfällen vorbei. Sie wagten es nicht, sich zu unterhalten, sondern lauschten andächtig der Stille, die lediglich durch ihre Schritte und das Tosen der Kaskaden durchbrochen wurde. Bald marschierten sie nur noch bergauf.

»Diese Gänge waren all die Zyklen über vorhanden«, wunderte sich Ingrimmsch schließlich laut.

»So ist das mit Dingen, die nicht mehr benutzt werden«, sagte sein Bruder. »Man vergisst sie. Vermutlich sind die giftigen Dämpfe schon längst abgezogen.«

»Eben«, stimmte Tungdil ihm zu und wies nach vorn auf ein vier Schritt breites und drei Schritt hohes Portal, in das zwergische Runen in Gold eingegossen waren. »Ich glaube, wir sind da.«

Im Schein ihrer Öllampen befreiten sie die Schriftzeichen so gut es ging vom Schmutz der Jahrhunderte. Es war ein alter Dialekt, den die Erbauer des Tores gebraucht hatten, und Tungdil benötigte eine Weile, bis er den Sinn der Worte erfasste und sie vorlesen konnte:

»Reise, um zu Freunden zu gelangen,

reise, um Feinde zu vernichten,

reise mit Vraccas’ Segen

und kehre sicher zurück.«

Sobald Tungdil verstummt war, schoben sich die Flügel knarrend auseinander und gaben den Weg für die drei Zwerge frei.

Sie gelangten in einen gigantischen Raum, in dem Tungdil und seine Begleiter einen Wald aus den unterschiedlichsten, mit Grünspan, Rost oder Patina bedeckten Zahnkränzen entdeckten, die horizontal und vertikal ineinander griffen; weitere Gestänge verbanden die Mechanik mit einer Reihe bauchiger Kessel; obendrauf saßen kleine und große Schlote, unten befanden sich Befeuerungsklappen.

Boëndals Blick schweifte aufmerksam durch den Saal. »Wir haben ein beinahe verlorenes Wissen wieder zum Leben erweckt.«

»Noch nicht ganz.« Tungdil schritt zu den bauchigen Kesseln, an denen kleine Glasröhrchen mit Bleikugeln darin angebracht waren. Das Glas wies Markierungen auf, auf dem Kessel standen die Runen für Wasser geschrieben. Er bückte sich, um in den Hohlraum darunter zu blicken, und bemerkte Aschereste. »Bavragor würde annehmen, dass es sich um eine Destille handelt«, lachte er und pochte gegen das Blech. »Aber ich würde sagen, es ist ein Antrieb.«

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