Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
»Und wie soll der gehen, Gelehrter?«, erkundigte sich Boëndal, während Boїndil an ihnen vorbei auf die andere Seite der Wand aus Kesseln und Gestängen ging.
Tungdil erinnerte sich an ähnliche Zeichnungen, die er in Büchern aus Lot-Ionans Bibliothek überflogen hatte. »Wie bei einer Mühle, nur anders«, grinste er. »Die Zahnräder drehen sich und treiben so etwas an.«
»He«, erschallte Ingrimmschs Stimme. »Kommt mal her! Hier ist noch mehr.« Sie folgten ihm.
Mitten in der Halle verliefen acht breite, leicht abschüssige Eisenschienen, die geradewegs auf acht verschlossene Portale zuführten.
Am Ende von vier Trassen standen Holzbarrikaden, an denen die verfallenen Reste von Strohsäcken hingen.
»Darauf werden die Loren gesetzt«, mutmaßte Boëndal und erntete ein Nicken von Tungdil.
»Sicherer kann das Reisen nicht mehr sein. Man gleitet auf Schienen dahin.«
»Das wird Goїmgar beruhigen«, feixte Boëndal.
Tungdil schaute dorthin, wo Boїndil stand, ganz am anderen Ende der Halle. Dort lagerten etwa einhundert Loren. »Wir schauen sie uns an.«
Die Loren waren ganz unterschiedlich gebaut. In manchen waren zehn schmale Bänke hintereinander angebracht, andere hatten nur einen Sitz und dienten zum Transport von Fracht.
Am vorderen Ende eines jeden Karrens befand sich ein langer Griff. Tungdil rüttelte vorsichtig daran, und unter der Lore quietschte es. Er bückte sich, um nachzuschauen. »Bremsen«, verkündete er, »damit drosselt man unterwegs die Geschwindigkeit des Vehikels. Wenn man den Rost abschlägt, müsste es gehen.«
»Aber wie bekommen wir die Loren auf die Schienen, Gelehrter?« Boëndal blickte zu den schräg verlaufenden Startrampen, deren höchster Punkt sich zwei Schritte über dem Felsboden befand. »Von Hand hochhieven? Dazu sind sie zu schwer.«
»Nein, sieh nur«, meinte Tungdil und deutete zur Decke.
Eine Hebevorrichtung! »Das ist es! Mit den Krallen haben sie die Loren gepackt, angehoben und auf die Rampen gesetzt. Kommt, wir probieren einfach aus, was geschieht, wenn wir sie in Betrieb nehmen.«
Sie entdeckten Reste von Holzkohlebrocken, die sie mithilfe ihrer Öllampen zum Brennen brachten. Das notwendige Wasser, um wenigstens einen Kessel zu füllen, schöpften sie sich aus dem Becken eines Wasserfalls.
»Und jetzt?«, wollte Boїndil gespannt wissen.
»Warten wir ab«, erwiderte Tungdil.
Sie dösten eine Weile, um sich von den Anstrengungen der Arbeit auszuruhen. Ingrimmsch packte Tungdil plötzlich am Arm. »Da! Das Bleikügelchen in dem Rohr hat sich bewegt!«
Tungdil richtete sich auf. Und wirklich tanzte die graue Kugel inmitten des Röhrchens. Aus zwei Ventilen schoss heißer Wasserdampf.
»Was kommt als Nächstes?«, murmelte Boëndal neugierig.
Das Gestänge drehte sich langsam um die eigene Achse, woraufhin sich das Erste der unendlich vielen Zahnräder laut quietschend in Bewegung setzte, eine halbe Umdrehung schaffte und stehen blieb. Ein drittes Ventil öffnete sich. Laut zischend entwich Luft.
»Natürlich, es ist der Dampfdruck!«, verstand Tungdil und empfand Hochachtung vor den Ingenieuren der Zwerge, die sich die Konstruktion vor tausenden von Zyklen ausgedacht hatten. »Anstelle von Wasserkraft treibt der Dampf die Räder an!« Die Zwillinge schauten ihn verwirrt an. »Habt ihr noch niemals versucht, einen Deckel auf einem kochenden Topf festzuhalten?«
»Bin ich ein Koch?«, begehrte Boїndil auf.
»Ich begreife«, nickte sein Bruder. »Durch den Dampf drehen sich die Zahnräder. Damit kann man die Flaschenzüge bewegen und die Loren auf die Schiene setzen, ganz ohne Kraft.« Er betrachtete das Gewirr aus Stangen. »Der Dampfdruck eines Kessels wird wohl nicht ausreichen, die Vorrichtung anzutreiben.«
»Macht nichts«, sagte Tungdil. »Wir brechen sowieso erst morgen auf, und bis dahin...«
Ingrimmsch fuhr plötzlich herum und blickte misstrauisch zum Eingang. »Da war etwas«, knurrte er, und seine Kampfinstinkte erwachten.
»Bestimmt ein Ork«, zog ihn Tungdil auf. »Geh und sieh nach.«
»Darauf kannst du dich verlassen«, nickte er und trabte zum Portal, wo er sich genau umschaute. Er nahm einen Stein auf, wog ihn in der Hand, drehte sich nach rechts, um dann unvermittelt herumzuwirbeln und sein Geschoss in die Dunkelheit zu schleudern.
Tatsächlich kreischte etwas in der Finsternis auf; sie hörten schnelles Trappeln, als es sich entfernte. Eine kleine, Tungdil merkwürdig bekannt vorkommende Silhouette huschte durch den Einlass und flüchtete vor dem Zwerg, der bereits seine Beile gezogen hatte und sich auf einen Kampf vorbereitete.
»Was mag das gewesen sein?«, fragte Tungdil. »Hast du etwas erkannt?«
»Nein. Da es uns aber nicht angegriffen hat, kann es nichts Schlimmes gewesen sein«, lautete Boëndals Antwort, während sein Bruder mit enttäuschtem Gesicht zurückkehrte.
»Es war kein Ork«, beschwerte er sich. »Irgendein Viech, das zu schnell rannte, um es zu erledigen.«
»Wir sehen nach, was sich hinter den kleineren Portalen verbirgt, und kehren dann zurück«, beschloss Tungdil. »Das genügt für heute.«
»Was soll da schon sein? Schienen vermutlich. Das weiß ich sogar«, erwiderte Boїndil mürrisch, weil sie auf keinen einzigen Widersacher gestoßen waren, an dem er seine Beile wetzen durfte.
Tungdil legte den Hebel um, der neben der ersten Schiene aus dem Boden ragte, und tatsächlich schwangen die Flügeltüren auf. Dahinter gähnte ein schwarzes Loch, in das die Trasse hineinführte.
»Ho, das wird ein Ritt«, meinte Ingrimmsch. »Schwärzer als im Hintern eines Trolls. Man sieht die Hand vor Augen kaum.«
»Du siehst ebenso gut im Dunkeln wie ich«, entgegnete sein Bruder amüsiert, obwohl er einräumte, dass die Finsternis des Stollens selbst seine Augen auf eine harte Probe stellte. Mehr als zehn Schritte konnte er nicht voraussehen. »Die Langen brauchten Fackeln«, fügte er hinzu.
»Die sollten wir auch mitnehmen und entzünden«, empfahl Tungdil, »sonst gewöhnen wir uns zu sehr an die Dunkelheit und sind geblendet, wenn uns unterwegs auch nur der geringste Lichtstrahl trifft. Eine Spalte im Gebirge reicht aus und wir sind unsere Sehkraft los.«
Boїndil indes bewies Forscherdrang, indem er einige Schritte in den Tunnel hineinlief, während Tungdil die verstaubte Inschrift las, die neben der Röhre in die Wand gemeißelt war.
»Das ist die Strecke ins Reich der Ersten«, übersetzte er laut für die anderen mit. Dabei formte sich ein Bild in seinem Kopf, wie es einst in der Halle zugegangen sein mochte.
Auf diesen Schienen brachen sie zur Reise auf, und dort, wo die Holzwände am Ende stehen, kehrten die Loren von ihrer Fahrt zurück. Die mit Strohsäcken gepolsterten Barrikaden dienten sicherlich dazu, die Karren aufzuhalten, falls die Bremsen versagten.
Grübelnd schritt er die Gleise ab, bis er am vierten Tor angelangte. »Schaut nur, hier geht es tatsächlich zum Stamm Lorimbur!«, rief er den beiden zu. Waren die Beziehungen früher einmal besser, oder welchen Grund gab es, eine eigene Verbindung zu den Dritten zu unterhalten?
»Das war bestimmt, um Krieg gegen sie zu führen«, drang es hohl aus der Röhre, in der Ingrimmsch verschwunden war. »Hier ist es verflucht eng. Wenn die Karren drin sind, passt gerade mal ein Zwerg rechts und links neben die Trasse.«
Tungdil ließ Boїndils Vermutung über einen Krieg gegen die Dritten unbeantwortet. »Komm, wir gehen«, drängte er ihn stattdessen, aus dem Tunnel zurückzukehren.
»Ho, ich bin am Ende angekommen und hier... hier fällt der Weg fast senkrecht nach unten. Das dürfen wir Goїmgar keinesfalls erzählen, sonst wird er nicht einsteigen wollen.« Sein dunkles Lachen dröhnte dumpf zu ihnen herauf und wurde lauter, als er von seinem Erkundungsgang zurückkehrte. »Schaut mal, wie ich aussehe!« Er hing voller Spinnweben, die getrockneten Überreste von Insekten hatten sich in seinem Bart verfangen. Boëndal fischte die Fäden von seinem Kettenhemd und klaubte sich den Schmutz aus dem Bart.