Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Die Jüdin von Toledo - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 121
Перейти на страницу:

Alfonso stand verlegenen, grimmigen Gesichtes; auch Don Pedro schien befangen. Plötzlich aber, in die Stille hinein, sagte mit ihrer harten, noch kindlichen Stimme Berengaria: »Wir verstehen dich, Frau Großmutter und Königin. Entweder sind die beiden Fürsten, mein Herr Vater und mein Herr Gemahl, völlig und von Herzen einig, oder sie werden von den Heiden geschlagen. Tertium non datur – Ein Drittes gibt es nicht.«

»Du hast es begriffen, kleine Enkelin«, sagte Ellinor. »Und jetzt«, wandte sie sich an die Könige, »in Gegenwart von uns drei Frauen, küsset euch brüderlich und schwört auf das Evangelium, daß ihr es halten werdet, wie ihr’s unterschrieben und gesiegelt habt.« Am Tage, bevor die Versammlung auseinandergehen und ein jeder seine Straße ziehen sollte, feierte man Abschied im Castillo von Burgos.

An diesem Tage erfüllte Bertran de Born eine Bitte, die er bisher geflissentlich überhört hatte. Er sang selber sein Lied zum Preise des Krieges, das Lied vom Sterben in der Schlacht, das berühmte Lied: »Be’m platz lo gais temps de Pascor.«

Er sang:

»Der süße Lenz gefällt mir wohl, Wenn Blatt und Blüte neu entspringt; Es freut mich, höre ich den Chor Der Vögel, deren Lied verjüngt Erschallet in den Wäldern. Mehr aber freut’s mich, seh ich weit Gezelte an Gezelt gereiht Und ringsum auf den Feldern Ritter und Roß zum nahen Streit Bewaffnet stehen und bereit. Mich freut’s auch, wenn die Plänkler nahn Und furchtsam Mensch und Herde flieht Und dann statt ihrer auf den Plan Ein rauschend Heer von Kriegern zieht.«

Die alte Königin Ellinor, der Bertran einmal nahegestanden war, hörte mit heiterer Rührung zu, wie der alte Mann die wilden, grimmig fröhlichen Verse sang. Schon damals, da er sich, ein halber Knabe noch, ungestüm an sie heranmachte, hatte er sie fast ebenso erheitert wie gerührt. Er war der gleiche geblieben, der liebe Bertran, eine einmalige Mischung von Mut, Frechheit und Dichtergabe. Er hatte sein Leben lang nein gesagt zu jeder Niederlage und war sichtlich noch jetzt entschlossen, zu kämpfen und zu singen und nicht aufzugeben, eh ihm der Tod die Schulter klopfte – genauso wie sie selber nicht aufgeben wird.

Sang Bertran:

»Es ist mir Augenweide, Wenn man ein festes Schloß berennt, Die Mauer klafft, das Pfahlwerk brennt. Auch hab ich meine Freude dran, Wenn auf der weiten Heide Die wackern Reiter sprengen an. Es rinnt das Blut, es bricht der Speer, Und Lanz und Schwert sind Splitter. Die Rosse rennen wild umher, Gefallen sind die Ritter. Macht kein Gewese davon her. Solch Sterben ist nicht bitter Besser, wer tot vorm Feinde liegt, Als wer entläuft und lebt, besiegt.«

Das rote Gesicht des Erzbischofs Don Martín rötete sich noch tiefer, er atmete stark, er bewegte die Lippen, die Verse leise mitsprechend. Der junge Alazar starrte verzückt auf den Sänger, seine Augen rissen Bertran jedes Wort von den Lippen. Bisher hatte Alazar von der Herrlichkeit des Krieges nur geträumt: jetzt sah er, hörte er, fühlte er sie mit jeder Faser. Dieser Ritter Bertran sprach aus, was Alazar durch die Brust ging, seitdem er in Kastilien war. Aus dem Munde dieses Mannes klirrte der Krieg. Was dieser Ritter Bertran sang, dafür lebte er, Alazar.

Sang Bertran:

»Nicht Speis noch Trank, nicht Schlaf noch Weib Ist mir solch süßer Zeitvertreib, Als wenn ich’s höre schallen: A lor! A lor! Schlagt drauf! Haut ein! Und große Herrn und Knechte klein Todwund zur Erde fallen. Die Pferde wiehern reiterleer. Getroffne schrein: Aidatz! Hilf! Her! Von allen Seiten übers Feld Das herrlich wilde Schreien gellt, Geschrei des Siegs, Geschrei der Not. Das grüne Gras ist rot von Tod. Ein Leichenhauf die Erde deckt, Und in so mancher Brust noch steckt, Dieweil der Leib weit offen klafft, Bewimpelt bunt der Lanzenschaft.«

Hingerissen hörten die Versammelten zu. A lor! Aidatz! Schlagt drauf! Hilf! Her! Die ganze alte Burg klang wider von der blutigen Begeisterung des Ritters Bertran, von der Lust des Tötens.

Mehr noch als die andern schätzte und schmeckte der Domherr Don Rodrigue die federnde Kraft der klingenden provençalischen Verse. Aber nicht Enthusiasmus erregten sie ihm, sie erregten ihm Schauder. Mit Entsetzen sah er das Gesicht des Königs, den er liebte wie einen Sohn. Ja, »vultu vivax« war Don Alfonso, da hatte Rodrigue die rechten Worte gefunden: das Gesicht spiegelte die Seele erschreckend treu wider. Was es aber jetzt spiegelte, das war schiere Lust am Dreinhaun, am Zerstören, jener Jezer Hara, der böse Trieb, von dem Musa immer wieder redete.

Don Rodrigue schloß die Augen; er konnte die Gesichter dieser Ritter und Damen nicht länger sehen. Bestürzt erkannte er: er hätte seinen Alfonso lieber noch Monate und Jahre hindurch in der sündigen Gemeinschaft der verstockten Jüdin gesehen als in der fromm und blutig begeisterten Verbundenheit mit den Kriegern Gottes.

Der Domherr hatte im Gefolge des Königs nach Toledo zurückreisen wollen. Er hatte sich vorgenommen, auf dieser Reise endlich seine Pflicht zu tun, den König zu mahnen. Jetzt gab er’s auf.

Noch in der gleichen Nacht, in Hast, machte er sich auf den Weg und ritt zurück nach Toledo, noch tiefer bedrückt, als er gekommen war, schuldhaft infectis rebus, unverrichteterdinge.

Drittes Kapitel

Seitdem Don Jehuda Ibn Esra Nachricht vom Tode König Heinrichs erhalten hatte, wußte er: nun wird binnen Wochen, vielleicht binnen Tagen der große Krieg mit den Moslems ausbrechen, den zu verhindern er Sevilla und sein altes Leben aufgegeben hatte. Jetzt rollte das ungeheure Rad heran, unaufhaltsam. Der Kalif wird seine Heere ins Andalús führen, Niederlagen Alfonsos waren unausbleiblich, und die Bürger Toledos werden die Schuld daran nicht dem König, sie werden sie ihm, Jehuda, und den Juden zuschreiben. Was er als Knabe in Sevilla hat mitansehen müssen, wird sich hier wiederholen. Und die volle Wut Edoms wird die sechstausend fränkischen Flüchtlinge treffen, die er ins Land gezogen hat. Wie hatte er triumphiert, als er das Privileg für sie erlistete; wie ein Oker Harim, ein Mann, der Berge versetzen kann, war er sich vorgekommen. Und nun werden seine Siedler hier Schlimmeres erleiden, als sie es je in Deutschland hätten erdulden müssen. Auf sich gerichtet sah er die frommen, besessenen, verachtungsvollen Augen des Rabbi Tobia.

Meldungen aus Engelland mehrten seine Angst. Anläßlich der Krönung Richards hatte auch eine jüdische Delegation unter Führung des Aaron von Lincoln und des Baruch von York dem König im Dome von Westminster Geschenke überreichen und ihn um Bestätigung der alten Privilegien bitten wollen. Es war aber den Juden der Einlaß in die Kirche verwehrt worden, und das Gerücht hatte sich verbreitet, der König gebe ihr Leben und ihre Habe dem guten Volk von London preis. Geführt von Kreuzfahrern, hatte die Menge die Häuser der Juden geplündert, sie mißhandelt, viele in die Kirchen geschleppt, sie zu taufen, und solche, die widerstrebten, getötet. Ähnliches war in Norwich geschehen, in Lynn und Stamford, in Lincoln und York. Aaron von Lincoln war es geglückt, heil aus London zu fliehen, doch nur um bei den Unruhen in Lincoln umzukommen. Baruch von York hatte sich der Taufe gefügt. Den Tag darauf hatte König Richard ihn gefragt, ob er denn nun auch im Herzen Christ sei. Baruch hatte erwidert, er habe nur sein Leben retten wollen, im Herzen sei er Jude geblieben. »Was fangen wir mit dem Manne an?« hatte Richard den Erzbischof von Canterbury gefragt. »Wenn er Gott nicht dienen will«, hatte mürrisch der Prälat geantwortet, »mag er in Gottes Namen im Dienst des Teufels bleiben.« So war denn Baruch als Jude nach York zurückgekehrt; dort war er mitsamt seiner Familie erschlagen worden.

1 ... 81 82 83 84 85 86 87 88 89 ... 121
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)