Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Verliert sie das Kind? Ist es das?«
Es kam mir extrem wahrscheinlich vor. Ich wand mich grunzend auf dem Bett und krümmte mich noch fester zusammen, als wollte ich die schmerzhafte Bürde in meinem Inneren beschützen.
Im Zimmer herrschte ein zunehmendes Gewirr von Stimmen, die meisten weiblich, und diverse Hände fingerten an mir herum. Ich hörte, wie sich inmitten des Gewirrs eine Männerstimme erhob; nicht Jamie, ein Franzose. Auf Anweisung dieser Stimme legten sich Hände um meine Knöchel und Schultern und zogen mich auf dem Bett gerade.
Eine Hand griff unter mein Nachthemd und betastete meinen Bauch. Ich öffnete keuchend die Augen und sah Monsieur Flèche, den Königlichen Leibarzt, mit konzentriert gerunzelter Stirn neben dem Bett knien. Dieses Anzeichen der königlichen Gunst hätte mir schmeicheln sollen, doch ich hatte nur wenig Aufmerksamkeit dafür übrig. Das Wesen der Schmerzen schien sich jetzt zu verändern; sie schienen zwar in Krämpfen stärker zu werden, blieben aber ansonsten mehr oder weniger konstant, und doch schien der Schmerz sozusagen zu wandern, von einem Punkt weiter oben in meinem Bauch hinunter in die Tiefe.
»Keine Fehlgeburt«, sagte Monsieur Flèche in diesem Moment beruhigend zu Jamie, der ihm nervös über die Schulter blickte. »Sie blutet nicht.« Ich sah, wie eine der anwesenden Damen voll gebanntem Entsetzen auf Jamies narbigen Rücken starrte. Sie packte eine Begleiterin am Ärmel, um sie darauf aufmerksam zu machen.
»Vielleicht eine Entzündung der Gallenblase«, sagte Monsieur Flèche jetzt. »Oder eine plötzliche Verkühlung der Leber.«
»Idiot«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen.
Monsieur Flèche sah mich von sehr weit oben herab an und setzte dann etwas verspätet seinen vergoldeten Zwicker auf, um die Wirkung noch zu verstärken. Er legte mir eine Hand auf die klamme Stirn, wobei er mir rein zufällig die Augen verdeckte, so dass ich ihn nicht länger anfunkeln konnte.
»Höchstwahrscheinlich die Leber«, sagte er zu Jamie. »Eine Unterfunktion der Gallenblase verursacht diese Ansammlung von Gallensäften im Blut, welche große Schmerzen zur Folge hat – und vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit«, fügte er in einem Ton hinzu, der keine Widerrede duldete, und drückte fester zu, weil ich jetzt um mich zu schlagen versuchte. »Sie sollte auf der Stelle zur Ader gelassen werden. Plato, die Schüssel!«
Ich befreite eine Hand und schlug mir seine Hand vom Kopf.
»Fort von mir, Quacksalber! Jamie! Lass nicht zu, dass sie mich damit anrühren!« Plato, Monsieur Flèches Assistent, kam jetzt mit Lanzette und Schüssel auf mich zu, während sich die Damen im Hintergrund erregt Luft zufächelten, um nicht von so viel Drama überwältigt zu werden.
Jamie, der kreidebleich war, blickte hilflos von mir zu Monsieur Flèche. Plötzlich entschlossen, packte er den arglosen Plato und zog ihn vom Bett zurück, drehte ihn um und schob ihn auf die Tür zu, so dass seine Lanzette in die Luft stach. Die Dienstmägde und Damen wichen kreischend vor ihm zurück.
»Monsieur! Monsieur le chevalier!«, rief der Arzt außer sich. Er hatte sich professionell die Perücke aufgesetzt, als man ihn rief, doch er hatte sich nicht die Zeit genommen, sich anzukleiden, und die Ärmel seines Nachthemds flatterten wie Flügel, während er Jamie durch das Zimmer folgte und dabei wie eine irrsinnige Vogelscheuche mit den Armen wedelte.
Der Schmerz nahm wieder zu, eine Schraubzwinge, die mir das Innere zusammendrückte, und ich schnappte nach Luft und krümmte mich erneut zusammen. Als der Anfall nachließ, öffnete ich die Augen und sah, dass eine der Damen den Blick aufmerksam auf mein Gesicht gerichtet hatte. Ich konnte ihr ansehen, dass ihr etwas dämmerte, und ohne den Blick von mir abzuwenden, beugte sie sich zu einer ihrer Begleiterinnen hinüber, um ihr etwas zuzuflüstern. Es war so laut im Zimmer, dass ich sie nicht hören konnte, doch ihre Lippen konnte ich deutlich lesen.
»Gift«, sagte sie.
Mit einem ominösen Gurgeln verlagerte sich der Schmerz abrupt in die Tiefe, und endlich begriff ich, was es war. Keine Blinddarmentzündung und erst recht keine verkühlte Leber. Es war bitteres Cascara.
»Ihr!«, sagte ich und schritt drohend auf Meister Raymond zu, der unter der schützenden Ägide seines ausgestopften Krokodils defensiv hinter seinem Werktisch hockte. »Ihr! Ihr verdammter, froschgesichtiger kleiner Wurm!«
»Ich, Madonna? Ich habe Euch doch keinen Schaden zugefügt, oder?«
»Abgesehen davon, dass Ihr dafür gesorgt habt, dass ich vor den Augen von über dreißig Menschen fürchterlichen Durchfall bekomme, dass ich schon an eine Fehlgeburt glaube und dass mein Mann vor Angst fast wahnsinnig wird, nein, gar keinen Schaden!«
»Oh, Euer Gemahl war anwesend?« Meister Raymonds Miene war beklommen.
»Oh ja«, versicherte ich ihm. Tatsächlich hatte ich nur mit beträchtlichen Schwierigkeiten verhindern können, dass Jamie selbst die Apotheke aufsuchte, um Meister Raymond mit Gewalt zu entlocken, was auch immer er über die Sache wusste. Ich hatte ihn schließlich überredet, draußen in der Kutsche zu warten, während ich mit dem Amphibienmännchen sprach.
»Immerhin seid Ihr nicht tot, Madonna«, führte der kleine Kräuterhändler an. Er hatte so gut wie keine Augenbrauen, doch eine Seite seiner breiten, schweren Stirn zog sich aufwärts in Falten. »Das wäre schließlich auch möglich gewesen.«
Diese Tatsache hatte ich in der Anspannung der Nacht und der darauf folgenden körperlichen Schwäche völlig übersehen.
»Es war also nicht nur ein böser Streich?«, sagte ich etwas schwach. »Man wollte mich tatsächlich vergiften, und ich bin nur deshalb noch am Leben, weil Ihr Skrupel besitzt?«
»Möglicherweise sind es nicht nur meine Skrupel, die für Euer Überleben verantwortlich sind, Madonna; es ist ja durchaus möglich, dass es ein Streich sein sollte – es gibt vermutlich noch andere Quellen, von denen man Cascararinde erwerben kann. Doch ich habe diese Substanz im Lauf des letzten Monats an zwei Personen verkauft – und keine der beiden wollte sie eigentlich haben.«
»Ich verstehe.« Ich holte tief Luft und wischte mir mit dem Handschuh den Schweiß von der Stirn. Es gab also zwei potentielle Giftmörder; das fehlte mir noch.
»Sagt Ihr mir, wer es ist?«, fragte ich unverblümt. »Am Ende kaufen sie nächstes Mal bei jemand anderem. Jemandem, der Eure Skrupel nicht teilt.«
Er nickte, und sein breiter Froschmund zuckte nachdenklich.
»Möglich wäre es, Madonna. Was die tatsächlichen Käufer betrifft, so glaube ich nicht, dass Euch dieses Wissen helfen würde. Es waren Dienstboten, die eindeutig nur im Auftrag handelten. Eines war eine Zofe der Vicomtesse de Rambeau; den anderen Mann kannte ich nicht.«
Ich trommelte mit den Fingern auf die Ladentheke. Der einzige Mensch, der mir offen gedroht hatte, war der Comte St. Germain. War es möglich, dass er einen anonymen Bediensteten angeheuert hatte, um etwas zu erwerben, was er für Gift hielt, und es mir dann selbst ins Glas geschüttet hatte? Ich dachte an den Abend in Versailles zurück und hielt es durchaus für möglich. Die Weingläser waren von Bediensteten herumgetragen worden; der Comte war zwar nicht auf Armeslänge in meine Nähe gekommen, doch es wäre kein großes Problem gewesen, einen Dienstboten zu bestechen, damit er mir ein bestimmtes Glas reichte.
Raymond betrachtete mich neugierig. »Ich möchte Euch fragen, Madonna, habt Ihr irgendetwas getan, um die Vicomtesse gegen Euch aufzubringen? Sie ist eine sehr eifersüchtige Frau; es wäre nicht das erste Mal, dass sie meine Hilfe in Anspruch nimmt, um sich einer Rivalin zu entledigen, auch wenn diese Anwandlungen glücklicherweise stets von kurzer Dauer sind. Der Vicomte hat nämlich ein unersättliches Auge – es gibt stets eine neue Rivalin, die sie von der letzten ablenken kann.«