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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Sie vertrauen denen also?«

«Mein Gott, ja! Die haben über Ottawa mit mir Verbindung aufgenommen. Ihre Anweisungen kamen aus Ottawa.«

«Sind sie jetzt in der Botschaft?«

«Nein, auf einem Außenposten. «Corbelier hielt inne, offensichtlich strengte ihn das Gespräch an.»Herrgott, Marie, wo sind Sie?«

Borowski nickte wieder. Jetzt sprach sie.

«Wir sind in der >Auberge du Coin<, in Montrouge. Unter dem Namen Briggs.«

«Ich schicke Ihnen den Wagen jetzt gleich.«

«Nein, Dennis!«protestierte Marie und sah dabei Jason an, dessen Augen sie aufforderten, seinen Instruktionen zu folgen.»Schicken Sie am Morgen einen, gleich in der Früh — in vier Stunden, wenn Sie wollen.«

«Das kann ich nicht. Ihretwegen.«

«Sie müssen; Sie verstehen nicht. Man hat ihn in eine Falle gelockt und jetzt hat er Angst; er will fliehen. Geben Sie mir Zeit, ich kann ihn dazu überreden, sich zu stellen. Ich brauche nur noch ein paar Stunden. Er ist noch ganz durcheinander, tut aber alles, was ich sage. «Marie sprach die Worte aus und sah Borowski dabei an.

«Was für ein Schweinehund ist er denn?«

«Einer, der Angst hat«, antwortete sie.»Einer, den man fertiggemacht hat.«

«Marie…?«Corbelier hielt inne.»Also gut, gleich am Morgen. Sagen wir… sechs Uhr. Und, Marie, die wollen Ihnen wirklich helfen.«

«Ich weiß, gute Nacht.«

«Gute Nacht. «Marie legte auf.

«So, jetzt warten wir«, sagte Borowski.

«Ich weiß nicht, was du beweisen willst. Natürlich wird er die FS-Fünfer anrufen und natürlich werden die hier erscheinen. Womit rechnest du denn? Er hat es ja zugegeben.«

«Und diese FS-Fünfer sind diejenigen, die uns die Nachricht schicken?«

«Ich vermute, daß sie uns zu demjenigen bringen, der sie geschickt hat. Oder dafür sorgen werden, daß wir Verbindung mit ihm bekommen.«

Borowski sah sie an.»Hoffentlich hast du recht. Wenn das Beweismaterial, das in Zürich gegen dich aufgebaut worden ist, nicht Teil einer Nachricht ist, um mich zu finden — dann bin ich tatsächlich jener seelisch Kranke, wie du ihn Corbelier geschildert hast. Es gibt niemanden auf der Welt, der sich mehr wünscht, daß du recht hast, als ich. Aber ich glaube es nicht.«

Um drei Minuten nach zwei Uhr flackerten die Lampen im Motelkorridor und verloschen. Die einzige Lichtquelle war jetzt die schwache Beleuchtung, die aus dem Treppenhaus kam. Borowski stand an der Zimmertür, die eine Handbreit geöffnet war, und beobachtete, die Pistole in der Hand, die Lichter ausgeschaltet, den Korridor durch die schmale Spalte. Marie stand hinter ihm und spähte über seine Schulter; keiner von beiden sagte ein Wort.

Die Schritte waren gedämpft, aber nicht zu überhören. Deutlich, auffällig, zwei Paar Schuhe, die vorsichtig die Treppe heraufkamen. Binnen Sekunden konnte man die Umrisse zweier Männer sehen, die aus dem Lichtschein traten. Marie stöhnte unwillkürlich; Jason griff über seine Schulter und seine Hand legte sich über ihren Mund. Er begriff; sie hatte einen der beiden Männer erkannt, einen Mann, den sie schon einmal gesehen hatte. In der Steppdeckstraße in Zürich, wenige Minuten bevor ein anderer sie umbringen wollte. Es war der blonde Mann, den sie in Borowskis Zimmer hinaufgeschickt hatten, der Scout, den man jetzt nach Paris geholt hatte, um Borowski endlich zu erledigen. In der linken Hand hielt er eine dünne Taschenlampe, in der rechten eine Pistole, auf deren langem Lauf ein Schalldämpfer aufgeschraubt war.

Sein Begleiter war kleiner, kompakter; er bewegte sich wie ein Tier, Schultern und Hüften im Einklang mit den Beinen. Er hatte sein Revers hochgeklappt, und auf seinem Kopf saß ein schmalkrempiger Hut, der sein unsichtbares Gesicht in Schatten hüllte. Borowski starrte diesen Mann an; seine Gestalt, seine Art zu gehen, wie er den Kopf hielt, kam ihm irgendwie vertraut vor, wer war das? Er kannte ihn.

Aber jetzt war nicht die Zeit, darüber nachzudenken; die beiden Männer näherten sich der Tür des Raumes, der auf den Namen von Mr. und Mrs. Briggs reserviert war. Der blonde Mann richtete seine Taschenlampe auf die Zimmernummer und ließ den Lichtkegel dann zur Türklinke und zum Schloß hinunterwandern.

Was dann folgte, verschlug den Zuschauern den Atem. Der breitschultrige Mann hielt einen Schlüsselbund in der rechten Hand, hielt ihn in den Lichtkegel, suchte einen speziellen Schlüssel aus. In der linken Hand hielt er eine Waffe; im schwachen Licht konnte man den übergroßen Schalldämpfer für eine großkalibrige Automatic erkennen, ähnlich der Sternlichtluger, die die Gestapo im Zweiten Weltkrieg so gerne benutzt hatte. Sie konnte Wabenstahl und Beton durchschlagen, und ein Schuß würde nicht lauter als ein rheumatisches Husten klingen, die ideale Waffe, um in einer stillen Umgebung nachts Feinde zu erledigen, ohne daß die Bewohner in der Umgebung irgendeine Störung bemerkten, nur am Morgen das Verschwinden eines Nachbarn.

Der Kleinere schob den Schlüssel ins Schloß, drehte ihn lautlos und richtete dann den Lauf seiner Waffe auf das Schloß. Ein dreimaliges Husten, begleitet von drei Lichtblitzen; das Holz, das die Schrauben umgab, zersplitterte. Die Tür öffnete sich; die beiden Killer rannten hinein.

Zwei Sekunden lang herrschte Schweigen, dann gedämpftes Pistolenfeuer, hustende Laute und weiße Blitze aus der Dunkelheit. Die Türe flog zu; sie blieb nicht geschlossen, öffnete sich wieder, als lautere Geräusche aus dem Raum drangen. Schließlich fanden sie den Lichtschalter; die Beleuchtung wurde kurz angeknipst und dann die Lampe wütend ausgeschossen. Das Geräusch von zersplittertem Glas. Ein verärgerter Ausruf aus der Kehle eines wütenden Mannes.

Die zwei Killer rannten heraus, die Waffen schußbereit, damit rechnend, in eine Falle zu gehen, verblüfft, daß da keine war. Sie erreichten das Treppenhaus und rannten hinunter. Jetzt öffnete sich eine Türe rechts von dem Raum, in den sie eingedrungen waren. Ein Gast sah blinzelnd heraus, zuckte dann die Achseln und ging wieder hinein. Jetzt herrschte in dem verlassenen Korridor wieder Schweigen.

Borowski rührte sich nicht von der Stelle, hielt Marie St. Jacques im Arm. Sie zitterte, hatte den Kopf an seine Brust gelegt, schluchzte leise, hysterisch, ungläubig. Er ließ die Minuten verstreichen, bis ihr Zittern nachließ und anstelle des Schluchzens tiefe Atemzüge traten. Er konnte nicht länger warten; sie mußte es selbst sehen. Sie mußte es endlich begreifen. Ich bin Cain. Ich bin der Tod.

«Komm!«flüsterte er.

Er führte sie in den Korridor hinaus, auf das Zimmer zu, das sein letzter Beweis war. Er stieß die zerbrochene Türe auf, und sie gingen hinein.

Sie stand reglos da, von dem Anblick, der sich ihr bot, geschockt. Rechts von der offenen Tür war die undeutliche Silhouette einer Gestalt zu erkennen. Das Licht dahinter war so gedämpft, daß man nur die Umrisse sehen konnte. Das Auge mußte sich erst an die seltsame Mischung von Dunkelheit und Helligkeit gewöhnen. Es war die Gestalt einer Frau in einem langen Kleid, der Stoff raschelte leicht im Windzug, der vom offenen Fenster hereinkam.

Fenster. Genau vor ihnen bewegte sich eine zweite Gestalt, kaum sichtbar, aber vorhanden. Ihre Umrisse waren nur ein undeutlicher Fleck, den das Licht von der fernen Straße beleuchtete. Kurze, heftige Zuckungen ließen Marie erstarren.

«O Gott«, stammelte sie.»Schalte das Licht ein, Jason.«

«Nein, es funktioniert nicht«, erwiderte er.»Da sind nur zwei Tischlampen, eine haben sie gefunden. «Er ging vorsichtig durchs Zimmer und fand die Lampe, die er suchte; sie stand nahe bei der Wand auf dem Boden. Er kniete nieder und knipste sie an; Marie schauderte.

Vor der Badezimmertür hing ihr langes Kleid, von Fäden festgehalten, die er aus einem Vorhang gezogen hatte, flatterte es im Wind. Es war von Kugellöchern zerfetzt.

Am Fenster waren Borowskis Hemd und Hose mit Reißzwecken am Fensterrahmen befestigt, die Scheiben an beiden Ärmeln zerschlagen, so daß der Wind von draußen den Stoff bewegen konnte. Das weiße Tuch des Hemds war an einem halben Dutzend Stellen durchlöchert, und eine schräge Reihe von Einschußlöchern verlief quer über die Brust.

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