Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Ich habe nicht mal gesehen, daß du ihn berührt hast«, sagte Torian. »Verstößt es nicht gegen deine Berufsehre, einen Kollegen zu beklauen?«
Garth kicherte. »Im Gegenteil. Ich beklaue nur Reiche oder andere Diebe. Das stellt wenigstens eine sportliche Anforderung dar. Noch so ein paar Anfänger, und wir haben das Geld für die Schiffspassage zusammen.«
Torian verkniff sich eine Antwort. Gegen Garths Argumentation – so fadenscheinig sie war – kam er ohnehin nicht an. Er trank einen Schluck. Das Bier schmeckte dünn und schal. Es befand sich zuviel Wasser darin, aber dafür war der Krug auch nur zu zwei Dritteln gefüllt. Außerdem war es warm.
Seufzend leerte er ihn und bestellte einen neuen, nachdem er sich den Schaum vom Mund gewischt hatte.
Ein junges Mädchen, das Kaam hinter der Theke half, brachte ihnen das Essen. Ihrer aufreizenden Kleidung und den Falten zufolge, die sich trotz ihrer Jugend bereits in ihr Gesicht gegraben hatten, schienen Bier und Fisch nicht das einzige zu sein, was sie zu verkaufen hatte.
Unschlüssig betrachtete Torian seinen Teller. Er hatte Fisch noch nie sonderlich gemocht, probierte einen Happen und verzog angewidert das Gesicht. »Jetzt weiß ich auch, wieso hier so viel los ist«, sagte er mit gespieltem Ernst. »Kaam vergiftet seine Gäste, damit niemand erzählen kann, was für einen Fraß er hier verkauft.«
»Und zu welchem Preis«, fügte Garth im gleichen Tonfall hinzu. Mißtrauisch beäugte er seinen Fisch, drehte ihn mit spitzen Fingern herum und roch daran. »Der ist wohl auch schon ein bißchen länger tot«, kommentierte er, riß dann aber doch einen großen Streifen Fleisch ab und stopfte ihn sich in den Mund. »Was soll’s, ist ja quasi geschenkt.«
Torian würgte noch einige Bissen gegen den schlimmsten Hunger hinunter, dann schob er den Teller von sich und spülte den schlechten Geschmack des Fisches mit dem etwas weniger schlechten Geschmack des Bieres hinunter. Garth rülpste ungeniert. Von seinem Fisch waren nur noch ein paar Gräten übrig.
»Kümmern wir uns um unsere Passage. Kaam wird schon auf uns warten«, sagte er und wischte sich die fettigen Finger an der Hose ab. Er deutete unauffällig auf eine Tür im Hintergrund des Raumes. »Wir müssen außen rum, damit es nicht auffällt.«
Sie drängten sich durch die Menge zum Ausgang und verließen die Schenke. Nach der stickigen Wärme im Inneren kam Torian die frische Nachtluft eisig vor, obwohl der Nebel immer noch wie eine Glocke über der Stadt lastete. Er atmete ein paarmal tief durch. Was er roch, waren Meer und Kälte und Nebel. Aber auch noch etwas anderes... Er verscheuchte den Gedanken.
»Hier lang«, sagte Garth und führte ihn um das Gebäude herum in eine schmale Gasse, bis sie ein kleines Tor an der Seitenwand erreichten. Noch bevor er die Hand hob, um anzuklopfen, wurde es von dem Mädchen geöffnet. »Kommt herein.«
Sie gelangten auf einen mit Schmutz und Unrat übersäten Hof und von dort aus wieder ins Haus hinein. Das Mädchen führte sie in ein Zimmer, wo Kaam bereits auf sie wartete.
»Kümmere dich so lange allein um die Gäste«, befahl er mit barscher Stimme, bevor er sich an Garth wandte. Er schüttelte den Kopf. Von dem verschlafenen Ausdruck in seinem Blick war nichts mehr geblieben.
»Garth, Die Hand. Freut mich, dich wiederzusehen, ehrlich. In letzter Zeit treibt sich nur noch primitives Gesindel in der Stadt herum. Die ganze Arbeit macht keinen Spaß mehr. Aber ich habe nie geglaubt, daß du tot bist. Es wäre ein schlechter Witz, wenn ein Mann von deiner Begabung ausgerechnet auf einem Schlachtfeld sterben würde.«
Jetzt, wo sie allein waren, erwies sich Kaam als ebenso geschwätzig, wie er sich vorher wortkarg gegeben hatte. Er sprach schnell – und fast, ohne Luft zu holen –, aber wenigstens waren seine Worte jetzt klar zu verstehen. Auch machte er nicht mehr den Eindruck, als ob er jeden Moment einschlafen würde. Im Gegenteil, er wirkte so hellwach, wie er es wahrscheinlich die ganze Zeit über gewesen war. »Hast du schon mit Boron gesprochen?« erkundigte er sich und fuhr fort, ohne eine Antwort abzuwarten: »Er wird sich freuen, dich zu sehen. Der Alte hat die Hoffnung auf bessere Zeiten noch nicht aufgegeben. Aber kommen wir zu dir. Du bist doch bestimmt nicht mit leeren Händen gekommen. Was hast du...«
»Nichts«, unterbrach Garth seinen Redefluß. »Ich habe Boron schon getroffen. Das Geschäft sieht schlecht aus, aber ich habe keine Lust, mich wieder in Armar niederzulassen. Mach dir keine falschen Hoffnungen.«
»Du willst nicht...« Kaam schüttelte den Kopf. »Das ist nicht dein Ernst. Trinken wir erst einmal auf das Wiedersehen. Kyla, bring uns Wein. Aber einen guten Tropfen.«
Das Mädchen brachte eine bauchige Flasche und drei Becher herein. Torian kostete einen Schluck. Der Wein war trocken und schmeckte ein wenig harzig. Kein Spitzenwein, aber um ein Vielfaches besser als der gesüßte Essig, den Boron ihnen vorgesetzt hatte. Trotzdem trank er nur wenig. Er spürte bereits die Wirkung des ungewohnten Alkohols und wollte einen klaren Kopf behalten.
»Also, warum bist du gekommen?« fragte Kaam.
»Zunächst mal brauchen Torian und ich ein Quartier für ein paar Tage«, erklärte Garth.
»Kein Problem, du weißt doch, mein Haus steht dir immer offen. Sogar zu einem Freundschaftspreis.«
Garth ignorierte den letzten Satz. »Dann brauchen wir eine Schiffspassage. Entweder zu den freien Städten im Süden oder in die Westländer. Der Statthalter ist nicht gut auf mich zu sprechen, und vom Krieg haben wir die Schnauze voll.«
»Kann ich verstehen«, brummte Kaam nach einer kurzen Pause und versuchte vergeblich, seiner Stimme einen mitfühlenden Unterton zu verleihen. »Eine Schiffspassage – hmmm. Laß mich überlegen. Es liegen eine Menge Schiffe im Hafen, aber an eurer Stelle würde ich auf keines auch nur einen Fuß setzen. Kriegsschiffe oder Seelenverkäufer, kannst es dir aussuchen. Bei einigen könnte es euch auch passieren, daß ihr ganz gegen euren Willen plötzlich zur Mannschaft gehört. Da gibt es einige Kapitäne, die rekrutieren ihre...«
»Erspar uns die Einzelheiten«, schnitt Torian ihm das Wort ab. »Kannst du uns etwas vermitteln oder nicht?«
Kaam musterte ihn, als hätte er ein seltenes Tier vor sich. »Nicht gerade sehr höflich, dein Freund«, sagte er, an Garth gewandt. »An deiner Stelle würde ich mir meine Freunde...«
»Torian hat recht. Wir haben eine weite Reise hinter uns und sind müde.« Garth lächelte verzeihend. »Wie sieht es aus mit der Passage?«
»Mal sehen. Soweit ich gehört habe, wird Harlon mit seiner NOVATAN in den nächsten Tagen einlaufen. Er könnte euch nach Tais bringen. Von dort kommt ihr mühelos in die Westländer weiter.«
»Harlon?« Garth schluckte. »Der Verrückte? Bist du von Sinnen, Kaam? Ich habe keine Lust, auf einer fünftägigen Reise zehn Handelsschiffe zu überfallen.«
»Aber, aber, so darfst du das nicht sehen«, widersprach Kaam grinsend. »Harlon überfällt keine Schiffe, sondern sichert ihnen gegen ein kleines Entgelt die freie Weiterfahrt. Etwas Besseres kann ich euch zur Zeit nicht bieten.«
Garth leerte seinen Becher und stand auf.
»Am besten unterhalten wir uns morgen weiter. Was ist mit dem Quartier?«
Kaam seufzte. »Nicht, daß ich dir nicht traue, Garth, das darfst du nicht denken. Aber falls die Soldaten dich erwischen sollten, stehe ich dumm da. Eine kleine Vorauszahlung wäre da wohl angebracht.«
»Halsabschneider«, knurrte der Dieb und warf ihm den Lederbeutel zu. Mit geschickten Fingern zählte Kaam die Münzen und betrachtete den Beutel genauer.
»Den kenne ich doch! Woher...«
»Du mußt dich täuschen«, unterbrach ihn Garth. »Es gibt viele Beutel wie den da.«
Kaam seufzte erneut, ehe er den Beutel in der Tasche verschwinden ließ. »Na, mir soll’s egal sein, ich bin nur gespannt, wie Krön seine Zeche heute zahlen will. Da siehst du, was du für einen stümperhaften Nachwuchs hinterlassen hast. Willst du es dir nicht vielleicht doch noch einmal...«