Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Das Zimmer«, erinnerte Garth sanft.
»Schon gut. Die Fürstensuite ist leider schon belegt, aber mal sehen, was ich machen kann«, sagte Kaam mit einem süffisanten Lächeln. »Kyla, bring meine Freunde auf ihr Zimmer.«
Das Mädchen kam mit einer Kerze in der Hand herangehuscht.
Es verbeugte sich scheu und wischte sich die Hände an der Schürze ab, bevor es sie die eine nur dürftig erleuchtete Treppe hinaufführte und eine Tür aufschloß.
»Ich hoffe, es gefällt euch«, sagte sie in einem Ton, der die Hoffnung ausdrückte, sie möchten ihren Unmut über die miserable Kaschemme nicht an ihr auslassen. Es gab zwei einfache Lager, deren Stroh dem Gestank nach schon seit geraumer Zeit auf den Misthaufen gehört hätte; außerdem einen morschen Tisch mit einer Schüssel, deren Wasser ebenfalls alles andere als frisch und sauber war, wie Torian mit einem mißbilligenden Blick feststellte.
»Was war das hier früher?« fragte Torian. »Ein Schweinestall?«
»Das ist noch das beste Zimmer«, versicherte Kyla rasch und stellte die Kerze auf den Tisch. »Wenn ich noch etwas für euch tun kann...«
»Schon gut«, entgegnete Garth und drückte ihr eine Münze in die Hand. Mit einem erleichterten Aufatmen wandte sich das Mädchen um und schloß beinahe hastig die Tür hinter sich.
»Wirklich eine fürstliche Unterkunft«, knurrte Torian. Er hielt sich demonstrativ die Nase zu, während er seinen Umhang auf einem Lager ausbreitete und sich darauf sinken ließ. »Wenn das das beste Zimmer ist, möchte ich die anderen nicht erst sehen.«
»Wenigstens sind wir hier sicher untergebracht«, antwortete Garth.
»Hoffentlich.« Torian legte das Schwert griffbereit neben sich, wie er es sich seit vielen Jahren angewöhnt hatte, ließ sich aufs Bett sinken und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Er war müde, aber mit einem Male hatte er wieder Angst einzuschlafen. »Ist dieser Harlon wirklich so schlimm, wie du behauptet hast?« fragte er in die Dunkelheit hinein.
Die einzige Antwort bestand in einem lautstarken Schnarcher, der ganz und gar nicht echt war, aber deutlich machte, daß Garth jetzt nicht mehr reden wollte.
Torian seufzte, drehte sich auf die Seite und schloß die Augen. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis er eingeschlafen war. Auch in dieser Nacht wurde er wieder von Alpträumen heimgesucht, und wie zuvor geschah es in unzusammenhängenden Bildern.
Torian sah sich selbst am Grund einer Schlucht stehen, so tief, daß das Sonnenlicht ihren Boden niemals erreichte. Neben ihm ragten zyklopische Felswände auf, die sich mit wachsender Höhe gegeneinander zu neigen schienen, so daß nur ein schmaler Streifen Himmel sichtbar war, wenn er den Kopf ganz in den Nacken legte. Die Wände schienen zu pulsieren, und es dauerte einige Sekunden, bis er begriff, daß es nicht nur Einbildung war. Die Felsen bewegten sich wirklich aufeinander zu, so daß der schmale Lichtstreifen immer kleiner wurde und schließlich ganz verschwand. Dennoch konnte Torian sehen, daß die Felsen immer noch weiter miteinander verschmolzen, rings um ihn herum in rasendem Tempo zusammenwuchsen und ihn unter Tausenden Tonnen Gestein zu begraben drohten. Spinnengleich kroch er durch winzige Spalten und Höhlen, um dem Gefängnis doch noch zu entrinnen.
Das Bild wechselte. Er sah sich auf dem Gipfel des Berges stehen und sah etwas aus den zerklüfteten Felsen herauskriechen, etwas, von dem er im ersten Moment glaubte, er wäre es selbst, doch dann kam es näher und er sah, daß das Ding nichts mehr mit...
Mit einem Ruck fuhr er hoch. Diesmal brauchte er nicht länger als eine Sekunde, um die klebrigen Traumfäden abzuschütteln und in die Realität zurückzufinden.
Etwas hatte ihn geweckt.
Im Zimmer herrschte das zwielichtige Halbdunkel der Morgendämmerung. Es würde nicht mehr lange dauern, bis die Sonne aufging. Trotz der frühen Stunde war es bereits warm und stickig. Aber da war noch etwas...
Aufmerksam lauschte er.
Das Geräusch wiederholte sich. Es lag dicht am Rande des gerade noch Wahrnehmbaren; ein leises Tappen wie von weichen, feuchten
Füßen, das vom Gang her an seine Ohren drang.
In einer einzigen geschmeidigen Bewegung sprang Torian auf und griff nach dem Schwert. Er zog es aus der Scheide, wobei er das Geräusch dämpfte, indem er die Klinge zwischen den Fingern hindurchgleiten ließ. Mit einem Schritt war er bei Garth und weckte ihn durch ein leichtes Rütteln an der Schulter. Schlaftrunken richtete sich der Dieb auf.
»Was...«
Unter der Wucht eines ungeheuer harten Trittes flog die Tür auf, wurde halb aus den Angeln gerissen und prallte krachend gegen die Wand. Zwei, drei, schließlich fünf schemenhafte Gestalten glitten aus der Dunkelheit des Flures ins Zimmer.
Torian war nicht mal besonders überrascht, als er die Männer wiedererkannte, die ihnen am vergangenen Abend durch den Nebel gefolgt waren. Er konnte sie auch jetzt nicht wirklich sehen. Etwas war immer noch um sie, das sie mehr zu Schemen denn zu Menschen werden ließ. Sie waren von Kopf bis Fuß in enganliegende braune Kleidung gehüllt, die ihnen selbst jetzt noch etwas Schattenhaftes verlieh. Selbst ihre Gesichter waren hinter dunklem Stoff verborgen, der nicht einmal Schlitze für die Augen frei ließ, so daß Torian sich fragte, wie sie überhaupt sehen konnten. In ihren Händen funkelten Schwerter, die keinen Zweifel an dem Grund ihres Eindringens ließen.
Torian sprang aus dem Stand vor. Noch bevor die Eindringlinge ihre Waffen hochgerissen hatten, traf sein Fuß den ersten gegen die Brust. Er warf sich noch im Sprung herum und hieb nach dem Schwert des zweiten. Die Waffen prallten aufeinander. Unter der Wucht des Hiebes zersprang die Klinge des Unbekannten wie Glas, der Mann taumelte zurück, prallte schwer gegen die Wand und umklammerte sein geprelltes Handgelenk mit der Linken.
Torian rollte sich ab, trat nach dem Bein eines weiteren Angreifers und kam mit einer geschmeidigen Bewegung wieder auf die Füße. Alles hatte wenig länger als eine Sekunde gedauert.
Die Männer wurden von der ungestümen Gewalt seines Angriffs völlig überrascht. Sie hatten geglaubt, auf schlafende, wehrlose Opfer zu treffen, doch sie überwanden ihren Schock blitzschnell und bewiesen, daß sie durchaus zu kämpfen verstanden.
Torian duckte sich unter einem Hieb durch und parierte einen weiteren mit dem Schwert. Es gelang ihm nicht ganz, die Waffe in die richtige Position zu bringen; statt an seiner Klinge abzugleiten, explodierte die ganze ungeheure Wucht des Schlages in seinem Handgelenk und lahmte es für Sekunden. Er schrie auf, als ein furchtbarer Schmerz durch seinen Arm raste. Blitzschnell wechselte er die Waffe in die andere Hand, sprang ein paar Schritte zurück und wäre um ein Haar über sein eigenes Bett gestolpert. Einem zweiten, nach seinem Kopf gezielten Schlag konnte er nur entgehen, indem er sich fallen ließ. Das Schwert zischte dicht über seinen Kopf hinweg. Instinktiv fing Torian den Sturz mit den Händen ab, und erneut zuckte ein feuriger Schmerz durch seinen Arm, als das verletzte Handgelenk unter seinem Körper wegknickte. Sofort wälzte er sich auf den Rücken. Direkt über sich sah er einen der Schatten aufwachsen, das Schwert bereits zum Schlag erhoben, und mit entsetzlicher Deutlichkeit wurde Torian klar, daß er nicht mehr ausweichen konnte.
Etwas Silbernes, Kleines fegte über ihm durch die Luft, fand mit tödlicher Präzision den schmalen Spalt zwischen Brustpanzer und Gesichtsschutz des Mannes und tötete ihn auf der Stelle. So lautlos, wie er gekämpft hatte, brach der Angreifer in die Knie und fiel zur Seite. Aus seiner Kehle ragte der zitternde Griff eines kleinen Wurfdolches.
Erst jetzt konnte Torian seine Lähmung abschütteln und sich zur Seite rollen. Der Unbekannte brach kaum eine Handbreit neben ihm zusammen. Garth schleuderte einen weiteren Dolch, doch diesmal verfehlte er sein Ziel. Die Waffe hämmerte wirkungslos in die Wand. Der Dieb sprang vor, trieb zwei weitere Angreifer mit wuchtigen Streichen zurück und zog Torian mit einem Ruck auf die Beine.