Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
Sehr gute Zustand in Karlsruhe Oststadt abzuholen. (oder an der Uni oder Innenstadt) . Kein Versand.
Siehe auch andere Artikel.Beim Kauf mehrere Artikel Rabatt möglich
Sie ging.
SANSA
Der Himmel im Süden war schwarz vor Rauch. Wallend stieg der Qualm von hundert fernen Feuern auf, und seine rußigen Finger verwischten die Sterne. Jenseits des Schwarzwassers flackerten in einer langen Reihe Flammen am Horizont, während der Gnom auf dieser Seite das gesamte Ufer niedergebrannt hatte: Anleger und Lagerhäuser, Hütten und Bordelle, einfach alles außerhalb der Stadtmauern.
Sogar im Roten Bergfried lag Aschegeschmack in der Luft. Als Sansa Ser Dontos in der Stille des Götterhains entdeckte, fragte er sie, ob sie geweint habe. »Das kommt nur vom Rauch«, log sie. »Es sieht aus, als würde der halbe Königswald brennen.«
»Lord Stannis will die Wilden des Gnoms ausräuchern.« Dontos schwankte, während er sprach, und stützte sich mit einer Hand an einem Kastanienbaum ab. Ein Weinfleck hatte die roten und gelben Karos seines Gewandes verfärbt. »Sie töten seine Kundschafter und überfallen seine Wagen. Und auch die Wildlinge legen Feuer. Der Gnom hat der Königin gesagt, dass Stannis seinen Pferden lieber beibringen solle, Asche an Stelle von Gras zu fressen, weil er kein Hälmchen Gras mehr finden würde. Ich habe selbst gehört, wie er es gesagt hat. Der Narr hört sehr viel, was dem Ritter, der ich früher war, niemals zu Ohren gekommen wäre. Sie reden, als sei ich nicht da, und« – er beugte sich vor und hauchte ihr seinen Weinatem ins Gesicht – »die Spinne bezahlt für jede winzige Kleinigkeit mit Gold. Ich glaube, Mondbub arbeitet schon seit Jahren für ihn.«
Er ist schon wieder betrunken. Mein armer Florian nennt er sich, und das ist er auch. Aber er ist der Einzige, den ich habe. »Stimmt es, dass Lord Stannis den Götterhain von Sturmkap niedergebrannt hat?«
Dontos nickte. »Er hat die Bäume seinem neuen Gott geopfert. Die Rote Priesterin hat ihn dazu angestiftet. Es heißt, sie würde ihn inzwischen beherrschen, mit Leib und Seele. Er hat auch geschworen, die Große Septe von Baelor niederzubrennen, nachdem er die Stadt eingenommen hat.«
»Soll er nur.« Als Sansa die Große Septe mit ihren Marmormauern und den sieben Kristalltürmen zum ersten Mal erblickt hatte, war sie ihr wie das schönste Bauwerk der Welt erschienen, doch das war gewesen, bevor Joffrey ihren Vater auf den Stufen hatte enthaupten lassen. »Mir wäre es recht.«
»Pst, Kind, die Götter werden Euch hören.«
»Warum sollten sie? Meine Gebete erhören sie auch nicht.«
»Doch, doch. Sie haben Euch mich geschickt, nicht wahr?«
Sansa stocherte mit dem Finger an der Rinde eines Baumes. Sie fühlte sich benommen, fast als hätte sie Fieber. »Sie haben Euch geschickt, doch was habt Ihr bisher für mich getan? Ihr habt versprochen, mich nach Hause zu bringen, aber ich bin noch immer hier.«
Dontos legte ihr die Hand auf den Arm. »Ich habe mit einem gewissen Mann gesprochen, einem guten Freund von mir … und von Euch, Mylady. Er wird ein schnelles Schiff mieten, das uns in Sicherheit bringt, wenn der rechte Zeitpunkt gekommen ist.«
»Der rechte Zeitpunkt ist jetzt«, beharrte Sansa, »sofort, ehe die Kämpfe beginnen. Sie haben mich vergessen. Bestimmt könnten wir fliehen, wenn wir es versuchten.«
»Kind, Kind.« Dontos schüttelte den Kopf. »Aus der Burg vielleicht, ja, das würde uns wohl gelingen, aber die Stadttore werden schärfer bewacht als je zuvor, und der Gnom hat sogar den Fluss sperren lassen.«
Das stimmte. Der Schwarzwasser war so leer, wie Sansa ihn noch nie gesehen hatte. Alle Fähren hatten am Nordufer angelegt, und die Handelsgaleeren waren entweder geflohen oder vom Gnom beschlagnahmt worden, um in der Schlacht eingesetzt zu werden. Die einzigen Schiffe, die man sah, waren die Kriegsgaleeren des Königs. Endlos fuhren sie auf und ab, hielten sich im tiefen Wasser in der Flussmitte und wechselten Pfeilsalven mit Stannis’ Bogenschützen am Südufer.
Lord Stannis selbst war noch immer auf dem Weg hierher, doch seine Vorhut war vor zwei Tagen in einer mondlosen Nacht eingetroffen. Am Morgen hatte sich Königsmund der Anblick der Zelte und Banner geboten. Fünftausend Soldaten seien es, hatte Sansa gehört, beinahe ebenso viele, wie sich Goldröcke in der Stadt aufhielten. Sie marschierten unter dem roten oder dem grünen Apfel der Fossoweys, der Schildkröte Estermonts, dem Fuchs-und-Blumen-Banner der Florents, und ihr Kommandant war Ser Guyard Morrigen, ein berühmter Ritter aus dem Süden, den die Männer jetzt Guyard den Grünen nannten. Sein Banner zeigte eine fliegende Krähe, welche die Schwingen weit vor einem sturmgrünen Himmel ausbreitete. Doch es waren insbesondere die hellgelben Banner, die in der Stadt Besorgnis erregten. Lange ausgefranste Streifen flatterten hinter ihnen her wie flackernde Flammen, und an Stelle des Wappens eines Lords zeigten sie das Symbol eines Gottes: das flammende Herz des Herrn des Lichts.
»Alle sagen, wenn Stannis eintrifft, wird er zehn Mal mehr Männer haben als Joffrey.«
Dontos drückte ihre Schultern. »Die Größe des Heeres ist nicht entscheidend, solange es sich auf der falschen Seite des Flusses aufhält. Stannis kann ihn ohne Schiffe nicht überqueren. «
»Er hat aber Schiffe. Mehr als Joffrey.«
»Von Sturmkap ist es eine weite Fahrt, und die Flotte muss erst einmal um Massies Haken herum, dann durch die Gurgel und schließlich die Schwarzwasser-Bucht überqueren, um herzukommen. Vielleicht senden die guten Götter einen Sturm, der sie vom Meer fegt.« Dontos lächelte hoffnungsfroh. »Es ist nicht leicht für Euch, ich weiß. Dennoch müsst Ihr Euch in Geduld üben, Kind. Wenn mein Freund in die Stadt zurückkehrt, werden wir unser Schiff haben. Vertraut Eurem Florian und fürchtet Euch nicht.«
Sansa vergrub die Fingernägel in ihrer Hand. Sie fühlte die Furcht in ihrem Leib, und jeden Tag nagte sie stärker an ihr. Albträume von jenem Tag, an dem Prinzessin Myrcella abgefahren war, verfolgten sie noch immer im Schlaf; düstere, erdrückende Träume ließen sie mitten in finsterster Nacht aufwachen und nach Luft schnappen. Sie hörte, wie die Menschen sie anschrien, sie ohne Worte anschrien, wie Tiere. Sie hatten sie umzingelt und warfen Dreck nach ihr und versuchten, sie vom Pferd zu zerren, und sie hätten ihr Schlimmeres angetan, wäre der Bluthund nicht zu ihr vorgedrungen. Den Hohen Septon hatten sie in Stücke gerissen, Ser Arons Kopf mit einem Stein zermalmt. Fürchtet Euch nicht!, sagte er.
Die ganze Stadt fürchtete sich. Sansa konnte es von den Burgmauern aus sehen. Das gemeine Volk versteckte sich hinter verrammelten Türen und Fenstern, als ob es dahinter sicher wäre. Als Königsmund das letzte Mal gefallen war, hatten die Lennisters nach Belieben geplündert und geschändet und Hunderte ermordet, obwohl die Stadt ihre Tore freiwillig geöffnet hatte. Diesmal wollte der Gnom kämpfen, und eine Stadt, die sich wehrte, durfte überhaupt keine Gnade erwarten.
Dontos plapperte weiter. »Wenn ich noch immer Ritter wäre, müsste ich eine Rüstung anlegen und mit den anderen Männern auf den Mauern stehen. Ich sollte König Joffrey die Füße küssen und ihm danken.«
»Wenn Ihr ihm dafür dankt, dass er Euch zum Narren gemacht hat, wird er Euch umgehend wieder zum Ritter schlagen«, warnte ihn Sansa scharf.
Dontos kicherte. »Meine Jonquil ist ein kluges Mädchen, nicht wahr?«
»Joffrey und seine Mutter sagen, ich sei dumm.«
»Sollen sie nur. Auf die Weise ist es sicherer für Euch, meine Süße. Königin Cersei und der Gnom und Lord Varys und sie alle beobachten einander mit Adleraugen, und jeder bezahlt seine Spione, um zu erfahren, was die anderen tun, doch niemand kümmert sich um Lady Tandas Tochter, oder?« Dontos bedeckte den Mund, um einen Rülpser zu unterdrücken. »Die Götter mögen Euch beschützen, meine kleine Jonquil.« Er wurde rührselig. Das kam vom Wein. »Gebt Eurem Florian einen Kuss. Einen Glückskuss.« Er schwankte auf sie zu.
Sansa wich seinen feuchten Lippen aus und küsste ihn leicht auf die unrasierte Wange, dann wünschte sie ihm eine gute Nacht. Sie musste sich sehr anstrengen, nicht zu weinen. In letzter Zeit hatte sie viel zu oft geweint. Das schickte sich nicht, das wusste sie, trotzdem konnte sie sich nicht beherrschen; die Tränen kamen einfach ungebeten, manchmal wegen einer Kleinigkeit, und keine Macht der Welt konnte sie zurückhalten.