Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Серия: Das Lied von Eis und Feuer #2
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Helweg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04». Краткое содержание книги:
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Wie es sich zutrug, hatten die Winterrosen gerade zu blühen angefangen, und keine andere Blume ist so selten und so wertvoll. Also schickte der Stark einen Diener in den Glasgarten und befahl, die schönste Winterrose für den Sänger pflücken. Und so geschah es. Aber am Morgen war der Sänger verschwunden … und mit ihm Lord Brandons jungfräuliche Tochter. Ihr Bett wurde leer vorgefunden, bis auf die hellblaue Rose, die Bael auf dem Kopfkissen zurückgelassen hatte.«
Diese Geschichte hatte Jon noch nie gehört. »Welcher Brandon soll das gewesen sein? Brandon der Erbauer hat im Zeitalter der Helden gelebt, Tausende von Jahren vor Bael. Dann gab es noch Brandon den Verbrenner und seinen Vater Brandon den Schiffsbauer, aber …«
»Dieser war Brandon der Tochterlose«, entgegnete Ygritte scharf. »Willst du die Geschichte nun hören oder nicht?«
Er setzte eine finstere Miene auf. »Erzähl weiter.«
»Lord Brandon hatte keine anderen Kinder. Auf sein Geheiß zogen die schwarzen Krähen zu Hunderten aus ihren Burgen aus, konnten jedoch nirgendwo eine Spur von Bael oder dieser Jungfrau finden. Fast ein Jahr lang suchten sie, bis der Lord den Mut verlor und krank wurde, denn es schien, dass die Linie der Starks mit ihm enden würde. Aber eines Nachts, während er dalag und auf den Tod wartete, hörte Lord Brandon das Schreien eines Kindes. Er folgte dem Laut und fand seine Tochter schlafend und mit einem Säugling an der Brust in ihrem Zimmer.«
»Hatte Bael sie zurückgebracht?«
»Nein. Sie waren die ganze Zeit in Winterfell gewesen und hatten sich bei den Toten unter der Burg versteckt. Die Jungfrau habe Bael so sehr geliebt, dass sie ihm einen Sohn schenkte, heißt es in dem Lied … nun, um die Wahrheit zu sagen, liebten ihn in seinen Liedern alle Jungfrauen. Mag es sein, wie es will, sicher ist, dass Bael das Kind als Bezahlung für die Rose zurückließ, die er ungebeten gepflückt hatte, und der Junge wuchs zum nächsten Lord Stark heran. Also fließt Baels Blut in deinen Adern, genauso wie in meinen.«
»Das ist niemals wirklich passiert«, sagte Jon.
Sie zuckte mit den Schultern. »Vielleicht, vielleicht auch nicht. Trotzdem ist es ein hübsches Lied. Meine Mutter hat es mir immer vorgesungen. Sie war auch irgendeine Frau, Jon Schnee, wie deine.« Sie rieb sich die Kehle, wo sein Dolch sie geschnitten hatte. »Das Lied endet, als das Kind gefunden wird, doch die Geschichte hat ein schreckliches Ende. Dreißig Jahre später war Bael König-jenseits-der-Mauer und führte das freie Volk nach Süden, wo sich ihm der junge Lord Stark an der Gefrorenen Furt entgegenstellte … und ihn tötete, denn Bael konnte seinem eigenen Sohn kein Leid zufügen, als sie sich Auge in Auge gegenüberstanden.«
»Also erschlug der Sohn stattdessen den Vater«, sagte Jon.
»Genau«, antwortete sie, »aber die Götter hassen Vatermörder, selbst wenn die Tat in Unwissenheit geschieht. Als Lord Stark aus der Schlacht zurückkehrte und seine Mutter Baels Kopf auf seinem Speer erblickte, stürzte sie sich in ihrem Gram von einem Turm. Ihr Sohn überlebte sie nicht lange. Einer seiner Lords zog ihm die Haut ab und trug sie als Mantel.«
»Dein Bael war ein Lügner«, sagte Jon, nun vollends davon überzeugt.
»Nein«, erwiderte Ygritte, »aber die Wahrheit eines Barden unterscheidet sich von deiner oder meiner. Jedenfalls hast du mich gebeten, dir die Geschichte zu erzählen, und das habe ich getan.« Sie wandte sich von ihm ab, schloss die Augen und schien zu schlafen.
Die Dämmerung und Qhorin Halbhand trafen gleichzeitig ein. Die schwarzen Felsen hatten sich in Grau verwandelt, und der Himmel im Osten wurde indigoblau, als Steinschlange die Grenzer unten im Pass bemerkte, die den gewundenen Pfad hinaufkamen. Jon weckte seine Gefangene und hielt sie am Arm fest, während sie hinabstiegen. Glücklicherweise gab es in nordwestlicher Richtung einen Weg, der weitaus einfacher zurückzulegen war als der, auf dem sie gekommen waren. Sie warteten in einer schmalen Spalte auf die Brüder, die ihre Pferde am Zügel führten. Geist rannte voraus, als er Jon witterte. Jon kniete sich hin, und der Schattenwolf packte sein Handgelenk mit den Zähnen und zerrte spielerisch daran. Doch dann blickte er auf und sah Ygritte, die ihn mit weit aufgerissenen Augen anstarrte.
Qhorin Halbhand sagte nichts, als er die Gefangene erblickte. »Sie waren zu dritt«, erklärte Steinschlange. Mehr nicht.
»Zwei haben wir gesehen«, sagte Ebben, »oder das, was die Katzen von ihnen übriggelassen haben.« Er betrachtete das Mädchen misstrauisch und mit säuerlicher Miene.
Jon fühlte sich verpflichtet zu sagen: »Sie hat sich ergeben. «
Qhorins Gesicht zeigte keinerlei Regung. »Weißt du, wer ich bin?«
»Qhorin Halbhand.« Das Mädchen wirkte neben ihm fast wie ein Kind, dennoch hielt sie tapfer seinem Blick stand.
»Sag mir die Wahrheit. Wenn ich deinem Volk in die Hände fiele und mich ergeben würde, was würde es mir einbringen? «
»Einen langsameren Tod.«
Der große Grenzer wandte den Kopf Jon zu. »Wir haben kein Essen für sie und niemanden, der sie bewachen kann.«
»Der Weg, der vor uns liegt, birgt schon genug Gefahren, Junge«, sagte Knappe Dalbrück. »Ein Ruf, wenn wir Stille brauchen, und jeder von uns ist des Todes.«
Ebben zog den Dolch. »Ein stählerner Kuss wird sie zum Schweigen bringen.«
Jons Kehle schmerzte. Er blickte die anderen hilflos an. »Sie hat sich mir ergeben.«
»Dann musst du tun, was zu tun ist«, sagte Qhorin Halbhand. »Du bist das Blut von Winterfell und ein Mann der Nachtwache.« Er sah die Männer an. »Kommt, Brüder. Lassen wir ihn damit allein. Es wird ihm leichterfallen, wenn wir nicht dabei zuschauen.« Und so führte er sie den steilen, gewundenen Pfad hinauf in die rosafarbene Sonne hinein, und kurze Zeit später waren Jon und Geist mit dem Wildlingsmädchen allein.
Er dachte, dass Ygritte vielleicht zu fliehen versuchen würde, doch sie stand nur da, wartete und sah ihn an. »Du hast noch nie eine Frau getötet, nicht wahr?« Als er den Kopf schüttelte, sagte sie: »Wir sterben genauso wie Männer. Aber du brauchst es nicht zu tun. Manke würde dich nehmen, das weiß ich ganz bestimmt. Es gibt geheime Wege. Diese Krähen werden uns niemals erwischen.«
»Ich bin auch eine Krähe, genau wie sie«, erwiderte Jon.
Sie nickte ergeben. »Wirst du mich hinterher verbrennen? «
»Das geht nicht. Jemand könnte den Rauch bemerken.«
»Ja, das stimmt.« Sie zuckte die Achseln. »Nun, es gibt schlimmere Dinge, als im Bauch einer Schattenkatze zu enden. «
Er zog Langklaue aus der Scheide. »Hast du keine Angst?«
»Gestern Nacht hatte ich Angst«, gestand sie. »Aber jetzt steht die Sonne am Himmel.« Sie schob ihr Haar zur Seite, entblößte den Hals und kniete vor ihm nieder. »Schlag hart und genau zu, Krähe, sonst werde ich zurückkehren und dich heimsuchen.«
Langklaue war nicht so lang oder schwer wie Eis, das Schwert seines Vaters, doch es bestand ebenfalls aus valyrischem Stahl. Er berührte ihren Hals mit der Klinge an der Stelle, die er treffen musste, und Ygritte schauderte. »Das ist kalt. Mach schon, beeil dich.«
Nun hob er Langklaue hoch über den Kopf und schloss beide Hände fest um das Heft. Ein Hieb, mit aller Kraft. Wenigstens konnte er ihr einen kurzen, schmerzlosen Tod bereiten. Schließlich war er seines Vaters Sohn. Oder nicht? Oder etwa nicht?
»Mach schon«, drängte sie. »Bastard. Na los. Ich kann schließlich nicht ewig tapfer bleiben.« Als der Hieb ausblieb, wandte sie den Kopf um und blickte ihn an.
Jon senkte das Schwert. »Geh«, murmelte er.
Ygritte starrte ihn an.
»Los. Ehe ich wieder klaren Verstandes bin. Geh.«