Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Sie! Sie!… Sie sind gar nicht mein Vater. (S. 318.)
Silas Toronthal stimmte dem bei: die Situation war eine solche, wie sie Sarcany gezeichnet hatte. An ein Ausweichen konnte nicht gedacht werden. Da er mehr und mehr von seinem Genossen beherrscht wurde, so hätte er überhaupt nicht anders gekonnt. Und warum sollte er es auch gethan haben? Dieses Mädchens wegen, vor dem er stets eine unüberwindliche Abneigung empfunden hatte, welchem sein Herz sich nie geöffnet hatte?
Es wurde an demselben Abend noch festgestellt, daß das Beschlossene zur Ausführung kommen sollte, noch ehe Sarah das Hotel zu verlassen im Stande wäre. Silas Toronthal und Sarcany trennten sich dann. Mit übergroßer Hast betrieben sie die Vorbereitungen zur Inscenirung ihres Vorhabens, sie hatten, wie man sehen wird, nicht Unrecht.
Am nächstfolgenden Tage kam Frau Bathory begleitet von Borik, aus Vinticello zum ersten Male seit dem Tode ihres Sohnes in das Haus der Marinella-Straße zurück. Sie war entschlossen, dasselbe ein für alle Male zu verlassen, ebenso wie die Stadt, die ihr zu reich an herzzerreißenden Erinnerungen war: sie wollte ihre Vorbereitungen zum Auszuge treffen.
Als Borik die Hausthür aufgeschlossen hatte, fand er einen Brief in dem zum Hause gehörigen Briefkasten vor.
Es war derselbe, den Frau Toronthal am Abend vor ihrem Tode auf die Post unter Umständen gegeben hatte, die man gewiß nicht vergessen hat.
Frau Bathory nahm diesen Brief in Empfang, öffnete ihn und betrachtete zuerst die Unterschrift; dann las sie im Fluge die von der Hand der Sterbenden hingeschriebenen wenigen Zeilen, welche das Geheimniß von Sarah’s Geburt enthüllten.
Eine jähe Verbindung schloß im Geiste Frau Bathory’s mit einem Male der Name Peter’s mit demjenigen Sarah’s!
»Sie!… Er!…« rief sie aus.
Und ohne ein Wort hinzuzusetzen – sie hätte es auch nicht vermocht – ohne ihrem alten Diener ein Wort zu erwidern, den sie zurückstieß, als er sie halten wollte, stürzte sie aus dem Hause hinaus, die Marinella-Straße hinab, durch den Stradone und stand erst vor der Thür des Hotels Toronthal wieder still.
Begriff sie nicht die Tragweite dessen, was sie thun wollte? Begriff sie nicht, daß es richtiger gewesen wäre, mit weniger Uebereilung vorzugehen und folglich mit mehr Klugheit in Sarah’s eigenem Interesse? Nein! Sie fühlte sich mächtig zu dem jungen Mädchen hingezogen, ihr war es, als riefen ihr Gatte Stephan, ihr Sohn Peter aus ihren Gräbern ihr zu:
»Rette sie!… Rette sie!«
Frau Bathory klopfte an die Thür des Hotels. Sie öffnete sich. Ein Diener zeigte sich und fragte nach ihrem Begehr Frau Bathory wollte Sarah sprechen.
Sie befand sich nicht mehr im Hotel.
Frau Bathory wollte den Banquier Toronthal sprechen.
Der Banquier war am Abend zuvor abgereist, ohne zu sagen wohin und hatte das Fräulein mitgenommen.
Den Hafen, in dessen Hintergrunde sich Antekirtta erhob…(S. 324.)
Frau Bathory, von diesem neuen Schlag hart getroffen, wankte und fiel in die Arme Borik’s, der sie gerade zur rechten Zeit erreichte.
Als der alte Diener sie in das Haus in der Marinella-Straße zurückgebracht hatte, sagte sie:
»Morgen, lieber Borik, gehen wir zusammen auf die Hochzeit Peter’s und Sarah’s.«
Frau Bathory hatte den Verstand verloren.
Viertes Capitel.
In den Gewässern Malta’s.
Peter Bathory fühlte sich, während sich die soeben erzählten, ihn so nahe angehenden Vorgänge in Ragusa abspielten, von Tag zu Tag mehr gesunden. Er brauchte sich bald nicht mehr über seine Verwundung zu beunruhigen, deren Heilung eine vollständige war.
Doch vieles mußte Peter noch leiden, wenn er an seine Mutter dachte und an Sarah, die er nun für sich auf immer verloren glaubte.
An seine Mutter?… Man konnte sie unmöglich unter dem Schicksalsschlag, den dieser fälschliche Tod ihres Sohnes ihr beigebracht, belassen. Und so war es denn auch verabredet worden, ihr mit Vorsicht die Ueberzeugung beizubringen, daß ihr Sohn sich noch am Leben befand, um ihre schließliche Uebersiedelung nach Antekirtta bewerkstelligen zu können. Einer der Agenten des Doctors in Ragusa hatte den Auftrag erhalten, sie nicht aus den Augen zu lassen, bis der Zustand Peter’s sich gebessert haben würde, was nicht lange auf sich warten lassen konnte.
Was Sarah betrifft, so hatte Peter sich verschworen, vor dem Doctor Antekirtt niemals wieder von ihr zu sprechen. Wenn er aber auch annehmen mußte, daß sie jetzt die Frau Sarcany’s wäre, so konnte er sie doch unmöglich vergessen. Hatte er sie zu lieben aufgehört, seitdem er wußte, daß sie die Tochter von Silas Toronthal war? Nichts weniger. War Sarah denn schließlich für das von ihrem Vater begangene Verbrechen verantwortlich? Und doch war es dieses Verbrechen gewesen, das Stephan Bathory in den Tod getrieben hatte. Es tobte daher in ihm ein Kampf, über dessen furchtbare und unaufhörliche Krisen Peter allein hätte Aufschluß geben können.
Der Doctor fühlte das heraus. Um seinem Gedankengange eine andere Richtung zu geben, hörte er daher nicht auf, ihn an den Act der gerechten Vergeltung zu erinnern, den sie gemeinsam zur Ausführung bringen wollten.
Die Verräther mußten und würden bestraft werden. Darüber, wie man ihnen beikommen müßte, war noch nichts beschlossen, aber abgefaßt sollten sie werden!
»Tausend Wege führen zu dem einen Ziel,« pflegte der Doctor zu sagen.
Und wenn es nöthig, war er gewiß der Mann dazu, diese tausend Wege einzuschlagen.
Während der letzten Tage seiner Genesung konnte Peter bereits auf der Insel umherpromeniren und sie zu Fuß und zu Wagen besuchen und bewundern. Wer hätte nicht darüber gestaunt, wenn er gesehen haben würde, was aus dieser kleinen Kolonie unter der Verwaltung des Doctors geworden war?
Man arbeitete zunächst noch ohne Unterbrechung an den Befestigungen, welche die am Fuße des Bergkegels erbaute Stadt, den Hafen und die Insel selbst vor jedem Angriffe sichern sollten. Waren diese Arbeiten erst vollendet, dann konnten die, mit Geschützen von großer Tragkraft armirten Batterien in Folge der Kreuzung ihres Feuers jede Annäherung eines feindlichen Fahrzeuges vereiteln.
Die Elektricität sollte eine große Rolle bei diesem Vertheidigungssysteme spielen, theils sollte sie die Entladung der Torpedos bewirken, mit denen das Fahrwasser besetzt war, theils sollte sie bei der Abfeuerung der einzelnen Geschützstücke mitwirken. Der Doctor hatte es verstanden, mit diesem Bewegungsmittel, dem die Zukunft gehört, die wunderbarsten Resultate zu erzielen. Eine mit Dampfmotoren und den dazugehörigen Dampfkesseln ausgestattete Centralstation speiste zwanzig dynamische Maschinen, die nach einem neuen, sehr vervollständigten Systeme angelegt waren. Es wurden dort elektrische Ströme erzeugt, welche specielle Accumulatoren von außergewöhnlicher Intensität für die verschiedensten Einrichtungen auf Antekirtta dienstbar machten, als da waren Wasserleitung, Beleuchtung der Stadt, Telegraph, Telephon, die Beförderung auf Schienenwegen durch das Innere und um den Umkreis der Insel. Mit einem Worte, der Doctor hatte, unterstützt durch die Studien seiner Jugend, einen der heiß ersehntesten Wünsche der modernen Wissenschaft erfüllt, die Thätigkeit der Elektricität als Uebertragungsmittel der Kraft auf die Entfernung in Anwendung zu bringen. Dank der Nutzbarmachung dieser Kraft, deren Handhabung so einfach ist, hatte er jene Schiffe construiren können, von denen schon gesprochen wurde, die »Electrics« mit ausnehmend großer Schnelligkeit, welche es ihm ermöglichten, mit eilzugartiger Geschwindigkeit sich von einem Endpunkte des Mittelmeeres zum anderen zu begeben.
Da die Steinkohle für die Dampfmaschinen, welche der Production der Elektricität dienten, unentbehrlich war, so war stets ein beträchtlicher Vorrath davon in den Magazinen Antekirtta’s zu finden und dieses Kohlenlager wurde unaufhörlich mittelst eines Schiffes ergänzt, das die Kohlen direct von England herbeischaffte.