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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Den Hafen, in dessen Hintergrunde sich die kleine Stadt amphitheatralisch erhob, hatte die Natur gebildet, doch umfangreiche Arbeiten hatten ihn verbessert. Zwei Hafendämme, ein Molo mit Wellenbrecher schützten ihn sehr, woher auch immer der Wind kam. Ueberall war genügende Wassertiefe vorhanden, selbst an dem senkrecht abfallenden Quai. Daher war die Flotille des Doctors vor jedem Sturme vollkommen und gut geborgen. Diese Flotille umfaßte den Schooner »Savarena«, das von Dampfkraft getriebene Kohlenschiff, welches von Swansea und Cardiff her die Steinkohlen heranschleppte, eine Dampf-Yacht von sieben-bis achthundert Tonnen Gehalt, genannt der »Ferrato«, und drei »Electrics«, von denen zwei als Torpedoboote Dienste thun und somit die Vertheidigung der Insel wirksam unterstützen konnten.

Antekirtta sah also auf Betreiben des Doctors seine Widerstandsfähigkeit von Tag zu Tag wachsen. Das wußten die Piraten von Tripolis und der Cyrenäischen Halbinsel recht gut. Ihr größter Wunsch wäre es gewesen, sich der Insel bemächtigen zu können, denn der Besitz derselben würde die Pläne des Großmeisters der senusischen Bruderschaft, Sidi Mohammed El-Mahdi, sehr gefördert haben. Doch da er sehr wohl die Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens kannte, so wartete er die Gelegenheit zum Handeln mit jener Geduld ab, die eine der hervorragendsten Eigenschaften des Arabers ist. Der Doctor wußte das und daher betrieb er die Fertigstellung der Vertheidigungswerke mit fieberhafter Eile. Um sie nach ihrer Vollendung zu demoliren, hätte es der neuzeitigen Zerstörungsmaschinen bedurft, über welche die Senusisten noch nicht verfügten. Ueberdies waren die Einwohner der Insel im Alter von achtzehn bis vierzig Jahren nach Art des Militärs in Compagnien eingetheilt, mit Schnellfeuergewehren ausgerüstet und in artilleristischen Manövern geübt. Die Besten unter ihnen waren zu Anführern ausgebildet worden, so daß diese Miliz in einer Stärke von fünf-bis sechshundert Mann, auf die man sich verlassen konnte, in Action treten konnte.

Während einige Kolonisten das Land in eigens eingerichteten Pächtereien bewohnten, siedelte sich der größte Theil derselben in der kleinen Stadt an, welche den siebenbürgischen Namen Artenak erhalten hatte, als Erinnerung an das Eigenthum des Grafen Sandorf auf dem Abhange der Karpathen. Artenak bot einen malerischen Anblick dar. Es umfaßte höchstens einige hundert Häuser. Diese standen nicht in Vierecken bei einander, und waren nicht nach amerikanischer Weise in schnurgerade Straßen und Alleen eingetheilt, sondern erhoben sich in regelloser Ordnung auf den Anschwellungen des Bodens längs den von Elevatoren gespeisten, mit fließendem Wasser gefüllten Canälen; ihre Mauern standen inmitten blühender Gärten, ihre Dächer versteckten sich unter Baumkronen, und ihre Formen zeigten im bunten Durcheinander theils europäischen, theils arabischen Styl. Alles das machte einen frischen, liebenswürdigen, anziehenden Eindruck. Artenak konnte auf die Bezeichnung »Stadt« einen nur bescheidenen Anspruch erheben, ihre Einwohner genossen aber den Vorzug, man möchte sagen, als Mitglieder einer Familie zu einer Gemeinde zu zählen, und dennoch in der Ruhe und Unabhängigkeit ihres eigenen Heims leben zu können.

Wie glücklich waren nicht die Eingebornen von Antekirtta! »Ubi bene, ibi patria« ist zweifellos ein wenig patriotischer Ausspruch; doch paßte er vortrefflich auf die ehrenwerthen Leute, die dem Werberufe des Doctors gefolgt waren; sie waren in ihrem Heimatlande arm gewesen, und hatten in beschränkten Verhältnissen gelebt, auf dieser gastfreundlichen Insel fanden sie Glück und Bequemlichkeit.

Das Haus des Doctors Antekirtt nannten die Kolonisten das »Stadthaus«. Dort wohnte nicht ihr Herr, wohl aber der Erste unter ihnen. Das Stadthaus war eines jener entzückenden maurischen Gebäude mit Miradoren und Muscharabis, einem inneren Patio, Galerien, Portiken, Fontainen, Salons und Zimmern, die von geschickten Decorationskünstlern aus den arabischen Provinzen ausgeschmückt worden waren.

Zu seinem Bau hatte man die kostbarsten Materialien verwendet, Marmor und Onyx; dieses Gestein rührte aus dem reichen Gebirge Filfila am Numidischen Golfe, wenige Kilometer von Philippeville entfernt, her und wurde durch einen ebenso gelehrten als geschickten Ingenieur ausgebeutet. Die kohlenschwarzen Salze hatten sich allen Phantasien des Architekten in bewundernswerther Weise angeschmiegt und in dem kräftigen afrikanischen Klima jene Goldfarbe angenommen, welche die Sonne wie mit einem Pinsel mit ihren glühenden Strahlen in den Ländern des Orients zu Wege bringt.

Das etwas dahinter liegende Artenak wurde von dem zierlichen Glockenthurme einer kleinen Kirche überragt, zu deren Bau derselbe Steinbruch weißen und schwarzen Marmor geliefert hatte, der sich allen Bedürfnissen der Architektur und Bildhauerei fügte; dessen türkischblauer Marmor und sein gelber Achat glichen wunderbar den einstigen Erzeugnissen von Carrara und Paros.

Außerhalb der Stadt – »passim« – auf den benachbarten Anhöhen erhoben sich noch andere Behausungen von mehr selbständiger Erscheinungsweise, einige Landhäuser, ein kleines Hospital in einer reineren Luftzone; dorthin konnte der Doctor, der zugleich der einzige Arzt seiner Kolonie war, seine Kranken schicken, wenn er solche hatte. Auf den Abhängen, die zum Meere abfielen, bildeten wieder andere zierliche Häuschen eine Art Curort. Eines der am bequemsten eingerichteten, das sich aber wie ein Blockhaus untersetzt und stämmig repräsentirte – es stand dicht am Molenthor – hätte Villa Pescade und Matifu genannt werden können. Dort waren nämlich die beiden Unzertrennlichen mit einem für ihren persönlichen Dienst angestellten Sack untergebracht worden. Niemals hätten sie sich einen solchen Besitz träumen lassen. 

»Hier läßt sich’s gut leben, meinte Kap Matifu unaufhörlich.

– Zu gut, hatte Pointe Pescade erwidert, unserer gesellschaftlichen Bildung nach passen wir gar nicht hierher. Eigentlich, Kap Matifu, müßten wir nun erst noch die Schule besuchen, lernen, Lyceumspreise davontragen und uns das Zeugniß der Reise erwerben.

– Du bist ja gebildet, Pointe Pescade, meinte der Hercules. Du kannst lesen, schreiben, rechnen…«

Neben seinem Kameraden hätte Pointe Pescade allerdings für einen kenntnißreichen Mann gelten können. Der arme Kerl wußte nur zu gut, wie viel ihm noch an seiner Bildung fehlte. Wo und wann hätte er auch, der niemals die Schule besucht hatte oder nur die »Karpfenschule von Fontainebleau«, wie er sich ausdrückte, etwas lernen sollen? Er benutzte jetzt fleißig die Bibliothek von Artenak, er sachte sich zu bilden, er las und büffelte, während Kap Matifu mit Erlaubniß des Doctors zwischen dem Sande und den Klippen des Gestades aufräumte, um daselbst einen kleinen Angelhafen anzulegen.

Peter Bathory feuerte Pointe Pescade’s Wißbegier besonders an; er hatte dessen Intelligenz richtig erkannt, der nur die Schulung fehlte. Er wurde sein Professor und förderte ihn so weit, daß Pointe Pescade eine vollständige Kenntniß der Anfangsgründe der Wissenschaft von ihm empfing; der Schüler machte rasche Fortschritte. Auch andere Gründe noch machten, daß Peter sich näher an Pointe Pescade anschloß. Dieser war über seine Vergangenheit unterrichtet. Er hatte den Auftrag gehabt, das Toronthal’sche Haus in Ragusa zu überwachen. Dort war es gewesen, wo Sarah beim Passiren seines Leichenzuges bewußtlos zusammensank. Mehr als ein Mal hatte Pointe Pescade ihm von jenen schmerzlichen Ereignissen berichten müssen, an denen er indirect Antheil genommen hatte. Mit ihm allein sprach er darüber, so oft sein Herz überwallte. Daher stammte das Band, das sie Beide so eng aneinander schloß.

Die Zeit nahte inzwischen heran, in welcher der Doctor seinen zweifachen Plan zur Ausführung bringen wollte: erst vergelten, dann bestrafen.

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