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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Bolitho stand auf und ging zu seinem Weinschrank. Wieder und wieder hatte er über Herricks unvermutetes und entscheidendes Auftauchen in der Schlacht nachgedacht. Mit Hilfe des Logbuches der Lysander, den ausführlichen Erläuterungen des Masters und den Einzelheiten, die er aus Herrick herausholen konnte, hatte er sich ein Bild von den Bewegungen des Schiffes gemacht, seit es

Syrakus verlassen hatte. Herrick war, von dieser seltsamen inneren Verbundenheit getrieben, nicht direkt nach Korfu gesegelt, sondern viel weiter südlich auf die afrikanische Küste zu. Dann nach Osten, immer weiter nach Osten auf der Suche nach einem Schiff, oder, besser noch, nach einer Flotte. Wenn er sich daran erinnerte, wie verzweifelt Herrick vorher gewesen war, wie unfähig, den Posten eines Flaggkapitäns auszufüllen, kam ihm das Ganze noch unglaublicher vor.

In diesen vielen endlosen Meilen, bis er schließlich Alexandria und die Bucht von Abukir gesichtet hatte, an der entlang er bis zum Mündung des mächtigen Nil gekommen war, mußte er ein ganz anderer Mensch geworden sein.

Bolitho hatte ihm seine Anerkennung ausgesprochen, weil er mit einer so unbeugsamen Entschlossenheit, mit einem so unerschütterlichen Glauben an die Richtigkeit der Schlußfolgerungen Bolithos losgesegelt war. Darauf hatte Herrick nur erwidert:»Sie hatten mich überzeugt, Sir. Und als ich das den Leuten sagte, waren sie bereit, zu segeln, wohin ich wollte. «Er war etwas verlegen geworden, als Major Leroux einmal äußerte:»Captain Herrick hat vor der ganzen Besatzung eine Ansprache gehalten, bei der Ihnen die Ohren geklungen haben müssen, wo Sie auch waren!»

Da von der französischen Flotte nichts zu sehen war, hatte sich Herrick schließlich entschlossen, Kurs auf Korfu zu nehmen. Überzeugt davon, daß dort die Versorgungsschiffe warteten, das britische Geschwader aber noch immer in Syrakus vor Anker lag, war er direkt in Bolithos Angriff hineingesegelt. Von Norden nach Süden, so erläuterte er, wäre die Überraschung leichter gewesen, außerdem hätte er dann die breite Süd-Passage als Fluchtweg gehabt.

So war er auf die Nicator gestoßen. Zwei Schiffe trafen sich wie nach einem festen Zeitplan und genau in der Stunde des Angriffs.

Durch denselben Sturm, der damals Bolithos vermindertes Geschwader zerstreut hatte, war die schnellere Lysander bis zum Nil und wieder über das Mittelmeer bis nach Korfu getrieben worden.

Bolitho schenkte neu ein und kam wieder an den Tisch.»Wenn nicht große Veränderungen stattgefunden haben, Thomas, können wir nur annehmen, daß die Franzosen bald zum Angriff ansetzen werden. Die Korvette, die bei Korfu entwischen konnte, ist vielleicht dorthin zurückgesegelt; viel wahrscheinlicher ist aber, daß sie Kurs auf Frankreich genommen hat. «Er warf einen Blick auf die salzgestreiften Fenster und horchte auf den Wind, der jaulend durch die Wanten und festgemachten Segel fuhr.»Sie wird schwer zu kämpfen haben, und doch müssen wir damit rechnen, daß sie eher als jemand anderer einen Hafen erreicht.»

Nachdenklich nickte Herrick.»Dann könnte sich der französische Admiral dazu entschließen, herauszukommen. Wenn er weiß, daß seine schwere Artillerie auf dem Meeresgrund liegt, wird er sich auf ein bewegliches Gefecht einstellen. Das ist logisch.»

«Wir liegen hier schlecht«, erwiderte Bolitho.»Bei diesem Wind müßten wir viel weiter westlich liegen, wo wir von Nutzen sein könnten, we nn die Flotte eintrifft.»

«Falls sie eintrifft«, seufzte Herrick.»Aber immerhin haben wir getan, was wir konnten.»

«Ja. «Er dachte an die Bestattungen auf See, wie sie stets am Tag nach einer Seeschlacht stattfanden.»Und man wird sich auch weiterhin auf uns verlassen können.»

Es klopfte, und Midshipman Saxby sagte ängstlich:»Mr. Glasson läßt respektvoll fragen, Sir, ob Sie an Deck kommen können.»

Bolitho blinzelte Herrick zu. Zwei Leutnants fehlten; auf ihre Posten waren zwei andere nachgerückt. So gab es also zwei Fehlstellen, und diese hatten die beiden dienstältesten Midshipmen bekommen. Glasson, scharfgesichtiger und anscheinend säuerlicher denn je, holte dabei heraus, was er konnte. Er ging kaum eine Wache, ohne daß er Herrick oder Veitch rufen ließ, weil er sich über irgendeine dienstliche Nachlässigkeit eines Matrosen bis zur Weißglut aufregte.

Herrick stand auf.»Ich komme schon. «Zu Bolitho sagte er leise:»Wenn dieser häßliche kleine Streber nicht aufhört, meine Geduld zu strapazieren, lege ich ihn vor versammelter Mannschaft übers Knie!»

«Unsere Offiziersmesse wird eben von Tag zu Tag jünger, Thomas«, erwiderte Bolitho melancholisch lächelnd.

«Oder wir werden älter. «Herrick schüttelte den Kopf.»Diese jungen Kerle! Wenn ich als Leutnantstellvertreter meinen Kommandanten an Deck gerufen hätte, ohne daß das Schiff praktisch am Absaufen war, dann hätte er mich in kleine Stücke gerissen!»

Über die Schiffs- und Windgeräusche hörte Bolitho einen schwachen Anruf:»Boot ahoi?«Und von irgendwo achteraus die Antwort: «Nicator!»

Herrick sah ihn fragend an.»Diesmal scheint Mr. Glasson wirklich einen Grund zu haben. «Er griff nach seinem Hut.»Captain Probyn kommt an Bord, ehe Sie ihn gerufen haben!»

«Sieht so aus. «Bolitho hörte die Marine — Infanteristen zum Fallreep rennen.»Bringen Sie ihn her, Thomas. Dann werden wir ja sehen.»

Schweren Schrittes trat Captain George Probyn in die Kajüte, Mantel und Hose naß und fleckig von der bewegten Fahrt. Sein Gesicht war röter denn je. Angriffslustig blickte er sich um und sagte:»Ich nehme an, Sie wollen mich sehen, Sir?»

«Sie sind ja schon da. «Bolitho deutete auf einen Stuhl.»Nun?»

Probyn sank in den Sessel und stierte ihn an.»Ich will nicht drumherumreden, Sir. Ich habe allerlei gehört. Über mein Schiff und über das, was vor Korfu passiert ist. Ich habe keine Lust, dabeizustehen, wenn mein guter Name in den Dreck gezogen wird, und zwar von Schurken, die nicht wert sind, des Königs Rock zu tragen!«Er deutete auf die Papiere auf dem Tisch.»Ich habe Ihnen vollständigen und detaillierten Bericht erstattet. Er wird jeder Nachprüfung standhalten, sogar einer durch ein blutiggottverdammtes Kriegsgericht, wenn's nötig ist!»

Gelassen sagte Bolitho:»Etwas Wein für den Captain, Ozzard! Oder möchten Sie vielleicht lieber Brandy?»

Probyn nickte.»Brandy. In diesen verdammten Gewässern bekommt er einem besser. «Er riß Ozzard den Becher fast aus der Hand und goß den Schnaps in einem Zug hinunter.»Wenn Sie gestatten, Sir?«Er hielt Ozzard das Glas zum Nachschenken hin.

Trotz des ständigen Windes, der durch die kleine Bucht fegte und von Schaum gekrönte Wellen zwischen die ankernden Schiffe jagte, war die Luft in der wetterdichten Kajüte warm und feucht. Bolitho hatte zum Empfang Probyns seinen Uniformrock angelegt, aber jetzt wünschte er, er wäre wieder in Hemdsärmeln. Der Brandy stieg Probyn in Augen und Stimme. Undeutlich und stockend, aber sehr ausführlich berichtete er, wie sein Master und der Wachoffizier, so einen jungen Dussel gibt's nicht ein zweites Mal, Sir, und der Lotgast in den Rüsten, den habe ich verdammt schnell greifen und auspeitschen lassen, kann ich Ihnen sagen, und noch einige andere Leute Fehler gemacht hätten, so daß das Auflaufen nicht mehr zu vermeiden gewesen war.

Bolitho wartete, bis Probyn eine Pause machte, in der Ozzard den Becher nachfüllte. Der Steward hielt die Augen gesenkt, konnte aber sein Interesse nicht verbergen. Es mochte wohl an seiner früheren Tätigkeit als Rechtsanwaltsschreiber liegen, daß er seine sonstige Zurückhaltung vergaß.

«Sie waren also nicht direkt dabei, als es passierte?«fragte Bo-litho ernst.

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