Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer
- Автор: Кент Александер
- Год: 1979
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20022-2
- Переводчик: Karl H. Kosmehl
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:
«Dabei?«Die rotgeränderten Augen blickten ihn mühsam an.»Natürlich war ich dabei!«schrie Probyn fast.
«Ich darf Sie ersuchen, höflich mit mir zu sprechen, Captain. «Bolithos Tonfall war gleichmäßig, fast freundlich; aber Probyns rotem Gesicht war doch anzusehen, daß er die Warnung verstanden hatte.
«Ja. Jawohl. Bitte um Entschuldigung. Aber es beunruhigt mich die ganze Zeit, daß Sie mir die Schuld geben könnten für das, was.»
«Also, Captain, wo an Bord der Nicator befanden Sie sich, als sie auflief?»
«Augenblick mal. «Nachdenklich schob er die Lippen vor.»Da müssen wir ganz genau sein, eh? Wie in alten Zeiten auf der Trojan, als wir beide noch Leutnants waren.»
Reglos beobachtete Bolitho, wie sich die sentimentale Erinnerung auf Probyns verschwommenen Zügen spiegelte.»Das ist lange her«, sagte er schließlich.
Probyn beugte sich vor und warf dabei mit dem Ärmel den leeren Becher um.»So sehr lange doch auch nicht, wie? Mir kommt's bloß vor wie 'ne Hundewache. War'n feines altes Schiff.»
«Die Trojan!«Bolitho nickte Ozzard zu, der daraufhin Kapitän Probyn einen neuen Becher hinstellte.»Ein hartes Schiff, das große Anforderungen stellte, soweit ich mich erinnere. Eine gute Schule für alle, die was lernen wollten, aber die Hölle für Bummler. Captain Pears war nicht der Mann, der mit Dummköpfen Geduld hatte.»
Mit verglasten Augen sah Probyn ihn an.»Natürlich war ich ein bißchen dienstälter als Sie. Wußte 'n bißchen besser Bescheid, sozusagen. Hab' Ihr kleines Spiel durchschaut.»
«Spiel?»
Probyn klopfte sich verschmitzt an den Nasenflügel.»Sehen Sie? Sie hatten nicht einmal eine Ahnung davon. Der Erste Offizier hatte was gegen mich; er war der Speichellecker des Kommandanten. Und dieser andere Leutnant, der später umgekommen ist, der war bloß ein Kriecher.»
Bolitho stand auf und ging zum Weinschrank. Er sah im Geiste Kates Gesicht und hörte ihr aufreizendes Lachen. Auch jetzt hätte sie ihn ausgelacht. Sie besaß keinen Sinn für Autorität.
Er antwortete scharf:»Dann waren also, abgesehen von dem sehr jungen Vierten, Sie und ich die einzigen Offiziere an Bord, die Ihrer Ansicht nach etwas taugten. «Er winkte Ozzard hinaus und goß sich selbst ein Glas Rotwein ein.»Ich erinnere mich an vieles auf diesem Schiff, aber woran ich mich am deutlichsten erinnere und woran ich im Laufe der letzten Woche wieder denken mußte, das ist Ihre Trunksucht. «Er fuhr herum und sah die plötzliche Bestürztheit Probyns.»Ich weiß, daß mehrmals Matrosen ausgepeitscht wurden, weil Sie etwas falsch gemacht hatten. Und erinnern Sie sich noch an die Wachen, die andere für Sie gehen mußten, weil Sie so betrunken waren, daß Sie nicht an Deck kommen konnten? Der Speichellecker, den Sie vorhin erwähnten, sorgte dafür, daß der Kommandant nichts davon erfuhr. Aber bei Gott, Probyn, wenn ich Ihr Kommandant gewesen wäre, ich hätte dafür gesorgt, daß es nicht zum zweiten Mal geschehen wäre!»
Schwankend stand Probyn auf; sein großer Schatten kam auf Bo-litho zu wie ein Theatervorhang.»Bestimmt hätten Sie das getan! Wie damals, als wir die zwei Prisen nahmen! Ich wurde Prisenkommandant auf der ersten. Ein verfaulter, wurmzerfressener, uralter Kasten war das! Ich hatte darum nicht die geringste Chance, als der Feind mich verfolgte. Das war Absicht, um mich loszuwerden!«Er schielte vor Wut, der Schweiß rann ihm über Gesicht und
Hals.
«Sie waren der Dienstältere. Die Prise stand Ihnen zu. Und wie war das mit einer, die wir kurz vorher nahmen? Dem kleinen Schoner? Die sollten eigentlich Sie nach New York segeln, aber statt Ihrer mußte sie ein Steuermannsmaat übernehmen!»
Ziellos irrten Probyns Augen in der Kajüte herum, wie auf der Suche nach einer Antwort — daran merkte Bolitho, daß seine Worte gesessen hatten.»Betrunken waren Sie, als Sie aufliefen!«sagte er schroff. »Geben Sie es zu, Mann!»
Sehr langsam setzte sich Probyn wieder hin. Seine Hände zitterten auf den Armlehnen.»Ich gebe gar nichts zu, Sir!«Mit roten, haßerfüllten Augen sah er hoch.
«So haben Sie mir also nichts weiter über das Auflaufen der Ni-cator zu sagen?»
Diese Frage brachte Probyn anscheinend einen Moment aus der Fassung. Dann erwiderte er:»Ich habe einen vollständigen und wahrheitsgetreuen Bericht abgegeben. «Er verbarg die Hände unter der Tischplatte.»Und ich habe von denen, die auf Wache waren und damit zu tun hatten, beeidigte Aussagen zu Protokoll genommen. «Er beugte sich vor und legte sein Säufergesicht in verschmitzte Falten.»Und falls es zu einer kriegsgerichtlichen Untersuchung kommt, werde ich diese Aussagen geltend machen. Eine davon könnte, nebenbei bemerkt, den Offizier der Wache, den Neffen eines Admirals, schwer belasten. Vielleicht könnte auch jemand denken, Sie wären nicht unvoreingenommen, Sir, und würden alte Rechnungen dadurch begleichen, daß Sie meinen guten Ruf beschmutzen.»
Erschrocken lehnte er sich zurück, denn Bolitho stand auf, und seine Augen blitzten vor Verachtung.»Schachern Sie gefälligst nicht mit mir! Vorige Woche haben wir einen Schlag gegen den Feind geführt, aber die Verluste, die wir hatten, waren sehr schwer. Wäre Lysander nicht erschienen, und hätte Buzzard nicht eingegriffen, dann wäre Ihr Schiff heute das einzige, das noch schwimmt! Wenn Sie das nächste Mal von Voreingenommenheit oder von Ehre reden, dann denken Sie daran!»
Er rief nach Ozzard. Dann fuhr er fort:»Sie können sich jetzt wieder auf Ihr Schiff begeben. Aber vergessen Sie nicht: was nicht zu beweisen ist, steht dennoch zwischen uns. Das Geschwader ist personell unterbesetzt, die meisten Offiziere sind jung und unerfahren. Nur aus diesem Grunde sehe ich vorerst von einer offiziellen Untersuchung Ihres Falles ab.»
Herrick erschien mit Ozzard an der Tür, blieb jedoch stehen, denn Bolitho sprach noch weiter.»Aber hören Sie gut zu, Captain Probyn: Falls ich jemals herausbe komme, daß Sie uns absichtlich nicht zur Hilfe gekommen sind, oder wenn Sie in Zukunft jemals gegen die Interessen dieses Geschwaders handeln, will ich Sie dafür hängen sehen!»
Probyn riß Ozzard seinen Hut aus der Hand und stolperte aus der Kajüte. Als Herrick zurückkam, stand Bolitho immer noch da wie vorher und starrte mit Ekel auf Probyns leeren Stuhl.
«Da haben Sie mich einmal von einer häßlichen Seite gesehen, Thomas«, sagte er.»Aber bei Gott, es war mein Ernst, jedes Wort.»
XVII Sturmwolken
Es dauerte beinahe zwei Wochen, bis Bolitho das Signal Anker lichten hissen und das schützende Eiland verlassen konnte. Selbst dann gab es noch schwere Sturmböen, und bald stellte sich heraus, daß Javals Havarie schwerer war als gedacht. Pausenlos arbeiteten seine Männer auf jeder Wache an den Pumpen, und bei den begrenzten Reserven an Bord brauchte er seinen ganzen Vorrat an Ersatzplanken und Leinwand, um die schwersten Lecks abzudichten.
Nach der wilden Schlacht, dem Hochgefühl beim Anblick der Lysander, die ihren Bug durch Pulverqualm und Sprühwasser stieß, war dieses schlechte Wetter, bei dem man trotz größter Anstrengung nur langsam vorankam, um so deprimierender. Die Schiffe gerieten aus der Formation und mußten auf verschiedenen Kursen kreuzen, um überhaupt vorwärtszukommen, wobei sie einen starken Südwestwind gegen sich hatten, und Bolitho mußte noch dankbar sein, daß kein feindliches Geschwader ihren Weg kreuzte. Seine Mannschaften waren von dem ständigen schweren Dienst erschöpft, jedes Schiff war wegen der Toten und Verwundeten unterbesetzt, so hätte er es mit keinem Gegner aufnehmen können.
Die Perle, die eroberte französische Korvette, eilte mit seinen
Depeschen voraus; er wußte, daß Herrick immer noch seine Zwe i-fel hatte, ob Leutnant Fitz-Clarence bis zum Hafen kommen und der Admiral in Gibraltar seine Depeschen auch erhalten würde. Vielleicht hätte er die Perle direkt nach Gibraltar beordern sollen. Doch da seine Informationen möglichst schnell und umfassend bekannt werden mußten, war es unbedingt nötig, daß Fitz-Clarence zuerst Syrakus anlief.