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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Aber der Erste Offizier saß gegen eine verlassene Kanone gelehnt, den Kopf auf die Brust gesunken; das Deck um ihn herum war blutüberströmt.

«Allday!«rief Bolitho.»Holen Sie Mr. Guthrie! Alle Verwundeten sollen aufs Hauptdeck gebracht werden, auf die Backbordseite! Aber machen Sie rasch!»

Der Rauch am Hang mischte sich mit dem der Kanonen. Wenigstens hatte Veitchs Kühnheit den Verwundeten eine Chance gegeben. Ohne den Rauchschirm hätten die beiden Belagerungsgeschütze jeden Versuch, Boote auszusetzen, vereitelt. Nun feuerten die Franzosen blind über das Wasser, und das unheimliche Heulen der schweren Kaliber mischte sich mit den Schreien der Sterbenden und Verwundeten.

Ein kleiner Mann tauchte aus dem Qualm auf — der Schiffsarzt.

Trotz Farquhars Protest riß er ihm den goldbetreßten Uniformrock auf. Das Haar wurde ihm von einer tieffliegenden Kugel ins Gesicht geweht, während er einen dicken Verband über den hellroten Fleck legte.

«Gehen Sie nach unten, Andrews!«keuchte Farquhar.»Kümmern Sie sich um die Leute!»

Verzweifelt sah der Arzt zu Bolitho auf.»Ich bringe die Verwundeten an Deck, Sir. «Verwirrt starrte er das zerschmetterte Schanzkleid an und die hingemähten Toten. Selbst nach der grauenvollen Arbeit, die er tief unten im Orlopdeck zu verrichten hatte, mußte ihm das hier oben wie die Hölle vorkommen.»Werden Sie die Flagge streichen, Sir?»

Farquhar hörte es und keuchte: «Streichen? Scheren Sie sich weg, Sie verdammter Idiot! Eher will ich Sie in der Hölle sehen, als daß ich meine Flagge streiche!»

Bolitho winkte Pascoe.»Kümmere dich um den Captain! Auch Sie bleiben hier, Allday!»

Er scherte sich nicht um ihre Bestürzung, sondern rannte zur Reling, starrte mit schmerzenden Augen durch den Rauch, bis er den Bootsmann entdeckt hatte. Er wußte seinen Namen nicht mehr, aber er rief ihn an; endlich sah der Mann zu ihm auf, das Gesicht von Pulverrauch und verkohlten Trümmern so schwarz wie das eines Negers.

«Bringen Sie den Kutter an Steuerbord zu Wasser! Auch ein Floß, wenn Sie es schaffen können!»

Auf einen Ruf Pascoes wandte er sich um und sah ein bleiches Segeldreieck durch den Rauch näherkommen; der Rumpf war noch nicht zu sehen.

Seine Degenspitze berührte das Deck, denn ihm sanken hilflos die Arme hinunter. Die Frist war verronnen, der Franzose war da. Hatte sich wie ein Jäger, der ein waidwundes Tier verfolgt, zum Heck der Osiris geschlichen.

Bolitho sah auch, wie der Kommodorestander sich im ablandigen Wind hob, und er fragte sich flüchtig, ob man von drüben auch seinen Wimpel über diesem Chaos aus Blut und Vernichtung noch flattern sah. Eine Bö trieb den Qualm himmelwärts; nur an den gelbroten Flammenzungen, die aus dem Rauch schossen, sah man, daß dieser Windstoß Menschenwerk war.

Deck um Deck, immer paarweise, hämmerten die Geschütze des Vierundsiebzigers ihre Kugeln ins Heck der Osiris.

Das nahm kein Ende! Schon sah Bolitho die blindlings rennenden, stürzenden, zuckenden, sich wälzenden Gestalten kaum noch als Menschen, nur noch als formlose, sinnlose Schreckensbilder mit lautlos klaffenden Mündern.

Atemlos wankte er zur Reling, soweit sie noch vorhanden war. Dort standen noch immer Pascoe und Allday und hielten, jeder von einer Seite, den Kommandanten aufrecht. Allday hatte eine tiefe Wunde im Arm. Pascoe eine dunkle Beule an der Stirn, wo ihn ein Holzstück getroffen hatte. Bolitho hatte noch nicht wieder Atem genug, um sprechen zu können, aber er hielt sich irgendwo fest und nickte ihnen zu.

Auf dem Oberdeck stand kein Mensch mehr; achtern, vorn und auf den Laufgängen häuften sich gebrochene Spieren, Stage und Wanten. Überall wallte Rauch auf. Unter den Trümmern schrien Menschen nach Hilfe, riefen Namen, fluchten Sinnloses.

«Der Besan kommt jeden Moment von oben, Sir«, keuchte All-day mit letzter Kraft.»Er hängt nur noch an den Wanten!»

Durch das Getöse der fallenden Spieren und brüllenden Menschen hörte Bolitho fernes Hurrarufen: das Siegesgeschrei der Franzosen.

Farquhar stieß Pascoe zurück und wankte zu den zerrissenen Webleinen. Seine Uniform hing in Fetzen, mehrere Holzsplitter staken wie Pfeile in seinen Schultern. Blut aus seiner Brustwunde bezeichnete seinen Weg zum Schanzkleid; als Bolitho ihn endlich auffing, waren seine Augen fast geschlossen.

«Haben wir die Flagge gestrichen, Sir?«keuchte er.

Bolitho hielt ihn fest im Arm, auch Pascoe kam herbei. Den Mast mit Wimpel, Stagen und Wanten hatte eine Breitseite weggefegt.

«Nein, das haben wir nicht.»

Mit weitgeöffneten Augen sah Farquhar ihn an.»Das ist gut, Sir. Tut mir leid, daß…«Offenbar überwältigte ihn eine neue Schmerzwelle, dennoch stieß er wütend hervor:»Probyn soll in der Hölle faulen — er hat uns auf dem Gewissen!»

Bolitho stützte Farquhar. Pascoe beobachtete dessen Gesicht, als könne er darauf die Antwort auf alle seine Fragen ablesen.

Undeutlich murmelte Fraquhar:»Lassen Sie mich, Sir. Ich kann schon wieder allein stehen. Dieser Idiot von Outhwaite soll. «Ein letzter Schimmer von Bewußtsein blitzte in seinen Augen auf und erstarrte.

Der Zweite Offizier stolperte durch den Rauch, blieb aber reglos stehen, als Bolitho sagte:»Hier, halten Sie Ihren Kommandanten, Mr. Guthrie. «Er wandte den Blick ab.»Sir Charles Farquhar ist tot.»

XVI Der Kommandantenbericht

«Nur die Verwundeten in die Boote!»

Bolitho war bereits heiser, weil er den Kanonendonner überschreien mußte. Von einigen Transportern kam Geschützfeuer durch den Rauch; freilich mußten die Kugeln meist die eigenen Schiffe treffen, denn die Ordnung auf der Reede hatte sich aufgelöst. Unbeschreibliche Panik herrschte dort; drei Schiffe brannten lichterloh, ihre Trossen waren gekappt oder verbrannt, sie trieben zwischen die anderen.

Bolitho hatte keine Ahnung, wie viele Kanonen auf der Osiris noch feuerten, denn in der unteren Batterie waren nur noch wenige Geschütze bemannt; unmöglich, den Rückstoß eines Zweiunddrei-ßigpfünders vom Einschlag einer feindlichen Kugel zu untersche i-den.

Er blickte von der Laufbrücke hinunter; direkt unter ihm lagen die Boote, bereits überfüllt mit Verwundeten; andere klammerten sich noch an die Bordwand oder trieben im Wasser ab, weil sie nicht schwimmen konnten oder zu erschöpft waren. Manche kletterten vom Schiff an Tauen über Bord — Seesoldaten, Matrosen, Küfer, Segelmacher; hier und da versuchte ein Offizier, Ordnung zu schaffen.

Pascoe kam herbeigerannt.»Was jetzt, Sir?»

Bolitho antwortete nicht direkt.»Schau dir das da unten gut an, Adam. So sieht eine Niederlage aus. So stinkt sie. «Er wandte sich ab.»Gib durch: Feuer einstellen. Das Schiff kann jeden Moment in Brand geraten, wenn eins von diesen Wracks dagegentreibt.»

Wieder ein heftiges Krachen: endlich, von den letzten Wanten befreit, stürzte der Besanmast über Bord und stak in der Sandbank wie ein riesiges Seezeichen.

Bolitho tat ein paar Schritte über Deck, blieb mit den Schuhen in Splittern und dem großen schiefen Riß hängen, wo die Franzosen mit ihrem Volltreffer das Ruder zerstört hatten.

Ein paar Männer rannten vorbei, ohne ihn auch nur anzusehen. Wohin sie rannten, und was sie da sollten, wußten sie wahrscheinlich gar nicht.

Rauch rollte das Deck entlang und wirbelte durch die Löcher in den Planken hoch. Es war, als gehe man durch die Hölle. Tote rechts und links, Waffen, allerlei persönliche Gegenstände lagen herum, wo sie während der Schlacht hingeworfen worden waren. Ein Marine-Infanterist starrte in den Himmel, Kopf und Schultern im Schoß eines Kameraden. Sein bester Freund vielleicht. Aber auch er war tot, von einem Eisensplitter getroffen, während er seinen Freund sterben sah.

Der tote Farquhar war nicht mehr an Deck. Sie hatten ihn wohl gleich nach unten geschafft, in die zerstörte Kajüte mit ihrer einst so eleganten Einrichtung.

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