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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Inch fuhr fort:»Ich bekam Order, daß ich Ihnen, falls ich Sie finde, bestellen soll, so schnell wie möglich in Alexandria zur Flotte zu stoßen. «Er bemerkte Bolithos Überraschung.»O ja, Sir, Nelson hat volles Vertrauen in Ihre Schlußfolgerungen. Er glaubt, die Franzosen nehmen Kurs auf Ägypten oder sind schon da. «Anscheinend dachte Inch, diese Nachricht würde Bolitho in helle Aufregung versetzen.

Doch Bolitho erwiderte:»Captain Herrick ist in eigener Initiative nach Alexandria gesegelt. Bis auf ein paar uralte türkische Kriegsschiffe und die gewohnten Küstenfahrzeuge war der Hafen dort leer. Und das wird auch der Fall sein, wenn Nelson eintrifft. «Er sah Herrick an.»Stimmen Sie mir bei, Thomas?»

Herrick nickte.»Ich fürchte, ja. Nach allem, was wir in Korfu gesehen und gehört haben, sollten die Versorgungsschiffe erst einen anderen Hafen ansegeln, ehe sie zur Hauptflotte stießen. «Unmutig studierte er die Karte auf Bolithos Tisch.»Also wird Nelson, wenn er nach Osten segelt, Brueys' Flotte um hundert Meilen oder mehr verfehlen. Die Franzosen werden sich versammeln. «Er tippte auf die Karte.»Höchstwahrscheinlich vor Kreta. Während wir zwischen diesen Inseln mit Reparaturen beschäftigt lagen, segelte die größte Flotte seit der spanischen Armada nur ein paar Meilen südlich von uns vorbei, und wir haben nichts davon gemerkt!»

Zweifelnd fragte Inch:»Was wird Brueys machen, Sir?»

Bolitho musterte konzentriert die Karte.»Wäre ich in seinen Schuhen, ich würde sammeln, was von den Transportern noch übrig ist, und dann auf die warten, die vielleicht noch zwischen den Inseln und in den Buchten verstreut sind. Dann würde ich nach Südosten segeln. Nach Ägypten.»

«Alexandria, Sir?«fragte Herrick gespannt.

«Ja. Doch dort wird seine Flotte vor dem Hafen liegen bleiben. Irgendwo, wo sie eine bessere Verteidigungsposition hat.»

Herrick nickte verständnisvoll.»Die Bucht von Abukir. Die wäre am besten — für Brueys. «Er verzog das Gesicht.

Bolitho ging zum Heckfenster, breitbeinig, denn das Schiff lief eben durch ein tiefes Wellental.

«Und Nelson segelt jetzt wieder nach Westen. «Er sprach wie zu sich selbst.»Er muß annehmen, daß Brueys ihn überlistet und schließlich doch irgendwo anders angegriffen hat.»

Er hatte oft von Nelsons plötzlichen Depressionen gehört, von seiner Neigung zur Selbstkritik, wenn seine kühnen Ideen nicht gleich zum Erfolg führten.

Draußen schoß etwas am Fenster vorbei: eine Möwe, die sich unter dem Hecküberhang einen arglosen Fisch aus dem Wasser holte.

Ein paar hundert Meilen nur, doch bedeuteten sie den Unterschied zwischen Erfolg und Nichts. Er wußte, wo die Franzosen ihre Kampfverbände sammeln würden, die mit oder ohne schwere Artillerie sehr rasch die Wälle und Batterien Alexandrias einnehmen konnten. Er wußte es, konnte es aber dem Vizeadmiral nicht rechtzeitig mitteilen. Wäre er doch nur wie jene Möwe, könnte doch seine Nachricht so schnell reisen wie ein Vogel! Die Möwe mochte heute nacht auf einer der griechischen Inseln schlafen; doch seine Schiffe würden, in welche Richtung auch immer, kaum vorwärtskommen.

Nachdenklich sagte er:»Rufen Sie alle Kommandanten sofort zu mir an Bord, Thomas! Wir müssen von unserer Unabhängigkeit Gebrauch machen, sonst nutzen wir Nelson gar nichts.»

Inch fuhr hoch.»Sie wollen nicht zu Nelson stoßen?»

Bolitho mußte über Inchs Betroffenheit lächeln.»Doch. Aber nachher.»

Herrick machte Inch ein Zeichen mit dem Kopf.»Ich lasse das Signal hissen. Kommen Sie mit, Commander. «Er warf einen Blick auf Bolithos nachdenkliches Gesicht, denn er wußte aus Erfahrung, wann dieser mit seinen Gedanken allein sein wollte.

Zwei Stunden später waren alle Kommandanten in der Kajüte versammelt: Javal, hohläugig von vielen schlaflosen Nächten, in denen er mit seiner geschwächten Mannschaft gegen See und Wind gekämpft hatte. Probyn, Mißtrauen auf den groben Zügen, der Bolithos Blick mied und sich einen Platz im Schatten suchte. Leutnant Gilchrist, verlegen unter so vielen Vorgesetzten, doch selbstsicherer, als Bolitho ihn je gesehen hatte. Das Kommando über einen Vierundsiebziger veränderte einen Mann eben in vieler Hinsicht. Gilchrist hatte es offenbar gutgetan.

Außer Herrick und Inch waren noch Moffitt und Ozzard anwesend. Der Schreiber hockte mit Papier und Feder abseits an einem kleinen Tisch, während der Steward aufmerksam beim Weinschrank stand.

«Gentlemen«, sagte Bolitho ernst,»ich habe Ihnen zu eröffnen, daß wir erneut auf die Suche nach den Franzosen gehen müssen. Brueys ist wieder auf hoher See und hat bis jetzt unsere Flotte abschütteln können, die den Auftrag hatte, ihn festzuhalten. «Javals Müdigkeit war auf einmal verschwunden; alle tauschten interessierte Blicke.»Wir mit unserem kleinen Geschwader müssen alles tun, was wir können, um die Pläne des Feindes zu durchkreuzen. Sie haben bereits viel mehr getan, als die Befehle uns vorschrieben, oder — «, er lächelte — ,»ungesagt ließen.»

Herrick grinste versteckt und nickte Inch mit schweigendem Einverständnis zu.

«Ich will Ihnen nichts vormachen«, fuhr Bolitho fort.»Wenn wir Feindberührung bekommen, ist das Risiko groß. Zu groß vielleicht. «Er sah Javal direkt ins Gesicht:»Und von Ihnen, Captain, muß ich ebenfalls volle Aufrichtigkeit verlangen.»

Javal fuhr hoch.»Sir?»

«In bezug auf Ihr Schiff. Wie stehen die Chancen der Buzzard in ihrem augenblicklichen Zustand?»

Die anderen sahen auf die Karte nieder oder zur Decke auf. Überall hin, nur nicht Javal ins Gesicht.

Javal wollte aufstehen, sank aber wieder in den Stuhl zurück.»Noch einen solchen Sturm, wenn er nicht stärker ist, kann ich zur Not abwettern, Sir. Aber Sie wollen ja eigentlich etwas anderes wissen, nicht wahr? Kämpfen kann ich mit der Buzzard nicht. Sie ist zu stark zerhämmert worden. Noch ein paar Treffer in den Rumpf — dann sinkt sie, fürchte ich. «Er starrte auf einen Punkt über Bolithos linker Epaulette.»Sie ist ein gutes Schiff, Sir, und ich würde mir kein…«Er verstummte.

Bolitho sah, was diese Worte Javal gekostet hatten und wie tief bekümmert er war. Ruhig erwiderte er:»Ich habe selbst eine Fregatte geführt und weiß, wie Ihnen zumute ist. Aber ich bin Ihnen dankbar für Ihre Offenheit, auch weil ich weiß, was die Buzzard Ihnen bedeutet. «In dem gleichen ruhigen Ton fuhr er fort:»Die schwersten Geschütze der Buzzard müssen sofort über Bord geworfen werden. Wenn das nicht genügt, müssen Sie das Schiff aufgeben. «Er wandte die Augen nicht von Javal ab, der mit tief gesenktem Kopf dasaß.»Ich gebe Ihnen die französische Prise, die Immortalite. Ihre Matrosen können Sie zum größten Teil nach eigenem Ermessen auf die anderen Schiffe des Geschwaders verteilen. In Kürze werden wir jeden Mann brauchen. Wie ich höre, ist Ihr Erster Offizier verwundet?»

Javal nickte, und Bolitho wandte sich an Gilchrist.»Sie übernehmen die Buzzard und segeln sie mit einer Notmannschaft nach Gibraltar. Wenn Sie vorsichtig sind, werden Sie schon hinkommen. Ich gebe Ihnen noch schriftliche Order, außerdem eine Empfehlung an den Admiral, daß Sie bei erster Gelegenheit zum Commander befördert werden sollen.»

Gilchrist, der bisher mit offensichtlichem Mißbehagen zugehört hatte, sprang auf.»Danke, Sir. Es tut mir nur leid, daß…«Er setzte sich wieder hin, ohne seinen Satz zu beenden.

«Wir haben drei Linienschiffe«, sprach Bolitho weiter.»Sie müssen von Männern befehligt werden, die Erfahrung besitzen. «Er warf einen kurzen Blick auf Probyn, aber der sah durch ihn hindurch.»Und Mut.»

«Soll ich die Schwerverwundeten auf die Buzzard bringen lassen, Sir?«fragte Herrick.

«Wenn Captain Javal sie nach Abwerfen der Geschütze für seetüchtig hält, dann sollten wir das tun. «Lauschend hob er den Kopf.»Der Wind hat nachgelassen, glaube ich. Dann also los!«Er klopfte Inch auf den Arm.»Und Sie, Commander Inch, können jetzt die Nachricht von dem, was wir herausgefunden haben, unserem neuen Freund, Sir Horatio Nelson, überbringen.»

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