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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Unter der Kampanje tauchte eine kleine Gestalt auf: Midshipman Breen, der Bolitho anstarrte, aber überhaupt nicht zu erkennen schien.»Gehen Sie mit Mr. Pascoe«, sagte Bolitho,»und seien Sie vorsichtig.»

Der Junge nickte und brach in Tränen aus.»Ich bin weggelaufen, Sir. Ich bin weggelaufen!».

Bolitho legte ihm die Hand auf die Schulter.»Viele erwachsene Männer haben das heute getan, Mr. Breen. Hier konnten Sie doch nicht mehr helfen.»

Pascoe kam mit dem Zweiten Offizier, der totenbleich und völlig erschöpft aussah.

«Die Boote sind voll, Sir.»

Er zuckte zusammen, denn eine Kugel flog an ihm vorbei und schlug hinter ihm in etwas Festes im Rauch, der so dicht war, daß von dem anderen Schiff überhaupt nichts zu sehen war.

Langsam und eingehend sah sich Bolitho auf dem verlassenen Deck um. Unter diesem ungeheuren Gewirr von Tauwerk und Holztrümmern lagen bestimmt noch viele Männer eingeklemmt, horchten, warteten, hofften auf Hilfe.

«Ja«, sagte er dann,»sagen Sie durch: Alle Mann von Bord! Wir setzen die Verwundeten an der Küste ab. «Er blickte Pascoe bedauernd an.»Tut mir leid um dich, Adam. Zweimal gefangen in so kurzer Zeit.»

Pascoe zuckte die Achseln.»Wenigstens sind wir diesmal zusammen, Onkel.»

Allday, der sich mit seinem verwundeten Arm beschäftigt hatte, stieß plötzlich von der Reling ab und sagte: «Hören Sie!»

Überrascht sahen sie ihn an; Bolitho legte ihm den Arm um die Schulter — er machte sich Vorwürfe, daß er sich in seiner Verzweiflung nicht um Allday gekümmert hatte.

Breen rieb sich die Augen mit den Handknöcheln und sagte:»Ich höre es auch!«Ergriff nach Alldays Hand.»Ich hör's tatsächlich!»

Bolitho schritt über die geborstenen Planken und horchte auf das lauter werdende Hurrageschrei. Es wurde von unregelmäßigen Kanonenschüssen unterbrochen, denen eine viel lautere und stärkere Breitseite folgte. Dann stieg das Hurrarufen wieder auf, lauter und wilder, wie mit einer einzigen mächtigen Stimme.

«Das sind keine Franzosen«, sagte Allday heiser.

«Hurra!»

Wieder rollte Rauch auf die gestrandete Osiris zu, doch eine neue Breitseite riß ihn auseinander.»Die Buzzard«, mutmaßte Pascoe.

«Ach wo«, sagte Allday mit einem Blick auf Bolitho.»Hören Sie nicht, Sir?»

«Ja. «Bolitho steckte den Degen in die Scheide, ohne zu wissen, warum.»Eine so starke Besatzung hat keine Fregatte.»

Der Zweite Offizier ließ den Kopf sinken.»Diese verfluchte Ni-cator! Jetzt kommt sie endlich — viel zu spät, um uns zu retten.»

Sonne stach durch den Rauch; Bolitho sah Flammen auflodern und hörte das Prasseln brennenden Holzes. Ein entmasteter Rumpf, verlassen, aufgegeben, lag knapp fünfzig Yards achteraus. Doch als der Rauch hochwirbelte, starrte er auf ein Schiff, das eben jetzt wieder eine Breitseite auf ein unsichtbares Ziel in Lee feuerte.

Da war kein Zweifel möglich: die Lysander segelte an den versprengten Transportern vorbei und feuerte auf sie. Und die Batterien ihrer anderen Bordseite schossen offensichtlich auf den französischen Vierundsiebziger; daher die ersten Hurrarufe und die vollen Breitseiten.

Bolitho sah das alles und nahm es in sein Bewußtsein auf, aber den Sinn begriff er nicht.

Nur eins zählte: die Lysander! Thomas Herrick war da. Es war ein phantastischer Glücksfall, fast ein Mirakel. Er war in die Nordpassage eingelaufen und hatte aus dem Ankerplatz der Franzosen eine Abwrackwerft gemacht!

Pascoe sagte:»Aber jetzt ist es, glaube ich, die Buzzard, Sir. «Seine Augen glühten, er atmete heftig vor Erregung.»Ja, das ist sie. Und ihre Segel sind so zerlöchert, daß sie kaum noch Fahrt macht!»

Bolitho rieb sich die Augen. Dicht hinter der Lysander kam eine Korvette. Sie lag stark schräg, doch ihre Segel waren nicht so beschädigt wie die von Javals siegreicher Fregatte. Und über der Trikolore führte sie einen großen Union-Jack, die britische Flagge.

Widerstrebend wandte Bolitho die Augen ab.»Sie setzen Boote aus. Sagt unseren Leuten, daß Hilfe kommt.»

Gespannt beobachtete er einen driftenden Transporter und betete, er möge keins von den Pulverschiffen sein.

Eine Bö fuhr übers Wasser, und er sah, daß viele Transporter gesunken waren. Kein Wunder, da sie diese schweren Geschütze geladen hatten.

Boote ruderten auf die Osiris zu; er hörte ermutigende Rufe. Mit harten Gesichtern starrten die Ruderer das zerschossene, durchlöcherte Wrack an, das einst Farquhars Schiff gewesen war.

Plowman hinkte vorbei, den Schiffschronometer unterm Arm. Als er Bolitho sah, grinste er mühsam.»Wär' doch schade drum, Sir. Den kann man noch gebrauchen. «Eilig hinkte er zur Bordwand.»Freut mich, daß Sie nichts abgekriegt haben, Sir!»

Es waren noch zahlreiche Boote in der Nähe, manche mit bewaffneter Marine-Infanterie an Bord und Drehbassen im Bug; andere beteiligten sich am Rettungswerk. Und noch etwas sah er: einige dieser Boote waren rot gestrichen, stammten also von der Nicator. Probyns Schiff war offenbar irgendwo hinter den versprengten Transportern und brennenden Wracks, um nachzusehen, was die Schlacht gekostet hatte.

Ein Leutnant kam übers Deck, trat zu Pascoe und faßte grüßend an den Hut.»Keine überlebenden Offiziere außer Ihnen?«In dieser Hölle von Schrecken und Todesnot sah er merkwürdig sauber aus.

«Ich bin auch noch da«, sagte Bolitho.

Der Leutnant starrte ihn mit offenem Munde an.»Pardon, Sir«, sagte er schließlich,»ich habe Sie nicht erkannt in diesen — »

«Spielt auch keine Rolle«, entgegnete Bolitho müde.»Daran habe ich mich allmählich gewöhnt.»

Der Offizier blinzelte verlegen.»Ich komme von der Nicator, Sir. Wir haben gedacht, es ist keiner übriggeblieben in diesem…«Die Worte fehlten ihm; er machte eine unbestimmte Handbewegung.

Guthrie, der Zweite Offizier der Osiris, kam plötzlich von der Kampanje herangestürmt und packte den jungen Offizier beim Rockaufschlag.»Sie elender Feigling! Sie verdammte, kriechende Kröte! Sehen Sie bloß, was Sie — »

Bolitho zog ihn von dem bestürzten Leutnant weg; Guthrie brach zusammen und schluchzte so heftig, daß es ihn schüttelte.

Bestürzt und beschämt über Guthries Anschuldigungen erklärte der Leutnant:»Die Nicator ist auf Grund gelaufen, Sir. Aber auf einmal kam die Lysander, keiner wußte woher, und schleppte uns frei. Ohne Captain Herrick wären wir noch später eingetroffen, fürchte ich. «Er war ganz außer Atem.

«Ja, bestimmt noch viel später. «Bolitho ging über die halb zerstörte Laufbrücke.»Jetzt können wir das Schiff verlassen.»

Er blieb stehen und sah sich um. Die Osiris war bereits ein Wrack; ohne Masten, ohne Segel, und ihre Besatzung bestand nur noch aus Toten, unter Trümmern Verschütteten und Verkrüppelten. Der Schiffsrumpf erzitterte, als wolle er sich gegen die Niederlage wehren. Aber das brennende Transporterwrack war an der anderen Seite angetrieben. Bolitho hörte die Flammen prasseln und triumphierend aufbrüllen, als sie das geteerte Tauwerk der Osiris erfaßten, das in wirren Haufen an Deck lag.

Mochten die Franzosen, oder wer wollte, einige ihrer Geschütze bergen, vielleicht auch die Schiffsglocke zum Andenken. Nur Kiel und Spanten würden noch lange nach dem Erlöschen der Flammen im Sand liegen, bis Zeit und See endgültig gesiegt hatten.

«Legt ab!«Er saß im Heck, das Boot um sich voll von stummen Männern, teils verwundet, teils nur betäubt von dem, was sie gesehen und durchgemacht hatten.»Rudert an!»

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