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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Außerdem«— ihr verängstigtes Schluchzen war verebbt, und sie nahm eine bewusst provokante Haltung ein, während sie sich ihnen näherte —»warum auch nicht?«Sie brauchte es den beiden nicht näher zu erklären. Die Worte «weil mir ja sowieso alles gehört «lagen in der Luft.

Zum ersten Mal, seit sie den Raum betreten hatten, ließ sich Joseph vernehmen.»Ich will mir das Haus ansehen«, sagte er barsch.

«Jo-seph Archer, raus mit dir. Geh dahin zurück, wo du herkommst, zurück in dein Büro, das ist kein großartiges schönes Haus. «Dann wandte sie sich beschwichtigend an Jemima, fast wieder auf ihre übliche charmante Art:

«Verzeihung, aber, wie Sie sehen, sind wir schon lange keine Freunde mehr. Außerdem haben Sie mir einen ganz schönen Schreck eingejagt.« Joseph drehte sich auf dem Absatz um.»Wir sehen uns dann auf der Beerdigung, Miss Archer. «Es gelang ihm, die Worte außerordentlich bedrohlich klingen zu lassen.

In jener Nacht schien es Jemima Shore, als würde sie kaum schlafen, obwohl die bruchstückhaften, halb erinnerten Träume sie verwirrten und ihr zu verstehen gaben, dass sie in den frühen Morgenstunden tatsächlich in eine Art Dämmerschlaf gefallen sein musste. Das Licht war noch grau, als sie durch ihre Läden spähte. Die Wipfel der hohen Palmen bogen sich — es herrschte ein ziemlicher Wind.

Wieder im Bett, versuchte Jemima sich zu erinnern, was sie gerade geträumt hatte. Es hatte ein Muster ergeben, dessen war sie sich sicher. Ziemlich ungehalten hoffte sie, dass plötzlich Licht in ihre verschlafenen Gedanken bräche, so wie die Sonne schon bald durch die Palmenreihe auf dem östlichen Teil des Hotelgeländes brechen sollte. Ein Sonnenaufgang in der Karibik war keine sanfte, allmählich sich entwickelnde rosenrote Dämmerung — hier kündigte er sich mit einem gleißenden Strahl am Horizont an, und fast unmittelbar danach herrschte für den Rest des Tages erbarmungsloses Sonnenlicht. Eine solche schlagartige Klarheit brauchte sie nun auch.

Feindseligkeit. Auch darum ging es bei dem allen — um das Wesen der Feindseligkeit. Die Feindseligkeit zwischen Joseph und Tina Archer vom vorigen Abend etwa, so bösartig und offen vorgeführt — mit ihr selbst als Publikum

–, dass man hätte meinen können, sie wäre absichtlich zur Schau gestellt worden.

Und wie alles manipuliert worden war: Tina Archer, die ständig herumlavierte, ständig intrigierte (hatte Coralie Harrison behauptet — und Joseph Archer ebenfalls). Das brachte sie auf das andere Paar in diesem seltsamen, vierschichtigen Drama: die Harrisons, Bruder und Schwester, oder vielmehr Halb bruder und Halb schwester (worauf Tina Miss Izzy korrigierend hingewiesen hatte).

Und noch mehr Feindseligkeit: Greg, der Tina vielleicht früher einmal geliebt hatte und sie nun hasste. Joseph, der Tina vielleicht ebenfalls früher einmal geliebt hatte.

Coralie, die Joseph vielleicht einmal — sehr wahrscheinlich — geliebt hatte und Tina abgrundtief hasste. Die süße, clevere kleine Tina, das Archer-Grabmal, die gemeißelten Figuren von Sir Valentine und seiner Frau, die Inschrift.

Jemima driftete wieder in den Schlaf zurück, während die vier Gestalten, alles Bo’länder, alle mit einer irgendwie gemeinsamen Vergangenheit, zu einem Calypso zu tanzen begannen, dessen Liedtext ebenfalls wirr durcheinander war:

«This is your graveyard in the sun Where my people have toiled since time begun — « Ein unglaublicher Lärm auf dem Wellblechdach über ihrem Kopf brachte sie wieder zu sich. Sie zitterte. Das Getöse war ziemlich gewaltig gewesen, fast als hätte es eine Explosion gegeben oder als hätte jemand ein Geschoss auf den Strandbungalow gefeuert. Beim Gedanken an ein Geschoss ging ihr auf, dass es sich tatsächlich um ein Geschoss gehandelt hatte: Es musste eine Kokosnuss gewesen sein, die auf das Wellblechdach gefallen war und sie so erschreckt hatte. Die Hotelgäste wurden ganz offiziell davor gewarnt, sich zu dicht unter die Palmen zu setzen, deren harmlos wirkende grüne Wedel die tödlichen Nüsse plötzlich abwerfen konnten.

KOKOSNÜSSE KÖNNEN VERLETZUNGEN VERURSACHEN stand auf dem Hinweisschild.

So ein Schlag auf meinen Kopf hätte bestimmt eine Verletzung verursacht, dachte Jemima, wenn nicht gar zum Tod geführt. Verletzung, wenn nicht gar Tod. Und das Archer-Grabmaclass="underline" meine einzige Ehefrau.

Wie aufs Stichwort fiel in diesem Moment der erste Sonnenstrahl durch die geneigten Palmwedel im Osten und auf ihre Fensterläden. Und plötzlich wusste Jemima nicht nur, warum, sondern auch, wie es getan worden war.

Wer dafür verantwortlich war, dass Miss Izzy Archer dem Friedhof in der Sonne anvertraut werden würde.

Die Szenerie am Archer-Grabmal ein paar Stunden später war die gleiche seltsame Mischung aus englischer Tradition und Bo’länder Exotik, die Jemima schon bei ihrem ersten Besuch fasziniert hatte. Nur dass es für sie diesmal ein tieferer, traurigerer Anlass war als reines Sightseeing. Beim Gottesdienst wurden traditionelle englische Kirchenlieder gesungen, doch draußen spielte auf Miss Izzys ausdrücklichen Wunsch eine Steelband auf.

Weil sie auf dieser Insel geboren war, hatte sie um ein typisches Bo’länder Begräbnis gebeten.

Die in großer Anzahl erschienenen Bo’länder waren fast alle extrem formell gekleidet — dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, dunkles Kleid, dunkler Strohhut, sogar weiße Handschuhe —, was Jemima schon bei den sonntäglichen Kirchgängern beobachtet hatte und bei den Bo’länder Kindern, die alle ordentlich in Uniform auf dem Weg zur Schule waren. Man sah keine Bow-Island-TShirts, obwohl viele der farbenfrohen, kunstvoll gestalteten und üppigen Kränze die Bogenform des Inselemblems besaßen. Das Ausmaß der Menschenmenge war zweifellos ein Zeichen von tief empfundenem Respekt. So enttäuscht die Regierung über das Testament auch sein mochte, für die Bo’länder war Miss Izzy Archer Teil des gemeinsamen Erbes gewesen.

Tina Archer trug ein schwarzes Tuch um den Kopf, das ihren Verband fast vollständig kaschierte. Joseph Archer, der ziemlich weit von ihr entfernt stand und nicht in ihre Richtung sah, wirkte in seiner Bürokleidung gleichermaßen elegant und förmlich, ein respektables Mitglied der Regierung. Die Harrisons standen beieinander, Coralie mit gesenktem Kopf. Greg wollte mit seiner trotzigen Haltung, den Kopf stolz erhoben, offensichtlich jede Vermutung Lügen strafen, er hätte sich nicht im besten Einvernehmen mit jener Frau befunden, deren Leichnam nun ins Familiengrab hinabgelassen wurde.

Während der Sarg — so klein und deshalb so anrührend – aus dem Blickfeld verschwand, erhob sich ein Seufzen unter den Trauernden. Sie begannen wieder zu singen: ein Kirchenlied, doch mit der sanften Begleitung der Steelband im Hintergrund.

Jemima ging diskret durch die Menge und stellte sich neben den hoch gewachsenen Mann.

«Sie werden ihr niemals trauen können«, sagte sie mit leiser Stimme.»Sie hat Sie schon mal manipuliert und wird es wieder tun. Nächstes Mal wird ein anderer die Dreckarbeit machen. Dann sind Sie dran. Sie werden ihr niemals trauen können, stimmt’s? Einmal Mörderin, immer Mörderin. Eines Tages werden Sie vielleicht wünschen, Sie hätten sie vollends fertig gemacht.« Der hoch gewachsene Mann blickte auf sie herunter.

Dann warf er einen kurzen, wild zweifelnden Blick zu Tina Archer hinüber. Zu Tina Archer Harrison, seiner einzigen Frau.

«Sie elende — «Einen Augenblick dachte Jemima schon, Greg Harrison würde sie am Rand des Grabes niederschlagen, so wie er die alte Miss Izzy niedergeschlagen hatte und — wenn auch nur zum Schein – Tina selbst niedergeschlagen hatte.

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