Im Anfang war der Mord
- Автор: Джордж Элизабет
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- ISBN: 3442459532
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Другие детективы
Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
Gioia war der Wortführer der Gruppe gewesen, die gegen Caudwells Einstellung votiert hatte. Max hatte damals vermutet, es sei wohl am ehesten darauf zurückzuführen, dass der Mediziner keinen Chirurgen als nominellen Chef haben wollte, doch nach Lottys Gefühlsausbruch war er sich nicht mehr so sicher. Er überlegte gerade, ob er den Arzt fragen sollte, was er jetzt von Caudwell hielt, nachdem er ein halbes Jahr mit ihm zusammengearbeitet hatte, als der Gastgeber zu ihm herüberkam und ihm die Hand schüttelte.
«Tut mir Leid, dass ich Sie nicht gleich gesehen habe, Loewenthal. Gefällt Ihnen der Watteau? Eins von meinen Lieblingsstücken. Obwohl man als Sammler eigentlich kein Stück bevorzugen sollte, genauso wenig wie als Vater, stimmt’s, mein Schatz?«Die letzte Bemerkung war an seine Tochter Deborah gerichtet, die hinter Caudwell getreten war und den Arm um ihn schlang.
Caudwell sah mehr wie ein viktorianischer Seebär aus als wie ein Chirurg. Er hatte ein rundes, rotes Gesicht unter einem gelblich weißen Haarschopf, ein kräftiges Nikolauslachen und eine raue, aber herzliche Art. Trotz Lottys Schmähungen war er bei seinen Patienten außerordentlich beliebt. In der kurzen Zeit, die er am Krankenhaus war, hatte sich die Anzahl der Herzoperationen um fünfzehn Prozent erhöht.
Seine Tochter kniff ihn neckisch in die Schulter.»Ich weiß, dass du keinen von uns bevorzugst, Dad, aber was deine Sammlung anbelangt, lügst du Mr. Loewenthal doch was vor. Na komm schon, du weißt, dass ich Recht habe.« Sie wandte sich Max zu.»Er hat nämlich ein Stück, auf das er so stolz ist, dass er es gar nicht herzeigen will. Er möchte nicht, dass jemand was von seinem schwachen Punkt erfährt. Aber es ist Weihnachten, Dad, sei doch locker, zeig den Leuten mal zur Abwechslung, wie du wirklich bist.« Max sah den Chirurgen neugierig an, aber Caudwell schien sich über die vertrauliche Art seiner Tochter zu freuen. Der Sohn kam dazu und verlieh dem Geschmeichel seiner Schwester eine eigene lustige Note.
«Es ist wirklich Dads ganzer Stolz. Er hat es Onkel Griffen geklaut, als Großvater starb, und Mutter daran gehindert, es sich unter den Nagel zu reißen, als sie sich trennten.« Dagegen hatte Caudwell nun doch etwas einzuwenden.
«Du vermittelst meinen Kollegen noch einen ganz falschen Eindruck von mir, Steve. Ich habe es Grif nicht geklaut. Ich habe ihm gesagt, er kann den restlichen Besitz haben, wenn er mir den Watteau und die Skulptur von Pietro überlässt.« «Natürlich hätte er sich mit dem Erlös zehn solche Anwesen kaufen können«, murmelte Steve seiner Schwester über Max’ Kopf hinweg zu.
Deborah ließ den Arm ihres Vaters los, lehnte sich über Max und flüsterte zurück:»Mom auch.« Max wich vor diesem beunruhigenden Pärchen zurück und sagte zu Caudwelclass="underline" »Ein Pietro? Sie meinen Pietro d’Alessandro? Haben Sie ein Modell oder tatsächlich eine echte Skulptur?« Caudwell stieß sein abgehacktes Admiralslachen aus.
«Eine waschechte Skulptur, Loewenthal. Waschecht. Eine Alabasterskulptur.« «Eine Alabasterskulptur?«Max zog erstaunt die Augenbrauen hoch.»Das kann doch nicht sein. Ich dachte, Pietro hat nur in Bronze und Marmor gearbeitet.« «Ja, ja«, kicherte Caudwell und rieb sich die Hände.
«Das denkt jeder, aber es gab tatsächlich ein paar Alabasterskulpturen in privaten Sammlungen. Ich habe mir von Fachleuten die Echtheit bestätigen lassen.
Kommen Sie, schauen Sie sie sich ruhig an — das wird Ihnen den Atem verschlagen. Sie auch, Gioia, kommen Sie mit«, bellte er den Immunologen an.»Sie sind doch Italiener, da interessiert es Sie sicher, was Ihre Altvorderen so getrieben haben.« «Eine Alabasterskulptur von Pietro?«Lottys schneidender Ton ließ Max zusammenzucken. Er hatte nicht bemerkt, dass sie sich zu ihnen gesellt hatte.»Ich würde das Stück sehr gern sehen.« «Dann kommen Sie doch mit, Dr. Herschel, kommen Sie ruhig mit. «Caudwell führte sie in einen kleinen Flur, wechselte im Vorbeigehen einige freundliche Worte mit seinen Gästen, zeigte ihnen eine Miniatur von William Hill, die ihnen vielleicht entgangen wäre, und versammelte noch einige weitere Leute um sich, die sich aus unterschiedlichen Gründen für sein kostbarstes Stück interessierten.
«Übrigens, Gioia, ich war letzte Woche in New York und habe dort einen alten Freund von Ihnen aus Arkansas kennen gelernt. Paul Nierman.« «Nierman?«Gioia schien ratlos.»Ich fürchte, ich erinnere mich nicht mehr an ihn.« «Tja, er hat sich aber ziemlich gut an Sie erinnert. Lässt Ihnen alles Mögliche ausrichten — Sie müssen am Montag bei mir im Büro vorbeikommen und sich die ganze Ladung abholen.« Caudwell öffnete eine Tür auf der rechten Seite des Flurs und führte die anderen in sein Arbeitszimmer. Es war ein achteckiger Raum, aus einer Gebäudeecke geschnitten.
Auf zwei Seiten gingen Fenster auf den Michigansee hinaus. Caudwell zog die lachsfarbenen Vorhänge zu, während er ihnen erklärte, weshalb er den Raum als Arbeitszimmer gewählt hatte, obwohl die Aussicht ihn von der Arbeit ablenkte.
Lotty beachtete ihn gar nicht und ging zu einem kleinen Sockel hinüber, der ganz für sich vor einer holzgetäfelten Wand stand. Max folgte ihr und warf einen ehrfürchtigen Blick auf die Skulptur. Außer in einem Museum hatte er nur selten ein so schönes Stück gesehen. Die Skulptur war gut dreißig Zentimeter hoch und stellte eine Frau in klassischen Gewändern dar, die sich gramvoll über die Leiche eines Soldaten zu ihren Füßen beugte. Der Schmerz in ihrem schönen Gesicht war so ergreifend, dass er den Betrachter an jeden Kummer erinnerte, den er selbst schon durchgemacht hatte.
«Wen stellt sie dar?«, fragte Max wissbegierig.
«Andromache«, sagte Lotty mit erstickter Stimme.
«Andromache, die um Hektor trauert.« Max starrte Lotty überrascht an, erstaunt über ihre emotionale Reaktion und dass sie über die Skulptur Bescheid wusste — Lotty interessierte sich sonst absolut nicht für Bildhauerei.
Caudwell konnte sich das selbstgefällige Grinsen des Sammlers, der eine Trouvaille gemacht hatte, nicht verkneifen.»Schön, nicht? Woher kennen Sie das Thema?« «Das sollte ich ja wohl kennen. «Lottys Stimme war vor Erregung ganz heiser.»Meine Großmutter hatte so eine Skulptur von Pietro. Eine Alabasterskulptur, die Kaiser Joseph II. ihrem Urgroßvater für seine Bemühungen um die Festigung der kaiserlichen Beziehungen zu Polen geschenkt hatte.« Hastig riss sie die Skulptur vom Sockel, ohne auf Max’ erschreckte Reaktion zu achten, und drehte sie um.»Man kann die Reste des kaiserlichen Siegels noch erkennen.
Und die Macke an Hektors Fuß, die die Habsburger überhaupt erst bewog, die Skulptur wegzugeben. Wieso haben Sie dieses Stück? Wo haben Sie es gefunden?« Die kleine Gruppe, die sich Caudwell angeschlossen hatte, stand schweigend an der Tür, erschrocken über Lottys Gefühlsausbruch. Gioia sah noch entsetzter aus als die anderen, doch war ihm Lotty sowieso immer zu viel – er war wie ein Elefant, der sich mit einer aggressiven Maus konfrontiert sieht.
«Ich finde, Sie lassen sich hier von Ihren Gefühlen überwältigen, Dr.
Herschel. «Caudwell behielt seinen lockeren Tonfall bei, wodurch Lotty im Vergleich noch unbeholfener wirkte.»Ich habe dieses Stück von meinem Vater geerbt, der es — völlig legal — in Europa gekauft hat.
Vielleicht von — Ihrer Großmutter. Aber wahrscheinlich verwechseln Sie die Skulptur mit einer anderen, die Sie als Kind im Museum gesehen haben.« Deborah stieß ein spitzes Lachen aus und rief ihrem Bruder mit lauter Stimme zu:»Dad hat sie vielleicht von Onkel Grif gestohlen, aber es sieht ganz so aus, als hätte Großvater sie auch schon geklaut.« «Sei still, Deborah«, blaffte Caudwell sie an.