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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
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Natürlich nur, wenn sie sich wieder erholte. Doch laut dem neuesten vorsichtigen Ärztebulletin, das Claudette von ihrer Krankenschwester-Nichte hatte und das von ein paar redseligen Inselleuten bestätigt wurde, erholte Tina Archer sich tatsächlich. Die Polizei hatte sie bereits befragt. In ein paar Tagen würde sie das Krankenhaus verlassen können. Und sie war fest entschlossen, an Miss Izzys Begräbnis teilzunehmen, das selbstverständlich in der kleinen, englisch aussehenden Kirche mit der unpassend anmutenden tropischen Vegetation über dem sonnigen Grab stattfinden würde. Denn Miss Izzy hatte schon vor langer Zeit ihre feste Entschlossenheit bekundet, im Archer-Grab neben Gouverneur Sir Valentine und «seiner einzigen Ehefrau Isabella «bestattet zu werden.

«Als Letzte der Archers. Sie musste trotzdem die Genehmigung einholen, weil es ja ein Nationaldenkmal ist. Die Regierung hat sich natürlich für sie überschlagen und es ihr gestattet. Damals. Ironie des Schicksals, nicht?« Die Sprecherin, die absolut keinen Hehl aus ihrer Verachtung machte, war Coralie Harrison.»Und jetzt erfahren wir, dass sie gar nicht die letzte Archer war, jedenfalls nicht offiziell, und plötzlich ist die so genannte Miss Tina Archer die Haupttrauernde. Und während die Bo’länder Regierung verzweifelt nach Möglichkeiten sucht, das Testament zu umgehen und sich das Haus für ihr kostbares Museum unter den Nagel zu reißen, war niemand so geschmacklos zu sagen, die ungezogene alte Miss Izzy dürfe nun doch nicht im Archer-Grab beerdigt werden, weil sie den Leuten von Bow Island schließlich keinen Penny vermacht hat.« «Das wird bestimmt eine interessante Veranstaltung«, murmelte Jemima. Sie saß mit Coralie Harrison unter dem spitzen Strohdach der Hotelstrandbar. Hier hatte sie damals mit Joseph Archer geplaudert und mit ihm getanzt — in jener Nacht, in der Miss Izzy umgebracht worden war.

Jetzt glitzerte das Meer in der Sonne, als wären Kristalle über seine Oberfläche verstreut. Heute herrschte überhaupt kein Wellengang, und fröhliche Wasserskifahrer fuhren kreuz und quer über die breite Bucht mit ihrer palmengesäumten Küste. Riesige braune Pelikane hockten auf den Pfählen, mit denen die Lage der Felsen gekennzeichnet war. Ab und zu hob einer wie ein schwerfälliges Flugzeug ab und schwebte langsam und neugierig über die Köpfe der Schwimmenden. Es war ein friedlicher, fast idyllischer Anblick, doch irgendwo auf der fernen Halbinsel lag das Archer Plantation House, wo inzwischen, stellte Jemima sich vor, nicht nur die Fensterläden geschlossen waren, sondern die Polizei auch noch alles versiegelt hatte.

Coralie war vom Strand herauf an die Bar geschlendert.

Sie überquerte das kurze Stück mit scheinbarer Lässigkeit — alle Bo’länder übten häufig ihr Recht aus, ungehindert am Sandstrand entlang zu spazieren (wie auf den meisten Karibikinseln gehörte auch auf Bow Island der gesamte Strand dem Volk, selbst die Abschnitte, die vor hochherrschaftlichen Anwesen wie dem Archer Plantation House lagen). Jemima hegte allerdings keinen Zweifel, dass der Besuch geplant war. Sie hatte jenes erste Treffen nicht vergessen, auch nicht Coralies zögerlichen Annäherungsversuch, der von Gregs gebieterischem Schrei unterbrochen worden war.

Es war der Tag nach der gerichtlichen Untersuchung der Todesursache. Miss Izzys Leiche war von der Polizei freigegeben worden, und bald würde das Begräbnis stattfinden. Wie Jemima sich eingestand, war ihr Interesse an der gesamten Archer-Familie mit all ihren Verzweigungen groß genug, um daran teilnehmen zu wollen, unabhängig von der zärtlichen Zuneigung, die sie aufgrund jener kurzen Begegnung für die alte Dame empfand. In dem Telex, das sie Megalith Television aus Bowtown schickte, hatte sie nur erwähnt, sie wolle noch ein paar Sachen zum Abschluss bringen, die sich aus dem Absetzen ihrer Sendung ergeben hatten.

Bei der gerichtlichen Untersuchung hatte man, da die näheren Umstände noch nicht geklärt waren, auf unbestimmte Todesursache erkannt. Tina Archers eidesstattliche Aussage hatte kaum etwas ergeben, was nicht schon bekannt war oder vermutet wurde.

Tina hatte im Obergeschoss in einem der ziemlich heruntergekommenen Schlafzimmer geschlafen, die für eventuelle Übernachtungsgäste bereitgehalten wurden.

Das Schlafzimmer, das Miss Izzy für sie ausgesucht hatte, lag nicht zur Meerseite hinaus. Die Chintzvorhänge in diesem hinteren Zimmer, mit einem altmodischen Rosenmuster aus einer längst vergangenen Epoche, waren weniger ausgebleicht und ramponiert, da sie vor Sonne und Salz geschützt gewesen waren.

Miss Izzy war frohgemut zu Bett gegangen, beruhigt durch die Tatsache, dass Tina Archer im Hause übernachten würde. Sie hatte noch einige Gläser Rumpunsch getrunken und vorgeschlagen, Henry solle etwas von dem berühmten Champagner ihres Vaters aus dem Keller holen. Dieses Angebot machte Miss Izzy nach einigen Schlucken Punsch übrigens oft, doch als Tina sie daran erinnerte, dass Henry nicht da war, wurde das Thema fallen gelassen.

In ihrer Aussage gab Tina zu Protokoll, sie habe keine Ahnung, was die alte Dame geweckt und dazu bewogen haben mochte, die Treppe hinunterzugehen — ihrer Meinung nach war es vollkommen untypisch für sie.

Isabella Archer war eine Dame von unabhängiger Denkungsart, hatte jedoch, wie allgemein bekannt war, im Dunkeln schrecklich Angst. Deshalb hielt Tina sich ja auch überhaupt in ihrem Hause auf. Was ihre persönliche Erinnerung an die Attacke betraf, so hatte Tina bisher nur sehr wenige Einzelheiten aus ihrem Gedächtnis hervorholen können — der Schlag auf ihren Hinterkopf hatte alle unmittelbaren Gegebenheiten zeitweilig oder permanent aus ihrem Bewusstsein gelöscht. Sie erinnerte sich vage an ein helles Licht, doch selbst diese Erinnerung war einigermaßen konfus und rührte vielleicht von dem Schlag her, den sie erlitten hatte. Im Grunde konnte sie sich zwischen dem Zubettgehen in dem ramponierten, rosengemusterten Himmelbett und dem Aufwachen im Krankenhaus an nichts mehr erinnern.

Coralies Lippen bebten. Sie neigte den Kopf und nippte durch einen Strohhalm an ihrem Drink — sie und Jemima tranken eine alkoholfreie exotische Fruchtsaftmischung, die Matthew, der Barkeeper, kreiert hatte. Vom Meer wehte eine wunderbare sanfte Brise herüber. Coralie trug ein weites geblümtes Baumwollkleid, wirkte aber aufgewühlt und verärgert.»Tina hat schon immer intrigiert, um ihre Schäfchen ins Trockene zu bekommen, und jetzt hat sie’s erreicht. Davor wollte ich Sie an dem Morgen damals auf dem Friedhof warnen — trauen Sie Tina Archer nicht, wollte ich sagen. Jetzt ist es zu spät, sie hat alles bekommen. Als sie mit Greg verheiratet war, habe ich mich bemüht, sie gern zu haben, Jemima, ehrlich.

Die kleine Tina, so niedlich und so clever, aber immer gab’s Ärger …« «Joseph Archer scheint ähnlich über sie zu denken«, sagte Jemima. Bildete sie es sich bloß ein oder wurde Coralies Gesicht wirklich etwas weicher, als sie Josephs Namen hörte?

«Tatsächlich? Das freut mich. Er war früher auch ziemlich angetan von ihr. Sie ist ja recht hübsch. «Ihre Blicke kreuzten sich.

«Na ja, so hübsch nun auch wieder nicht, aber wenn man den Typ mag …«Jemima und Coralie lachten beide.

Tatsache war, dass Coralie Harrison recht anziehend war, wenn man ihren Typ mochte, dass Tina Archer jedoch nach jedem Maßstab hinreißend aussah.

«Greg hasst sie jetzt natürlich abgrundtief«, fuhr Coralie mit fester Stimme fort,»besonders seit er das mit dem Testament erfahren hat. Als wir Sie damals an dem Morgen bei der Kirche getroffen haben, hatte man es ihm gerade gesagt. Deshalb war er, äh, tut mir Leid, aber er war ziemlich grob, stimmt’s?« «Eher feindselig als grob. «Jemima war jedoch schon dabei, sich den zeitlichen Ablauf auszurechnen.»Soll das heißen, Ihr Bruder wusste von dem Testament, bevor Miss Izzy getötet wurde?«, rief sie.

«O ja. Jemand aus Eddie Thompsons Kanzlei sagte es ihm — Daisy Marlow vielleicht, mit der geht er manchmal aus. Wir wussten natürlich alle, was da im Busch steckte, obwohl wir gehofft hatten, Joseph könnte es Miss Izzy ausreden. Er hätte es ihr ja auch ausgeredet, wenn er nur Zeit gehabt hätte. Joseph bedeutet dieses Museum alles.« «Ihr Bruder und Miss Izzy — das war wohl kein einfaches Verhältnis.« Obwohl Jemima glaubte, sie hätte ihren freundlichsten und überzeugendsten Interviewerton angeschlagen, entgegnete Coralie fast trotzig:»Sie klingen wie die Polizei!« «Wieso, haben die — ?« «Aber sicher!«Coralie beantwortete die Frage, noch bevor Jemima sie vollends stellen konnte.»Jeder weiß doch, dass Greg Miss Izzy total hasste — dass er sie beschuldigte, sie hätte seine Ehe zerstört, ihm die kleine Tina weggenommen und ihr Flausen in den Kopf gesetzt!« «War es denn nicht umgekehrt — dass Tina sich wegen des Museums und dann wegen meiner Sendung in die Familiengeschichte vertiefte? Sie sagten doch, sie sei intrigant.« «Oh, ich weiß, dass sie intrigant ist. Aber Greg, der wusste es nicht. Damals jedenfalls nicht. Er war doch damals in sie verknallt, also musste er der alten Dame die Schuld zuschieben. Sie haben sich fürchterlich gestritten – in aller Öffentlichkeit. Eines Abends suchte er sie zu Hause auf, kam übers Meer herüber, brüllte sie zusammen.

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