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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Was war wirklich jetzt noch von den drei Familien Sandorf, Bathory und Zathmar am Leben? Eine alte Frau, deren Tage gezählt waren. Gott schien die Elenden in der That beschützen zu wollen, denn seine Güte erstreckte sich scheinbar bis zum Aeußersten, das heißt, bis zu dem Tage, an welchem Sarcany der Mann Sarah Toronthal’s und zugleich Herr über ihr Vermögen werden sollte.

Doch Gott schien ihn auch auf seine Geduld hin prüfen zu wollen, denn die Verzögerung, welche die Heirat betroffen, zog sich in die Länge.

Als die Kranke – körperlich wenigstens – sich von dem schrecklichen Zufalle wieder erholt hatte, als Sarcany annehmen konnte, daß nun die Rede von der Wiederaufnahme seiner Projecte sein würde, erkrankte Frau Toronthal ebenfalls. Die Lebenssäfte dieser bedauernswerthen Frau waren vollständig aufgebraucht. Nach dem Leben, das sie seit den Ereignissen in Triest geführt, und seitdem sie erfahren, an welch unwürdigen Mann sie gebunden war, kann das nicht wunderbar erscheinen. Dann kamen, wenn auch nicht die Kämpfe, so doch die Anstrengungen über sie, welche sie die letzten Schritte, die sie zu Gunsten Peters gethan, gekostet. Ihr verlangte danach, einen Theil des Unrechts abzutragen, das man der Familie Bathory angethan hatte. Schließlich der Aerger über das Unnütze ihrer Bitten gegenüber dem Einflusse des so unvermuthet in Ragusa eingetroffenen Sarcany.

Von den ersten Tagen der Krankheit an war es offenbar, daß dieses Leben endgiltig entfloh. Die Aerzte machten Frau Toronthal nur noch auf wenige Tage Hoffnung. Sie mußte an Entkräftung sterben. Kein Mittel konnte ihr helfen, selbst wenn Peter Bathory seinem Grabe entstiegen wäre und ihre Tochter geheiratet hätte.

Sarah konnte ihr all die Liebe und Pflege noch vergelten, die sie ihr hatte angedeihen lassen und verließ Tag und Nacht nicht das Schmerzenslager.

Was Sarcany in Folge dieses neuen Aufschubs litt, ist begreiflich. Er zankte und schalt unaufhörlich auf den Banquier ein, der ebenso wie er lahm gelegt war.

Die Klärung dieser Lage konnte nicht auf sich warten lassen.

Am 29. Juli, also einige Tage später, schien Frau Toronthal’s Befinden ein besseres, ihre Kräfte schienen sich wieder einzustellen.

Ein hitziges Fieber gab sie ihr, dessen heftiges Auftreten sie innerhalb 48 Stunden dahinraffen mußte.

Wilde Fieberphantasien entstiegen ihrem Gehirn; sie begann Unverständliches wirr durcheinander zu sprechen.

Ein Name – ein Name, der unaufhörlich dabei zum Vorschein kam – war namentlich dazu angethan, Sarah zu überraschen. Es war der Name Bathory, nicht der des Sohnes, sondern derjenige der Mutter, welchen die Kranke in einem fort nannte, rief, beschwor, als würde sie von Gewissensbissen gefoltert.

»Verzeihung, Madame!… Verzeihung!«

Und als Frau Toronthal während einer durch die Fieberanfälle verursachten Erschöpfung von dem jungen Mädchen dieserhalb befragt wurde, rief sie erschrocken:

»Schweige, Sarah!… Schweige!… Ich habe nichts gesagt!«

So kam die Nacht vom 30. auf den 31. Juli heran. Einen Augenblick glaubten die Aerzte, daß die Krankheit der Frau Toronthal, nachdem sie ihren Höhepunkt überschritten hatte, im Abnehmen begriffen sei.

Der Tag war ein besserer gewesen, ohne Gehirnaffectionen, und ein vollständiger, überraschender, weil unerwarteter Wechsel in der Krankheit war eingetreten. Die Nacht versprach ebenso ruhig zu bleiben, als es der Tag gewesen war.

Dieser günstige Umstand hatte seinen guten Grund. Frau Toronthal fühlte nämlich noch kurz vor ihrem Tode eine Willensstärke in sich, deren man sie nie für fähig gehalten hätte. Nachdem sie sich mit ihrem Gott versöhnt, hatte sie einen Entschluß gefaßt, zu dessen Ausführung sie den günstigen Augenblick abwartete.

Sie verlangte von ihrer Tochter, daß sie in dieser Nacht mehrere Stunden ruhen sollte. Sarah mußte trotz aller Einwände, die sie erhob, ihrer Mutter gehorchen, da sie ihren festen Willen sah.

Gegen elf Uhr Nachts kehrte Sarah in ihr Zimmer zurück. Frau Toronthal blieb allein in dem ihrigen. Alles schlief im Hause, wo jetzt eine Stille herrschte, die man mit Recht als das »Schweigen des Todes« bezeichnet.

Frau Toronthal erhob sich und diese Kranke, deren Schwäche sie an der leisesten Bewegung hinderte, wie man glaubte, besaß die Kraft, sich anzukleiden und vor einem kleinen Schreibtische Platz zu nehmen.

Hier griff sie nach einem Blatt Papier und mit zitternder Hand schrieb sie einige Zeilen nieder, welche sie mit ihrem Namenszuge unterzeichnete. Dann steckte sie diesen Brief in ein Couvert, siegelte dieses und beschrieb es mit folgender Adresse:

Frau Bathory, Marinella-Straße, Stradone,

Ragusa.

Frau Toronthal kämpfte mit Gewalt gegen die Müdigkeit an, welche sie in Folge dieser jetzt ungewohnten Thätigkeit befallen hatte, sie öffnete die Thür ihres Zimmers, stieg die Haupttreppe hinab, durchschritt den Hof des Hotels und öffnete mit Anstrengung die kleine Pforte, welche auf die Straße hinausführte; sie befand sich im Stradone.

Dieser lag in dieser Stunde verlassen und öde da; es mußte bereits Mitternacht sein.

Frau Toronthal leppte sich mit schwankendem Gange ungefähr fünfzig Schritt weiter das Trottoir links hinauf bis zu einem Briefkasten, in den sie ihr Schreiben warf; dann kehrte sie in das Hotel zurück.

Nun war aber auch die gesammte Kraft, die sie zur Durchsetzung ihres letzten Willens aufgeboten hatte, völlig erschöpft, ohnmächtig fiel sie auf der Schwelle zur Kutscherwohnung zu Boden.

Hier wurde sie eine Stunde später aufgefunden. Silas Toronthal und Sarah brachten sie hier wieder zu sich. Man trug sie auf ihr Zimmer zurück, wo ihr Bewußtsein sofort wieder schwand.

Am nächsten Tage erzählte Silas Toronthal Sarcany, was vorgefallen war. Weder der Eine noch der Andere konnten ahnen, daß Frau Toronthal in der letzten Nacht einen Brief zur Post befördert hatte. Warum hatte sie das Hotel verlassen? Sie fanden keine erklärbare Antwort auf diese Frage und somit blieb der räthselhafte Vorgang für sie ein Gegenstand der Beunruhigung.

Die Kranke siechte noch vierundzwanzig Stunden dahin. Sie gab nur durch convulsivische Zuckungen Lebenszeichen von sich; es waren die letzten Regungen einer Seele, die im Entschwinden begriffen. Sarah hielt ihre Hand gefaßt, als wollte sie die Mutter noch zurückhalten in einer Welt, in der sie nun bald ganz schutzlos dastand. Doch der Mund der Mutter blieb stumm und selbst der Name Bathory entschlüpfte nicht mehr ihren Lippen. Ihr Gewissen war nun beruhigt, ihr letzter Wunsch erfüllt. Frau Toronthal brauchte keine Bitte mehr auszusprechen, keine Verzeihung mehr zu erflehen.

In der folgenden Nacht gegen drei Uhr Früh, während Sarah sich allein bei der Mutter befand, machte diese eine Bewegung und ihre Hand sachte die ihrer Tochter zu erfassen.

Ihre Augen öffneten sich bei dieser Berührung halb, ihr Blick lenkte sich auf Sarah. Dieser Blick war ein so fragender, daß ihn Sarah nicht verstehen konnte.

»Mutter!… Mutter!… Willst Du etwas?«

Frau Toronthal machte ein Zeichen der Bejahung.

»Mit mir sprechen?

– Ja!« ließ sich deutlich vernehmen.

Sarah hatte sich über das Bett gebeugt; ein abermaliges Zeichen forderte sie auf, sich noch mehr zu nähern.

Sarah legte nun ihren Kopf dicht an den der Mutter, die zu ihr sagte:

»Mein Kind, es geht zu Ende!

– Mutter!… Mutter!

– Leiser! mahnte diese, leiser…. Niemand darf uns hören!«

Dann, mit einer abermaligen Aufraffung sagte sie:

»Sarah, ich muß Dich um Verzeihung bitten, daß ich Dir übel mitgespielt habe; ich hatte nicht den Muth, das Schlimme zu verhüten.

– Du, Mutter, Du?… Du willst mir weh gethan haben?… Du bittest mich um Verzeihung?

– Einen letzten Kuß, Sarah!… Ja?… Einen letzten!… Sage mir damit, daß Du mir verzeihest.«

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