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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Das junge Mädchen legte sanft ihre Lippen auf die bleiche Stirn der Sterbenden.

Diese hatte die Kraft, ihren Arm um den Hals der Tochter zu schlingen. Dann machte sie sich von ihr los und sie mit beängstigender Stetigkeit anschauend, sagte sie:

»Sarah!… Sarah, Du bist nicht die Tochter von Silas Toronthal!… Du bist nicht meine Tochter!… Dein Vater –«

Sie konnte nicht vollenden. Ein Krampf ließ sie den Armen Sarah’s entschlüpfen, ihre Seele entflog mit den letzten Worten.

Das junge Mädchen hatte sich über die Todte gebeugt… Es versuchte, sie ins Leben zurückzurufen… Es war vergebens.

Sie rief nach Hilfe. Man lief von allen Seiten herbei. Silas Toronthal kam als einer der ersten in das Zimmer seiner Frau.

Sarah wurde, als sie ihn sah, von einem unbeschreiblichen Gefühle des Widerwillens ergriffen; sie bebte förmlich vor diesem Manne zurück, den zu verachten, zu hassen sie jetzt das Recht hatte, denn es war ja nicht ihr Vater. Die Sterbende hatte es gesagt und man stirbt nicht mit einer Lüge auf den Lippen.

Sarah zog sich zurück, erschrocken über das, was ihr die unglückliche Frau erzählt hatte, die sie wie ihre Tochter geliebt hatte, vielleicht auch noch mehr erschrocken über das, was zu sagen Frau Toronthal keine Zeit mehr gehabt hatte.

Am nächstfolgenden Tage wurden die Leichenfeierlichkeiten mit großem Pompe begangen. Welch’ eine Menge von Freunden zählt nicht jeder reiche Mann, also auch dieser Banquier! Neben ihm schritt Sarcany einher; seine Anwesenheit bewies, daß sein Vorhaben, in die Familie Toronthal zu treten, noch das alte war. Es war das in der That sein Hoffen; doch sollte es sich jemals verwirklichen, mußten zuvor noch viele Hindernisse aus dem Wege geräumt werden. Sarcany glaubte übrigens, daß die gegenwärtigen Umstände seinen Projecten durchaus günstig waren, denn sie ließen Sarah noch mehr als zuvor von seiner Gnade abhängen.

Der Verzug, den die Krankheit Frau Toronthal’s hervorgerufen hatte, mußte durch ihren Tod naturgemäß ein noch ausgedehnterer werden. Während der Dauer der Familientrauer konnte von der Heirat gar keine Rede sein. Die Schicklichkeit verlangte es, daß mindestens mehrere Monate nach dem Dahinscheiden vorübergehen mußten, ehe an eine Heirat zu denken war.

Auch das kam Sarcany, dem die Beendigung der Angelegenheit natürlich am Herzen lag, sehr in die Quere. Wie dem auch immer war, er mußte sich der Nothwendigkeit fügen, doch nicht ohne mit Silas Toronthal wiederholt in heftigen Wortwechsel gerathen zu sein. Ihre Unterhaltungen schlossen stets mit der von dem Banquier angewendeten Redensart:

»Ich kann daran nichts ändern und übrigens haben Sie, wenn die Heirat noch vor dem Ablaufe von fünf Monaten zu Stande kommen sollte, keinen Grund besorgt zu sein.«

Frau Toronthal stieg die Haupttreppe hinab. (S. 310.)

Diese beiden Männer kannten ersichtlich einander. Jedesmal wenn Toronthal das sagte, gerieth Sarcany regelmäßig in Zorn und mehrfach entstanden dann Auftritte von ungewöhnlicher Heftigkeit.

Beide waren nach wie vor höchst beunruhigt über den unbegreiflichen Schritt, den Frau Toronthal kurz vor ihrem Tode gethan hatte. Sarcany kam sogar der Gedanke, daß die Sterbende vielleicht die Absicht gehabt hatte, einen Brief auf die Post zu befördern, dessen Bestimmung sie verheimlicht habe. Der Banquier, dem Sarcany seine Ansicht mittheilte, schien dieselbe fast glaublich.

»Wenn dem so ist, folgerte Sarcany, bedroht uns dieser Brief direct und in sehr bedenklichem Maße. Ihre Frau hat Sarah stets gegen mich einzunehmen gewußt, sie unterstützte sogar meinen Nebenbuhler, und wer weiß, ob sie nicht im Sterben eine Willenskraft wiedergefunden hat, um unsere Geheimnisse zu verrathen, deren wir sie nicht für fähig gehalten haben würden. Thäten wir nicht besser daran, in diesem Falle allen Möglichkeiten vorzubeugen und eine Stadt zu verlassen, in der wir, Sie sowohl wie ich, mehr zu verlieren als zu gewinnen haben?

– Wenn dieser Brief uns bedrohte, bemerkte Silas Toronthal einige Tage später, so würde die Drohung schon ihre Wirkung hervorgebracht haben, bis jetzt aber hat sich unsere Lage in keiner Hinsicht geändert.«

Sarcany konnte dieser Beweisführung gegenüber nur schweigen. Wenn sich der Brief in der That auf ihre künftigen Pläne bezogen hatte, so waren die Folgen seines Inhaltes bis jetzt nicht zu spüren und bis dahin schien keine Gefahr im Verzuge. Wenn eine Gefahr wirklich drohte, war immer noch Zeit zum Handeln.

Die Gefahr trat vierzehn Tage nach dem Tode Frau Toronthal’s ein, aber von einer Seite her, auf die sie Beide nie gekommen wären.

Seit dem Tode ihrer Mutter hatte sich Sarah stets abseits gehalten, sogar ihr Zimmer nie verlassen. Man sah sie nur zur Stunde der Mahlzeiten. Den ihr gegenüber genirten Banquier gelüstete es nach keinem Alleinsein mit ihr, welches ihn nur in Verlegenheit gebracht haben würde. Er ließ ihr also freien Willen und lebte seinerseits in einem anderen Flügel des Hotels.

Mehr als einmal hatte Sarcany Toronthal darüber heftige Vorwürfe gemacht, daß er in diese Absonderung willigte. In Folge dieser von dem jungen Mädchen angenommenen Gewohnheit hatte er keine Gelegenheit mehr, mit demselben zusammenzutreffen. Das konnte aber seinen neuesten Plänen nicht förderlich sein. Er erklärte es auch dem Banquier rund heraus. Obwohl keine Rede von einer Feier der Hochzeit während der ersten Trauermonate sein konnte, wollte er wenigstens verhüten, daß Sarah zu der Annahme käme, ihr Vater und er hätten auf diese Verbindung Verzicht geleistet.

Schließlich zeigte sich Sarcany so befehlerisch und anmaßend Silas Toronthal gegenüber, daß dieser am 16. August Sarah benachrichtigen ließ, er wünsche am Abend mit ihr zu sprechen. Da er sie gleichzeitig wissen ließ, daß Sarcany bei ihrer Unterhaltung zugegen sein würde, erwartete er eine Weigerung. Er täuschte sich. Sarah ließ zurücksagen, daß sie seinem Wunsche Folge leisten würde.

Als der Abend angebrochen war, erwarteten Toronthal und Sarcany Sarah ungeduldig im großen Salon des Hotels. Der Erste war fest entschlossen, sich nicht von ihr leiten zu lassen, da er über sie als Vater Macht und Recht zu beanspruchen hatte. Der Andere, entschlossen sich zu mäßigen, mehr zuzuhören als zu sprechen, wollte vor allen Dingen entdecken, welche die geheimen Gedanken des jungen Mädchens waren. Er fürchtete stets, daß sie über manche Dinge besser unterrichtet sein könnte, als es den Anschein hatte.

Sarah betrat den Salon zur festgesetzten Stunde. Sarcany erhob sich, als sie eintrat; aber auf den Gruß, den er ihr bot, antwortete sie nicht einmal durch ein Neigen des Kopfes. Sie schien ihn nicht bemerkt zu haben oder vielmehr, sie wollte ihn jedenfalls nicht bemerken.

Sie setzte sich auf eine Einladung von Silas Toronthal hin. Regungslos und mit einem Antlitz, das die Trauergewänder noch bleicher erscheinen ließen, wartete sie auf die erste Frage, die an sie gestellt werden würde.

»Sarah, sagte der Banquier, ich habe die Trauer geachtet, die der Tod Deiner Mutter Dir verursacht hat und Deine Zurückgezogenheit nicht stören wollen. Diese traurigen Ereignisse haben indessen Folgen nach sich gezogen und über gewisse Angelegenheiten von Interesse muß nothwendiger Weise gesprochen werden…. Obwohl Du die Großjährigkeit noch nicht erreicht hast, ist es gut, daß Du erfährst, welcher Erbtheil Dir zufällt….

– Wenn es sich nur um eine Vermögensfrage handelt, erwiderte Sarah, brauchen wir uns nicht lange darüber zu unterhalten. Ich beanspruche nichts von der Erbschaft, von der Sie sprechen wollen.«

Sarcany machte eine Bewegung, die ebenso gut eine lebhafte Enttäuschung als auch, vielleicht, eine mit Besorgniß gepaarte Ueberraschung ausdrücken konnte.

»Ich glaube, Sarah, begann Silas Toronthal von Neuem, daß Du nicht recht die Tragweite meiner Worte begriffen hast. Ob Du willst oder nicht, Du bist die Erbin von Frau Toronthal, Deiner Mutter, und das Gesetz verpflichtet mich, Dir Rechnung abzulegen, sobald Du großjährig geworden sein wirst…

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