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Der Gott, den es nicht gibt - Westliche Religion und die Lüge von Gott

Электронная книга - «Der Gott, den es nicht gibt - Westliche Religion und die Lüge von Gott». Краткое содержание книги:

Aus dem Englischen übertragen von Renate Schilling Titel der Originalausgabe
GOD IS DEAD – Now Zen is the only living truth Osho International Foundation, Switzerland, www.osho.com.
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Sehr traurig ging er zu seinem Meister zurück und sagte zu ihm:

»Ich habe dir nicht gehorcht. Es tut mir leid. Ich war einfach nur neugierig auf diesen anderen Jungen. Ich fühlte mich einsam und dachte, er müsse sich ebenfalls einsam fühlen. Und eure beiden Tempel mögen seit Jahrhunderten verfeindet sein, doch wir sind nur Jungs. Wir könnten Freunde sein. Aber du hattest Recht; es war nicht gut, ihn anzusprechen. Diese Leute sind ganz sicher gefährlich. Ich fragte den Jungen: >Wohin gehst du?<, und er antwortete: >Wohin der Wind mich führt.<«

Der Meister antwortete: »Ich hatte dich gewarnt. Morgen gehst du wieder hin und wartest an demselben Platz, und wenn dieser Zen-Junge kommt, fragst du ihn wieder: >Wohin gehst du ?< Und wenn er sagt: >Wohin der Wind mich führt<, dann frage ihn: >Und wenn der Wind nicht bläst, was dann ...?<«

Der Junge ging also hin, stellte sich an denselben Platz und wartete. Als der Zen-Junge kam, fragte er ihn: »Wohin gehst du? «

Und der Junge antwortete: »Wohin mich meine Füße tragen. «

Nun konnte er nicht die Antwort geben, die der Meister ihm empfohlen hatte: »Und wenn der Wind nicht bläst ...« Es wäre absurd gewesen, so zu antworten. Er kam also sehr traurig zum Shinto-Meister zurück und sagte: »Diese Leute sind sehr seltsam.

Dieser Junge hat sich vollkommen anders verhalten! Ich stellte ihm dieselbe Frage, doch diesmal sagte er: >Wohin mich meine Füße tragen.<«

Der Meister antwortete: »Nun, ich hatte dich gewarnt. Jetzt warst du unnötigerweise unterlegen, und das bedeutet eine Niederlage für unseren Tempel. Das ist nicht gut. Geh noch einmal hin! Stell dich morgen wieder an denselben Platz, und wenn der Junge kommt und du ihn fragst: >Wo hin gehst du?<, und wenn er sagt: >Wohin mich meine Füße tragen<, dann frag ihn: >Und wenn du keine Füße hättest, würdest du dann irgendwohin gehen oder nicht?«<

Vollkommen glücklich, ging der Junge also wieder zu demselben Platz, stellte sich hin und wartete. Als der andere Junge aus dem Tempel kam, fragte er ihn: »Wohin gehst du? «, glücklich, dass er diesmal eine Antwort hatte.

Doch der Junge antwortete: »Ich gehe Gemüse einkaufen.« Und wieder ist die Situation vollkommen anders. Nun kann er weder sagen: »Und wenn du keine Füße hättest ...« noch »Und wenn der Wind nicht bläst ...« Also kehrte er sehr zornig zum Tempel zurück und sagte zu seinem Meister: »Diese Leute sind sehr seltsam. Sogar der Junge ist seltsam. «

Der Meister antwortete: »Das habe ich dir doch gesagt, doch du hast es nicht verstanden.«

Die Geschichte ist ganz genau dieselbe. Beide Geschichten weisen darauf hin, dass jeder Augenblick so frisch und neu ist, dass nichts Altes wiederholt werden kann. Dieser Zen-Junge hatte durch seinen Meister und dessen andauernden Dialog mit seinen Schülern verstanden, dass sich nichts wiederholen lässt, weil die Situation niemals dieselbe ist.

Jeden Augenblick muss man also neu reagieren – aus dem eigenen Bewusstsein heraus, so wie ein Spiegel. Wenn du vor einem Spiegel stehst und in ihn hineinblickst, wirst du dein Gesicht darin sehen. Und wenn ein Affe hineinblickt, wird der Affe sein Gesicht darin sehen. Wenn ein Esel hinein blickt, wird der Esel sein Gesicht darin sehen. Der Spiegel ist ein reflektierendes Medium, er hat keine eigene Meinung. Man kann nicht sagen, dass der Spiegel widersprüchlich ist, dass er nicht konsistent ist: Manchmal zeigt er das Gesicht eines Menschen, manchmal einen Affen, manchmal einen Esel – was für ein Spiegel ist das? Er müsste doch konsistent sein. Zen ist nicht konsistent mit der Vergangenheit, sondern immer in vollständiger Übereinstimmung mit der Gegenwart. Seine Konsistenz ist ein vollkommen anderes Phänomen als alles andere, was es irgendwo in der Welt gibt. Es ist einzigartig.

Philosophen sind konsistent, sie stimmen immer mit ihren vergangenen Aussagen überein. Wenn sie einmal etwas gesagt haben, dann werden sie ihr Leben lang mit diesen Aussagen übereinstimmen, doch solch eine Konsistenz ist tot. An dem Tag, an dem die Aussage zum ersten Mal gemacht wurde, starb sie.

Doch der Philosoph wiederholt dieselbe Aussage immer wieder, obwohl die Situation sich ständig verändert.

Zen besitzt keine Konsistenz innerhalb der Zeit, sondern eine Konsistenz mit der Existenz. Es beobachtet einfach die Existenz und das, was auftaucht. Es ist nichts künstlich Erfundenes. Als der Junge beim ersten Mal sagte: »Wohin der Wind mich führt«, war das seine Antwort in diesem Augenblick. Natürlich kann er sie beim nächsten Mal nicht wiederholen, denn der andere Junge muss mit einer fertigen Antwort gekommen sein, und fertige Antworten funktionieren nicht in der Welt des Zen.

Auch wenn er nur ein Junge ist, so hat er doch in einer Zen-Atmosphäre gelebt und eines verstanden: Wiederhole dich niemals, denn die Existenz wiederholt sich auch nicht. Ihr werdet keine zwei identischen Menschen auf der ganzen Welt finden. Ihr werdet an einem Baum keine zwei identischen Blätter finden; ihr werdet keine zwei vollkommen identischen Rosen finden. Die Existenz wiederholt sich niemals. Sie erschafft immer ein Original; sie glaubt nicht an Kopien.

Fertige Antworten funktionieren nicht in der Atmosphäre von Zen. Man kann von einem Zen -Meister also erwarten, dass er immer frisch und neu reagiert. Er ist immer jung und immer frisch, und er antwortet auf die jeweilige Situation. Er kümmert sich nicht um seine Erinnerung an vergangene Antworten. Er hat nichts mit ihnen zu tun. Er ist immer für die Gegenwart verfügbar, so wie ein Spiegel.

Buson schrieb:

Ich gehe,

du bleibst –

zwei Herbstzeiten.

Was meint er mit diesem Haiku? Der Herbst ist wunder schön in Japan; daher taucht er in Haikus immer wieder auf. Er ist eine der schönsten Zeiten im ganzen Jahr. Buson ist ein Zen-Meister, erwacht, erleuchtet. Und wenn er sagt:

»Ich gehe, ich gehe weg – du bleibst«, dann spricht er zum Herbst. Der Herbst geht, und es tut schon fast weh, dass der Herbst geht. Also sagt er zum Herbst: »Du bleibst. Ich werde gehen. Ich bin auch ein Herbst; so wie du wunderschön und strahlend bist, bin ich es auch. An deiner Stelle kann auch ich gehen, und du bleibst.«

Das zeigt ein enormes Mitgefühclass="underline" »Warum gehst du, wenn ich doch bereit bin, an deiner Stelle zu gehen? Und die Menschen lieben dich, sie genießen dich. Sie tanzen, wenn der Herbst kommt.

Zerstöre ihre Freude nicht. Wenn jemand gehen muss, dann bin ich bereit zu gehen.«

Ich gehe,

du bleibst-

zwei Herbstzeiten.

»Du bist ein Herbst, und auch ich bin ein Herbst. Du hast geblüht, und auch ich habe geblüht. Da gibt es also kein Problem, ich kann deinen Platz einnehmen. Du kannst hierbleiben.«

Es ist so, als würde man zu einer Rosenblüte sprechen, die dabei ist, ihre Blätter fallen zu lassen und zu verwelken. Man fühlt ein enormes Mitgefühl für die Rose und sagt zu ihr: »Geh nicht. Ich kann für dich gehen, und du bleibst. Die Menschen lieben dich so sehr. Sie freuen sich, wenn du im Wind und im Regen und in der Sonne tanzt. Alle lieben dich. Und meine Zeit ist um. Ich habe geblüht, ich habe meinen Höhepunkt erreicht. Es gibt nichts weiter zu erreichen. Ich bin am Ende meines Weges angekommen. Ich kann gehen, und du bleibst.«

Nur ein Zen-Meister kann diese Art von Dialog führen, denn er fühlt sich im Einklang mit der Existenz. Ob es nun Frühling oder Herbst oder Sommer oder Winter ist, spielt keine Rolle. Er fühlt sich im Einklang mit dem Universum. Und er möchte, dass das, was schön ist, bleibt, damit alle anderen Menschen es genießen können. Er ist bereit zugehen, in diesem weiten Ozean der Existenz zu verschwinden. Das ist ein wunderbares Haiku.

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