Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer
- Автор: Кент Александер
- Год: 1979
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein
- ISBN: 3-548-20022-2
- Переводчик: Karl H. Kosmehl
- Жанр: Морские приключения
Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:
In der Linse erschien ein dunkler Fleck, und Bolitho schwenkte sie weiter, um den französischen Vierundsiebziger ins Blickfeld zu bekommen. Auch jetzt noch fuhr er nur unter den notwendigsten Segeln und näherte sich der Osiris ganz langsam auf konvergierendem Kurs. Die Geschütze waren ausgerannt, aber noch im Schatten. Er dachte darüber nach. Im Schatten? Also legte der Kommandant keinen Wert darauf, die Luvposition zu behalten. Sie hielt von Steuerbord auf die Osiris zu, die gerefften Marssegel dicht angebraßt; Vorderkastell und sogar Galion wimmelten von Matrosen und blinkenden Waffen. Er konnte den Namen deutlich ablesen: Immortalite.
«Was ist mit dem Ruder, Mr. Outhwaite?«brüllte Farquhar heiser.»Haben Sie ein Notruder fertig?»
Bolitho beobachtete das gekräuselte Wasser hinter der Sandbank. Noch fünfzig Yards, knapp. Selbst wenn sie Anker warfen, konnten sie jetzt nicht mehr freikommen und schon gar nicht den Transportschiffen irgendwelchen Schaden zufügen.
Er beobachtete den Zweidecker mit der im Sonnenschein leuchtenden Trikolore und zuckte zusammen, als er noch eine zweite Flagge am Großmast entdeckte: einen langen, gespaltenen Wimpel.
Pascoe sah ihn an und versuchte zu grinsen.»Ein Kommodore, Sir. Für uns gehörte sich eigentlich ein richtiger Admiral!»
Eine Kugel fuhr donnernd durch eine der unteren Stückpforten; Bolitho hörte Schreie und Rufe nach den Maaten des Schiffsarztes.
Er wandte sich wieder dem französischen Schiff zu. Längst hätte Probyn hier sein und eine volle Breitseite in die ankernden Transporter feuern müssen, die jetzt vollkommen unverteidigt waren, da der Zweidecker und seine kleineren Gefährten an der Küste entlangsegelten, um das Gefecht zu beginnen. Die Nicator wäre auf keinen Widerstand gestoßen. Zorn wallte brennend in ihm auf.
Wieder erbebte das Deck, und mit einem Knall wie von einem Pistolenschuß kam die Vormaststenge herunter und stürzte über Bord, ein schlangengleiches schwarzes Gewirr von gebrochenen Stangen und Wanten mit sich reißend.
«Aufgelaufen!«schrie Farquhar mit wildem Blick. Er trat ein paar Schritt zur Seite und rutschte dabei in einer Blutlache aus.»Gottverdammt!«Er schützte sein Gesicht mit dem gebogenen Arm, denn wieder schlug eine Kugel ins Schanzkleid und riß zwei Männer nieder, die einen verwundeten Kameraden von der Stückpforte zurückzogen.
«Ihre Befehle, Sir?«fragte Farquhar mit ausdrucksloser Stimme.
Bolitho ließ die Transporter nicht aus dem Auge; sie schienen sich jetzt zu bewegen, schienen in einem riesigen Pulk am Bug vorbeizuziehen. Doch das sah nur so aus, weil die Osiris unter dem Druck des Windes sehr langsam drehte, während ihr Vordersteven im harten Sand festsaß.
«Ich glaube«, sagte er langsam,»wir werden bald die Steuerbordbatterien abfeuern können.»
Pascoe nickte dazu. Sein Gesicht war aschfahl, denn weitere Explosionen schleuderten Schlamm und Sprühwasser über die Netze. Der bemalte Streifen Leinwand, der den Feind eine Zeitlang getäuscht hatte, war längst vom heißen Sturmwind der Kanonen weggerissen. Schmerzhaft fest packte Bolitho mit der Rechten seinen linken Arm, um sich nicht die Verwüstungen und das noch drohende Unheil auszumalen.
«Da — jetzt setzt der Franzose mehr Segel, Captain!»
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Farquhar hinüber.»Mein Gott!»
Langsam, unerbittlich, sich um den festsitzenden Bug drehend, schwang die Osiris weiter vom Land weg. Kein Wunder, daß der französische Kommandant abgewartet hatte. In etwa dreißig Minuten, wenn er die Sandbank und das in der Falle sitzende Schiff in Lee passierte, hatte er freies Schußfeld auf das ungeschützte Heck der Osiris. Kein Kommandant konnte sich ein besseres Ziel erhoffen; seine Breitseite mußte vom Heck bis zum Bug durch den ganzen Rumpf fegen.
«Wir sind erledigt«, keuchte Farquhar.
Bolitho schritt an ihm vorbei.»Weitergeben: Feuer aus allen noch intakten Rohren! Wenn wir nur ein bißchen Glück haben, versenken wir noch ein halbes Dutzend von denen!»
Der Befehl lief weiter, die Züge quietschten, die Geschützführer richteten die Rohre, soweit es irgend möglich war, auf die Transportschiffe: eine letzte Breitseite noch sollte treffen.
Diese Männer, das wußte Farquhar, sahen nur den Feind; und selbst wenn sie ahnten, in was für einer Klemme sie saßen, erkannten sie wahrscheinlich nicht in vollem Umfang, was das bedeutete.
«Feuer!»
Die Achtzehnpfünder fuhren im Rückstoß binnenbords, ihre Bedienungen arbeiteten wie die Irren, putzten aus, rammten neue Ladungen hinein.
Bolitho warf einen raschen Blick auf den Kommandanten. Sein Gesicht verzerrte sich beim Krachen jedes Abschusses, denn der Rückstoß so vieler Geschütze trieb die Osiris immer tiefer in den Sand. Farquhar wußte, daß sein Schiff bereits erledigt war, und daß Bolitho trotzdem weiterkämpfte. Bis zuletzt.
Heiser sagte Allday:»Der Hang drüben brennt anscheinend, Sir!»
Bolitho rieb sich die Augen mit dem Ärmel und starrte nach Backbord voraus. Jetzt hatte sich die Osiris ganz gedreht, und er konnte die dichte Rauchwand sehen. Feuerzungen schossen heraus, sie rollte auf die See zu und machte das Chaos noch schlimmer.
Allday sprach es statt seiner aus.»Das muß Mr. Veitch gewesen sein. Hat den Hang angesteckt. Da ist vermutlich alles dürr wie Zunder. «Er seufzte.»Ein tapferer Mann. Bei der Küstenbatterie können sie jetzt bestimmt nichts mehr sehen vor Qualm. Da hat er ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht!»
Eine heftige Detonation rollte übers Wasser, und Bolitho sah, daß der dicke Rauch einen glühendroten Kern bekam.
Pascoe hustete vom Qualm.»Wir haben einen Transporter getroffen, Sir. Muß Pulver geladen haben!»
Trümmer klatschten ins Wasser. Auch hinter dem Rauch war das Krachen leichterer Geschütze zu hören — das mußte Javal sein, der sich wahrscheinlich mit zwei Gegnern auf einmal herumschlug.
Der Ausguck überschrie das Getöse:»Ein paar Franzosen laufen aus!»
«Haben wohl ihre Trossen gekappt«, sagte Bolitho.
Er konnte es ihnen nicht verdenken. Wenn einer oder mehrere von ihnen in Brand oder manövrierunfähig geschossen wurden, dann hatten sie nur Nachteile, wenn sie an Ort und Stelle blieben.
Er betastete mit der Schuhsohle das Deck. Es war leblos, abgesehen von dem heftigen Vibrieren beim Schießen. Keiner konnte sie mehr aufhalten.
Etwas sauste an ihm vorbei und krachte in einer jaulenden Woge von Splittern gegen einen Neunpfünder. Männer fielen um sich schlagend und schreiend: Blut spritzte auf Bolithos Kniehose.
Er wandte sich um und sah Farquhar an der Achterdecksreling lehnen. Er blickte starr zur untersten Rah empor und preßte beide Hände auf die Brust.
Bolitho eilte zu ihm.»Ich bringe Sie unter Deck!»
Langsam wandte Farquhar ihm den Blick zu. Vor Anstrengung entblößte er die Zähne und formte jedes Wort einzeln, um die Schmerzen zu unterdrücken.»Nein. Lassen — Sie mich. Muß — hierbleiben. Muß.»
Er hatte das Vorderteil seines Uniformrocks zu einem festen Knäuel zusammengedreht, das jetzt schon leuchtend rot war.
«Ich bringe ihn hinunter«, sagte Allday.
Wieder erzitterte das Schiff, als die untere Batterie ihre Wut an den noch verankerten Transportern ausließ. Mehrere Masten waren dort gefallen, die beiden vordersten Schiffe lagen gefährlich schief, das eine wurde beinahe überspült, das andere war ein rauchgeschwärztes Wrack.
Farquhar versuchte, den Kopf zu schütteln.»Laßt die Pfoten von mir!«Schwankend fiel er gegen Bolitho.»Mr. Outhwaite!»