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Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer

Электронная книга - «Eine letzte Breitseite: Kommodore Bolitho im östlichen Mittelmeer». Краткое содержание книги:

1798 — vor Korfu und Alexandria: Unter der Führung seines Flaggschiffs «Lysander» kreuzt Kommodore Richard Bolitho durch das Mittelmeer, während sich die französische Flotte vor Korfu sammelt. Bald ist er sich über die Absichten des Feindes im klaren: Die Franzosen wollen die Eroberung Ägyptens und damit den Zugang zum reichen Indien.
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Outhwaite fuhr herum und hob die Sprechtrompete an den Mund:»Mr. Guthrie, geben Sie durch: Geschütze ausrennen!»

Die Stückpforten öffneten sich quietschend; dann gab es eine kurze Pause. Jetzt sahen die Matrosen im unteren Batteriedeck das Land zum erstenmal. Eine Pfeife schrillte, das ganze Schiff erzitterte: die Osiris fuhr ihre Geschütze aus.

«Gei auf die Fock!»

Farquhar sah zu, wie das mächtige Segel gebändigt und aufgegeit wurde. Er schnippte mit den Fingern, und der Midshipman reichte ihm erst den Degen, dann den Hut, den er sich sorgfältig zurechtrückte. Dann schritt er nach vorn zur Luvlaufbrücke.

Die Fock hatte sich tatsächlich wie ein Vorhang gehoben: die Szenerie war aufgebaut, die Schauspieler standen bereit.

Bolitho zog den Degen und legte ihn vor sich auf die Reling. Glatt und kühl fühlte der Stahl sich unter seiner Handfläche an.

«Hißt die Flagge!»

Er hörte den Block quietschen und sah den großen Schatten der Flagge über der Laufbrücke und die leichte Bugwelle gleiten.

«Jetzt klar zum Feuern, Jungs; und daß mir jede Kugel trifft!»

Er warf einen raschen Blick auf das nächste Geschütz: so sahen alle Geschützbedienungen in der ganzen Flotte aus. Ein Matrose, direkt unterhalb des Achterdecks bei einem Sechzehnpfünder stehend, stützte sich auf seinen Rammstock, das Halstuch um die Ohren gewickelt, damit ihm das Krachen des Schusses nicht die Trommelfelle zerriß. Männer wie dieser waren mit Drake[25] auf seiner Revenge gesegelt und hatten Hurra gerufen, als die Armada[26] >aus dem Kanal getrommelt< wurde. Aber diesmal gab es kein Hurrageschrei, nicht einmal einen einzigen Ruf. Grimmig schauten die Männer durch die offenen Stückpforten oder standen so dicht beieinander, als wollten sie sich gegenseitig stützen. Far-quhars Finger schlossen und öffneten sich nervös um seinen Degengriff, mit hocherhobenem Haupt starrte er auf die dunstige Küstenlinie, von der das feindliche Feuer kommen würde.

Auf dem Kamm des nächstgelegenen Hügels blinkte etwas auf, doch nur dieses eine Mal. Eine zerbrochene Flasche, die den ersten Strahl der Morgensonne reflektierte? Oder ein Lichtstrahl auf der Linse eines Teleskops? Bolitho stellte sich vor, wie das Signal über die Berge an die wartende Artillerie weitergegeben wurde: Die Engländer kommen. Wie erwartet und vorausbedacht. Grimmig zog er die Brauen zusammen. Was auch kommen würde, sie mußten die Aufmerksamkeit des Feindes so lange auf sich ziehen, bis Probyn sich von der nördlichen Einfahrt her auf die ankernden Schiffe stürzen konnte. Ein paar schwere Breitseiten in die volle Reede, und ihre Chancen würden sich beträchtlich bessern.

Plötzlich fiel Bolitho wieder ein, was ihm sein Vater einst gesagt hatte: Überraschungsangriffe gibt es nicht. Überraschung liegt nur dann vor, wenn ein Kommandant das, was er von Anfang an gesehen hat, falsch auslegt.

Er blickte zu Pascoe hinüber und lächelte flüchtig. Jetzt erst wußte er genau, was sein Vater damals gemeint hatte.

Bolitho ging wieder zur anderen Seite des Achterdecks und richtete das Glas auf eine vorgeschobene Landzunge. Ein paar winzige Häuser waren am Fuß eines Steilhangs zu erkennen, eingekuschelt zwischen Gebüsch und Strand: Fischerhütten. Doch die Boote lagen verlassen auf dem groben Kies; nur ein Hund verteidigte seine Heimstätte und bellte wütend die langsam vorbeiziehenden Schiffe an.

«Die nächste Bucht ist es«, sagte Farquhar gespannt.

Outhwaite drehte sich um und rief:»Feuern erst auf Befehl und bei sich hebendem Schiff!»

«Von wegen heben«, murmelte Allday verächtlich.»Ehe wir nicht klar von diesem Vorland sind und ein bißchen Wind kriegen, hebt sich gar nichts!»

«An Deck!«Die Stimme des Ausgucks klang ungewöhnlich laut.»Schiffe vor Anker hinter der Landspitze!»

Bolitho atmete langsam aus.»Signalisieren Sie diese Meldung weiter an die Buzzard!»

Sekunden später flatterte bereits die Bestätigung von der Rah der Fregatte. Javal ging es offenbar genauso wie ihnen allen: er war gespannt bis zum Äußersten.

Bolitho sah auf seine Uhr. Die Nicator mußte jetzt die nördliche Durchfahrt passiert haben und mehr Segel setzen, um den entsche i-denden Teil ihrer Aufgabe in Angriff zu nehmen. Selbst wenn die französischen Feldwachen sie gesichtet hatten, war es für einen Stellungswechsel der Landbatterie zu spät.

Die Detonation kam wie ein abgehackter Donnerschlag. Bolitho sah weder Mündungsfeuer noch Rauch, nur die Spur des Geschosses auf der Wasserfläche. Es mußte ein ganz flacher Schuß sein, denn er konnte unter den Bahn eine Linie winziger Wellen sehen — wie von einer gespenstischen Bö oder einem angreifenden Hai.

Die Kugel schlug im Vorschiff ein. Die Matrosen brachen in Gebrüll aus, und Bolitho sah den Zweiten Offizier von Geschütz zu Geschütz eilen, um die Mannschaft zu beruhigen.

«Sehen Sie, Sir! Soldaten!«Allday deutete mit seinem Entersäbel hin.

Bolitho beobachtete die winzigen blauen Gestalten, die jetzt unter den Bäumen hervor zur Landspitze hasteten. Vielleicht glaubten sie, daß noch ein zweiter Verband kommen und eine Landung versuchen würde, die sie abwehren mußten. Bolitho leckte sich die trockenen Lippen. Wenn es doch einen zweiten Schiffsverband gegeben hätte!

«Drehen Sie einen Strich ab, Captain«, sagte er,»damit die obere Batterie besseres Schußfeld hat!»

Farquhar protestierte:»Achtzehnpfünder gegen Infanterie, Sir?»

Gelassen erwiderte Bolitho:»Dann haben die Leute zu tun und kommen nicht auf unnütze Gedanken. Außerdem kann es das Selbstvertrauen des Feindes dort oben erschüttern. Sie sind auf ein ganzes Geschwader gefaßt, vergessen Sie das nicht!»

Er zuckte zusammen, denn wieder hallte ein Abschuß über das Wasser; hoch oben sauste die Kugel bösartig über die Masten.

«Steuerbordbatterie klar!«Outhwaite deutete auf die rennenden Soldaten.»Bei der Hebung!«Er stieß die Sprechtrompete hoch.

«Feuer!»

Die lange Linie der Rohre glitt im Rückstoß binnenbords; wirbelnd zog der Rauch über die Finknetze. Bolitho hielt das Glas auf das Land gerichtet; die Kugeln peitschten durch Bäume und Gebüsch, warfen Erde und Steine auf und verursachten ein wüstes Durcheinander. Die Soldaten hatten offenbar ähnliche Bedenken wie Farquhar gehabt, denn viele erwischte es im offenen Gelände; Bolitho sah Menschen, Musketen und Trümmer durch die Luft fliegen.

Es hatte nicht viel zu sagen, machte aber doch den Geschützbedienungen etwas mehr Mut. Er hörte Hochrufe und aus der unteren Batterie Schreie der Enttäuschung, weil sie nicht feuern durfte.

Outhwaite war von der Erregung angesteckt.»Schneller, Jungs! Neu laden! Mr. Guthrie eine Guinea[27] für das Geschütz, das zuerst ausrennt!»

Aus dem Augenwinkel sah Bolitho das Vorland achtern weggleiten; die erste Gruppe der ankernden Schiffe schimmerte im schwachen Morgenlicht auf; die Segel waren festgemacht, und die Unbeweglichkeit der Rümpfe ließ erraten, daß jedes Schiff mit seinem Nachbar fest verbunden war, so daß sie eine starre Schranke bildeten. Er hatte erwartet, daß die Franzosen auf diese Weise ankern würden. Es war eine bevorzugte Form der Verteidigung, schon lange, bevor man von der Revolution auch nur geträumt hatte.

Dann sah er Mündungsfeuer aufblitzen. Es kam aus einem tiefen grünen Sattel zwischen zwei Hügeln. Bis jetzt hatten sich die dortigen Kanoniere nur auf die Entfernung eingeschossen. Nun wurde es ernst.

Die Kugel schlug mittschiffs in den Rumpf der Osiris, ziemlich tief, dicht über der Wasserlinie. Noch dort, wo Bolitho stand, federten die Planken so stark, als säße der Treffer dicht unter seinen Füßen, nicht zwei Decks tiefer. Er sah die Angst in Farquhars Gesicht, als der Bootsmann mit seinen Leuten auf ein Luk zustürmte, und sah auch die Fäden dunklen Rauchs, die über den Netzen hochwirbelten und zeigten, wie genau die Kugel saß.

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25

Sir Francis Drake, 1540–1596, englischer Seefahrer und Freibeuter.

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26

Flotte Philipps II. 1588 im Ärmelkanal auseinandergetrieben.

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27

Goldmünze, 21 Shilling nach alter Währung

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