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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Dann folgte auch Rob, und schließlich sogar der mißmutige Arieh. »Ai, di-di-di-di-di-di, ai, di-di-di-di!«

Sie sangen mit trockenen Lippen und tanzten, obwohl sie in den Füßen kein Gefühl mehr verspürten. Schließlich verstummten sie und hörten mit dem verrückten Tanzen auf, aber sie gingen nun mühsam weiter, setzten einen gefühllosen Fuß vor den anderen und wagten nicht, der Möglichkeit ins Auge zu sehen, daß sie sich tatsächlich verirrt hatten.

Am frühen Nachmittag hörten sie Donner. Er grollte lange Zeit in der Ferne, bevor ein paar Regentropfen fielen.

Kurz darauf sahen sie eine Gazelle und dann ein paar Wildesel.

Ihre Tiere wurden plötzlich schneller. Sie bewegten ihre Beine rascher und begannen aus eigenem Antrieb zu traben, da sie spürten, was vor ihnen lag. Die Männer bestiegen die Esel und ritten wieder, während sie den letzten Sandstreifen verließen, nachdem sie sich drei Tage lang durch die Wüste gequält hatten.

Das Land weitete sich zur Ebene, die zuerst mit nur spärlichem Pflanzenbewuchs und dann immer dichter mit Grün bedeckt war.

Vor Sonnenuntergang kamen sie zu einem schilfbestandenen Tümpel, über dem Schwalben herabstießen und ihre Kreise zogen. Arieh kostete das Wasser und nickte. »Es ist gut.«

»Wir dürfen die Tiere nicht zuviel auf einmal trinken lassen, sonst werden sie lahmen«, warnte Loeb.

Sie tränkten die Tiere mit Vorsicht und banden sie an Bäume, dann tranken sie selbst, rissen sich die Kleider vom Leib und legten sich ins Wasser, um sich im Schilf durchtränken zu lassen.

»Habt Ihr in der Dasht-i-Lut Leute verloren?« fragte Rob.

»Wir haben meinen Vetter Calman verloren«, sagte Lonzano. »Er war damals zweiundzwanzig Jahre alt.«

»Ist er durch eine Salzkruste gebrochen?«

»Nein. Er hat die Beherrschung verloren und sein Wasser auf einmal ausgetrunken. Dann ist er verdurstet.«

»Möge er in Frieden ruhen«, sagte Loeb.

»Wie sehen die Symptome aus, wenn ein Mensch verdurstet?«

Lonzano war sichtlich ungehalten. »Ich will nicht mehr daran denken.«

»Ich frage, weil ich Arzt werden will, nicht aus Neugier«, erklärte Rob, und Arieh starrte ihn voll Widerwillen an. Lonzano überlegte kurz, dann nickte er. »Mein Vetter Calman war von der Hitze verwirrt und trank hemmungslos, bis nichts mehr von seinem Wasser übrig war. Wir hatten uns verirrt, und jeder teilte sich sein Wasser selbst ein. Wir durften nicht teilen. Nach einer Weile begann er zu erbrechen, aber es kam keine Flüssigkeit. Seine Zunge wurde ganz schwarz, und sein Gaumen war weißlichgrau. Seine Gedanken verwirrten sich, und er glaubte, er sei im Haus seiner Mutter. Seine Lippen waren eingeschrumpft, man sah seine Zähne, und sein Mund stand offen wie bei einem Tier. Er keuchte und schnarchte abwechselnd. In dieser Nacht setzte ich mich im Schutz der Dunkelheit über die Abmachung hinweg, goß ein wenig Wasser auf einen Lappen und drückte ihn über seinem Mund aus. Aber es war zu spät. Nach dem zweiten Tag ohne Wasser starb er.« Sie lagen schweigend in dem braunen Wasser.

»Ai, di-di-di-di-di-di, ai, di-di-di-di!« sang Rob schließlich. Er blickte Lonzano in die Augen, und sie grinsten einander vielsagend an. Auf Loebs ledrige Wange setzte sich ein Moskito, und er schlug sich ins Gesicht. »Jetzt können die Tiere mehr Wasser vertragen«, meinte er. Sie verließen den Tümpel und kümmerten sich wieder um ihre Tiere.

Am nächsten Tag saßen sie bei Sonnenaufgang auf ihren Eseln, und zu Robs großer Freude kamen sie bald an zahlreichen kleinen Seen vorbei, die von Wiesen umgeben waren. Die Seen heiterten ihn auf. Das Gras reichte einem bis ans Knie und duftete köstlich. Es war voller Heuschrecken und Grillen, aber auch voller kleiner Mücken, deren Stiche brannten und sofort juckende Schwellungen hinterließen. Ein paar Tage zuvor hätte er sich gefreut, überhaupt ein Insekt zu sehen, doch jetzt schenkte er nicht einmal den großen, herrlichen Schmetterlingen auf den Wiesen einen Blick, während er auf die Quälgeister schlug und alle Mücken und Moskitos verfluchte. »O Gott, was ist das?« rief Arieh.

Rob folgte seinem ausgestreckten Zeigefinger und erblickte im vollen Sonnenlicht eine riesige Wolke, die sich im Osten erhob. Er beobachtete mit zunehmender Besorgnis, daß sie näher kam, denn sie sah wie jene Staubwolke aus, die über sie gekommen war, als der heiße Wind sie in der Wüste überraschte.

Doch aus dieser Wolke drang deutlich das Geräusch von Hufen, als würde eine große Armee auf sie zusprengen.

»Die Seldschuken?« flüsterte Rob, doch niemand antwortete ihm. Blaß und angstvoll warteten sie, während die Wolke näher kam und der Lärm ohrenbetäubend wurde.

In einer Entfernung von etwa fünfzig Schritten klapperten die Hufe, als hätten tausend geübte Reiter auf einen Befehl hin gleichzeitig angehalten.

Zuerst konnten sie nichts erkennen. Dann legte sich der Staub, und sie erblickten zahllose Wildesel, die sich in bestem Zustand befanden und eine präzise Ordnung einhielten. Die Esel starrten die Männer aufmerksam und neugierig an, und die Männer starrten zurück. »Hai!« schrie Lonzano, und schon machte die gesamte Herde kehrt und zog weiter, diesmal nach Norden.

Sie kamen auch an kleineren Eselherden und riesigen Rudeln von Gazellen vorbei, die manchmal gemeinsam grasten und offensichtlich selten gejagt wurden, weil sie den Menschen wenig Beachtung schenkten.

Bedrohlicher wirkten die Wildschweine, die es im Überfluß gab.

Gelegentlich erblickte Rob eine behaarte Bache oder einen Eber mit gefährlichen Hauern, und er hone von allen Seiten die Tiere grunzen, während sie im hohen Gras raschelten und wühlten. Nun sangen sie alle, wenn Lonzano es vorschlug, um die Schweine auf sich aufmerksam zu machen, so daß sie nicht erschreckt wurden und angriffen. Rob bekam eine Gänsehaut; seine langen Beine, die an den Flanken des kleinen Esels herabhingen und am tiefen Gras streiften, erschienen ihm ungeschützt und verwundbar. Aber die Schweine trollten sich vor den lauten Männerstimmen und bereiteten ihnen keine Schwierigkeiten.

Sie kamen an einen rasch strömenden Fluß, der einem tiefen Graben glich und dessen Ufer fast senkrecht anstiegen und von Fenchel überwuchert waren. Obwohl die vier stromauf- und abwärts zogen, fanden sie keine Stelle, wo sie ihn mühelos überqueren konnten. Schließlich trieben sie ihre Tiere emiach ms Wasser. Es wurde sehr schwierig für die Esel und Maultiere, auf dem gegenüberliegenden, überwachsenen Ufer hinaufzuklettern und dabei nicht abzurutschen. Die Luft war von Flüchen und dem scharfen Geruch des zertretenen Fenchels erfüllt, und es dauerte einige Zeit, bis sie alle am anderen Ufer waren. Jenseits des Flusses kamen sie in einen Wald. Sie folgten einem Pfad, wie ihn Rob von zu Hause kannte. Das Land war wilder als die englischen Wälder; das hohe Dach der ineinander verflochtenen Baumkronen hielt die Sonne ab, doch das Unterholz wucherte üppig, und es wimmelte von Tieren. Rob erkannte Rehe, Kaninchen und Stachelschweine, und in den Bäumen nisteten Tauben und kleine Vögel, die er für eine Art Rebhühner hielt. So ein Weg wäre so recht nach des Baders Geschmack gewesen, und Rob fragte sich, was die Juden gesagt hätten, wenn er sein Sachsenhorn geblasen hätte.

Nach einer Wegbiegung, als Rob die Führung übernommen hatte, scheute sein Esel. Auf einem großen Ast über ihnen duckte sich ein Panther.

Der Esel wich zurück, und das Maultier hinter ihnen nahm den Raubtiergeruch wahr und schrie. Vielleicht spürte der Panther die überwältigende Angst. Noch während Rob nach seiner Waffe griff, sprang ihn das Tier, das ihm ungeheuer groß erschien, an. Da drang ein langer, schwerer, mit gewaltiger Kraft abgeschossener Pfeil dem Tier ins rechte Auge. Die großen Klauen rissen den armen Esel auf, als die Katze auf Rob stürzte und ihn dabei aus dem Sattel warf. Im nächsten Augenblick lag er auf dem Boden und glaubte, an dem Moschusgeruch der Katze zu ersticken. Das Tier lag quer über ihm, so daß er das Hinterteil vor sich hatte, das glänzend schwarze Fell sah, den verfilzten After und die große rechte Hintenatze, die sich wenige Zentimeter vor seinem Gesicht befand und beinahe obszön große, geschwollen wirkende Ballen hatte. Die Kralle der zweiten der vier Zehen war erst kürzlich abgerissen worden. Die Wunde war offen, blutete und machte Rob klar, daß sich am Kopf dieser Katze Augen befanden und keine getrockneten Aprikosen und eine Zunge, die nicht aus rotem Filz bestand.

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