Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Aber es hatte Efeu gegeben, nicht wahr, am dicken Eichenstamm, und Pilze, oder trog die Erinnerung? Es ist der Schnee, dachte sie. Der Schnee hat alle Merkmale zugedeckt. Und die Spuren, die Gawyn beim herausziehen des Fuhrwerks und der Kisten hinterlassen haben mußte.
Der Kasten — Gawyn hatte den Kasten nicht zum Gutshof zurückgebracht. Er hatte ihn nicht gesehen, weil sie ihn in den Weiden am Straßenrand versteckt hatte.
Sie drängte sich an Rosemund vorbei durch das Weidengebüsch, ohne auf den Schnee zu achten, der in Klumpen auf sie herabfiel. Der messingbeschlagene Kasten würde auch im Schnee begraben sein, aber am Straßenrand war er nicht so tief, und der Kasten war so groß, daß er leicht zu finden sein mußte.
»Katherine!« rief Rosemund dicht hinter ihr. »Wohin willst du jetzt?«
»Kivrin!« rief Agnes. Sie hatte versucht, mitten auf dem Fahrweg von ihrem Pferd zu steigen, war aber mit dem Fuß im Steigbügel hängengeblieben. »Kivrin, komm und hilf mir!«
Kivrin blickte zu ihr, dann den Weg hinauf.
Pater Roche war noch immer auf der Anhöhe und kämpfte mit dem Esel. Anscheinend hatte er ihn ein Stück vorangebracht, aber nun war wieder Schluß. Sie mußte den Kasten finden, bevor er kam. »Bleib auf deinem Pferd, Agnes«, sagte sie und bückte sich, um den Schnee unter den Weidenbüschen zu durchfühlen.
»Was suchst du?« fragte Rosemund. »Hier ist kein Efeu!«
»Kivrin, komm jetzt!« rief Agnes.
Vielleicht hatte die Schneelast die Weidenzweige gebeugt, und der Kasten war weiter unter ihnen. Sie bückte sich tiefer, hielt sich an den dünnen, biegsamen Zweigen und versuchte den Schnee beiseite zu räumen. Aber der messingbeschlagene Kasten war nicht da. Sie sah es gleich, weil die Weidensträucher das Unkraut und den Boden darunter vom Schnee freigehalten hatten; dort lag er nur ein paar Zentimeter hoch. Aber wenn dies der Absetzort war, mußte der Kasten hier sein, dachte Kivrin, wie betäubt vor Enttäuschung. Wenn dies der Ort ist.
Wieder rief Agnes sie beim Namen, und Kivrin blickte zurück. Die Kleine war abgestiegen und kam auf sie zugerannt.
»Lauf nicht!« rief Kivrin, aber die Worte waren kaum heraus, da stolperte Agnes über irgendein Hindernis und schlug auf den Boden.
Der Aufprall preßte ihr die Luft aus den Lungen, und Kivrin und Rosemund waren beide bei ihr, bevor sie zu weinen begann. Kivrin nahm sie in die Arme und richtete sie auf, daß sie Luft holen konnte.
Agnes keuchte, schnappte nach Luft und begann zu schreien.
»Geh und schau, wo Pater Roche bleibt«, sagte Kivrin zu Rosemund. »Er ist oben auf der Anhöhe. Sein Esel wollte nicht weiter.«
»Er kommt schon«, sagte Rosemund. Kivrin wandte den Kopf. Er kam schwerfällig den Weg heruntergelaufen, ohne den Esel, und Kivrin war nahe daran, auch ihm »Lauf nicht!« zuzurufen, aber Agnes schrie so laut, daß es alles übertönt hätte.
»Schhh«, sagte Kivrin. »Es fehlt dir gar nichts. Es ist bloß der Schreck, und daß du keine Luft bekommen hast.«
Pater Roche kam zu ihnen, und Agnes warf sich ihm sofort in die Arme. Er drückte sie an sich. »Still, Agnes«, murmelte er in seiner wundervoll beruhigenden Stimme. »Sei ganz ruhig.« Ihr Geschrei ging in Schluchzen über.
Kivrin klopfte ihr den Schnee vom Umhang. »Wo hast du dich verletzt? Hast du dir die Hände aufgeschürft?«
Pater Roche drehte sie in seinen Armen herum, daß Kivrin ihr die Fäustlinge ausziehen konnte. Ihre Hände waren gerötet, aber unverletzt. »Wo tut es weh?«
»Sie ist nicht verletzt«, sagte Rosemund. »Sie schreit, weil sie ein Baby ist!«
»Ich bin kein Baby!« sagte Agnes mit solcher Heftigkeit, daß sie beinahe Pater Roches Armen entglitt. »Ich bin mit dem Knie aufgeschlagen.«
»Mit welchem?« fragte Kivrin. »Mit dem, das schon verletzt war?«
»Ja! Nicht hinschauen!« sagte sie, als Kivrin sich bückte, um ihr Bein zu untersuchen.
»Schon gut, ich werde es nicht tun«, sagte Kivrin. Die Knieverletzung war verschorft. Wahrscheinlich hatte der Aufprall den Schorf losgerissen. Wenn es nicht so stark blutete, daß es ihre wollenen Beinlinge und die Umwicklung durchtränkte, hatte es keinen Sinn, sie hier im Schnee auszuziehen und der Kälte preiszugeben. »Aber daheim mußt du es mich anschauen lassen.«
»Können wir jetzt heimgehen?« fragte Agnes weinerlich.
Kivrin blickte hilflos zum Dickicht hinüber. Das mußte die Stelle sein. Die Weiden, die Lichtung, der baumlose Höhenzug. Es mußte der Absetzort sein. Vielleicht hatte sie den Kasten tiefer unter die Weiden geschoben als sie dachte, und der Schnee…
»Ich will jetzt heim!« quengelte Agnes und begann zu schluchzen. »Mir ist kalt!«
Kivrin nickte. Agnes’ Fäustlinge waren zu naß, um sie ihr wieder anzuziehen. Kivrin zog ihre geborgten Handschuhe aus und gab sie ihr. Sie reichten halb über Agnes’ Unterarme, was sie begeisterte, und Kivrin dachte schon, sie habe ihr Knie vergessen, aber als Pater Roche sie auf ihr Pony setzen wollte, schluchzte sie: »Ich möchte mit dir reiten.«
Kivrin nickte wieder und saß auf. Pater Roche reichte ihr Agnes herauf und führte Agnes’ Pony zurück auf die Anhöhe. Oben stand der Esel am Straßenrand und weidete das Gras und die Kräuter ab, die unter den Sträuchern aus dem dünnen Schnee schauten.
Als Pater Roche bei ihm anlangte und den Strick nahm, versteifte sich der Esel augenblicklich und stemmte die Hufe in den Boden, doch sobald Pater Roche den Kopf wandte und mit Agnes’ Pony weiter die Straße zurück und den jenseitigen Hang hinunterging, trottete er ihm bereitwillig nach.
Kivrin blickte durch den Regen zurück zum Dickicht und suchte die Lichtung auszumachen. Es ist bestimmt die Stelle, sagte sie sich, aber sie war nicht sicher. Selbst die Anhöhe sah von ihrem Standort irgendwie falsch aus.
Der Regen verwandelte den Schnee allmählich in Matsch, und Rosemunds Pferd geriet ins Schlittern, als sie es im Galopp die gerade Strecke zur Weggabelung zurücktrieb. Sie mußte es im Trab gehen lassen.
Bei der nächsten Abzweigung schlug Roche den Weg nach links ein. Er war begleitet von Weidendickichten und Eichen, und verschlammten Wagengleisen in jeder Senke zwischen den Bodenwellen.
»Reiten wir jetzt heim, Kivrin?« fragte Agnes. Kivrin fühlte, wie der kleine Körper an ihr zitterte.
»Ja«, sagte sie und zog das Ende ihres Umhangs nach vorn über Agnes. »Schmerzt dein Knie noch?«
»Nein. Wir haben keinen Efeu gesammelt.« Sie richtete sich auf und wandte den Kopf, um Kivrin anzusehen. »Konntest du dich erinnern, als du Stelle sahst?«
»Nein«, sagte Kivrin.
»Gut«, sagte Agnes und lehnte sich mit einem zufriedenen Seufzer wieder an sie. »Jetzt mußt du immer bei uns bleiben.«
17
Andrews rief Dunworthy erst am Spätnachmittag des Weihnachtstages an. Colin hatte natürlich darauf bestanden, seine wenigen Geschenke zu unchristlicher Stunde zu öffnen.
»Wollen Sie den ganzen Tag im Bett bleiben?« hatte er wissen wollen, während Dunworthy nach einer Brille getastet hatte. »Es ist gleich acht.«
Tatsächlich war es Viertel nach sechs, draußen pechschwarze Nacht, sogar zu dunkel, um zu sehen, ob es noch regnete. Natürlich hatte Colin viel länger schlafen können als er. Nach dem ökumenischen Gottesdienst hatte Dunworthy ihn nach Haus ins Balliol College geschickt und war in die Klinik gegangen, um sich nach Latimer zu erkundigen.
»Er hat Fieber, aber die Lunge ist bisher nicht angegriffen«, hatte Mary ihm berichtet. »Er kam um fünf und sagte, er habe um ein Uhr herum Kopfschmerzen bekommen und Benommenheit gefühlt. Genau achtundvierzig Stunden. Es ist wirklich nicht nötig, ihn auszufragen, von wem er die Infektion hat. Wie fühlen Sie sich?«
Er hatte zur Untersuchung bleiben müssen, und dann war ein neuer Fall eingeliefert worden, und er hatte gewartet, um zu sehen, ob er ihn identifizieren könne. Erst gegen eins war er ins Bett gekommen.