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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Ich danke Euch«, sagte Kivrin. Dem Himmel sei Dank. Sie steckte den Zweig zu den anderen, und Pater Roche band den Sack zu und hob ihn auf die Schulter.

Rosemund kam und schleifte ihren Sack hinter sich durch den Schnee. »Seid ihr noch nicht fertig?«

Pater Roche nahm ihr den Sack ab, schnürte ihn zu und band ihn mit dem anderen auf den Rücken des Esels. Kivrin hob Agnes auf ihr Pony und half Rosemund aufsitzen, und Pater Roche machte mit seinen großen Händen einen Tritt, daß Kivrin den Steigbügel erreichen konnte.

Er hatte ihr auf den Schimmel geholfen, als sie herabgefallen war. Sie erinnerte sich, wie seine großen Hände sie gestützt hatten. Aber das war ziemlich weit vom Absetzort geschehen, und warum sollte Gawyn den Pfarrer die ganze Strecke zurück zum Absetzort geführt haben? Das Fieber hatte ihre Erinnerung an diese Stunden so getrübt und verwirrt, daß sie die Vorgänge nicht rekonstruieren konnte. Der Weg mußte ihr weiter vorgekommen sein als er war.

Roche führte den Esel zurück durch das Kieferngehölz und auf den Pfad, den sie gekommen waren. Rosemund ließ ihn ein Stück voraus gehen, dann sagte sie in einem Tonfall wie Imeyne: »Wohin geht er jetzt? Der Efeu ist in dieser Richtung nicht zu finden.«

»Wir gehen uns die Stelle anschauen, wo Kivrin überfallen wurde«, sagte Agnes.

Rosemund sah Kivrin erstaunt und mißtrauisch an. »Warum willst du dorthin? Deine Sachen sind schon zum Herrenhaus gebracht worden.«

»Sie meint, daß sie sich an etwas erinnern wird, wenn sie die Stelle wiedersieht«, sagte Agnes. »Kivrin, wenn du dich erinnerst, wer du bist, mußt du dann nach Haus zurückkehren?«

»Sicherlich«, sagte Rosemund. »Sie muß zurück zu ihrer Familie. Sie kann doch nicht immer bei uns bleiben.« Sie sagte es nur, um Agnes zu provozieren, und es wirkte.

»Doch, sie kann!« sagte Agnes. »Sie wird unsere Kinderfrau sein.«

»Warum sollte sie bei so einem wimmernden Baby bleiben wollen?« Rosemund stieß ihrem Pferd die Fersen in die Flanken und trabte davon.

»Ich bin kein Baby!« rief Agnes ihr nach. »Du bist das Baby!« Dann sah sie sich nach Kivrin um. »Ich will nicht, daß du mich verläßt!«

»Ich werde dich nicht verlassen«, sagte sie. »Komm, Pater Roche wartet.«

Er war auf der Straße, und sobald sie zu ihm stießen, ging er weiter. Rosemund war bereits weit voraus, sprengte den verschneiten Weg entlang, daß der Schnee spritzte.

Sie überquerten einen Bach und kamen zu einer Weggabelung. Dort wartete Rosemund und ließ ihr Pferd stampfen und den Kopf aufwerfen, um seine und ihre Ungeduld auszudrücken.

An einer Weggabelung war sie vom Schimmel gefallen. Kivrin sah sich um, ob die Bäume, der Weg oder der Bach irgendeine Erinnerung in ihr wachriefen. Zwar mußte es entlang den Wegen, die den Wald von Wychwood durchquerten, Dutzende von Weggabelungen geben, aber anscheinend war dies diejenige, an die sie sich erinnerte. Pater Roche wandte sich nach rechts, um den Weg schon nach wenigen Metern zu verlassen. Wo er seinen Esel in den Wald führte, war kein Weidendickicht, und auch kein Hügel. Sie folgten ihm durch dichtes, unübersichtliches Waldgelände und mußten bald absitzen und ihre Pferde führen. Pater Roche folgte keinem erkennbaren Weg. Er stapfte durch den Schnee, duckte sich unter tiefhängenden Zweigen durch, die ihn mit Schnee überschütteten, und umging ein stacheliges Schwarzdorndickicht.

Kivrin versuchte sich die Gegend und ihre besonderen Merkmale einzuprägen, um allein den Weg hierher zu finden, doch sie war nicht in und mit der Natur aufgewachsen, und in ihren Augen war alles von einer entmutigenden Gleichförmigkeit. Solange Schnee lag, konnte sie der Fährte nachgehen, die sie jetzt hinterließen. Sie würde allein hierher zurückkommen müssen, bevor er schmolz, und die Fährte mit Kerben in den Baumstämmen, Stecken oder Stoffetzen markieren. Oder mit Brotkrumen, wie Hänsel und Gretel.

Es war leicht zu sehen, wie sie und Schneewittchen und die vielen anderen Märchengestalten sich im Wald verirrt hatten. Sie hatten kaum ein paar hundert Meter zurückgelegt, und schon war es Kivrin trotz der Spuren im Schnee nicht mehr möglich, die Richtung zu bestimmen, in der die Straße lag.

Pater Roche führte den Esel zur Seite und band ihn an eine Erle. »Dies ist der Ort.«

Es war nicht der Absetzort. Es war nicht einmal eine Lichtung, nur eine Stelle, wo eine Eiche ihre Äste ausbreitete und die anderen Bäume am Aufwachsen hinderte. Das dürre Laub an ihren Zweigen bildete eine Art Zelt, unter dem der Boden nur mit Schnee überpudert war.

Agnes lief zu den Resten eines Lagerfeuers. Jemand hatte einen toten, abgebrochenen Ast als Sitzgelegenheit hingeschleift. »Können wir ein Feuer machen?« fragte sie. »Mir ist kalt.«

Sie scharrte mit dem Fuß in den geschwärzten Überresten.

Es hatte nicht sehr lange gebrannt. Das Reisigholz war kaum verkohlt. Jemand hatte Erde darauf geworfen, um es auszulöschen. Pater Roche hatte vor ihr gekauert, den flackernden Widerschein des Feuers im Gesicht.

»Nun?« fragte Rosemund ungeduldig. »Erinnerst du dich an etwas?«

Sie war hier gewesen. Das Feuer war Teil ihrer Erinnerung. Sie hatte sich eingebildet, es würde für den Scheiterhaufen angezündet. Vor allem aber verwirrte sie eines: Pater Roche war am Absetzort gewesen. Er hatte sich über sie gebeugt, als sie an das Wagenrad gelehnt, vom ersten Fieberanfall geschüttelt worden war.

»Dies ist der Ort, wo Gawyn mich fand?«

»Ja.« Er runzelte die Stirn.

Agnes zog einen der angebrannten Zweige aus der kalten Asche und schwang ihn in der Luft. »Wenn der böse Mann kommt, werde ich ihn mit meinem Dolch abwehren.« Das geschwärzte Ende brach ab. Agnes kauerte nieder und zog einen anderen geschwärzten Stecken aus der Asche, schlug beide gegeneinander, daß Stücke davon in alle Richtungen flogen.

Kivrin überlegte. Sie hatte dort am Boden gesessen, an den Ast gelehnt, während sie das Feuer angezündet hatten. In seinem Licht hatte sie Gawyn gesehen, das Haar rot im Feuerschein, und er hatte etwas zu ihr gesagt, das ihr unverständlich geblieben war. Und dann hatte er das Feuer ausgelöscht, mit den Stiefeln Erde hineingestoßen, und der Rauch war ihr in die Augen gestiegen und hatte sie geblendet.

»Hast du dich erinnert, wie es war?« fragte Agnes. Des Spiels müde, warf sie die Hölzer wieder in die Asche.

Pater Roche beobachtete sie noch immer mit gerunzelter Stirn. »Seid Ihr krank, Fräulein Katherine?«

Sie versuchte zu lächeln. »Nein, es war nur… Ich hatte gehofft, daß ich mich erinnern könnte, wenn ich den Ort sähe, wo ich überfallen wurde.«

Er sah sie einen Moment lang ernst an, wie er es in der Kirche getan hatte, dann machte er kehrt und ging zu seinem Esel. »Kommt«, sagte er.

»Hast du dich erinnert?« fragte Agnes und schlug ihre pelzgefütterten Fäustlinge zusammen. Sie waren rußgeschwärzt.

»Agnes!« sagte Rosemund. »Siehst du nicht, wie du deine Handschuhe beschmutzt hast?« Sie zog ihre Schwester unsanft auf die Beine. »Und deinen Umhang hast du im Schnee naß und schmutzig gemacht, du ungezogenes Kind!«

Kivrin zog die beiden Mädchen auseinander. »Rosemund, binde Agnes’ Pony los«, sagte sie. »Es ist Zeit, daß wir gehen, den Efeu zu sammeln.« Sie klopfte den Schnee von Agnes’ Umhang und wischte erfolglos an den Pelzhandschuhen.

Pater Roche stand bei seinem Esel und wartete auf sie, noch immer mit dem ernsten, nüchternen Gesichtsausdruck.

»Wir werden deine Fäustlinge zu Haus saubermachen«, sagte sie hastig. »Komm, wir müssen mit Pater Roche gehen.«

Kivrin nahm ihr Pferd am Zügel und folgte den Mädchen und Pater Roche ein kurzes Stück zurück und dann in eine andere Richtung, die sie schon nach wenigen Metern auf einen Fahrweg brachte. Sie war nun gänzlich verwirrt. Von der Weggabelung war nichts zu sehen, und ob sie ein Stück weiter auf derselben oder auf einer ganz anderen Straße waren, war nicht festzustellen. Alles sah gleich aus — Unterholz und Eichen, kleine Lichtungen und Dickichte von Weiden und Erlen, wo Staunässe im Boden war.

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