Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Gesichtsmaske?« fragte Dunworthy.
»Das Gesundheitsamt hat sie heute früh verteilt«, sagte Finch. »Ich weiß nicht, wie wir dem Reinlichkeitsbedürfnis der Leute Rechnung tragen sollen. Es ist fast keine Seife mehr da.«
Es gab noch vier andere Merkblätter, alle ähnlich in Ton und Inhalt, und eine Notiz von William Gaddson über Badris Aktivitäten am Montag, den 20. Dezember zwischen zwölf und halb drei Uhr. Danach hatte Badri Weihnachtseinkäufe gemacht: vier Taschentücher in Blackwells Buchhandlung, einen roten Schal und ein Digital-Miniaturglockenspiel bei Debenham. Großartig. Das bedeutete, daß es Dutzende von weiteren Kontaktpersonen gab.
Colin kam herein. Er hatte vom Frühstück Semmeln in eine Papierserviette gewickelt und mitgebracht. Er trug noch immer seine Papierkrone, die vom Regen aufgeweicht war.
»Es würde allen Mut machen, Sir«, sagte Finch, »wenn Sie nach Ihrem Anruf in den Speisesaal hinüberkommen könnten. Insbesondere Mrs. Gaddson ist überzeugt, daß Sie am Virus erkrankt seien. Sie sagte, Sie hätten sich die Infektion durch die schlechte Belüftung der Schlafräume zugezogen.«
»Ich werde in Erscheinung treten«, versprach Dunworthy.
Finch ging zur Tür und kam noch einmal zurück. »Was Mrs. Gaddson betrifft, Sir. Sie benimmt sich schrecklich, kritisiert das College und verlangt, daß sie bei ihrem Sohn einquartiert werde. Sie unterminiert die Moral.«
»Übrigens«, sagte Colin und legte die Semmeln auf den Tisch, »sagte mir der Gallenstein, weiße Semmeln seien schlecht für mein Immunsystem.«
»Gibt es nicht irgendeine freiwillige Arbeit, die sie tun könnte, im Krankenhaus zum Beispiel?« fragte Finch. »Um sie vom College fernzuhalten?«
»Wir können sie schwerlich auf arme, hilflose Influenzaopfer loslassen. Es könnte sie umbringen. Haben Sie schon den Vikar gefragt? Er suchte Freiwillige für Botengänge.«
»Den Vikar?« sagte Colin. »Haben Sie ein Herz, Mr. Dunworthy. Ich arbeite für den Vikar.«
»Der Priester von der Heiligen Reformierten Kirche, dann«, sagte Dunworthy. »Ihm macht es Freude, zur Hebung der Moral die Messe in Zeiten der Pestilenz zu lesen. Die beiden sollten wunderbar miteinander auskommen.«
»Ich rufe ihn gleich an«, sagte Finch und ging.
Dunworthy aß sein Frühstück bis auf eine Semmel, die Colin sich aneignete, dann trug er das leere Tablett zum Speisesaal hinüber, nachdem er Colin angewiesen hatte, ihn augenblicklich zu holen, sollte der Techniker anrufen. Es regnete noch immer, die Bäume standen schwarz und tropfend, und die Lichter des Weihnachtsbaumes schimmerten trübe herüber.
Als er den Speisesaal betrat, waren alle noch an den Tisch, ausgenommen die Schellenläuter, die sich abseits versammelt hatten, die Handglocken auf einem Tisch vor sich. Sie hatten ihre weißen Handschuhe angezogen. Finch demonstrierte das vorschriftsmäßige Aufsetzen und Befestigen der Gesichtsmasken, indem er die Klebestreifen auf beiden Seiten abzog und an seine Wangen drückte.
»Sie sehen aber gar nicht gut aus, Mr. Dunworthy«, sagte Mrs. Gaddson. »Und kein Wunder. Die Verhältnisse in diesem College sind erschreckend. Ich wundere mich nur, daß es nicht schon früher eine Epidemie gegeben hat. Schlechte Entlüftung und äußerst abweisendes Personal. Ihr Mr. Finch war regelrecht grob zu mir, als ich ihn auf meinen Umzug in das Zimmer meines Sohnes ansprach. Er sagte mir, ich hätte beschlossen, während einer Quarantäne in Oxford zu sein, und müsse mit der Unterbringung vorliebnehmen, die mir geboten würde.«
Colin stürmte herein und kam schlitternd zum Stehen. »Jemand ist am Telefon für Sie«, sagte er.
Dunworthy wollte an ihr vorbei, aber sie vertrat ihm entschlossen den Weg. »Ich sagte Mr. Finch, daß er sich vielleicht damit zufriedengeben würde, zu Hause zu bleiben, wenn sein Sohn in Gefahr ist, ich aber jedenfalls nicht.«
»Ich fürchte, ich werde am Telefon verlangt.«
»Ich sagte ihm, keine wirkliche Mutter könne untätig bleiben, wenn ihr Kind allein und krank an einem entfernten Ort sei.«
»Mr. Dunworthy«, sagte Colin, »kommen Sie!«
»Natürlich haben Sie ganz offensichtlich keine Ahnung, wovon ich rede. Sehen Sie sich dieses Kind an!« Sie packte Colin beim Arm. »Läuft ohne Mantel im strömenden Regen herum!«
Dunworthy nutzte ihre veränderte Position, um an ihr vorbeizukommen.
»Offensichtlich kümmert es Sie nicht, ob Ihr Junge die indische Grippe bekommt«, sagte sie. Colin riß sich los. »Sie lassen zu, daß er sich mit Semmeln vollstopft und bis auf die Haut durchnäßt herumläuft.«
Dunworthy eilte über den Hof, auf den Fersen gefolgt von Colin.
»Es würde mich nicht wundern, wenn sich herausstellen sollte, daß dieses Virus hier im College seinen Ursprung hat«, rief Mrs. Gaddson ihnen nach. »Reine Nachlässigkeit, das ist es. Reine Nachlässigkeit!«
Dunworthy stürzte ins Zimmer und nahm den Hörer auf. Es gab kein Bild. »Andrews«, rief er, »sind Sie da? Ich kann Sie nicht sehen.«
»Das Telefonsystem ist überlastet«, sagte Montoya. »Sie haben die Bildübertragung eingestellt. Ich bin es, Lupe Montoya. Angelt Mr. Basingame auf Lachs oder Forelle?«
»Was?« Dunworthy starrte stirnrunzelnd in den leeren Bildschirm.
»Ich habe den ganzen Morgen in Schottland herumtelefoniert, wenn ich durchkommen konnte. Alle sagen, wohin er gegangen ist, hänge davon ab, ob er auf Lachs oder Forelle angelt. Wie ist es mit seinen Freunden? Gibt es jemanden in der Universität, mit dem er angeln geht und der Bescheid wissen könnte?«
»Keine Ahnung«, sagte Dunworthy. »Mrs. Montoya, ich fürchte, ich warte auf einen äußerst wichtigen…«
»Ich habe es überall versucht — Hotels, Gasthäuser, Bootsvermieter, sogar seinen Friseur. Ich erwischte seine Frau unten in Torquay, aber sie sagte, er habe ihr nicht gesagt, wo er sich aufhalten würde. Ich hoffe, das bedeutet nicht, daß er irgendwo mit einer Frau unterwegs und in Wirklichkeit überhaupt nicht in Schottland ist.«
»Ich kann mir kaum vorstellen, daß Mr. Basingame…«
»Ja, gut, aber warum weiß dann niemand, wo er ist? Und warum hat er nicht angerufen, nachdem er inzwischen erfahren haben muß, daß wir Quarantäne haben. Fernsehnachrichten und Zeitungen sind voll davon.«
»Mrs. Montoya, ich…«
»Ich sehe schon, ich werde es weiter versuchen müssen. Sie hören von mir, wenn ich ihn finde.«
Sie legte endlich auf, und Dunworthy tat desgleichen und starrte das Telefon an, überzeugt, daß Andrews angerufen hatte, während Montoya seine Leitung blockiert hatte.
»Sagten Sie nicht, daß es im Mittelalter eine Menge Epidemien gab?« fragte Colin. Er hatte sich mit dem Buch zum Fensterplatz zurückgezogen und aß die mitgebrachten Semmeln.
»Ja.«
»Ich kann sie in diesem Buch nicht finden. Wie buchstabiert man es?«
»Versuch es unter Schwarzer Tod«, sagte Dunworthy.
Er wartete eine unruhige Viertelstunde und versuchte dann noch einmal, Andrews anzurufen. Alle Leitungen waren noch blockiert.
»Wußten Sie, daß der Schwarze Tod in Oxford war?« sagte Colin. Er hatte die Semmeln verdrückt und fing mit den Seifentabletten an. »Zu Weihnachten. Genau wie jetzt.«
»Influenza ist mit der Pest nicht zu vergleichen«, sagte er, ohne das Telefon aus den Augen zu lassen, als könnte er es durch eine Willensanstrengung zum Läuten bringen. »Der Schwarze Tod brachte ein Drittel bis die Hälfte der europäischen Bevölkerung um.«
»Ich weiß«, sagte Colin, »und die Pest war viel interessanter. Sie wurde von Ratten verbreitet, und man kriegte diese riesigen Beulen in den Achselhöhlen und den Leisten, die dann schwarz wurden und anschwollen, und dann starb man daran! Die Grippe hat nichts dergleichen.« Es klang enttäuscht.
»Nein.«