Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Siehst du?« sagte Kivrin. »In der Kirche war es auch dunkel.«
»Ist Pater Roche herausgesprungen und hat ›Pfui‹ gesagt?«
Ja, dachte Kivrin. Er beugte sich über mich, und ich dachte, er sei ein Halsabschneider. »Nein«, sagte sie. »Er hat nichts getan.«
»Gehen wir immer noch mit Pater Roche den Efeu holen?«
Wenn ich ihn nicht verscheucht habe, dachte Kivrin. Wenn er nicht gegangen ist, während wir hier standen und redeten.
Sie hob Agnes vom Pferd. »Komm mit. Wir müssen ihn suchen.«
Sie wußte nicht, was sie tun würde, wenn er wirklich fortgegangen wäre. Sie konnte nicht mit Agnes zum Herrenhaus zurückkehren und Imeyne erzählen, wie sie geschrien hatte. Und sie konnte nicht zurückgehen, ohne Pater Roche den Sachverhalt zu erklären. Welchen Sachverhalt? Daß sie ihn für einen Räuber, einen Wüstling gehalten hatte? Daß sie gedacht hatte, er sei ein Alptraum aus ihrem Delirium?
»Müssen wir wieder in die Kirche gehen?« fragte Agnes widerwillig.
»Es ist alles in Ordnung. Es ist außer Pater Roche niemand dort.«
Trotz ihrer Zusicherungen war Agnes abgeneigt, in die Kirche zurückzugehen. Sie verbarg ihren Kopf in Kivrins Röcken, als diese die Tür öffnete, und klammerte sich an ihr Bein.
»Es ist schon gut«, sagte Kivrin. Sie spähte ins Kirchenschiff. Er war nicht mehr beim Sarkophag. Die Tür fiel schleifend hinter ihr zu, und sie stand da und wartete, daß ihre Augen sich an das schlechte Licht gewöhnten. Agnes drängte sich an sie. »Es ist nichts zu fürchten.«
Er ist kein Halsabschneider, sagte sie sich. Es gibt keinen Grund zur Ängstlichkeit. Er gab dir die letzte Ölung. Er hielt dir die Hand. Aber das Herz schlug ihr im Halse.
»Ist der böse Mann da?« flüsterte Agnes aus ihren Rockfalten.
»Es gibt keinen bösen Mann«, sagte sie, und dann sah sie Pater Roche. Er stand vor der Statue der heiligen Katharina und hielt die Kerze, die Kivrin fallen gelassen hatte, in den Händen. Während sie hinsah, bückte er sich und stellte sie wieder vor die Statue, dann richtete er sich auf.
Sie hatte gedacht, daß Kerzenschein und Dunkelheit und das Spiel der Schatten in dem von unten beleuchteten Gesicht ihr womöglich einen Streich gespielt hätten, und daß er doch nicht der Halsabschneider war, aber er war derselbe Mann. Im Wald hatte er eine Kapuze über den Kopf gezogen, so daß sie seine Tonsur nicht hatte sehen können, aber jetzt stand er gebeugt vor der Statue, wie er über sie gebeugt gewesen war. Ihr Herzklopfen verstärkte sich wieder.
»Wo ist Pater Roche?« Agnes hob den Kopf aus ihren Rockfalten. »Da ist er!« rief sie und lief auf ihn zu.
»Nein…«, sagte Kivrin und ging ihr nach. »Nicht…«
»Pater Roche!« schrie Agnes. »Pater Roche! Wir haben dich gesucht!« Anscheinend hatte sie den bösen Mann vergessen. »Wir suchten in der Kirche und riefen vor dem Haus, aber du warst nicht da!« Sie rannte in vollem Lauf auf ihn zu. Er wandte sich um und bückte sich, fing Agnes auf und hob sie in einer geschmeidigen Bewegung auf seine Arme.
»Ich suchte dich im Glockenturm, aber du warst nicht da«, sagte Agnes ohne die leiseste Spur von Furcht. »Rosemund sagte, du seist fortgegangen.«
Kivrin blieb bei der letzten Säule stehen und versuchte zur Ruhe zurückzufinden.
»Hattest du dich versteckt?« fragte Agnes. Sie legte ihm einen Arm vertrauend um den Hals. »Einmal versteckte sich Rosemund in der Scheune und sprang auf mich herunter. Ich schrie, so laut ich konnte.«
»Warum bist du gekommen, Agnes?« fragte er. »Ist jemand krank?«
Er hatte ungefähr den gleichen Akzent wie die Leute aus dem Dorf, und der Dolmetscher übersetzte mit kurzer Verzögerung, was er gesagt hatte. Kivrin war ein wenig überrascht, daß sie ihn nicht sofort verstand. Im Krankenzimmer hatte sie trotz ihres Zustandes keine Schwierigkeiten gehabt.
Er mußte Latein gesprochen haben, dachte sie, denn seine Stimme war unverkennbar dieselbe. Es war die Stimme, die für sie die Sterbegebete gesprochen und ihr gesagt hatte, sie solle sich nicht fürchten. Und sie fürchtete sich nicht. Beim Klang seiner Stimme hörte ihr Herzklopfen plötzlich auf.
»Nein, niemand ist krank«, sagte Agnes. »Wir wollen mit dir gehen und Efeu und Stechpalmen sammeln. Lady Kivrin und Rosemund und Sarazene und ich.«
Bei dem Wort »Kivrin« wandte Roche sich um und sah sie bei der Säule stehen. Er setzte Agnes ab.
Kivrin legte eine Hand an die Säule, um sich zu stützen. »Ich bitte um Vergebung, ehrwürdiger Vater«, sagte sie. »Es tut mir aufrichtig leid, daß ich schrie und vor Euch davonlief. Es war dunkel, und ich erkannte Euch nicht…«
»Sie weiß nichts«, unterbrach Agnes. »Der böse Mann schlug sie auf den Kopf, und sie erinnert sich an nichts als ihren Namen.«
»Ich hatte das gehört«, sagte er, den Blick noch immer auf Kivrin. »Ist es wahr, daß Ihr keine Erinnerung habt, warum Ihr hierher unter uns gekommen seid?«
Sie verspürte das gleiche Verlangen, ihm die Wahrheit zu sagen, das sie gefühlt hatte, als er sie nach ihrem Namen gefragt hatte. Ich bin eine Historikerin, wollte sie sagen, ich bin hergekommen, die Menschen hier zu beobachten, aber ich wurde krank und weiß nicht, wo der Absetzort ist.
»Sie erinnerte sich nicht mal, wer sie ist«, sagte Agnes. »Sie konnte nicht mal sprechen. Ich mußte es ihr beibringen.«
»Ihr erinnert Euch nicht, wer Ihr seid?« fragte er.
Sie verneinte.
»Und nicht an Eure Ankunft hier?«
Wenigstens das konnte sie wahrheitsgemäß beantworten. »Nein«, sagte sie. »Nur, daß Ihr und Gawyn mich zum Gutshof brachtet.«
Das Gespräch begann Agnes zu langweilen. »Können wir jetzt mit dir gehen und Efeu und Stechpalmen sammeln?«
Er schien sie nicht zu hören, streckte die Hand aus, als wolle er Kivrin segnen, berührte statt dessen aber ihre Schläfe, und sie erkannte, daß er dies auch vorher hatte tun wollen, neben dem Sarkophag. »Ihr habt keine Wunde«, sagte er.
»Sie ist verheilt«, sagte sie.
»Wir wollen jetzt gehen«, sagte Agnes und zog an seinem Arm.
Er hob die Hand, als wollte er wieder ihre Schläfe berühren, dann zog er sie zurück. »Ihr habt nichts zu fürchten«, sagte er. »Gott hat Euch zu einem guten Zweck zu uns gesandt.«
Nein, hat er nicht, dachte Kivrin. Er hat mich überhaupt nicht hierher gesandt. Das war der Fachbereich Mediävistik. Aber sie fühlte sich getröstet.
»Danke«, sagte sie.
»Ich will gehen!« sagte Agnes und zog an Kivrins Arm. »Geh und hol deinen Esel«, sagte sie Pater Roche, »dann holen wir Rosemund.«
Sie ging durch das Kirchenschiff zum Ausgang, und Kivrin blieb nichts übrig als mit ihr zu gehen, um sie nicht allein davonlaufen zu lassen. Kurz bevor sie den Ausgang erreichten, schlug die Tür zurück, und Rosemund blickte angestrengt blinzelnd herein.
»Es regnet. Habt ihr Pater Roche gefunden?«
»Hast du Blackie in den Stall gebracht?« fragte Agnes zurück.
»Ja. Ihr wart zu spät, und Pater Roche ist fort?«
»Nein. Er ist hier, und wir gehen mit ihm. Er war in der Kirche, und Kivrin…«
»Er ist gegangen, seinen Esel zu holen«, sagte Kivrin, um Agnes keine Gelegenheit zu geben, den ganzen Hergang zu schildern.
»Ich hatte solche Angst damals, als du vom Heuboden sprangst, Rosemund«, sagte Agnes, aber ihre Schwester hatte schon kehrtgemacht und ging zu ihrem Pferd.
Es regnete nicht, aber in der Luft lag ein feiner Dunst. Kivrin half Agnes in den Sattel und bestieg den Fuchs mit Hilfe der Friedhofspforte. Pater Roche führte den Esel heraus zu ihnen, und sie ritten auf dem Fahrweg an der Kirche vorbei und aufwärts durch die kleine Baumreihe dahinter, am Rand einer schneebedeckten Wiese entlang und weiter in den Wald.