Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
Colin gab Dunworthy einen Knallbonbon und bestand darauf, daß er daran ziehe, die Krone aus gelbem Seidenpapier aufsetze und sein Motto laut vorlese. Es hieß: »Wann ist die Wahrscheinlichkeit am größten, daß St. Nikolaus hereinkommt? Wenn die Tür offen ist.«
Colin trug bereits eine rote Papierkrone. Er saß am Boden und öffnete seine Geschenke. Die Seifentabletten waren ein großer Erfolg. »Sehen Sie«, sagte Colin und streckte die Zunge aus, »sie bekommen verschiedene Farben.« Sie färbten auch seine Zähne und die Ränder seiner Lippen.
Er schien sich über das Buch zu freuen, obwohl offensichtlich war, daß ihm Holos statt der Abbildungen lieber gewesen wären. Er blätterte darin herum und betrachtete die Illustrationen.
»Sehen Sie sich das an«, sagte er und hielt den Band Dunworthy hin, der noch bemüht war, sich aus dem Schlaf zu lösen.
Es war der Sarkophag eines Ritters, auf der Deckplatte die übliche gemeißelte Reliefdarstellung des Verblichenen in voller Rüstung, Gesicht und Haltung das Bild ewiger Ruhe, aber auf der Seite des Sarkophags hatte der Steinmetz die Illusion einer Art Fensteröffnung geschaffen, in welcher der Leichnam des toten Ritters zu sehen war, wie er den Sargdeckel hochstieß und herauszusteigen versuchte, das verwesende Fleisch in Fetzen von den Knochen hängend, die skelettierten Hände zu Krallen gekrümmt, das Gesicht ein Totenschädel mit leeren Augenhöhlen, Maden krochen um seine Beine, über sein Schwert und die halb bloßgelegten Rippe. »Oxfordshire, ca. 1350«, lautete die Bildunterschrift. »Ein Beispiel für die makabre Ausschmückung der Grabmäler, wie sie nach der Pestepidemie gebräuchlich wurde.«
»Apokalyptisch, was?« sagte Colin begeistert.
Noch höflicher war er, als er den Schal ausgepackt hatte. »Die gute Absicht ist es, die zählt, nicht wahr?« sagte er und hielt den Schal an einem Ende in die Höhe, um nach einer Minute hinzuzufügen: »Vielleicht kann ich ihn bei Krankenbesuchen tragen. Denen macht es nichts aus, wie er aussieht.«
»Welche Kranken willst du besuchen?« fragte Dunworthy.
Colin stand vom Boden auf, ging zu seiner Tasche und begann darin zu wühlen. »Der Vikar fragte mich gestern abend, ob ich Botengänge für ihn übernehmen könnte, Leute besuchen und ihnen Medizin und anderes bringen.«
Er fischte einen Papierbeutel aus der Tasche. »Das ist Ihr Geschenk«, sagte er und gab ihn Dunworthy. »Es ist nicht eingewickelt«, ergänzte er überflüssigerweise. »Mr. Finch sagte, wir sollten wegen der Epidemie Papier sparen.«
Dunworthy griff in den Papierbeutel und zog ein dünnes rötliches Buch heraus.
»Es ist ein Terminkalender«, sagte Colin. »Da können Sie die Tage abhaken, bis Ihr Mädchen zurückkommt.« Er schlug die erste Seite auf. »Sehen Sie, ich suchte einen aus, der noch den Dezember hat.«
»Danke, mein Junge«, sagte Dunworthy und schlug ihn auf. Weihnachten. Das Fest der Unschuldigen Kinder. Neujahr. Dreikönig. »Das war sehr aufmerksam von dir.«
»Eigentlich wollte ich Ihnen ein Modell vom Carfax-Turm kaufen, das die Melodie ›Ich hörte die Glocken am Weihnachtstag‹ spielt«, sagte Colin, »aber es kostete zwanzig Pfund!«
Das Telefon läutete, und Colin und Dunworthy stürzten sich beide darauf. »Ich wette, es ist meine Mutter«, sagte Colin.
Es war Mary, die aus der Klinik anrief. »Wie fühlen Sie sich?«
»Verschlafen«, sagte Dunworthy.
Colin grinste ihn an.
»Wie geht es Latimer?« fragte Dunworthy.
»Gut«, sagte Mary. Sie trug noch ihren weißen Kittel, hatte aber ihr Haar gekämmt und sah munter aus. »Er scheint mit einer sehr leichten Form davonzukommen. Wir haben eine Verbindung mit dem Virus aus South Carolina festgestellt.«
»Latimer war in South Carolina?«
»Nein. Einer der Studenten, die Sie gestern abend befragten… großer Gott, ich meine, vorgestern abend. Ich verliere jedes Zeitgefühl. Einer von denen, die in Headington bei der Tanzveranstaltung waren. Er log zuerst, weil er aus seinem College verduftet war, um sich mit einem Mädchen zu treffen, und sich von einem Freund hatte in die Anwesenheitsliste eintragen lassen.«
»Nach South Carolina verduftet?«
»Nein, London. Aber das Mädchen war aus den Staaten. Sie war aus Texas gekommen und in Charleston, South Carolina, in die Maschine nach London umgestiegen. Nun wird versucht, festzustellen, welche Fälle am Flughafen waren. Lassen Sie mich mit Colin sprechen. Ich möchte ihm frohe Weihnachten wünschen.«
Dunworthy gab ihm den Hörer, und der Junge zählte prompt seine Geschenke auf, bis hin zu dem Motto in seinem Knallbonbon. »Mr. Dunworthy schenkte mir ein Buch über das Mittelalter.« Er hielt es hoch, daß sie es sehen konnte »Wußtest du, daß Diebe hingerichtet und ihre Köpfe auf der London Bridge auf Pfähle gespießt wurden?«
»Bedanke dich für den Schal und erzähl ihr nicht, daß du Botengänge für den Vikar machst«, raunte Dunworthy ihm zu, aber Colin hielt ihm schon den Hörer hin. »Sie will wieder mit Ihnen sprechen.«
»Es ist klar, daß Sie sich gut um ihn gekümmert haben«, sagte Mary. »Ich bin sehr dankbar. Wissen Sie, ich bin bis jetzt noch nicht zu Haus gewesen, und es wäre mir schrecklich, ihn über Weihnachten allein zu wissen. Ich nehme an, die versprochenen Geschenke von seiner Mutter sind nicht eingetroffen?«
»Nein«, sagte Dunworthy mit einem Blick zu Colin, der die Bilder im Buch über das Mittelalter betrachtete.
»Und auch nicht telefoniert«, sagte sie mißbilligend. »Die Frau hat keine Spur von Muttergefühl. Schließlich könnte Colin mit vierzig Fieber im Krankenhaus liegen, nicht?«
»Wie geht es Badri?« fragte Dunworthy.
»Das Fieber war heute früh ein wenig gesunken, aber er kämpft noch immer mit den Lungenkomplikationen. Wir geben ihm jetzt Synthamycin. Die South Carolina-Fälle haben sehr gut darauf angesprochen.« Sie versprach, alles zu tun, um zum Weihnachtsessen zu kommen, und legte auf.
Colin blickte von seinem Buch auf. »Wußten Sie, daß sie im Mittelalter Leute auf dem Scheiterhaufen verbrannten?«
Mary kam weder, noch telefonierte sie, und Andrews auch nicht. Dunworthy schickte Colin in den Speisesaal zum Frühstücken und versuchte den Techniker zu erreichen, aber alle Leitungen waren belegt, »wegen des Ferienansturms«, wie die Computerstimme sagte, die seit dem Beginn der Quarantäne offensichtlich noch nicht umprogrammiert worden war. Sie riet ihm, alle unwichtigen Anrufe bis zum nächsten Tag aufzuschieben. Er versuchte es noch zweimal, mit dem gleichen Ergebnis.
Finch kam mit einem Tablett herüber. »Alles in Ordnung, Sir?« fragte er in besorgtem Ton. »Sie fühlen sich nicht krank?«
»Ich fühle mich nicht krank. Ich warte, daß ein Ferngespräch durchkommt.«
»Gott sei Dank, Sir. Als Sie nicht zum Frühstück herüberkamen, fürchtete ich das Schlimmste.« Er nahm die mit Regentropfen beperlte Schutzhaube vom Tablett. »Ich fürchte, es ist ein etwas ärmliches Weihnachtsfrühstück, aber wir haben fast keine Eier mehr. Ich weiß nicht, wie es mit dem Abendessen aussehen wird. Im ganzen Quarantänegebiet ist keine einzige Gans mehr aufzutreiben.«
Es schien tatsächlich ein recht ansehnliches Frühstück zu sein, bestehend aus einem gekochten Ei, Bückling und Semmeln mit Butter und Marmelade.
»Ich versuchte einen Weihnachtspudding für Sie zu bekommen, Sir, aber mit dem Brandy sind wir auch am Ende«, sagte Finch. Er zog einen Plastikumschlag unter dem Tablett hervor und gab ihn Dunworthy.
Der öffnete ihn. Zuoberst war ein Informationsblatt des Gesundheitsamtes mit der Überschrift: »Frühe Influenza-Symptome. 1. Desorientierung. 2. Kopfschmerzen. 3. Muskelschmerzen. Meiden Sie Infektionsgefahr. Tragen Sie zu allen Zeiten Ihre vorschriftsmäßige Gesichtsmaske.«