Der heisse Himmel um Mitternacht
- Автор: Силверберг Роберт
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11452-7
- Переводчик: Roland Fleissner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Der heisse Himmel um Mitternacht». Краткое содержание книги:
»Damit hatte ich nicht gerechnet, dass …«
»Nein. Vermutlich nicht. Es tut mir leid, Carpenter.«
Betäubt, mit schwerem stockenden Atem stierte Carpenter den Visor an, noch lange, nachdem der erloschen war. In seinem Kopf wirbelte es. Nie zuvor hatte er sich dermaßen öde und verloren gefühlt. Auf einmal klaffte da mitten in seinem Planeten ein Loch, und er stürzte da hinein – und er fiel und fiel …
Nach und nach beruhigte er sich ein wenig.
Er saß eine Weile still da, atmete tief durch, versuchte an gar nichts zu denken. Dann begann er automatisch, einen Ruf an Nick Rhodes zu platzieren.
Aber nein.
Nein, nicht jetzt. Nick würde verständnisvoll sein, gewiss, aber er hatte doch bereits ziemlich deutlich gesagt, dass Carpenter sich das Ganze selber zuzuschreiben hätte. Und das wollte er gerade jetzt nicht noch einmal hören.
Mit einem Freund reden. Einem Freund, der nicht Nick Rhodes heißt.
Er dachte an Jolanda. Die nette, dicke, unkritische Schwabbel-Jolanda. Ruf sie an und geh mit ihr zum Essen aus, und danach gehst du mit zu ihr in ihr Haus, irgendwo in Berkeley, bleibst über die Nacht und fickst sie, bis ihr Hören und Sehen vergeht. Das kam ihm enorm gut vor, bis ihm einfiel, dass Jolanda ja droben in den L-5-Satelliten mit diesem israelischen Enron war.
Dann eben jemand anderes.
Es muss ja nicht unbedingt hier in der Bay sein. Jemand weit weg. Ja, dachte er, Geh! Hau ab! Weit weg von hier! Lauf! Mach 'nen kleinen Ausflug!
Ein Besuch bei Jeanne zum Beispiel. Ja, die liebe Jeanne Gabel drüben in Paris. Die war immer ein guter Kamerad gewesen, hatte immer ein sympathisches Ohr und eine freundliche Schulter für ihn gehabt.
Und sie hatte ihm ja überhaupt diese Stellung als Seekapitän verschafft. Sie würde ihn nicht zu hart hernehmen wegen des Mists, den er da gebaut hatte. Und weshalb sollte er in den dreißig Tagen, während derer er noch Anspruch auf die Privilegien eines Elfers hatte, die Firma nicht für ein Flugticket nach Paris und für ein paar anständige Dinners in den Restaurants an der Seine bluten lassen?
Er wählte die Sammelnummer von Samurai und verlangte eine Firmenverbindung mit Paris. Rasch rechnete er aus, wie spät es in Paris sein musste: bereits nach Mitternacht, aber das machte nichts. Es ging ihm schlecht, Jeanne würde das verstehen.
Das Dumme war nur, dass Jeanne nicht mehr für die Pariser Filiale arbeitete. In guter alter Samurai-Manier war sie nach Chicago versetzt worden, erklärte man ihm.
Er verlangte die Umlegung dorthin. Es dauerte nur einen Augenblick, sie zu finden.
»Gabel«, sagte eine Stimme am anderen Ende, und dann war sie auf dem Visor: ihr fröhliches, gutes, warmes, breites Gesicht, das massige Kinn, die dunklen ehrlichen Augen. »Ja, Mann! Wie geht's dem Seemann im Hafen?«
»Jeannie, ich steck in der Scheiße! Kann ich zu dir kommen und mit dir reden?«
»Was ist …? Wie denn …?« Sie streifte rasch ihre Überraschung ab. »Natürlich, Paul.«
»Ich schwing mich in die nächste Maschine nach Chicago, okay?«
»Sicher, klar, komm, so schnell du kannst. Was für dich am besten ist.«
Aber seine Firmenkreditkarte schien Flugtickets nicht mehr zu decken. Nach mehrfachem Versuch gab er auf und versuchte es mit einem Leihwagen. Das hatten sie offenbar noch nicht storniert, denn beim ersten Versuch erhielt er die Reservation. Die Fahrt nach Chicago würde bestimmt kein Vergnügen werden, aber wenn er draufdrückte, würde er es vielleicht in zwei, höchstens drei Tagen schaffen. Er rief Jeanne zurück und sagte, sie solle ihn Mitte der Woche erwarten. Sie blies ihm einen Kuss zu.
Der Wagen stellte sich vierzig Minuten später vor dem Dunsmuir ein. Carpenter wartete draußen mit seinem Koffer. »Wir fahren nach Osten«, befahl er dem Wagen. »Richtung Walnut Creek und dann weiter.« Er schaltete auf Vollautomatik, und als sie auf die Berge zufuhren, lehnte er sich zurück und schloss die Augen. Es gab sowieso nichts zu sehen, außer dem schwarzen, unerbittlichen Regen.
Kapitel 21
Als Farkas nach dem Dinner mit Meshoram Enron und Jolanda Bermudez allein in seinem Hotelzimmer war, wanderte er eine Viertelstunde lang von Ecke zu Ecke und arrangierte im Geist die Puzzlestücke, warf sie wieder auseinander und arrangierte sie immer wieder neu. Dann platzierte er mit Scrambler eine Verbindung zu Emilio Olmo.
»Ich hab ein bisschen rumgeschnüffelt«, berichtete er dem Offizier der Guardia Civil. »Ich schnappe hier und da ein leises Düftchen von einer Konspiration auf.«
»Wirklich? Ich auch.«
»Oh?«
»Sag du zuerst. Was weißt du, Victor?«
»Über diese südkalifornische Gruppe, über die du Gerede gehört hast? Es gibt sie wirklich. Oder, lass es mich genauer sagen, zumindest habe ich aus einer völlig neuen Richtung über sie gehört.«
»Zuverlässige Quelle?«
»Einigermaßen. Der Freund eines Freundes. Jemand, der sehr gute Verbindungen im Informationstransfer hat.«
»Ah«, sagte Olmo. »Also zieht die Geschichte weiter. Höchst interessant. Was kannst du mir sonst noch sagen, Victor?«
»Sonst eigentlich nichts.« Farkas sah noch keine Notwendigkeit, Olmo Einzelheiten über die Beteiligung Israels an dem Komplott gegen den Generalissimo mitzuteilen. Es wäre auch verfrüht gewesen. Ihm war klar, dass Enron einen ganz bestimmten Vorschlag zu unterbreiten hatte, und das wollte er zuerst hören, ehe er Olmo ins Bild setzte. Wenn er dies überhaupt tat. Da war immer noch die Option, den Mann von der Guardia Civil völlig draußen zu lassen, wenn sich der israelische Aspekt als vielversprechend herausstellen sollte. Es konnten sich für ihn bessere Aufstiegschancen ergeben, wenn er den Staatsstreich ungehindert erfolgen ließ, als wenn er Olmo half, ihn zu ersticken. Vielleicht ließ sich ja Olmo in ganz anderer Weise benutzen denn als Polizeichef des Generalissimo Callaghan. Der Plan von Kyocera, ihn zu Don Eduardos Nachfolger zu machen, wenn er endlich starb, würde Olmo bewegen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber Farkas war nicht sicher, welche Partei er sausen lassen wollte, und darum war es zum jetzigen Zeitpunkt angebracht, Olmo gegenüber nur vage Äußerungen zu machen. »Wie ich sagte, es war Infomaterial von einer Drittperson. Ich dachte mir aber, es würde dich interessieren, dass über das Projekt an verschiedenen Orten geredet wird.«
»Stimmt. Aber tatsächlich bin ich dir da einen Sprung voraus. Diese Kalifornier und ihre Pläne sind nicht nur Realität, sondern einige von ihnen statteten sogar vor kurzem hier einen Besuch ab, um die Lage zu sondieren.«
»Das weißt du mit Sicherheit?«
»Info aus dritter Hand, genau wie bei dir«, sagte Olmo. »Ich habe sie selbst nicht gesehen. Aber wir wissen, dass sie hier waren. Wir versuchen, ihnen auf die Spur zu kommen, aber da gibt es einige Schwierigkeiten. Möglich, dass sie bereits wieder auf die Erde zurückgeflogen sind. In dem Fall werden wir für sie bereit sein, wenn sie zurückkommen.«
»Ja, also«, sagte Farkas. »Du bist mir voraus, stimmt. Tut mir leid, dass ich deine Zeit in Anspruch genommen habe, Emilio.«
»Es ist mir stets eine Freude, wenn ich etwas von dir höre, Victor.«
»Ich rufe dich wieder an, wenn ich etwas Genaueres herausbekomme.«
»Ja, mach das, bitte.«