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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Was ich finde oder was ich weiß, ist hier ohne Belang. Ich möchte hören, was Sie denken, was Sie über Cain wissen.«

«Jetzt werden Sie unhöflich.«

«Nein, ungeduldig. Sie sagen, wir hätten den falschen Mann gewählt; wenn das so ist, hatten wir die falsche Information. Wollen Sie mit dem Hinweis auf Medusa ausdrücken, daß Cain Franzose ist?«

«Ganz und gar nicht. Ich habe das nur erwähnt, um anzudeuten, wie viele Leute von uns in Indochina gekämpft haben.«

«Wenn Cain nicht Franzose ist, was ist er dann?«

«Ohne Zweifel Amerikaner.«

O Gott!» Warum?«

«Alle seine Aktionen tragen den Stempel amerikanischer Vordergründigkeit. Er agiert ohne jedes Raffinement, gibt Operationen als die seinen aus, wenn er überhaupt nichts mit ihnen zu tun hatte. Er hat die Methoden und Verbindungen von Carlos wie kein anderer studiert. Man sagt uns, er würde sie potentiellen Kunden lückenlos vortragen und dabei häufig den Platz von Carlos einnehmen und Leichtgläubige davon überzeugen, daß er, nicht Carlos, es war, der die Aufträge ausgeführt hat. «Die Lavier hielt inne.»Er hat es mit Ihnen und Ihren Leuten genauso gemacht, nicht wahr?«

«Vielleicht. «Jason umklammerte wieder sein linkes Handgelenk und erinnerte sich an das, was er bereits vorher erfahren hatte.

Stuttgart. Regensburg. München. Zwei Morde und eine Entführung. Verbindung mit Baader. Honorare von amerikanischen Quellen…

Teheran? Acht Morde. Unterschiedliche Verbindungen: Khomeini und PLO. Honorar: zwei Millionen Dollar.

Paris?… Alle Kontrakte werden durch Paris bearbeitet.

Wessen Kontrakte?

SanchezCarlos.

«Er hat dieselbe Taktik bei Ihnen benutzt. So holt er sich seine Aufträge.«

«Aufträge?«Borowski spürte den bohrenden Schmerz in seiner Brust.»Er bekommt also Aufträge«, sagte er ziellos.

«Und führt sie mit beachtlichem Geschick aus; das leugnet niemand. Seine Mordliste ist eindrucksvoll. Er steht zwar nicht auf gleicher Stufe wie Carlos, trotzdem ist er ein Mann mit außergewöhnlichen Gaben und höchst erfindungsreich: eine tödliche Waffe von höchster Präzision. Aber seine Arroganz, seine Lügen auf Kosten von Carlos werden sein Untergang sein.«

«Und das macht ihn zum Amerikaner? Oder ist das nur Ihr Vorurteil? Ich habe das Gefühl, daß Sie amerikanische Dollars mögen, aber weiter geht Ihre Zuneigung zu Amerika nicht.«Ungemein geschickt; höchst erfinderisch; eine tödliche Waffe von größter Präzision… Port Noir. La Ciotat, Marseille, Zürich, Paris.

«Sie irren sich, Monsieur. Seine Nationalität steht zweifelsfrei fest.«

«Wieso?«

Die Frau berührte den Stiel ihres Weinglases, und ihr

Zeigefinger mit der roten Spitze krümmte sich um das Glas.»Ein unzufriedener Mann in Washington ist gekauft worden.«

«Washington?«

«Die Amerikaner suchen Cain auch — mit einer Intensität, die auch nicht geringer ist als die von Carlos, nehme ich an. Medusa ist der Öffentlichkeit nie zur Kenntnis gebracht worden, und wenn über Cain etwas an die Öffentlichkeit gelangte, könnte das höchst peinlich werden. Dieser unzufriedene Mann war in der Lage, uns viele Informationen zu liefern, darunter auch die Medusa-Akten. Es war ganz einfach, die Namen mit denen in Zürich zu vergleichen — einfach für Carlos, sonst für niemanden.«

Zu einfach, dachte Jason, ohne zu wissen, weshalb ihm der Gedanke gekommen war.»Ich verstehe«, sagte er.

«Und Sie? Wie haben Sie Borowski gefunden?«

Durch die Nebel der Angst erinnerte sich Jason an etwas anderes, was er gehört hatte. Marie hatte es gesagt.»Viel einfacher«, sagte er.»Wir haben das Honorar nur zum Teil auf ein Konto überwiesen und den Restbetrag blind auf ein anderes. Auf diese Weise konnten wir den Kontoinhaber ermitteln.«

«Und Cain?«

«Er wußte nichts davon. Wir haben ein paar Leute in der Bank bezahlt… wie Sie für verschiedene Telefonnummern auf einem fiche bezahlt haben.«

«Ich muß Sie loben.«

«Erzählen Sie mir lieber, was Sie über Cain wissen.«

Du mußt vorsichtig sein und darauf achten, daß deine Stimme nicht nervös klingt. Du bist nur damit beschäftigt, Daten auszuwerten. Marie, das hast du gesagt. Liebe, liebe Marie! Gott sei Dank, daß du nicht hier bist.

«Unsere Informationen über ihn sind lückenhaft. Er hat es fertiggebracht, den größten Teil der wichtigen Akten zu entfernen, etwas, das er ohne Zweifel von Carlos gelernt hat. Aber nicht alle; wir haben uns aus dem Rest ein skizzenhaftes Bild zusammenfügen können. Ehe Medusa ihn rekrutiert hat, war er vermutlich ein französisch sprechender Geschäftsmann, der in Singapur lebte und eine Gruppe amerikanischer Importeure vertrat, bis die ihn beschuldigten, sich um Hunderttausende von Dollars bereichert zu haben. Nun versuchten sie, ihn in die Staaten ausliefern zu lassen, um ihn vor Gericht stellen zu können. In Singapur galt er als

Einzelgänger, der im blühenden Schleichhandel aktiv war und vor brutalen Methoden nicht zurückschreckte.«

«Und vorher?«unterbrach Jason sie und spürte wieder, wie ihm Schweißtropfen auf die Stirne traten.»Vor Singapur. Woher kam er?«Vorsichtig! Die Bilder! Er konnte die Straßen von Singapur sehen: die Prince Edward Road, Kim Chuan, Boon Tat Street, Maxwell, Cuscaden.

«Das muß in den Akten stehen, die niemand finden konnte. Es gibt nur Gerüchte, und die sind bedeutungslos. So hieß es zum Beispiel, er sei ein ausgestoßener Jesuit, der verrückt geworden sei. Eine andere Spekulation besagt, er sei ein junger, aggressiver Anlagenberater gewesen, den man überführt hat, Kundengelder veruntreut zu haben. Vor Singapur gibt es keine konkrete Spur, nichts, das man überprüfen kann.«

Sie haben unrecht, da war eine ganze Menge. Aber nichts, das damit zu tun hat… Da ist eine Leere, und sie muß ausgefüllt werden, und Sie können mir nicht helfen. Vielleicht kann das niemand; vielleicht sollte das niemand!

«Bis jetzt haben Sie mir noch nichts gesagt, was sensationell gewesen wäre; nichts, was mit den Informationen in Zusammenhang steht, die mich interessieren.«

«Dann weiß ich nicht, was Sie wollen! Sie verlangen Einzelheiten, und wenn ich Details liefere, sagen Sie, die seien unwichtig.«

«Was wissen Sie über Cains… Arbeit? Sie sollten mir schon einen Grund dafür liefern, Sie schonend zu behandeln. Also wann fiel er Ihnen zum erstenmal auf? Wann wurde Carlos auf ihn aufmerksam?«

«Vor zwei Jahren«, begann Jacqueline Lavier, die Jasons Ungeduld beunruhigte und verängstigte,»erfuhr man von einem Weißen in Asien, der Mord auf Bestellung lieferte — wie Carlos. Und sein Name wurde schnell zu einem Markenbegriff für präzises Töten. Ein Botschafter wurde in Moulmein ermordet; zwei Tage später wurde ein japanischer Politiker in Tokio getötet. Eine Woche darauf kam ein Zeitungsredakteur in Hongkong ums Leben, als sein Wagen in die Luft gesprengt wurde. Und knapp achtundvierzig Stunden später erschoß man einen Bankier in einer Straße in Kalkutta. Jeden dieser Morde hat Cain begangen. «Die Frau hielt inne und versuchte, Borowskis Reaktion richtig einzuschätzen. Doch der reagierte nicht.»Verstehen Sie denn nicht? Er war überall! Bald hatte er sich einen Ruf erworben, der selbst die abgebrühtesten Killer beeindruckte. Keiner zweifelte daran, daß da ein ausgekochter Profi am Werk war, am allerwenigsten Carlos. Hellhörig geworden, wies er seine Leute an, soviel Einzelheiten wie möglich über diesen Mann zu erfahren. Carlos ahnte die Gefahr, die von diesem Mann eines Tages auch für ihn ausgehen konnte. Binnen eines Jahres sollte sich seine Vermutung bestätigen. Aus verläßlichen Quellen erfuhr er, Cain käme nach Europa und wolle Paris zu seiner Operationsbasis machen. Die Herausforderung war offensichtlich. Cain war im Begriff, Carlos zu vernichten. Er hatte den Ehrgeiz, der neue Carlos zu werden. Ihn sollte man aufsuchen, wenn man die Dienste in Anspruch nehmen wollte, die er bieten konnte. So wie Sie ihn aufgesucht haben, Monsieur.«

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