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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Michel erhob sich nicht, sondern blieb sitzen.

»Was bringt Ihr Neues, Miß Hawbury?« fragte er.

Sie antwortete schnelclass="underline"

»Man scheint Euch übernatürliche Kräfte zuzutrauen. Der Pascha möchte sich davon überzeugen. Laßt ihn den Eindruck behalten.« »Was hat er gesagt?« erkundigte sich Baba Ali.

»Er fragte, wie es dir gehe, und ich antwortete ihm, daß du Allah für jede Stunde preisest, die er dir schenkt.«

»Gut, gut«, anwortete der Janitscharenfürst.

Die draußen stehenden Soldaten lauschten gierig auf jedes Wort.

»Frage ihn, Isidolada, weshalb er mich vorhin bedroht und zwei meiner Wachen

niedergeschlagen hat.«

Isolde Hawbury übersetzte die Frage.

Michel fuhr sich nach der Stirn. Was sollte er jetzt antworten? Er sah die gespannten Gesichter der spalierbildenden Soldaten. Nur keine Blöße geben, dachte er.

Da hatte er einen glänzenden Einfall. Eigenartig, wie gute Einfälle immer zur richtigen Zeit von selber kommen, nachdem man sich vorher vergeblich das Hirn zermartert hat. Er machte ein erstauntes, ja, verblüfftes Gesicht, so daß keiner der Anwesenden seinen Gesichtsausdruck übersehen konnte.

»Wovon spricht der Daj?« fragte er mit größter Überraschung. Isolde übersetzte.

Jetzt war es an Baba Ali, verblüfft zu sein. Er ließ fragen, ob sich Michel denn nicht mehr daran erinnere, was er noch vor wenigen Minuten getan hatte.

»Ich habe die ganze Zeit über hier gesessen und diese Wasserpfeife geraucht«, erwiderte dieser erstaunt.

Der Daj sah sich um und blickte in die Gesichter seiner neugierigen Janitscharen.»Du hast hier

gesessen und geraucht? Und vorher?«

»Vorher? Vorher habe ich geschlafen, was sonst?«

»Und du hast die beiden Wachen nicht niedergeschlagen?«

»Ich? Welch eine Frage! Was für Wachen meinst du?«

»Zeige mir deine Hand. Du hattest einen Säbel an der Schneide gepackt, und deine Finger waren rot von Blut. Zeige mir deine Hand!«

Michel tat es. Da war nichts zu sehen. Nicht der kleinste Riß oder Schnitt. Der Daj trat einen Schritt zurück.

»Als du die Folterkammer verließest, gebrauchtest du einen arabischen Ausspruch. Kannst du ihn wiederholen?«

»Folterkammer? Arabischer Ausspruch? Ich verstehe dich nicht. Ich spreche kein Wort deiner verehrungswürdigen Muttersprache. Und deine Folterkammer habe ich noch nie gesehen.« Baba Ali wußte nicht, was er von der Sache halten sollte. Er stellte noch ein paar belanglose Fragen. Michel benutzte die Antwort, um der Dolmetscherin folgendes zu sagen: »Unterrichtet doch bitte meine Kameraden bei nächster Gelegenheit von diesen Vorgängen. Wenn der Daj sie verhört, so sollen sie behaupten, ich sei vom Bösen besessen und wäre dann nicht mehr bei mir selbst. Ich hätte die Macht, alles um mich herum zu vernichten, und so weiter. Die Freunde werden schon wissen, was ich meine. Seht auch zu, daß der Fürst nicht erfährt, daß Deste seine Sprache spricht, bevor dieser informiert ist.«

Isolde versprach, ihr Möglichstes zu tun, und erinnerte nochmals daran, daß Michel sie nicht vergessen möge.

Sie wohne direkt neben dem Privat- und Prunkgemach des Pascha.

Der Daj hatte nun genug. Er wußte nicht mehr aus noch ein. Da sagte Isolde:

»Wenn du gestattest, o Sayd, so will ich dir einen Vorschlag machen. Frage doch die anderen Gefangenen nach diesem Menschen aus. Dann weißt du vielleicht, woran du bist.«

Der Daj war von dem Vorschlag entzückt. Er marschierte mit seiner Sklavin wieder aus dem Raum. Diesmal ging er voran. Die Janitscharen begleiteten ihn.

Michel atmete auf und legte sich nieder, um neue Kräfte zu sammeln.

Die vier Spanier waren nicht wenig erstaunt, als die Türen aufsprangen und der Daj mit jener weißen Frau erschien, die sie schon einmal gesehen hatten.

Sie erhoben sich, machten aber keine Verbeugung. Der Daj schien heute guter Laune. Er sagte nichts und gab den ihn begleitenden Janitscharen auch keinerlei Anweisungen, die Gefangenen zu einem Gruß zu zwingen. Er sagte etwas zu seiner Sklavin, die sich darauf in spanischer Sprache an Deste wandte.

»Hört, Senor. Der Fürst möchte eingehende Kunde von den Fähigkeiten Eures Gefährten haben. Dieser trug mir auf, Euch zu sagen, daß Ihr ihm überirdische Macht zuschreiben sollt. Ich habe keine Zeit, dies jetzt zu erklären; aber Ihr werdet es dem Gespräch entnehmen. Laßt nicht merken, daß Ihr Arabisch versteht.«Der Daj schaltete sich plötzlich ein. Ein gewisses Mißtrauen schwang in seiner Stimme.

»Was hast du soviel zu erzählen? Genügt es nicht, wenn du einfach meine Fragen wiederholst, Isidolada?«

»Verzeih, Sayd, die Sprache der Spanier ist umständlicher. Außerdem weißt du, daß ich in England geboren bin. So beherrsche ich das Spanisch auch nicht wie meine Muttersprache.« »Gut. Frage die Männer, ob sie jemals gemerkt haben, daß der pfeifende Teufel besessen ist.« Isolde fragte:

»Ihr habt verstanden, was er fragte, nicht wahr, Senor Deste? — Antwortet noch nicht. Erzählt ihm, daß Euer Gefährte oft ohne Seele ist und dann nicht mehr recht weiß, was er tut. Schildert das mit Entsetzen in den Augen, damit Euch der Fürst glaubt.«

Deste war ein hervorragender Schauspieler und nickte mit angstvoll aufgerissenen Augen dem Fürsten zu. Dann sagte er:

»Ihr habt gehört, companeros, worum es geht. Jetzt spielt auch Eure Rollen gut; denn der Daj muß von der Besessenheit des Doktors überzeugt werden.«

Baba Ali hielt diese Worte für die Antwort auf seine Frage und wandte sich daraufhin an seine Sklavin. Diese meinte:

»Es stimmt, daß jener deutsche Gesandte im Pakt mit dem Teufel steht. Er ist besessen.« Deste warf mit schreckensvollen Gebärden auf spanisch dazwischen:

»Sagt dem Fürsten, Senorita, daß er diese Unterhaltung beenden soll. Wir möchten nicht darüber sprechen. Die Gefahr für unser Leben ist zu groß.« Isolde übersetzte.

Die Spanier machten jetzt Gesichter, als säße ihnen der Leibhaftige bereits im Nacken. »So weiß er wohl oft nicht, was er tut?« fragte der Daj. Deste antwortete mit lebhaften Gesten:

»Sagt ihm, daß er das nie weiß, wenn sich etwas Besonderes ereignet. Der Teufel treibt ihn dann, und er ist imstande, alles um sich herum zu vernichten. Einmal hat jemand den Silbador hinterrücks verwundet«, log Deste. »Aber die Strafe folgte auf dem Fuße. Jener Mensch konnte nicht leben und nicht sterben. Er liegt noch heute darnieder, und niemand kann ihm helfen, denn der Teufel hat ihn mit dem eiternden Aussatz geschlagen. Zuweilen haben wir selbst Furcht vor dem Silbador.«

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