Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
El Silbador - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
1 ... 66 67 68 69 70 71 72 73 74 ... 83
Перейти на страницу:

Michel packte den Daj bei der Brust und schüttelte ihn. Vor Aufregung schrie er ihn in deutscher Sprache an:

»Gib meine Kameraden frei, du verdammter Schurke, sonst schneide ich dir die Kehle durch!« Er zog ihn immer näher zu sich heran und öffnete den Mund, als wolle er ihn abermals in die Nase beißen.

Baba Ali schrie entsetzt auf.

Doch da erschienen Wachen in der Tür. Instinktiv drehte sich Michel um und hielt den Andrängenden ihren eigenen Daj als Schild entgegen.

Dann stieß er, ohne den geöffneten Mund zu schließen, ein paar durchdringende Kehllaute aus, die sich für die Umstehenden jedoch anhörten wie Pfiffe. Pfiffe, ,die jemand mit offenem Mund hervorbrachte.

Sie begannen vor dem Furchtbaren zu zittern. An ihn heran konnten sie nicht, weil der vorgehaltene, vor Schreck halb bewußtlose Daj sie daran hinderte. Michel wandte seinen Blick langsam den blutigen Leibern zu, die an den Haken hingen. Plötzlich weiteten sich seine Augen. Sein Verstand gewann die Oberhand, und seine Nerven beruhigten sich wieder.

Das waren ja gar nicht seine Kameraden, die dort gefesselt hingen! Allerdings, Weiße schienen es zu sein. Aber weder Ojo noch Deste weder Jardin noch Porquez waren zu erkennen. Der Daj kam langsam wieder zu sich und begann nun, in Michels Faust zu zappeln. Dabei stieß er eine Flut von arabischen Verwünschungen aus.

Michel wandte ihm langsam sein Gesicht zu, das jetzt wieder menschlich aussah. Er überlegte bereits, wie er sich selbst aus dieser heiklen Szene retten konnte. Sollte er aus seinem ganzen Auftreten einen Trick zu machen versuchen? Es schien die einzige Möglichkeit zu sein. Er blickte den Daj sprachlos lächelnd an, öffnete langsam seine Hand, die den Herrscher von Algier noch immer bei der Brust gepackt hielt, und ließ den erschöpften Fürsten los. Baba Ali taumelte zurück, direkt in die Arme seiner Janitscharen. Er war viel zu benommen, als daß er einen Befehl zur Festnahme des Unheimlichen, der ihn jetzt freundlich lächelnd anblickte, hätte geben können.

Michel war klug genug, die Verblüffung des Daj auszunützen. Schnell suchte er in seinem Kopf ein paar arabische Brocken zusammen, die er sich während der letzten Tage angeeignet hatte. Das einzige, was ihm einfiel, war die berühmte Preisung Allahs in Verbindung mit dem Propheten, das »Amen« oder auch »Kyrie eleison« der Araber.

»La ilaha ila Allahu wa Mohammad rasul al-mahdi«, murmelte er und machte zwei Schritte nach vorn.

Der Daj, der einen neuerlichen Angriff vermutete, wich erschrocken zur Seite. Auch die Mauer der Janitscharen öffnete sich. Und unangefochten ging Michel durch die so entstandene Lücke. Seine Schritte waren gemessen wie die eines Marabuts. Nicht ein einziges Mal blickte er sich um. Unbeirrt schlenderte er durch die hallenden Säle, bis er seinen eigenen erreichte. Dort setzte er sich auf einen Diwan nieder, zündete sich in aller Ruhe eine Wasserpfeife an und begann zu rauchen.

Den Säbel hatte er in einem unbewachten Augenblick unter der Ottomane verschwinden lassen.

Die Janitscharen und Folterknechte erwachten aus ihrer Erstarrung, als der Pfeifer verschwunden war. Der Daj räusperte sich, sah seine tapferen Wächter an, wandte den Blick wieder ab und sagte in ungewohnt mildem Ton zu den Henkern:

»Bindet diese Christenhunde los. Wir wissen ja jetzt, wo ihre Armee anmarschiert. Werft sie in den Keller und gebt ihnen zu essen.«

Ohne sich um die Janitscharen zu kümmern, die erstaunt genug waren, daß der Daj nicht seine üblichen Verwünschungen ausstieß, ging dieser in seine Gemächer. Sogar die Türen mußte er sich selbst öffnen; denn es war kein einziger Leibwächter zu sehen.

In seinem Privatgemach ließ er sich erschöpft auf seine Polster fallen und dachte eine Weile über den seltsamen Gesandten des abendländischen Königs nach. Was für ein Mensch war das? War das überhaupt ein Mensch? Er klatschte in die Hände. Hussejn trat ein.

»Erkundige dich, wie sich diese ganze Szene entwickelt hat, und erstatte mir Bericht.«

Hussejn verbeugte sich abermals.

»Ich kenne die Vorgänge bereits, Sayd.«

»Erzähle!«

Der Leibsklave schilderte eingehend, was er von den in die Flucht geschlagenen Janitscharen erfahren hatte.

Baba Ali hörte mit gemischten Gefühlen zu.

»Dieser Mann muß die Kraft eines Bären und den Mut eines Löwen besitzen«, stellte er fest. »Verzeihe, Sayd«, sagte Hussejn, »seine Wächter behaupten, er sei kein Mensch, sondern der Schejtan in Menschengestalt. Allein sein gräßliches Pfeifen ist dazu angetan, Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Als er aber mit der bloßen Hand die Schneide des Säbels packte, war diese Hand rot wie Blut. Und dennoch ist er unverletzt geblieben.« Die Soldaten hatte den Vorgang nicht richtig erfaßt. Sie hielten die rote Schärpe für eine übernatürliche Erscheinung, was die Furchtbarkeit des ganzen Auftritts nur noch unterstrich. »Unglaublich«, der Daj schüttelte den Kopf, »du sagst also, der pfeifende Teufel habe die scharfe Klinge mit der bloßen Hand fest umklammert?« »Ja, Sayd.«

»Maschallah! Hole mir Isidolada. Sie soll sofort kommen und ihren schönsten Schleier anlegen.« Hussejn verbeugte sich und ging hinaus.

Michel Baums Nerven spannten sich allmählich wieder. Er mußte ja jeden Augenblick darauf gefaßt sein, daß man Rechenschaft über sein Benehmen forderte.Bis jetzt hatte er keine Ahnung, wie er sich herausreden sollte. Er hätte sich ohrfeigen können für seine Unbeherrschtheit. Vorsichtig schob er seinen rechten Fuß unter den Diwan, auf dem er saß, und drehte den Säbel so, daß er ihn mit einem Griff erreichen konnte.

Draußen im Innenhof marschierten in diesem Augenblick dreißig oder vierzig Janitscharen auf, die samt und sonders mit Gewehren ausgerüstet waren. Teufel, dachte Michel, das hat mir gerade noch gefehlt!

Aber die Janitscharen bildeten nur ein Spalier, und hindurch schritt Baba Ali, dessen weiße Sklavin vor ihm ging.

Einer Frau den Vortritt zu lassen, ist eine Unsitte, die den kleinsten Araber in Verruf bringen würde. Und wenn es gar eine Sklavin war, so war der Mann, der das tat, gesellschaftlich nicht tragbar.

Baba Ali durchbrach diese Regel ohne Bedenken. Und es schien, daß seine Soldaten größtes Verständnis dafür hatten.

Baba Ali besuchte einen Teufel. War es nicht das Gebot Allahs, sich vor dem Schejtan zu schützen? Wie man das tat, war seine eigene Sache. Eine Sklavin aber war auf alle Fälle der sicherste Schutzschild, denn wenn der Teufel Gefallen an ihr fand, so würde er sicherlich den Herrn verschonen.

Michel wurde es heiß und kalt, als er das Mädchen auf sich zukommen sah. Baba Ali jedoch

lächelte so freundlich, so gewinnend, wie es ihm nur möglich war.

1 ... 66 67 68 69 70 71 72 73 74 ... 83
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)