Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Ich habe Hetwar gegenüber den Leoparden noch nicht erwähnt.«
Lewko runzelte die Stirn.
»Er mag keine Schwierigkeiten«, fügte Ingrey lahm hinzu.
»Was treibt Ihr für ein Spiel, Lord Ingrey?«
»Ich hätte es Euch gegenüber nicht erwähnt, wenn Hallanas Brief mich nicht dazu gezwungen hätte.«
»Ihr hättet dafür sorgen können, dass Euch das Schreiben unterwegs abhanden kommt«, entgegnete Lewko.
»Daran habe ich auch gedacht«, gestand Ingrey. »Es schien mir allerdings nur ein vorübergehender Ausweg zu sein. Doch ich könnte Euch dasselbe fragen. Mit Verlaub, Hochwürden, anscheinend geht Ihr selbst sehr frei mit Euren Regeln um.«
Lewko hielt die gespreizte Hand in die Höhe und wackelte mit den Fingern. »Man erzählt sich hinter vorgehaltener Hand, dass der Daumen deshalb dem Bastard heilig ist, weil Er mit diesem Körperteil die Waage der Gerechtigkeit herunterdrückt und Seinen Zwecken entsprechend beugt. In diesem Scherz steckt mehr Wahrheit als Witz. Und doch ist beinahe jede Regel aus irgendeiner vorherigen Katastrophe hervorgegangen. Mein Orden hat auf diese Weise eine ganze Waffenkammer voller Regeln angesammelt, Lord Ingrey. Und daraus rüsten wir uns, wie die Lage es gerade erfordert.«
Und das machte Lewko als Verbündeten und Gegner gleichermaßen unberechenbar, befand Ingrey betroffen.
Ijada blickte auf, als ein weiteres Klopfen vom Eingang her ertönte. Ingrey hielt die Luft an, in plötzlicher Furcht, dass es Wenzel sein könnte, der den Geschehnissen dieses Vormittags ebenso rasch nachging wie Lewko. Doch den Einwänden des Pförtners nach zu urteilen, die gedämpft durch die Tür zu hören waren, konnte es nicht der Graf sein. Schließlich öffnete sich die Tür, und der Pförtner verkündete furchtsam: »Ein Bote für den Gelehrten Lewko, Herr.«
»In Ordnung«, sagte Ingrey, und der Pförtner zog sich erleichtert zurück.
Ein Mann im Wappenrock von Prinz Bolesos Gefolge schob sich an ihm vorüber. Ein Dienstbote, dem Rest der Kleidung nach zu urteilen, dem fehlenden Schwert und dem unentschlossenen Auftreten. Mittleren Alters, ein wenig gebeugt, mit einem Stoppelbart. »Ich bitte um Vergebung, Hochwürden, ich muss Euch dringend …« Sein Blick fiel auf Ingrey, und in plötzlichem Erkennen riss er die Augen auf. Seine Stimme erstarb abrupt. »Oh.«
Ingrey erwiderte den Blick zuerst verständnislos. Das Blut schien in seinem Kopf zu brodeln. Dann erkannte er, dass er einen Dämon wahrnahm — den typischen Geruch nach Regen und Blitzen, der tief im Innern des Mannes seinen Ausgang nahm. Einer von Lewkos Zauberern, in Verkleidung, der seinem Herrn in irgendeiner kirchlichen Angelegenheit Bericht erstatten wollte? Nein, denn in Lewkos Gesicht zeigte sich ebenso wenig Erkennen wie bei Ingrey, auch wenn sein Körper mit einem Mal erstarrt wirkte. Er riecht den Dämon ebenfalls, oder spürt ihn auf andere Weise.
Und schließlich war es mehr die Stimme des Mannes als sein Aussehen, die den Ausschlag gab. Ingrey stellte sich das Gesicht des Dieners ohne Bart vor und elf Jahre älter. »Du!«, stieß er dann hervor.
Der Diener schnappte nach Luft.
Ingrey sprang so rasch auf, dass sein Stuhl hintenüber kippte und zu Boden polterte. Der Diener, der zurückwich, kreischte auf, wirbelte herum und floh durch die Tür, die er hinter sich zuschlug.
»Ingrey, was …«, begann Ijada.
»Es ist Cumril!«, rief Ingrey ihr zu und nahm die Verfolgung auf.
Bis Ingrey beide Türen wieder geöffnet hatte und auf der Straße stand, war der Mann bereits hinter der nächsten Ecke verschwunden. Doch der Klang seiner raschen Schritte und die verwunderten Blicke der Vorübergehenden verrieten Ingrey, in welche Richtung er gelaufen war. Er warf den Mantel zurück, legte die Hand auf das Schwert und rannte hinterher. Er umrundete die Ecke gerade rechtzeitig, um Cumril noch zu erblicken. Der bog nach einem verängstigten Blick über die Schulter in eine Seitenstraße ab. Ingrey folgte ihm und beschleunigte seine Schritte. Wer würde diesen Wettlauf gewinnen? Jugend und Zorn oder mittleres Alter und panische Furcht?
Der Mann ist ein Zauberer. Was in fünf Götter Namen will ich überhaupt tun, wenn ich ihn erwische? Ingrey biss die Zähne zusammen und schob diese Frage zur Seite, während er allmählich aufholte. Schließlich streckte die Hand nach Cumrils Kragen aus, griff zu, riss den Mann zurück, wirbelte ihn herum und rammte ihn mit einem dumpfen Schlag gegen die nächste Wand. Er selbst rückte nach und hielt ihn durch das Gewicht seines Leibes und den zornig lodernden Blick an Ort und Stelle fest.
Cumril keuchte und winselte: »Nein, nein, Hilfe …!«
»Verzaubere mich doch. Warum zögerst du?«, knurrte Ingrey. Zauberer und Schamanen, hatte Wenzel erklärt, waren von alters her Rivalen um die Macht. Mit den vernebelten Überresten seines Verstandes fragte sich Ingrey, wer von beiden der Stärkere war und ob er es bald herausfinden würde.
»Ich wage es nicht! Er wird wieder emporsteigen und mich erneut zum Sklaven machen.«
Diese Antwort war eigenartig genug, um Ingrey aufhorchen zu lassen. Der Griff seiner Hand, die nun Cumrils Kehle umschloss, lockerte sich ein wenig. »Was?«
»Der Dämon wird mich w-wieder ergreifen, wenn ich ihn r-rufe«, stotterte Cumril. »Ihr müsst … müsst … müsst keine Angst vor mir haben, Lord Ingrey.«
»Bei den Leiden meines Vaters, ich kann nicht dasselbe versprechen!«
Cumril schluckte und blickte beiseite. »Ich w-weiß.«
Ingrey lockerte seinen Griff noch mehr. »Warum bist du hier?«
»Ich bin dem Geistlichen gefolgt. Vom Tempel. Ich habe ihn bei der Bestattung gesehen. Ich wollte … wollte versuchen … Ich hatte vor, mich ihm zu stellen. Ich hatte nicht mit Euch gerechnet.«
Ingrey trat zurück und blickte grimmig. »Nun, dagegen habe ich nichts einzuwenden. Dann komm mit.«
Nur für alle Fälle hielt er weiterhin Cumrils Arm umklammert, während er ihn zu dem schmalen Haus zurückgeleitete. Cumril war bleich und zitterte, doch sein erster Schrecken schien sich allmählich zu legen. Als Ingrey ihn in die Stube stieß und die Tür hinter ihm wieder zufallen ließ, hatte Cumril sich weit genug erholt, um ihm einen verärgerten Blick zuzuwerfen, bevor er seinen Wappenrock glättete und vor Lewko trat.
»Hochwürden. Gesegneter. Ich … ich … ich …«
Lewko beobachtete ihn aufmerksam. Er wies auf Ingreys leeren Stuhl, den Ijada wieder hinstellte. »Setz dich … Cumril, nicht wahr?«
»Ja, Hochwürden.« Cumril ließ sich auf dem Stuhl niedersinken. Ijada kehrte an ihren eigenen Platz zurück. Ingrey bezog mit verschränkten Armen an der Wand Aufstellung.
Lewko drückte die Handfläche gegen Cumrils Stirn. Ingrey hatte keine Ahnung, was zwischen den beiden vor sich ging, doch Cumril entspannte sich, und der Geruch des Dämons ließ nach. Seine heftigen Atemzüge wurden ruhiger, und sein Blick, der im Raum umherschweifte, zeugte davon, dass eine unsichtbare Last von ihm genommen war.
»Gehörst du wirklich zu Bolesos Gefolge?«, fragte Ingrey und nickte in Richtung des Wappenrockes.
Cumrils Augen richteten sich wieder auf Ingrey. »Ja. Besser gesagt, ich gehörte. Er … er … er hat mich als seinen Dienstboten ausgegeben.«
»Du warst also dieser abtrünnige Zauberer, der ihm bei seinen verbotenen Ritualen geholfen hat! Es wurde bereits vermutet, dass es einen solchen geben müsste. Aber ich habe dich nie auf Keilerkopf gesehen.«
»Nein. Ich habe sehr genau darauf geachtet, dass Ihr … Ihr das nicht tut.« Cumril schluckte. »Ritter Ulkra und der Rest des Haushalts sind gestern Abend hier eingetroffen. Es war für mich die einzige Möglichkeit, nach Ostheim zu gelangen. Ich … ich konnte nicht früher kommen.« Der letzte Satz schien an Lewko gerichtet zu sein.
»Weiß sonst noch jemand aus Bolesos Haushalt, wer du wirklich bist?«, wollte Ingrey wissen.