Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Ich verstehe Wenzel nicht«, fuhr Ijada fort. »Aber es hörte sich für mich nach der Wahrheit an. Es hallte in meinem Innersten wider. Ein großes Ritual, bei dem die Totemkrieger an das Weald selbst gebunden wurden, um von dessen Lebenskraft zu zehren, bis der Sieg errungen war.« Ein erschütterter und erschütternder Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht. »Aber sie errangen niemals den Sieg, nicht wahr? Und das Weald, das schließlich zurückkehrte, war nicht mehr das, welches sie verloren hatten, sondern etwas Neues. Wenzel nannte es einen Verrat, obwohl ich es nicht so sehen kann. Es war nicht mehr ihre Welt, und es stand ihnen nicht mehr zu, diese Wahl zu treffen.«
Ein Klopfen erklang an der Eingangstür des schmalen Hauses. Ingrey zuckte überrascht zusammen. Die schleppenden Schritte des Pförtners waren zu hören, dann geflüsterte Stimmen. Die Worte waren durch die Wände hindurch nicht zu verstehen, doch der Tonfall klang protestierend. Ingreys Zähne schmerzten, so fest biss er sie aus Ärger über diese ungelegene Störung zusammen. Was nun?
Kapitel Fünfzehn
Die Stubentür erbebte unter einem hastigen Klopfen und flog dann auf. Die Stimme des Pförtners drang aus der Diele herein: »Nein, Hochwürden, Ihr dürft dort nicht eintreten! Der Wolfsherr hat es uns …«
Der Gelehrte Lewko trat ein, zog entschlossen die Tür hinter sich zu und sperrte das aufgeregte Geplapper des Pförtners aus. Er war genau so gekleidet, wie Ingrey ihn früher an diesem Morgen gesehen hatte, in den weißen Roben seines Ordens; ein wenig sauberer und neuer als diejenigen, die er in seiner Schreibstube getragen hatte, aber immer noch ohne jedes Rangabzeichen. Unauffällig, vor dem geschäftigen Hintergrund der Tempelstadt gewiss nahezu unsichtbar. Er schnaufte zwar nicht, doch sein Gesicht war gerötet, als wäre er in der Mittagshitze eilig ausgeschritten. Nun hielt er inne, um seine Gewänder glatt zu streichen und wieder zu Atem zu kommen. Sein Blick ruhte auf Ingrey und Ijada und wirkte durchdringend und beunruhigt zugleich.
»Ich bin nur ein minderer Heiliger«, sagte er schließlich und schlug das heilige Zeichen. Auf dem Herzen verweilten seine Finger besonders lang. »Aber das war nicht zu übersehen!«
Ingrey befeuchtete sich die Lippen: »Wie viele andere haben es sonst noch gesehen? Wisst Ihr das?«
»Soweit ich weiß, war ich dort der Einzige mit dem zweiten Gesicht.« Er neigte den Kopf. »Oder wisst Ihr mehr?«
Wenzel. Wenn Lewko etwas mitbekommen hatte, konnte es Wenzel kaum entgangen sein. »Ich bin mir nicht sicher.«
Lewko rümpfte die Nase.
Zaghaft warf Ijada ein: »Ingrey …?«
»Oh.« Ingrey sprang auf, um den Besucher vorzustellen, und war froh, sich in Höflichkeiten flüchten zu können: »Lady Ijada, das ist der Gelehrte Lewko. Ich habe … äh, euch schon voneinander erzählt. Hochwürden, wenn Ihr Platz nehmen wollt …?« Er schob den dritten Stuhl zurecht. »Wir haben Euch bereits erwartet.«
»Ich fürchte, ich kann über Euch nicht dasselbe sagen.« Wieder schlug Lewko das heilige Zeichen und ließ sich auf den Stuhl sinken. Kurz fächerte er sich mit der Hand Luft zu. »Ehrlich gesagt, überrascht Ihr mich von Stunde zu Stunde mehr.«
Ingrey nahm diese Worte mit einem knappen Lächeln auf, während er sich wieder neben Ijada setzte. »Mich selbst ebenfalls. Ich wusste nicht … wollte nicht … Was habt Ihr gesehen? Von Eurer Seite aus?«
Lewko atmete tief durch. »Als die Tiere zum ersten Mal zur Bahre des Prinzen geführt wurden, befürchtete ich ein unklares Ergebnis. So etwas versuchen wir zu vermeiden. Es ist eine große Belastung für die Angehörigen. In diesem Fall sogar verhängnisvoll. Normalerweise haben die Akolythen, die als Hüter der heiligen Tiere dienen, die Anweisung, um der Klarheit willen die Hinweise ihrer Schützlinge zu verstärken. Verstärken, wohlgemerkt, nicht etwa beeinflussen oder verfälschen.
Ich fürchte, durch diese Praxis wurde der ein oder andere in die Irre geleitet, und das führte dann zu dem Schwindel vorgestern. Jedenfalls deuten unsere nachfolgenden Untersuchungen darauf hin. Keine der Kirchen war sonderlich begeistert, dass dies nicht der erste Fall in letzter Zeit gewesen war, da Mitarbeiter des Tempels sich von weltlichen Gütern bestechen oder von Drohungen einschüchtern ließen. Solche Korruption breitet sich immer mehr aus, wenn man ihr nicht beizeiten Einhalt gebietet.«
»Fürchten diese Leute denn nicht den Zorn ihrer Götter?«, fragte Ijada.
»Selbst der Zorn der Götter bedarf eines menschlichen Gegenstücks, in dem er sich manifestieren kann.« Lewkos Blick ruhte prüfend auf Ingrey. »Und was den Zorn der Götter angeht, war Euer Auftritt äußerst effektvoll, Lord Ingrey. Noch nie habe ich erlebt, dass eine Verschwörung sich so schnell auflöst und die Beteiligten es derart eilig mit ihren Geständnissen haben.«
»Stets zu Diensten«, knurrte Ingrey. Er zögerte. »Heute Morgen war das zweite Mal. Der zweite Gott, der … dem ich über den Weg gelaufen bin, innerhalb von zwei Tagen. Der Eisbär erscheint mir nur noch ein Vorspiel … Euer Gott war dabei zugegen, in dieser vermaledeiten Bestie.«
»Das sollte Er auch sein, bei einem Bestattungswunder, wenn es mit rechten Dingen zugeht.«
»Ich habe eine Stimme in meinen Gedanken gehört, als ich dem Bären gegenüberstand.«
Lewko erstarrte. »Was hat sie gesagt? Könnt Ihr Euch genau daran erinnern?«
»Ich kann es kaum vergessen. Wie ich sehe, hat der Welpe meines Bruders sich entwickelt. Gut. Mach ruhig weiter. Und dann lachte die Stimme.« Gereizt fügte Ingrey hinzu: »Das war nicht sonderlich hilfreich.« Dann, ruhiger: »Es hat mir Angst gemacht. Jetzt glaube ich, ich war noch nicht ängstlich genug.«
Lewko lehnte sich zurück und stieß den Atem durch die geschürzten Lippen hervor.
»War es Euer Gott in dem Bären? Was meint Ihr?«, stocherte Ingrey.
»Oh«, Lewko wedelte mit den Händen, »mit Sicherheit! Die Anzeichen für die Geheiligte Anwesenheit des Bastards sind meist unverwechselbar, zumindest für diejenigen, die Ihn kennen. Das Geschrei, der Zank, Menschen, die im Kreis herumlaufen … es fehlte nur noch, dass irgendetwas in Flammen aufging. Und einen Augenblick war ich mir nicht sicher, ob Ihr dafür nicht auch noch Sorge tragen würdet.« Tröstend fügte er hinzu: »Nun, die Verbrennungen des Akolythen dürften in ein paar Tagen verheilt sein. Er hat es nicht gewagt, sich über diese Bestrafung zu beschweren.«
Ijada runzelte die Stirn.
Ingrey räusperte sich. »Aber heute Morgen war es nicht Euer Gott.«
»Nein. Zum Glück, würde ich sagen. War es der Herbstsohn?
Ich habe nur die Aufregung an der Wand mitbekommen, als Ihr zusammengebrochen seid … eine Präsenz gefühlt und ein kurzes Aufblitzen wie von orangerotem Feuer gesehen, als das Fohlen letztendlich doch den Leichnam angenommen hat. Aber ich habe es nicht mit den Augen gesehen, wenn Ihr versteht.«
»Ich verstehe es jetzt«, seufzte Ingrey. »Ijada war auch dabei. In meiner Vision.«
Lewkos Kopf fuhr herum.
»Lasst sie davon berichten«, fuhr Ingrey fort. »Ich glaube, es war ihr … ihr Wunder.« Und nicht das meine.
»Ihr beide hattet diese Vision gemeinsam?«, rief Lewko überrascht. »Erzählt mir davon!«
Sie nickte und schaute Lewko einen Augenblick an, als müsse sie darüber nachdenken, wie weit sie ihm vertrauen konnte. Dann sah sie wieder zu Ingrey hinüber und begann: »Ich wurde völlig überrascht. Ich hielt mich hier im Haus auf, in meinem Gemach im Obergeschoss. Mir war seltsam zumute und heiß, und ich spürte noch, wie ich zu Boden sank. Meine Zofe glaubte, dass ich ohnmächtig geworden sei, und hob mich ins Bett. Beim ersten Mal, in Rottwall, war ich mir meiner körperlichen Umgebung noch stärker bewusst, aber diesmal … Ich ging vollständig in dieser Vision auf. Als Erstes sah ich Ingrey. Er trug sein höfisches Gewand … das, was er jetzt auch anhat, aber ich hatte es bis dahin noch nie gesehen.« Sie hielt inne und betrachtete seine Kleidung, als wolle sie noch etwas dazu anmerken. Dann aber schüttelte sie den Kopf und fuhr fort: »Sein Wolf folgte ihm auf dem Fuße. Groß und dunkel, aber auch sehr hübsch! Ich war über eine Kette aus Blumen mit meinem Leoparden verbunden, und er zog mich mit sich. Und dann trat der Gott unter den Bäumen hervor.«