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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Ingrey richtete sich auf und griff nach ihren Händen wie sie nach den seinen. »Hast du …«

»Ich habe gesehen …«

»Komm!« Er zog sie mit sich in den Salon. »Lasst uns allein!«, rief er über die Schulter zurück. Der Pförtner, sein Junge, Zofe und Dienstmädchen — sie alle stoben davon wie Blätter vor einem Windstoß. Ingrey schlug die Tür zu.

Sie fielen einander in die Arme, doch sie waren mehr von Grauen erfüllt als von einem Gefühle der Romantik. Ingrey wusste nicht, wer von ihnen beiden heftiger zitterte. »Was hast du gesehen?«

»Ich habe Ihn gesehen, Ingrey, ich habe Ihn gehört. Kein Traum diesmal, nicht nur ein Duft in der Dunkelheit … eine klare Vision im hellen Tageslicht.« Sie schob ihn von sich und blickte ihm ins Gesicht. »Und ich habe dich gesehen.« Ihr Gesicht nahm einen ungläubigen Ausdruck an, auch wenn dieser Unglaube offensichtlich nicht der Vision galt. »Du hast einem Gott von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden, und dir ist nichts Besseres eingefallen, als mit Ihm zu streiten!« Sie packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn. »Ingrey!«

»Er hat Boleso …«

»Ich habe es gesehen! Ach, dank der Gnade des Sohnes wurde meine Sünde von mir genommen.« Tränen liefen ihr übers Gesicht. »Auch durch deine Gnade, Ingrey. Ach, solch eine Tat …« Sie küsste sein Wangen, seine heiße Stirn, seine Lider.

Er rückte ein wenig von ihr ab und stieß zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor: »So etwas tue ich nicht. Solche Dinge geschehen mir nicht!«

Sie starrte ihn an. »Sie geschehen dir ziemlich häufig, würde ich sagen.«

»Nein! Ja … Götter! Ich fühle mich wie ein spiritueller Blitzableiter in der Mitte eines Gewitters. Wunder … ich muss mich von den Wundern der Bestattungszeremonien fern halten. Sie ducken sich von ihren Zielen fort und fallen über mich her. Ich bin nicht, ich kann nicht …«

Sie drückte mit der linken Hand seine Rechte und blickte nach unten. »Oh!«

Sein Verband war wieder einmal blutdurchtränkt. Wortlos wandte sie sich der Anrichte zu, stöberte kurz in einer Schublade und brachte eine Leinenbandage zum Vorschein. »Komm, setz dich.« Sie führte ihn zum Tisch, entfernte den roten Fetzen von der Hand und umwickelte sie straffer.

»Du solltest einen Heilkundigen einen Blick darauf werfen lassen«, stellte sie fest und verknotete den Verband. »Das ist nicht in Ordnung so.«

»Da kann ich dir nicht widersprechen.«

Sie beugte sich vor und wischte eine schweißgetränkte Haarsträhne aus seiner Stirn. Ihr Blick suchte etwas in seinem Gesicht, doch er wusste nicht was. Ihre Züge wurden weicher. »Ich habe Boleso vielleicht ermordet …«

»Nein, nur getötet.«

»Aber dank deiner Hilfe habe ich zumindest nicht die Verdammnis seiner Seele auf mich geladen. Das ist doch etwas. Und nichts Geringes.«

»Nun ja, wenn du meinst.« Für sie, zumindest. Wenn seine Taten Ijada etwas bedeuteten, hatte es sich vielleicht doch gelohnt. Ijada und der Sohn. »Das war es also. Der Grund, aus dem wir hierher gejagt wurden. Bolesos unverdiente Erlösung. Wir haben dem Willen des Gottes Genüge getan, und nun ist es vorbei. Wir sind wieder unserem eigenen Schicksal überlassen.«

Ihre Mundwinkel hoben sich. »Das ist wieder typisch Ingrey. Immer nur das Schlechte sehen.«

»Irgendwer muss doch vernünftig bleiben inmitten all dieses Wahnsinns.«

Nun hob sie auch noch die Brauen. Sie lachte ihn aus! »Vollkommene Düsternis und Trostlosigkeit ist nicht eben das Ergebnis von Vernunft. Auch die anderen Farben sind wirklich. Es war auch meine unverdiente Erlösung.«

Eigentlich hätte er sich gekränkt fühlen sollen und nicht von ihrem Lachen getragen, wie bei einem Bad in einer heißen, sprudelnden Quelle.

Sie atmete durch. »Ingrey! Wenn schon die Gefangenschaft einer einzigen Seele, die von einem Tiergeist in der materiellen Welt festgehalten wird, den Göttern so viel Schmerz bereitet, dass sie ein Wunder formen, mit so unwahrscheinlichen Helfern wie uns — was müssen viertausend solcher Seelen dann für sie bedeuten?«

»Du denkst an den Wehen Wald? An deinen Traum?«

»Ich glaube nicht, dass wir schon fertig sind. Ich glaube, wir haben noch nicht einmal richtig angefangen

Ingrey befeuchtete sich die Lippen. Er konnte ihrem Gedankengang folgen, o ja. Er wünschte, es würde ihm nicht so leicht fallen. Wenn schon die Befreiung einer einzigen solchen Seele für ihn eine so entsetzliche Erfahrung gewesen war … »Und das werden wir auch nicht, wenn ich verbrannt werde und du aufgehängt. Ich will nicht sagen, dass du Unrecht hast. Aber immer schön der Reihe nach!«

In leidenschaftlichem Widerspruch schüttelte sie den Kopf. »Ich verstehe immer noch nicht, was von mir gewünscht wird. Aber ich habe gesehen, was von dir erwünscht ist! Wenn dein erhabener Wolf dich zu einem wahren Schamanen des Weald macht, den allerletzten — und das hat die Stimme des Gottes selbst so verkündet —, bist du allerdings ihre letzte Hoffnung. Die Seelen der Männer, die auf dem Blutfeld fielen, wurden niemals geläutert, niemals von ihren Tiergeistern befreit Wir müssen dorthin.«

Er drückte ihre Hände. »Leider stehen dem noch einige Hindernisse entgegen. Du wurdest in Gewahrsam genommen und stehst vor einem Prozess, und ich bin für deinen Verbleib verantwortlich.«

»Du hattest mir vorher schon angeboten, mir bei der Flucht zu helfen. Und jetzt weiß ich, wohin ich mich wenden muss! Verstehst du das nicht?« Ihre Augen loderten.

»Und was dann? Man würde uns verfolgen und zurückschaffen, bevor wir irgendetwas erreichen können. Dein Fall stünde noch schlechter als zuvor, und ich wäre von dir getrennt. Wir sollten zuerst unsere Probleme in Ostheim klären und dann aufbrechen. Wenn deine Krieger schon seit vierhundert Jahren auf dich warten, können sie gewiss auch noch ein wenig länger ausharren.«

»Können sie das?« Nachdenklich kniff sie die Augenbrauen zusammen. »Weißt du das? Woher?«

»Wir müssen uns immer nur ein einziges Problem vornehmen, und das drängendste zuerst.«

Sie legte die Rechte auf ihr Herz. »Für mich fühlt sich das sehr drängend an.«

Ingrey biss die Zähne zusammen. Nur weil sie leidenschaftlich, schön und liebevoll war — und von den Götter berührt —, hieß das noch lange nicht, dass sie immer Recht hatte.

Mehr als nur von den Göttern berührt. Durch wundersames göttliches Eingreifen erlöst. Kein Wunder, dass sie in diesem Augenblick förmlich in Flammen zu stehen schien. In ihrem Glanz drohte er dahinzuschmelzen.

Doch erlöst war nur ihre Seele von ihren Sünden. Ihr Leib und ihr Verbrechen waren noch immer der Welt der Materie und der Politik von Ostheim ausgeliefert. Wozu immer er ausersehen war — gewiss sollte er ihr nicht bei jedem törichten Einfall hinterherlaufen.

Er holte Atem. »Ich habe deinen Traum von den Wäldern nicht geträumt. Ich habe nur deine lebhafte Beschreibung dieses Vorgangs als Anleitung. Geister schwinden dahin, wenn sie nicht mehr von ihren früheren, lebenden Leibern zehren können. Warum ist das bei diesen hier nicht der Fall? Glaubst du, dass sie seit vierhundert Jahren in diesen verdammten Bäumen feststecken?«

Er hatte es halb als Scherz gemeint, doch sie nahm es vollkommen ernst. »Ich glaube schon. Oder etwas in der Art. Irgendetwas Lebendiges muss sie in der materiellen Welt unterhalten. Erinnerst du dich, was Wenzel erzählt hat? Über das große Ritual, das von Audar unterbrochen wurde?«

»Ich habe kein großes Vertrauen in Wenzels Worte.«

Sie bedachte ihn mit einem zweifelnden Blick. »Er ist dein Vetter.«

Ingrey wusste nicht, ob dies als Argument für oder gegen den Grafen gemeint war.

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